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Marburg, Sonntag, 9. November 1879.

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gasskl und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; baasenstein & Vogler in femtfurt o- M., Berlin, Leivzig, Löln rc.; Rudolf üieji'e in Berlin, Frank- flirt a. M. re.

eigen nimmt emgegen: > bis;; dieGrprdttion d.vlatte«, rem B sowie d.Annoncen-Bureaux [301 von Th- Dietrich & 6o.Jn

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Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'fchc Buchdruckerei) bezogen 2‘a Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Warf 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Hür die Monate November und Dezember V werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die Dberhessische Zeitung mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS DonntagSblatt

angenommen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

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cognito hervorgetreten. Die Minister finden auch nach und nach toitber Muße, in ihren Bureaux zu erscheinen unb bei den Sitzungen im Elysse nicht zu fehlen. Die äußerst frechen Beschlußnahmen des Marseiller Socialisten- CongreffeS haben ben Protest von 21 Delegirten hervor- zcrufen; auch in einzelnen Orten, wie in Clermont-Fer­rand, haben Arbeiter, „um nicht Mitschuldige dieses Un­sinns zu scheinen", Verwahrung eingelegt; dir Abstimmun­gen in Paris, Lyon und Bordeaux haben jedoch mehr 016 jene Reden und Beschlüsse in Marseille gelehrt, wie schlimm die Zustande in den französischen großen Arbeiter- «ntren sind und wie bedenklich es ist, den Fanatikern zu schmeicheln, wie eS vielfach geschah, oder zu lhun, als ob das alles nichts zu bedeuten habe und die Republik des biederen Grovy mit ehernen Beinen auf granitnem Unter- gmnde stehe. Die Wahl Humbert's in Paris ist nichtig

gewählt und werden wohl bald genug Stoff für die Plenar­sitzungen liefern. — Justizminister Leonhardt hat seinen Abschied eingereicht und ist durch den Staatssecretär Fried­berg ersetzt worden. — Der Feldmarschall und Statthalter von Elsatz-Lothringen, Frhr. v. Manteuffel, ist zum com- mandirenden General des 15. Armeecorps ernannt worden, während der frühere Befehlshaber dieses Armeecorps, v. Fransecky, den Posten als Gouverneur von Berlin er­halten hat.

Am 27. Rov. treten die französischen Kammern wieder ; zusammen, und zwar zu Paris im Luxembourg und Bour­bon. Der Sitzungspalast für die Kammer ist fertig, die Herstellungsarbeiten für den Senatssttz sind in vollem Gange; Gambetta ist auch bereits wieder aus seinem Jn-

Unser Kaiser hat auch in den letzten Tagen mit voller Rüstigkeit das edle Waidtyerk gepflegt. — Dem Abgeord- netmhause ist der Staatshaushaltsetat für 1880 81 zu- ir -ä| gegangen. Das von dem Finanzminister über denselben ’orberi; gegebene Resümee war kein erfreuliches, dennoch fand das- r [-16 selbe durch seine ungeschminkte Wahrheit im Abgeordneten- ttckeB hause Beifall. Das Abgeordnetenhaus befindet sich bereits CBM in seiner einleitenden Thätigkeit, die Commissionen sind

erklärt worden, weil er noch kein halbes Jahr festen Wohn­sitz in Paris hat; über die Maßregeln gegen Msgr. Frcp- pel, den „pretre terrible", wie die DebatS ihn bezeich­neten, ist die Regierung noch nicht schlüssig geworben. An der Börse herrscht vollständiges Aprilwetter; jeder Tag bringt stärkere Schwankungen; die öffentliche Meinung ist beunruhigt, die Presse behauptet dagegen steif und fest, daß die Politik an diesen Vorgängen unschuldig sei. Gambetta erzählt jedem, wer es hören will, daß er das Bündniß mit Rußland für nicht zweckmäßig halte. Dies alles schließt indeß nicht aus, daß man sich durch das Ver­gnügen, welches die russischen Gäste über ihren Aufent­halt im schönen Frankreich zur Schau stellen, sehr ge­schmeichelt fühlt und der Pariser den russischen Rubel auf Reisen zu schätzen weiß

Die spanischen Cortes haben am 3. d. M. ihre Ses­sion begonnen. Der Belagerungszustand in den baskischen Provinzen unb in Navarra soll wieder aufgehoben werden. Die Vermählung des Königs ist auf den 1. December anberaumt.

Der englischen Regierung ist seitens der Opposition stets der Vorwurf gemacht worden, daß sie aus unberech­tigter Vorliebe für die Türkei dem Reformwerk in Klein- Asien, für welches sie gewissermaßen die Verantwortung übernommen hat, nicht die nöthige Sorgfalt widme. Diese Vorwürfe werden jetzt verstummen müssen, denn Lord Salisbury hat nach Ernennung des Ministeriums Said- Mahmud Nedim der Pforte gegenüber eine sehr schroffe Stellung eingenommen und der Mittelmeerflotte Befehl ertheilt, nach den türkischen Gewässern abzugehen, um den Wünschen Englands den nöthigen Nachdruck zu geben. Da Deutschland und Oesterreich die englischen Forderungen unterstützen werden, wird die Pforte sich fügen müssen, und trotz Rußlands Sympathieen kann man darauf vor­bereiten, daß Said unb Mahmub Nedim binnen Kurzem gestürzt sein werben. Wer bann folgen wirb, ist freilich noch unbekannt. Euglanb begünstigt Miohat, aber leibet scheint es, baß nicht nur der Sultan, sondern auch einige andere Mächte gegen ihn eingenommen sind, obwohl kaum ein anderer Mann zu finden ist, der die rücksichtsloste Energie besitzen dürfte, um in den verrotteten inneren Ver- hältniffen die dringend nöthige Ordnung zu schaffen, ohne welche die Levensfähigkeit der Türkei ernstlich in Frage gestellt ist. Denn daß die Türkei durch russische Hülfe niemals gerettet werden wird, kann doch Niemanden un­klar fein, der sich mit der russischen Politik auch nur ober­flächlich beschäftigt hat.

Rußland hat überhaupt so viel zu thun, daß es vor­läufig von der hohen orientalischen Politik ivieD Abstand nehmen müssen. In Centralasien hat es offenbar bei seiner Expedition gegen die Tekke-Turkmenen einen Miß­erfolg zu verzeichnen, deffen Ausgleichung ihm Mühe ge­

nug machen wird. Nimmt man dazu die Aussichtslosigkeit aller Unternehmungen auf anderem Gebiete, so wird man die berechtigte Hoffnung hegen dürfen, daß Rußland sich zum mindesten einige Zeit lang der Berunruhigung Europas enthalten wird.

In Serbien und Bulgarien sind die Nationalversamm­lungen eröffnet worden; die der letzteren vorgelegten Ge­setzentwürfe sind so zahlreich, daß man an ihrer Erledigung schier verzweifeln müßte, wenn man nicht die Ueberzengung hätte, daß sie genau in dem Tempo erledigt werden, wel­ches die Regierung für gut finden wirb. Auch in Ost- rumelien ist die Provinzialversammlung zusammengetreten und durch eine Rede eröffnet worden, welche die politische Thätigkeit dieser Körperschaft mit offenbaren Unwahrheiten einleitet.

TrseSberichl.

Die Nachricht, daß der Vicepräsident des Staats­ministeriums, Graf Stolberg, sich aus seiner Stellung zu­rückzuziehen gedenke, sowie die daran geknüpften Combi­nationen über die anderweitige Besetzung einiger Botschafter- Posten sind durchaus unrichtig.

Der Gesetzentwurf, betreffend die Veiwerthung von Forstnutzungen aus ben Staatswalbungen in den vormals kurhessischen Landestheilen, welche den beiden Häusern des Landtags zur verfassungsmäßigen Beschlußnabme vorgelegt ist, lautet:

§. 1. Die in § 3 des Gesetzes vom 28. Juni 1865, betreffend die Verwerthnng der Forstnutzungen in den Staatswaldungen deö vormaligen Kurfürstenthums Hessen (Sammlung von Gesetzen rc. für Kur Hessen, Band 17, Jahrgang 1865, Seite 423 und folgende), festgesetzte Taxe für die freihändige Veräußerung von Forstprodukten an Holz aus den Staatswaldungen wird aufgehoben.

§. 2. Die Veräußerung ter Forstprodukte an Holz aus den Staatswaldungen an die im Gesetze vom 6. Juni 1873 (Gesetz-Sammlung pro 1873, Seite 350) bezeich­neten Staatsangehörigen soll für jedes Jahr nach den Preisen erfolgen, die sich in jeder Oberförsterei aus dem Durchschnitt der in den vorvergangenen fünf Wirtschafts­jahren, einschließlich der Werbungskosten in den öffentlichen Verkäufen, nach einem Abzüge von 20 Prozent ergeben haben. Sollten jedoch bei Ermäßigung der Licitations- burchschnittspreise um 20 Prozent für einzelne.Sortimente die für deren Werbung aufgewendeten Kosten nicht erreicht werden, so sind die letzteren als Kaufpreis in Rechnung zu bringen.

§. 3. , Hat in einem der fünf Vorjahre in einer Ober­försterei überhaupt ober bezüglich einer Holzart eine öffentliche Versteigerung nicht stattgefunden, so tritt für dieses Jahr bas bem fünfjährigen Zeiträume zunächst

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Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.

(Fortsetzung.)

Aber nur einen Augenblick wähtte diese Täuschung — selbst Susannes ungeübter Blick unterschied das echte Gold von dem unedlen Metall — den Engel des Himmels von dem Engel der Hölle! .... Matte Antrinette war rttch unb elegant gekleidet, aber nicht darin lag der Adel ihrer Erscheinung! Eine Königin vom Scheitel bis zur Sohle würde sie auch in Lumpen ehrsurchtgebietend und erhaben geblieben sein! Die Lieblichkeit ihrer Gestalt und Reiz der schönen Züge führten ihr die Herzen der Menge im Sturme zu, aber ihr Wesen wußte dieselben bauemb zu fesseln. Daß sie in bem entsetzlichen Kampfe, welchen ihre Vor­gänger auf dem Throne heraufbeschworen, unterlag, war ihr Verhängniß, aber noch auf bem Schaffet bewahrte sie thte Hoheit und Würbe, welche in der Geschichte ohne Bleichen dasteht!

„Was ist kaum glaublich, Monsieur?" fragte sie mit heiterem Lachen; „und wer ist Ihre hübsche Besucherin?"

Ludwig warf sich auf einen Sessel unb wischte sich mit den schmutzigen Händen den Schweiß von der «Stirne.

„Die Wölfe sind los, Madame!" rief er dann heftig »sie dürsten nach unserem Blute!"

„Die Wölfe?" rief Marie Antoinette. „Ist dies tttoa Einer davon?" fuhr sie daun fort, auf Susanne blickend; „sie sieht eher aus wie ein Lamm!"

Ihr Blick ruhte mitleidig, ja fast zärtlich auf dem jungen Mädchen, unb biefer Blick gab Susanne neuen Dkuth.

„Mabame", stammelte sie, „ich habe durch Zufall

Kenntniß von einer Verschwörung erhalten. Man wähnte .mich schlafend, aber ich habe Alles vernommen! Oh, glauben Sie mir! Ich bin nur eine Bäuerin — ich ver­stehe es nicht, die Worte zierlich zu setzen, aber um der Barmherzigkeit willen beschwöre ich Sie, gehen sie heute nicht nach Paris!"

Und mit heißen Thränen glitt sie zu Boden und umfaßte bittend Maria Antoinette's Knie.

Die Königin beugte sich nieder, um das junge Mädchen aufzuheben, und ihr bleiches, erschöpftes Aussehen ge­wahrend, nahm sie rasch ein Glas Wasser vom Nebentische und hielt es ihr an die Lippen. „Trinke mein Kind und erhole Dich! de Favras läuten Sie unb lassen Sie einen Schluck Bordeaux bringen! — So, bas wirb Dir Kraft geben, arme Kleine! Ja, ich glaube Dir — solche Augen lügen nicht!"

„Unb wollen Ew. Majestät geruhen, hier in Versailles zu bleiben?" fragte der Marquis bringenb.

„Nein Marquis — ich fürchte mich nicht vor den Parisern! Bitte geben Sie Befehl, meinen Wagen Vor­fahren zu lassen, ich bin bereit!"

„Oh Mabame — um Gotteswillen, gehen Sie nicht!" flehte Susanne.

„Auch ich wage zu flehen, bleiben Sie!" rief de Favras leidenschaftlich. „Frankreich ist loyal, die Pariser lieben ihre Königin und doch —*

„Sie fürchten, der Pöbel könne mich intuitiven ?" entgegnete Marie Antoinette mit Hoheit, aber ich habe ja ein Gefolge von Lanzenreitern! Lasten Sie die Leute nur wieder aussitzen! Ich fürchte mich nicht vor den SanSkülotten!"

Jetzt aber äußerte auch der König seine Bedenken.

„Meine theure Gemahlin," bat er, „setzt Euch nicht unnöthig der Gefahr aus! Denkt an mich! Denkt an Eure Kinder! Und die Pariser Straßen sind eng!"

„Und bedenken Ew. Majestät, wie viele Menschen in den engen Straßen ihren Tob finden können, wenn ein Auflaus entsteht und die Lanzenreiter einhauen," wagte der Marquis als wirksames Argument anzuführen und er hatte sich nicht getäuscht — was der Gedanke an ihre eigene Sichers heit nicht vermocht hatte, das gelang der Hinweisung au- das Voll, welches zu Schaden kommen könnte — das­selbe Volk, welches sie mit Schmähungen überhäufte unb jubelnb um die Guillotine tanzte, nachdem ihr schönes Haupt gefallen! ....

„So lassen Sie in Gottes Namen ausspannen unb die Leute absitzen," sagte sie mit liebenswürdigem Lächeln; „ich will nicht, daß mein theurer Gemahl sich um mich ängstige und Unschuldige ihren Tod finden um einer Laune willen. Ich kann eben so gut an einem anderen Tage nach Paris fahren!"

„Tausend Dank," murmelte der Marquis, sich tief über die weiße Hand neigend, welche ihm Marie Antoinette zum Kusse barbot; eine Thräne aus seinem männlichen Auge fiel auf bie schlanken Finger und er verließ eilig das Gemach, um die nöthigen Befehle zu erihellen.

Der König zog sich beruhigt an feinen Handwerks­tisch zurück, um sein Schloß zu vollenden unb Marie Antoinette nahm Susanne mit in ihr Privatgemach, sandte ihre Kammersrau in die Küche, um Speise und Trank für Susanne zu besorgen und schenkte ihr bann eigen­händig Kaffee ein.