Einzelbild herunterladen
 

ollst-« für l«8« iter a Expch [300

2 Uhi Eise»

INokt

Statik

lee,

trft, rft,

t, en,

äsen

iit

rtc

'«echt

ifteie

in lei [305! en

:n cw iffcrta Herr« rotier

nn,

ler [304i i vn d. Ä

a, u,

lt

n<l

Ät. Ü6».

Marburg, Mittwoch, 12. November 1879

XIV. Mrgang

Lar eigen nimmt emgegea: »je Sxpkdttio« d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureaur von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Tb. Metrich in Frankfurt a.M.; gsenstein & Bögler in ilfurt a M., Berlin, zig. LSln 2t.; Rudolf Mfse bi Berlin, Frank­furt a. M. ic.

OiikchcUhk jfitiiiiii

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d Annoncen-Bureaux von G- L- Daube L Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalibendank in Berlin; zB. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint tägluh außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS SonntaaSblatt" durch die Ervedition iKock'icke Buchdruaerei) bezogen 2a Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene 3ede 10 ®fa * **

Itir tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. V*9"

Tagesbericht.

Das Eintreffen des russischen Thronfolgers in Berlin ist für frühestens Donnerstag nicht für Montag angesagt, Der Kaiser hat für die durch die Feuersbrunst in der Gemeinde Traben Verunglückten und Beschädigten 1000 Mk. bewilligt, welche durch Hofrath Borck dem Minister des Innern Graf Eulenburg übermittelt worden sind. Für die Ueberschwemmten in der spanischen Provinz Murcia hat der Kaiser den Betrag von 10,000 Mark ge­spendet, und ist der Vorsitzende des berliner Hülfscomite's für die Ueberschwemmten in Spanien, Fürst zu Carolath- Beuthen, von dieser kaiserlichen Spende mit einem Schreiben des Ministers des kaiserlichen Hauses, Graf von Schleinitz, benachrichtigt worden.

Zum Nothstand in Oberschlesien ist zu berichten: Der Königl. Landrath des Kreises Gleiwitz hat, wie der Schles. Ztg." geschrieben wird, die Kreistagsabgeordneten auf den 11. d. M. zu einer Sitzung des Kreistags einge­laden und in der betr. Zuschrift Nachstehendes bemerkt: Das Mißrathen des Hauptnahrungsmittels der Diehrzahl der Kreiseingesessenen, der Kartoffel, in Verbindung mit dem theilweise ungünstigen Ausfälle der Getreide- rc. Ernte läßt den Ausbruch eines allgemeinen Nothstandes im Kreise und im Gefolge desselben den allgemeinen Ausbruch typhöser Krankheiten befürchten, wenn nicht alsbald mit geeigneten Mitteln der drohenden Gefahr entgegengetreten wird. In Erkennnung derselben Gefahr ist die Königl. Regierung in Oppeln mit der Königl. Direktion der Ober­schlesischen Eisenbahn in Verbindung getreten und hat von derselben die Herabsetzung des Frachttarifs für den Bahn­transport von Kartoffeln für die Hülfsbedürftigen nach dm bedrohten Gegenden, zunächst nach den Stationen der Obcrschlestschen Eisenbahn zwischen Kosel-Kandrzin und Oswiecim, bezw. Tarnowitz rc. auf die Hälfte erlangt. Die Königl. Regierung schlägt nun vor, auf den im Ge­biete der Frachtermäßigung liegenden Bahnstationen Per­sonen mit der Lieferung von Kartoffeln und dem Wieder­verkäufe derselben zum Selbstkostenpreise an die durch be- ^rdliche Bescheinigung legitimirten Bedürftigen auf ihre eigene Rechnung und Gefahr, zu betrauen und denselben als Belohnung hierfür einen zu vereinbarenden Betrag pro Gentner der an die Bedürftigen verkauften Kartoffeln zu­gewähren, welche Entschädigung auf bereite Mittel des Kreises übernommen, event. aus dem Bestände der dem Kreise überwiesenen Nothstandsgelder resp. Wassercollecten- fonds gezahlt werden soll. Der Kreisauschuß hat sich iu seiner Sitzung vom 29. Oktober für die Ablehnung dieses Vorschlages erklärt, weil die vorgeschlagene Maßregel nicht geeignet erscheint, einem Nothstande Abhülfe zu schaffen, und ebenso hat die Kreiscommisston zur Verwaltung des

Nothstandsgelderfonds die Uebernahme der zu gewährenden Entschädigung für den Kartoffelbau auf diesen Fond, als den Bestimmungen und Zwecken desselben widersprechend, abgelehnt. Dagegen hat der Kreisausschuß beschlossen, dem Kreistage folgende Anträge vorzulegen: In sicherer Erwartung der zu erbittenden Staatshülfe dem Kreisaus- schusse zur sofortigen Beseitigung der hervortretenden Uebel- stände und resp. zur Verhinderung eines Nothstandes vor­läufig vorschußweise den Betrag von 30,000 Mark, und Mar 10,000 Mark aus dem Nothstandsgelderfono und 20,000 Mark aus dem Reservefono zur Disposition zu stellen und denselben zu ermächtigen, bis zur Höhe dieses Betrages die nothwendigen Lebensmittel rc. zu beschaffen, welche den Bedürftigen entweder unentgeltlich oder zu herabgesetzten Preisen zu überlassen sein werden. Ferner bei der Kgl. Regierung den Antrag auf Gewährung einer Staatshülfe von 300,000 Mk. zur Beseitigung und resp. Verhinderung eines Nothstandes zu stellen, aus welcher die geleisteten Vorschüsse zu erstatten sind." Nach der Berliner Zeitung" hat im Austrag Bismarcks dessen Güterdirektor von der Moskauer Commerzbank fämmtliche in Orel aufgespeichert gewesenen Getteide-Vorräthe ange- kauft und soll die Moskauer Bank den Ankauf weiter an­langender Zufuhren vermitteln. Diese Maßregel soll in Bezug aus den Nothstand in Oberschleflen getroffen wor­den sein.

Der Besuch, welchen der König und die Königin von Italien dem deutschen Kronprinzenpaar in Pegli zu machen beabsichtigen, hat, wie der Pol. Corr, aus Rom geschrieben wirg, in Folge des letzten Unwohlseins des Königs einen Aufschub erleiden müssen. Der König, welcher an einen rheumatisch-gastrischen Fieber erkrankt war, hat zwar das Bett bereits verlassen dürfen, muß sich aber dem ernsten Rache der Aerzte zufolge die größte Schonung auferlegen, um eine Wiederkehr des kaum verscheuchten Fiebers zu vermeiden.

Meldungen derPolit. Corresp." Aus Cettinje: der Adjutant des Fürsten von Bulgarien, Oluviev, ist hier eingetroffen zur Ueberbringung eines eigenhändigen Schrei­bens seines Fürsten an den Fürsten von Montenegro. Dem Vernehmen nach stellt ersterer Fürst seinen Besuch in Cet­tinje für Frühjahr in Aussicht. Aus Belgrad: zwischen Italien und Serbien ist eine Consular-Convention abge­schlossen, wonach Italien aus die bisher im Verhältniß zu Serbien geltenden Capitulationen verzichtet.

Deutsches Reich.

** Berlin, 10. November. Die Ausschüsse des Bundesraths für Verfassung und für Rechnungswesen haben sich einstimmig dahin erklärt, daß die Etatperiode des Reichs

statt einer einjährigen eine zweijährige wird. In Betreff einiger anderen Punkte der betreffenden Präsidialvorlage macht sich eine geringe Meinungsverschiedenheit geltend; jedoch kamen die Ausschüsse zu dem Beschluß, den Gesetz­entwurf, welcher Aenderungen in der Verfassung bezweckt, dem Bundesrath so zu empfehlen, wie demselben die Vor­lage zugegangeit ist. In Betreff der Ausführung des Gesetzes über die -Statistik des auswärtigen Waarenverkehrs haben die mit der Vorberathung dieses Gegenstandes be­trauten Bundesrathsausschüsse ihre Ansicht dahin abgegeben, daß die Vorarbeitung des von den Hauptzollämtern ge­sammelten Materials der statistischen Centralstelle des Reichs obliegen müsse, da eine Mehrbelastung der Hauptzollämter durch diese statistischen Arbeiten nicht angänglich sei. Bekanntlich werden gewöhnlich im Laufe des Oktober die Specialetats der einzelnen Dienstzweige der Reichsbehördeu dem Reichskanzleramt zur Prüfung und weiteren Bear­beitung sowie zur Einfügung in den allgemeinen Reichs­haushaltsetat übergeben. Es erfolgen alsdann die kommis­sarischen Berathungen, welche der Feststellung voraufgehen müssen. Auch in diesem Jahae wird dieselbe Praxis geübt, nur mit dem Unterschied, daß die Etats zunächst an das Rcichsschatzamt gegangen sind. Die kommissarischen Be­rathungen haben noch nicht stattgefunden. Es kann daher von einem Ueberblick über den Hauptetat bis jetzt noch nicht gesprochen werden, wie es von Seiten einzelner Blätter geschehen ist. Ebenso ist die Nachricht derBreslauer Zeitung" von einer erheblichen Mehrforderung im Militär- etat als unrichtig zu bezeichnen. In Ergänzung der früheren Mittheilung, daß ein Gesetzentwurf zur Regelung der Pensionsverhältnisfe der Hinterbliebenen der Reichs­beamten in Vorbereitung fei und dem Reichstag in der nächsten Session vorgelegt werden solle, kann heute mitge- theilt werden, daß der Entwurf vor Kurzem serttggestellt ist und nunmehr an die betreffenden Ressorts zur Begut­achtung gehen wird. Nach Mittheilung aus Kairo haben im Oktober die Präsidentenwahlen für die gemischten Ge­richte Egyptens stattgefunden. Es wurden für den Appell­hof in Alexandrien der österreichische Generalbevollmächtigte Lappenna und für das Tribunal in Kairo der deutsche Bevollmächtigte Hagens zu Präsidenlm gewählt. Es ist dies übrigens die letzte derartige Wahl gewesen, da mit dem Oktober 1880 die auf fünf Jahre berechnete Wirk­samkeit der gemischten Gerichte abläuft.

Effea, 6. Novbr. Im Anschlüsse an die am 29. in Dortmund in Betreff einer gemeinsamen Reduction der Förderung gefaßten Bcschlüffe haben die Vertreter der Fetlkohlenzechen in einer gestern abgehaltenen Sitzung be­schlossen, bei neuen Abschlüfsen eine Erhöhung der Preise von mindestens 15 pCt. für Kohlen und von etwa 10 pCt. für Cokes sofort eintreten zu lassen.

Hamburg, 10. Nov. Die Direktion der Rheinischen

b eb«

er.

c.

1 Hfl-

rdeip ch z»

ceö li 3O3i

Montarbas hatte in den letzten Wochen so vielerlei im Kopfe, daß er keine Zeit fand, Nachforschungen nach Su­sannen anzustellen und Leonie verspütte auch keine Lust i>azu. Sie war nur glücklich, daß Montarbas so viel ÄÄeresse für die Revolution entwickelte; sie war in Allem 'Eine rechte Hand und mehr als einmal fand er Gelegen­heit, ihren Muth und ihren klaren Kopf zu bewundern. Dabei war sie seine gehorsame, unterwürfige Sklavin; glücklich, wenn er ihr nur einen Brosamen von Zärtlichkeit Anwars und dankbar für jedes noch so gleichgiltige Wort. Gr wußte, daß er sich unbedingt auf sie verlaffen konnte u»d daß sie mit ihrer Partei jederzeit seines leisesten Winkes gewärtig »ar. Ein bis zweitausend Räuber und lüns bis sechshundert Fischweiber, Teufelinnen an Muth

Rohheit, warm ihre geschworenm Anhänger und sie ?u6te, daß sie im Fall der Noch diese Anzahl verdrei- Men konnte.

I« de« Woge« der Revolntioa.

Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.

(Fortsetzung.)

Zwanzigstes Kapitel.

Unter der rothen Fahne.

kaffel 79.

. 6V 6*,S 9 41- 91,31

Montarbas hatte eine kleine Wohnung im Innern «er Stadt bezogen und lebte hier auf Kostm des Central- ^mites in gewohnter Eleganz. Er verfügte sich leinen V Genüsse, welche für Geld zu haben sind, und verkehrte aiit den Häuptern der Revolutionspartei, wie mit Seines­gleichen. Leonie hatte freien Zutritt bei ihm und sie machte fleißig

von dieser Vergünsttgung Gebrauch, wenn auch '"ehr zu ihrer eigenen, als zu des Grafen Bkfttedigung.

Auch heute wieder suchte sie ihn auf und fand ihn

eifrig mit Schreiben befchäftigt. Neben ihm stand eine gefüllte Taffe und vor ihm lagen ein paar Pistolen. Er blickte kaum aus, als sie einttat und nickte nur nachlässig, als sie rief:Tausend Dank, Arnold, daß Du mich dazu ausersehen hast, an der Spitze der Bewegung zu stehen!"

Ja, Du wirst Dich gut auf diesem Posten ausnehmen," warf er gleichgiltig hin;Du hättest eine Amazone werden sollen, Leonie!" ,

Bin ich das nicht?" entgegnete sie stolz.Wie freue ich mich, daß Du mir einen solchen Posten anvertrauft! Deine Meinung von der Brauchbarkeit der Frauen hat sich in einer für uns schmeichelhaften Weise verändert."

Er lachte geringschätzend.

Ich stelle Dich an die Spitze," erwiderte er dann mit mebr Offenheit als Höflichkeit,well Du Dich doch vordrängen würdest I Ich weiß, ein kleines Blutver­gießen unterhält Dich viel mehr, als ein Ball ober em Conzert!"

Was hätte sie barum gegeben, wenn sich in seinem schönen Gesicht bie Spur einer Sorge gezeigt hätte! Es war ein gefährlicher Posten, welchen er ihr zug et hellt, aber daran schien er nicht zu denken! Er würde mit eben der­selben Miene ein flottes Diner bestellt habm!

Du sollst Dich in mir nicht getäuscht habm", rief sie mit stolz zurückgeworfenem Kopfe,aber Arnold, wenn ich falle", setzte sie mit leise bebender Stimme hinzu,wirst Du mich doch nicht vergessen?"

Wenn Du fällst? Bah warum solltest Du fallen? Nicht alle Kugeln treffen! Wenn Du wirklich verwundet bist, ist es immer noch Zeit, sentimmtal zu werden!"

Leonie zuckte zusammen, aber nein, er sollte sie nicht

an Gleichgültigkeit übertreffen!Guten Morgen, Bürger", lachte sie fröhlich auf und verschwand.

Montarbas athmete erleichtert auf, als er sich allein sah, warf er seine Schreiberei bei Seite und eilte hinaus in die Straßen von Paris, um die Arbeiten am Barri­kadenbau zu inspiciren. Niemand hätte in dem Manne, welcher so cordial mit dem Pöbel verkehrte, einen früheren Pair von Frankreich erkannt. Dem einen zeigte er lachend, wie er bie Streitaxt zu führen habe; bem Zweiten erklärte er bie Kunstgriffe beim Laden einer Muskete; hier fand er eine Schanze zu breit, dort eine Brustwehr zu niedrig; überall und allenthalben fah er zum Rechten und hatte zu Jedem ein freundlich ermunterndes Wort. Dann lud er Alle ein, ihm nach der nächsten Schenke zu folgen und be- wirthete bort seine entzückten Gäste auf Kosten bes National- comitös!

Die Wölfin stand indessen im weißen Gewände, eine blutrothe Schärpe um den Leib, eine Korallenkette von gleicher Farbe um den blendenden Nackm und eine rothe Fahne in der Rechten, auf einer Tribüne inmitten des Fischmarktes und hielt eine fulminante Rede an ihre alhem- los lauschenden Zuhörer und Zuhörerinnen. Das Volk jubelte ihr zu und verlangte ungeduldig, zum Kampfe ge­führt zu werden.

Laßt uns die Königin aufsuchen! Sie muß uns anhören! Warum ist sie nicht in Paris, wohin sie doch gehört?"

Die Königin?" tobte em betrunkener Lump;bort steht sie ja auf ber Tribüne! Nieder mit ber Oefterreicherin nieder mit Marie Antoinette!" Beinahe wäre Leonie ihre Aeynlichkeit mit der Königin zum Verderben geworden, aber schnell gefaßt, wußte sie den Schlag zu pariren.