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Marburg, Freitag, 7. November 1879.
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geltenden Formen der direkten Besteuerung berechnet, obwohl der Finanzminister erklärt hat, daß noch eine weitergreifende Reform unserer direkten Steuern in Vorbereitung ist, deren Vorschlag vielleicht schon in der nächsten Session dem Landtag gemacht werden kann.
Ebenso wie den Nachlaß an direkten Steuern verbietet die jetzige Lage des Staatshaushalts die Ausführung der Absicht, den Gemeinden einen Theil der direkten Staatssteuern zu überweisen. Um jedoch den Gemeinden die Beschaffung ihrer Einnahmen zu erleichtern, wird eine Besteuerung des Ausschanks von Branntwein und des Kleinhandels damit, sowie des Wanderlagerbetriebs vorgeschlagen werden, deren Bettag ausschließlich den Gemeinden zu Gute kommen soll.
In Betreff der preußischen indirekten Steuern hat der Finanzminister aufs Neue die Reformbedürftigkeit der preußischen Stempelgesetzgebung betont. Doch schloß der Minister daran die Erklärung, daß vor dem Erlaß des allgemeinen deutschen Civilgesetzbuchs eine durchgreifende Reform der Stempelsteuern unausführbar ist. Es sollen daher nur die hauptsächlichen Unzuträglichkeiten und Lücken provisorisch durch eine Novelle beseitigt werden, welche bereits in Vorbereitung begriffen ist. Auch diese provisorische Reform wird dazu beittagen, die Lage des preußischen Staatshaushalts günstiger zu gestalten. (Prov.-Corresp.)
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Tagesbericht.
Der Kaiser empfing gestern Mittag den Staatsminister Dr. Friedenthal. — Großfürst Wladimir begleitet heute den Kaiser zur Jagd nach Letzlingen. Der russische Botschafter v. Oubril nimmt gleichfalls an den Letzlinger Jagden theil. — Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt die über die officiell bekannt gewordenen Personalveränderungen hinausgehenden Meldungen verschiedener Blätter über weitergehende Beförderungen in den obersten Commandostellen der Armee für unrichtig. Dieselben könnten nur als Combination auf Grund der Rangliste erscheinen.
Demgegenüber ist nun die Thatsache beruhigend, daß bereits in dem laufenden Finanzjahre 1879/80 die Minderbeträge bei den einzelnen Posten der Staatseinnahmen gegen die Voranschläge nicht die Höhe wie im Vorjahr erreichen werden. Gleichwohl haben für das nächste Finanzjahr die Voranschläge der Einnahmen nur in einem, nach den Erfahrungen der beiden Vorjahre bemessenen Umfange erfolgen können. Hierin ist die Erklärung gegeben, weß- halb die für das nächste Jahr veranschlagten Einnahmen die Ausgaben nicht decken. Es ist nicht angänglich gewesen, das Maß der Ausgaben auf das Maß der Einnahmen herabzumindern, denn eS befindet sich unter den außerordentlichen Ausgaben erstlich eine große Summe für Bauten, die aus früheren gemeinsamen Beschlüssen der Regierung und des Landtags herrühren, und welche fortgesetzt werden mußten, wenn sie nicht später bedeutende Mehrausgaben herbeiführen sollten. Zweitens befindet sich unter den außerordentlichen Ausgaben eine Summe für die Verbesferung der großen Ströme des Landes, also eine sehr produktive Ausgabe. Weitere außerordentliche Ausgaben dringlicher und wünschenswerlher Art entstehen durch Aufwendungen für die Universitäten und ihre Anstalten, für das technische Unterrichtswesen u. s. w. Noch weitere und unaufschiebbare Ausgaben werden verursacht durch den Bau und die Erwerbung von Gerichtsgebäuden, Gefängnissen und Strafanstalten. Daß solchen nothwen- digen und nützlichen Ausgaben, auch so weit sie durch die regelmäßigen Einnahmen nicht gedeckt waren, kein Einhalt gethan worden, rechtfertigt sich durch die begründete Hoffnung, daß die regelmäßigen Einnahmen des Staats bereits wieder eine steigende Bewegung zeigen und eine solche in zunehmendem Maße zeigen werden. ES beruht diese Hoffnung außer auf der Voraussetzung einer fortschreitenden Wiederzunahme der wirthschastlichen Thättgkeit auch auf der Thatsache der durch die Reichs-Finanzgesetzgebung dieses Jahres den Einzelstaaren überwiesenen neuen Einnahmequellen. Schon unter den für das nächste Jahr veranschlagten Einnahmen befindet sich ein aus der Reichskasse zuzusührender Betrag von 23,900,000 Mark, welcher auf den Voranschlägen der Reichs-Finanzverwattung für die bis zum 1. April erfolgende Feststellung des Reichshaushalts beruht.
Unter den dargelegten Umständen hat der Finanzminister Anstand nehmen müssen, schon für das nächste Jahr einen, den veranschlagten Zuschuß auS der Reichskasse entsprechenden Erlaß der direkten Steuern vorzuschlagen. Nichtsdestoweniger hat die Staatsregierung das im Februar d. I. dem Landtag gegebene Versprechen eingelöst, einen Gesetzentwurf einzubringen, welcher die Verwendung der dem preußischen Staat aus Reichs-Einnahmequellen zufließenden Summen zu Erlassen an direkten Steuern regelt. Dieser Gesetzentwurf ist auf die jetzt
Der Staatshaushalt für das Jahr vom 1. April 1880 bis 31. März 1881.
Der Staatshaushaltsplan des nächsten Finanzjahres weist bei den ordentlichen Ausgaben einen Mehrbetrag gegen die ordentlichen Einnahmen aus, der sich durch die hinzukommenden außerordentlichen Ausgaben noch erhöht. Der Mehrbetrag durch die ordentlichen Ausgaben beläuft sich auf 5,607,350 Mk. Hierzu tritt ein Betrag von 42,642,650 Mk. außerordentlicher Ausgaben. Diese ungedeckten ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben sollen durch eine Anleche bestritten werden.
Um die Ursachen und die Bedeutung dieser Finanzlage richtig zu beurtheilen, muß man sich vergegenwärtigen, daß der vermindernde Einfluß der wirthschastlichen Krisis auf die Staatseinnahmen erst während des Finanzjahres 1878/79 zur vollkommenen Wirkung gelangt fft, daß aber andererseits bei dem Haushaltsplan für das zukünftige Finanzjahr jmer nachtheilige Einfluß sowie seine Ursache, der wirth- Haftliche Stillstand, als in der Abnahme begriffen hat behandelt werden können.
Der Rechnungsabschluß des Finanzjahres 1878 79 zeigt, daß dieses Jahr ein Deficit von 8,744,514 Mark zurück- gelassen hat, welches gedeckt werden soll durch den Rest der ton Frankreich gezahlten Kriegskostenentschädigung im Betrage von 1,508,720 Mark und durch eine Anleihe von 7,235,794 Mark. Dieses Defizit wird leicht erklärlich bei den hohen Minderbeträgen, welche in dem genannten Jahr die Staatseinnahmen und namentlich die Einnahmen der dcrschicdenen Zweigen des Staatsbettiebs aufzeigen. In diesem Ja:>r haben weniger ergeben als die Voranschläge: die indirrtten Steuern ungefähr 300,000 Mark, die Forst- derwaltung ungefähr 6,600,000 Mark, die Bergwerksver- valtung ll,000,000M.,dieEisenbahnverwaltung 12,000,000 Mark. Wenn bei diesen ansehnlichen Mindereinnahmen das Defizit doch nur den obigen Betrag erreicht hat, so ist dies der Energie zu verdanken, mit welcher das Ministerium für öffentliche Arbeiten die Mindereinnahmen der ihm unterstehenden Betriebszweige durch Ersparnisse bei den Ausgaben auszugleichen erfolgreich bemüht gewesen ist.
Vom Cultusminister v. Puttkamer wird in den Zeitungen berichtet, er habe schon am Montag nach seiner Essener Rede sein Entlassungsgesuch eingereicht und sei auch an diesem Tage nicht auf dem Ministerium gewesen, nachdem der Reichskanzler den Graf Stolberg beauftragt habe, in dieser Sache eine Ministerialsitzung abzuhalten, in welcher denn auch die Dementts der „N. A. Ztg." und der „Post" beschlossen worden seien. Der Kaiser habe aber mit aller Bestimmtheit das Gesuch des Herrn v. Puttkamer zurück- gewieseu, da er mit dessen Kirchen- und Schulpolittk einverstanden sei. In der officiösen Berliner Correspondenz der Wiener „Polit. Corresp.", in welcher der Artikel der „Köln. Ztg.", auf den sich Herr v. Puttkamer bezog, kriti- sirt und als von Richtigem und Unrichttgem gemischt dar-
„Meine Tochter, Niemand darf verzweifeln," entgegnete der Priester mild: „sage mir, was Dich bedrückt, und wenn es in meiner Macht steht, Dtt Trost uno Hülfe zu spenden, soll es geschehen!"
„Oh mein Gott, wir dürfen keine Zeit verlieren, sonst — wird die Königin ermordet."
Er blickte sie entsetzt an — hatte sie den Verstand verloren?
„Folge mir, meine Tochter," sagte er leise und schritt ihr voran nach einer Seitenkapelle. Hier neigte er sein Ohr an ihren Mund, und so erfuhr er Alles — die Geschichte ihrer Rettung durch das alte Fischweib; wie sie von derselben eingeschloffen, wie sich schlafend gestellt, wie sie die Verschwörung gegen die Königin erlauscht, und schließlich, daß eine der gesürchtefftm Republikanerinnen ihrer an der Kirchthüre harre! Sie beschwor dm frommen Vater, ihr einen Rath zu gebm, wie sie ihrer Wächterin mtschlüpfen und den Weg nach Versailles findm könne — sie müsse die Königin retten und sollte eö ihr eigenes Leben kostm!
Vater Jgnazius dachte eine Weile nach, dann zog er ein kleines Horndintmfaß und ein Blatt Papier aus der Tasche und begann zu schreiben. Dann gab er ihr das Geschriebene und theilte ihr mit, wie sie sich zu verhaltm habe. „Ich habe hier einige Worte an eine Kammerftau der Königin geschriebm und sie gebeten, Dich sofort zu Ihrer Majestät zu führen, damit Du ihr ein Maß zu einem Anzuge a la carmagnole nehmen könntest! Dies wttd selbst dem rohesten Republikaner imponttm, wenn Du das Unglück haben solltest, einem solchm in die Hände zu fallen. Dem Offizier du jour fagst Du, ich der Vater JgnaziuS, schicke Dich und er wird Dich ohne
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»ober — warten Sie hier vor der Thür, bis ich drinnen ^ein Gebet gesprochen."
Die Wölfin schüttelte den Kopf. „Die heüige Jung- wtt und ich besuchen einander nicht, entgegnete sie mit
flkür die Monate November und Dezember V werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die Merhessische Zeitung mit deren Gratisbeilage
JÜustrirteS Sonntagsblatt
angenommen.
Die Exped. ö. Oberh. Zeitung.
Umstände zu der Kammerfrau führen — bist Du erst dort, dann ist das Weitere Deine Sache und Gott möge Dir beistehen, dann die rechtm Worte zu findm! Du gehst einen schweren Gang, meine Tochter, und die Engel mögen Dich geleiten!"
Dann führte et sie durch eine Seitenpforte und einen engen dunklen Gang in einen dicht hinter der Kirche liegenden Klostergarten, legte noch einmal segnend die Hand auf ihr Haupt und empfahl sie Gottes und der Heiligen Schutz. Dann schloß er eine kleine eiserne Pforte auf und Susanne befand sich in einer ihr wohlbekannten Straße, fern von der ihrer harrenden Wölfin. „Sagt Pierre, daß ich in Sicherheit bin," war ihr Abschiedswort, dann schritt sie rüsttg vorwärts, immer nur das eine Ziel int Auge haltend, um so rasch wie möglich Versailles zu erreichen.
„Gott sei Dank, daß ich ein kräftiges, gesundes, Bre- tagnisches Bauemmädchm bin," dachte sie. Vater Jgnazius sagte, von hier nach Versailles seien es vier Meilm — in spätestens fünf Stunden kann ich dort sein! Muth, Susanne! „Es gilt einen hohen Preis — das Leben der Königin!"
Währmd Susanne hastigm Schrittes ihrem Ziele zueilte, stand Leonie fröstelnd an der Thür der Kirche und harrte der Gefährttn. Sic blieb lange aus; schon stieg die Sonne herauf und brach sich in den bunten Fenstern des Gotteshauses; Paris erwachte zu neuem Leben und die Wölfin stand immer noch wartend und lauschend unter dem hohen Portal, wie ein Verdammter an der Pforte des Paradieses. Sie träumte von einer verlorenen Seele — ob es wohl die chre war? —
Tortsetzim, folgt.)
M. m, rat-, 3030 um.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hennann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; 6. Schlotte in
Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen: »te Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt o.3JL; Haasenstein & Bögler in jtentfun a M., Berlin Leipzig, Cöln ic.; Rudolf Mie in Berlin, Frankfurt a. 2)1. re.
I« de« Woge« der Revotatio«.
Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.
(Fortsetzung.)
Sie schritten jetzt an der Kirche „unsrer lieben Frauen" Vorbei und wie eine Eingebung schoß Susanne ein Gedanke buch den Kopf.
„Wollm wir nicht auf einen Augmblick hier eintreten," N sie, Leonies Hand erfassend, „oder" (da sie einen seltsamen Ausdruck in Leonies schönen Zügen wahrnahrn)
Ment! Sieh nicht so bestürzt ans, fonbem beeile Dich, denn Morgmlnft ist rauh und mich fröstelt."
Susanne bekreuzte sich fromm und trat dann in die Kirche. Zu ihrem Erstaunen sand sie dieselbe nicht leer; ^haaren von Mädchen und Frauen tnieeten ans dm ?ctschemeln und leises Gemurmel schlug an ihr Ohr. Su» ftnne warf sich im Schatten eines Pfeilers zu Boden und ®dete inbrünstig. Als sie sich erhob, trat ein dunkler Schatten fischen sie und die ewige Lampe; sie blickte auf und hätte beinahe vor Entzücken laut aufgeschrieen, den vor ihr stand ®ater Jgnazius!
i, „Dem Himmel sei Dank," flüsterte Susanne, „nun bin geborgen."
Sie eilte auf den frommen Vater zu und rief mit Vllb erstickt er Stimme:
[ „Helft mir, mein lieber Vater, ober ich muß sonst ver- —' Geiseln!"
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerer) bezogen 2‘ä Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Psg. berechnet.
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—" stöttischem Lächeln, „doch mache ihr immerhin mein Compli