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Marburg, Dienstag, 11. November 1879
XIV. ^aljrgang
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der Volksschule ankommen, daß die Kinder von Allem
das Dichterwort:
In der Beschränkung • zeigt sich der
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Die Leistungsfähigkeit der Volksschule.
Die Volksschule hat die Aufgabe, die Kinder des Volks
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Tagesbericht.
Aus Berlin wird vom 8. d. telegraphisch gemeldet: Der Großfürst Thronfolger von Rußland wird dem Vernehmen nach am Montag zu einem zweitägigen Aufenthalte hier eintreffen und im russischen Botschaftshotel absteigen. Das „Berl. Tageblatt" ließ sich noch am Freitag aus Wien melden, nur um ein Bischen aufzuregen: Gutem Vernehmen nach hat der Großfürst-Thronfolger eS abgelehnt, über Berlin nach Petersburg zurückzukehren. Der Czarewitsch gedenkt sich vielmehr nach Gmunden zu feinem Schwager, dem Herzog von Cumberland, zu begeben, mit dem ernste Familienberathungen über fein Verhältniß zum neuen deutschen Reich in Aussicht genommen sind.
Bezüglich der Meldungen mehrerer Zeitung.» über die künftige Besetzung der Stelle des Staatssekretärs im Auswärtigen Amte und damit zusammenhängende Personalveränderungen unter den oeutschen Botschaftern glaubt die
gelische oder katholische, d. h. confesstonelle Schule fein. Zwar werden auch aus ihr nicht lauter Menschen erster Klaffe hervorgehen. Man schnitzt eben nicht aus jedem Holze einen Bolsen. Auch die Schule liegt im Rahmen jenes Gleichnisses, durch welches wir lernen, daß nicht alle Samenkörner auf gutes Land fallen, sondern viele auch unter die Dornen und auf den Weg. Aber selbst ein französischer Gelehrter, der im Auftrage seiner Regierung das deutsche Schulwesen studiren mußte, erklärte: „Ich habe die Volksschule da am blühendsten gefunden, wo der Unterricht ganz auf religiöser Grundlage ruhte." Auch ist das bekannte Wort vom „deutschen Schulmeister", der die letzten Kriege gewonnen haben soll, trotz der darin liegenden Uebertreibung, ein öffentliches Zugeständniß, daß die confesstonelle Schule nicht nur etwas Tüchtiges leisten kann, sondern in der Zeit ihres Bestehens auch etwas Tüchtiges geleistet hat.
Die Simultanschule besitzt nicht die gleiche Leistungsfähigkeit, wie die confessionelle Schule, kann sie auch gar nicht besitzen. Durch eine Rücksichtnahme auf den verschiedenen Glaubensstand der Schüler ist der Lehrer gehindert, etwa beim Unterricht in Geschichte und Geographie offen Farbe zu bekennen. Wie soll er durch die ersten Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung kommen, ohne bei den Juden anzustoßen? Wie mag er die Geschichte des Reformations- Zeitalters, des dreißigjährigen Krieges u. f w. darstellen, ohne es mit den Katholiken oder den Evangelischen zu verderben! Er soll es Allen recht machen und macht es darum Niemandem recht. Die Zeitungen sind ja voll von Belegen. Selbst das Lesebuch bekommt einen verschwommenen unentschiedenen Charakter. Es leidet die Wahrhaftigkeit des Unterrichts. Also auch seine Wirksamkeit.
„Nordd. Allg. Ztg." versichern zu können, daß dieselben nur Conjekturen der betreffenden Zeitungen sind und keinen darüber hinausgehenden Anspruch auf Glaubwürdigkeit besitzen. _______________
Im „Centralblatt für das Deutsche Reich" liegt wieder eine neue Folge der seit zwei Monat sorttaufend zur Veröffentlichung gelangenden Uebersichten der Einfuhr von Getreide, Mehl und Oelfaaten Über die östlichen Grenzen in das deutsche Zollgebiet vor. Die neueste Uebersicht umfaßt die Zeit vom 1. bis 15. Oktober d. I., und wiederholt sich darin wieder die Erscheinung, daß bezüglich des Roggens die Einfuhr aus Rußland weit überwiegt; von dort kommen zur See und zu Lande zusammen 703,891 Zentner. Desgleichen ist Leinsaat wiederum fast ausschließlich, mit 66,211 Zentner, von Rußland eingegangen. Dagegen überwiegt diesmal bei allen anderen Gegenständen der Uebersicht, namentlich auch bei Hafer (mit 85,009 Zentner), die Einfuhr aus Oesterreich.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, die wirthschaftliche Lage eines großen Theils der Bevölkerung in einigen Kreisen Oberschlesiens erfordert seit dem Sommer eine besondere Aufmerksamkeit und Pflege. Den in den Kreisen Kosen und Ratibor durch Hochfluthen der Oder Mitte Juni Beschädigten sei rechtzeitig von der Provinz durch Prämien-Bewilligung zu Straßenbauten, sowie seitens der Kreise, welche hierzu Darlehen aus Staatsmitteln erhielten, Hülfe gewährt worden. Die Bevölkerung der Kreise Rybnik und Pleß befinde sich in Folge elementarer Ereignisse während des Sommers in einer wirthschasttichen Bedrängniß, welcher weder die Kreise noch die Gemeinden genügend ab- helsen könnten. In welchem Umfange der Staat mit der Provinz helfend einzutreten habe, werde noch ermittelt. Inzwischen seien Einleitungen getroffen, um durch Straßenbauten Arbeitsgelegenheit zu gewähren und etwaigem Noth- stande vorzubeugen.
Das Abgeordentenhaus hat am Freitag feine Etatsbe- rathungen begonnen — und wer war der erste Redner? Natürlich Herr Eugen Richter, um gegen den Etat zu sprechen. Seine Rede war die richtige demokratische Agitationsrede, ein Abklatsch seiner neulich vor einer Berliner Volksversammlung gehaltenen. Herr Dr. Braun-Wiesbaden würde diese Rede als den richtigen „HäringSsalat" bezeichnen. Es war wenigstens alles Mögliche: Zölle, Schulgesetz, Lehrerpensionen, .Eisenbahnen, Generalsynode u. f. w. kunterbunt darin durcheinandergemengt. Der Abg. v. Zedlitz wie der Finanzminister Bitter wiesen die agitatorische Finte des Herrn Eugen Richter von den nichterfüllten Steuernachlaß-Versprechungen des Reichskanzlers durch den Hinweis zurück, daß die Zölle, welche solchen
juaijnit etoag ^nen, sondern nur darauf, daß sie etwas Ordent- liches recht gründlich lernen. Gerade der Volksschule gilt tatLC’ das Dickterwort: °cn bet Beickränkuna. reivt firk her
Intrigen nimmt entgegen: He Expedition d.vlatteS, sowie d.Annoneen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in zranffurt a- M., Berlin, tzipyg, Eöln rc.; Rudolf JEojfe in Berlin, Frant- furi a. M. re.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae Sonntnasiilate" hur* rA.
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5üt tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.
dir Wissenschaft, sondern nur um die wirklichen Ergebnisse derselben in ihrer Beziehung auf das praktische Leben. Sodann ist es unwahr, daß die Wissenschaft neutral gegen 2 Uhi das Chnstenthum sei. Bei der Erörterung jeder Frage t Eisni stoßt man nach dem Worte eines berühmten französischen Möbk Staatsmannes im letzten Grunde auf das Chnstenthum. Stands Der Heiland selber sagt: Wer nicht für mich ist, der ist
Äder mich. Dem großen Astronomen Kepler waren die Sterne Leuchter der Ehre Gottes. Ein moderner Reallehrer lehrte dagegen seine Schüler, daß im Anfänge nicht das Wort, fondern der Kohlenstoff gewesen fei. Geradezu grün« ««möglich aber ist es, in Geschichte und Geographie zu ht n« Alerrichten, ohne bestimmte Begrenzung auf das Christen- ; Am und zwar in feiner Form als Evangelismus oder . Xatholicismus. Soll die Volksschule ihre Aufgabe er- a ®en können, dann muß sie eine religiöse, christliche, evan-
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d-Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Vuchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Beilin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-
In der Volksschule kann, soll und muß darum auch [3O5|-gtlernt werden: Der Katechismus mit den entsprechenden Bibelsprüchen, btt biblische Geschichte mit einer Anzahl geistlicher Lieder, das Wichtigste aus der Kirchengeschichte, Rechnen, Lesen und Schreiben, einige geschichtliche geographische und wissenschaftliche Kenntnisse und sonst mancher- Herrä lei aus dem Leben für das Leben. Alles aber durchweht ttolict von dem Geiste, der auch die Zahlen und Buchstaben, die u;achl, Namen der Berge, Städte und Flüsse, den Baum im Et ji Walde, die Blumen in Feld und, Wiese und selbst den ein nti N°in am Wege mit Leben erfüllt. Der ganze Unterricht verleb! ”“6 ein religiös geweihter sein. Alles, was ihr thut, Famili W die Schrift, das thut im Namen Jesu Christi! Ahast« Freilich hört man sagen, daß die „Wissenschaft" der Eintti! Religion, dem Christenthume, neutral gegenüber stehe. |Sber einmal handelt es sich in der Volksschule nicht um
so heranzubilden, daß diese späterhin im Stande sind, ihre Berufsstellung mit Ehren und gutem Erfolge auszufüllen imb mit freudiger Bereitwilligkeit ihren Pflichten gegen Familie, Gemeinde, Kirche und Staat nachzukommen. Die rX wt M, welche der Volksschule zur Erledigung ihrer Aufgabe s ioii gewährt ist, ist aber eine sehr beschränkte. Sie muß sich darum bei dem Unterrichte an dem unbedingt Nvthwen- digen genügen lassen und alles Andere, wenn es auch . noch so wünschenswerth erscheinen könnte, ferne von sich 0 M h-lt-n. lieber den Nebendingen können leicht die Haupt- 40 M versäumt werden. Darum sagten schon die Alten: 4 3? non multa sed multum, d. h. nicht darauf kann es in
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„Beruhige Dich, mein Kind," sagte 'Marie Antoniette, »Dir und Pierre soll kein Leid geschehen, wenn ich es hin-
3« de» Woge« der Revolution.
Frei bearbeitet von Vittor Schwarz.
(Fortsetzung.) Neunzehntes Kapitel. Die weiße Kokarde.
„Und doch, Madame," rief Susanne leidenschaftlich, Rafft diene ist auf immer von feines Parteinahme für die Nchublikaner gehellt! Als er neben dem Proviantwagen ^schritt, knirschte er vor Wuth und sagte, wenn es ihm *ttr noch einmal vergönnt fei, feine Hände frei zu bewegen Me er eine Pike ergreifen und mindestens ein Paar Mkobiner todtfchlagen! Und Pierre ist stark, Madame! iind wenn eS sein Leben kosten solle, sagte er, so würde l. es mit Freuden hinwerfen, nur um seinen König und ™te Königin zu retten 1 Aber wenn er stirbt, sterbe ich Ast I"
?ti kann! Ich nehme Euch unter meinen besonderen 1 ■ ^hutz und so bald als möglich soll Eure Hoheit statt- Riben!" ....
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Susanne theilte der Königin Alles mit, ihre Ohnmacht, Ae Rettung durch Mutter Rothkäppchen, die Unterredung .derWölfin mit denFischweibern, ihre stürmischeZusammen- M I 7®^ mit Montarbas, ihre Flucht mit des frommen Vaters | We und endlich ihr Zusammentreffen mit dem Regiment Mndern auf dem Wege nach Versailles. Sie berichtete Atch, daß Pierre, ihr Verlobter, sich als Gefangener bei demselben Regiment befinde; daß man ihn auf den Barri- Aden gefunden und als Aufrührer verhaftet habe.
Nachdem König und Königin sich zurückgezogen, bc- - gönnen die Theilnchmer am Bankette zu fratenifiren. Die königlichen Offiziere und die der Nationalgarbe fchlossen Freundschaft und de Favras unterhielt sich aufs Lebhafteste _ mit einem biederen Gewürzkrämer, der ihm seinen Kaffee lieferte und sich in der Uniform ganz stattlich ausnahm.
„Wie steht es mit Euren Leuten, Capitän?" fragte er eben; „sind sie schon im Gebrauch der Waffen geübt?“
„Jeder Franzose ist ein geborener Soldat," war die stolze Antwort; „wir haben erst feit gestern Musketen, Marquis, aber das schadet nichts — es wird schon gehen! Rom ist auch nicht in einem Tage erbaut worden!"
„Das ist richtig," sagte de Favras lachend; „nun, und wie steht es denn mit der Theorie? Wissen Eure Leute etwas vom Aufwerfen einer Brustwehr und vom Errichten von Pallisaden?"
_ „Brustwehr? Pallisaden?" entgegnete der Gewürzkrämer verächtlich; „Marquis, der Muth eines französischen Soldaten ist seine Brustwehr und seine Pallisade ist feine Liebe für das Herrscherhaus! Wenn die Kugeln rechts pfeifen, klingt es uns wie Musik und vorwärts geht es ohne Besinnen, mag auch der zweite Mann verloren fein!"
„Und wie langer Zeit bedürft Ihr, um Euer Bataillon unter die Waffen zu rufen?"
„Binnen einer Stunde habe ich tausend Mann auf den Seinen. Oh, wir sind Söhne jener Soldaten, welche Tärenne und Luxemburg ihre Schlachten gewinnen halfen!"
„Ich glaube Euch, mein tapferer Capitän " entgegnete
be Favraö gerührt; „wir wollen treue Kameradschaft halten!"
Es geschah wie die Königin gesagt; Pierre und Susanne wurden in der Capelle des Schlosses zu Versailles ehelich verbunden und Maria Antoinette hatte es sich nicht nehmen lassen, das schöne Haupt der Braut mit dem Myrtenkranz zu schmücken. Pierre ward der königlichen Leibgarde eingerecht und Susanne unter die dienstthueuden Kammerfrauen aufgenommen.
Noch einmal schien der Sturm sich legen zu wollen. Die Nationalversammlung, die man das Parlament jetzt nannte, schien nur das Beste zu wollen, die Jakobiner und der Berg hielt einstwellen noch geheime Versammlungen und Lafeyette's Nattonalgarde sorgte für die allgemeine Sicherheit.
Aber diese äußere Ruhe täuschte, im Innern loderte die Flamme um so heftiger. Agitatoren wie Montarbas und Kopfab schürten im Geheimen nach Kräften; Leonie bezwang alle durch ihre begeisterten Reden, ein Dämon in Engelsgestalt; Santerre zahlte seinen Banden nach wie vor den Sold und Mutier Rothkäppchen hielt offene Tafel und freien Branntwein für Alle, welche die Aristokraten haßten!
Im Herbste endlich lohte die Flamme der Empörung aufs Neue empor. Hätten die Befehlshaber der dem Könige treu ergebenen Regimenter es eben so gut verstanden, eine Empörung zu unterdrücken, als sie es verstanden, Raub und Plündenlng zu organisiren, wenn es sich um einen Feldzug auf fremdem Gebiet handelte, dann wäre es nie zur offenen Revolution gekommen! Zehn Gewehre zur rechten Zeit abgefeuert, hätten vielleicht Zehntausend das Leben gerettet, aber Niemand wußte den rich-