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Marburg, Dienstag, 4. November 1879

xiv. Jahrgang

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Wie eS im Hause steht mit der Bibel, So steht am Hause auch der Giebel.

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von unseren Angelegenheiten reden, diese tonlos. Dann schob sie die

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Erließ. Eine Zeitlang blieb Alles still, aber dann ver- vhm Susanne ein lebhaftes Gespräch, welches offenbar scht unter dem Gemach, in welchem sie sich befand, ge» «hrt wurde; ja, sie glaubte sogar Leonies Stimme zu er- snnen und so kniete sie auf die Dielm nieder und lauschte -ie konnte jetzt deutlich die Stimme der Wölfin erkennen es gelang ihr sogar, durch eine breitere Spalte, ch NN eifrigen Gespräch mit ihrer Beschützerin zu sehen, butter Rothkäppchen stand unten in ihrem Laden und

einer Begriff, der aber, sobald er uns als Vorstellung der Wirklichkeit übersetzt werden soll, sich als bestimmte, eine besondere Religion darstellt. Darum giebt es hl eine christliche oder jüdische, nimmer aber eine allge- leine Religion. Ebenso wie es wohl Aepfel und Birnen

die Seine! Und deßhalb hasse ich will meine Margot rächen! Aber

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatter, sowie d.Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th,

wollen wir nicht jetzt Wölfin?"

„Ja," entgegnete

In den Wogen der Revolntion.

Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.

(Fortsetzung.)

„Schon gut, Mutter, aber wer ist der Engel, dessen Ihr erwähnt? Sollte es wirklich ein solcher sein, welchen Ihr dort oben beherbergt, dann rathe ich Euch, ihm die Flügel zu schneiden, damit er Euch nicht davonfliegt! In Paris sind sie gar selten und da könnte er leicht zu Schaden kommen, es müßte denn — ein Gefallener sein!"

„Oh nein! Aber ich hatte auch einst einen Engel und Ihr werdet es kaum glauben, wenn ich Euch sage, daß sie (ich meine meine verstorbene Tochter) jeden Abend an mein Knie gelehnt, ihr Gebet sprach! Und damals konnte ich auch noch beten! Oh Wölfin, es gab keine lieblichere Blume, als meine kleine Margot! Und sie ward mir geraubt — die Aristokraten nahmen sie mir! Ein elender Marquis stahl ihr Herz und ihre Ehre und da — sprang sie in v:- ' ' " ' 1 "........

die ©bedeute und ich

und Deutsche und Franzosen giebt, nimmermehr aber einen allgemeinen Menschen oder ein „Obst an sich." Damit kann in der Schule auch nur eine bestimmte Religion maßgebend fein, die christliche ober die jüdische. Es kann, wenn die Religion ihre ursprüngliche und nothwendige Bedeutung für die Schule behalten soll, nur christliche oder jüdische, keineswegs aber allgemeine religiöse Schulen geben.

Wie nun aber der Geoanke nur in der Schrift sicht­bar und im Worte hörbar wird, so wird die Religion, so­bald sie von Menschen an Menschen mitgetheilt werden soll, ganz von selber zu einer Confession, einem in sich abgeschlossenen Bekenutniß.

Es giebt gar keine Religion ohne Confession. Con- fessionslose Religion wäre gleichbedeutend mit stummer Stimme und stiller Musik. Wenn der Christ von der evangelischen oder katholischen Confession nichts mehr wissen mag, nun so hat er — falls er überhaupt nicht dem Christmthume abgesagt hat — eben seine eigene Confes­sion, die in demselben Augenblick in die Erkenntniß und in Wirksamkeit tritt, in dem er, seine Religion bekennend, sagt: „Das glaube ich und Jenes glaube ich nicht." Deßhalb ist die Schlußfolgerung: „ConsessionSlos — religionslos" von derselben zwingenden Logik, wie das Ent­weder — Oder, wie Vordersatz und Nachsatz, wie Ursache und Wirkung. Von der Confession kann man also unter keinen Umständen loskommen, wenn man nicht die Reli­gion, das Christenthum überhaupt los sein will. Wer christliche Schulen begehrt, kann sie nur begehren als con- fessionelle, d. h. als evangelische oder katholische Schulen, in denen das Äekenntniß der betreffenden Religionsgemein­schaft (die Confession) das Fundament ist, auf dem die Schule ruht, das Centrum, um das sie sich mit ihrem ganzen Unterrichte bewegt, die Lebenslust, welche alle Schul­bücher, namentlich auch die Lesebücher durchdringt, das Band,^ welches die Lehrer mit den Schülern, und bereit Familien zu bem einheitlichen Ganzen ber Schulgemeinde vereinigt.

sie Susannes tiefes, regelmäßiges Athmen omahm, nickte sie befriedigt mit dem Kopfe und

Was vom Hause und dem Staate gilt, das gilt auch Mn der Schule. In ber Religion allein ist bas geistige Band gegeben, durch welches Unterricht und Erziehung, zu ' er einheitlichen Thätigkeit zusammengefaßt, das ganze en ber Schule zu einem harmonischen Ganzen in einan­gefügt wirb. Die Religion barf barum für bie ute nicht ein bloßer Unterrichtsgegenstand, sondern sie s2Hmß die Lebenskraft sein, die alle Unterrichtsgegenstände — rchdringt. Wie die Planeten um bie Sonne, so müssen

Lehrer unb Schüler in all ihrem Thun unb Lassen bie Religion als ihren gemeinsamen Mittelpunkt be- egen. Wie aber ber Kreis nur einen Mittelpunkt haben am, sofern es kein verschobener unb verschrobener Kreis 'n soll, ebenso kann in ber Schule nur eine Religion aßgebenb sein, wenn man nicht baö Gegentheil von dem eichen will, was man doch erreichen soll. Die sogenannte allgemeine Religion", enthalten in den — wie man sich asgedrückt hat — „allen Religionen gemeinsamen Grund- hrheiten" kann das nicht sein, vorausgesetzt, daß man unter Religion etwas mehr denkt, als unter jenem unten Messer ohne Klinge, an dem der Stiel fehlt, e „Religion an sich" existirt besten Falls nur als all-

Tagesberichl.

Unser Kaiser, welchem bei seiner Ankunft in der mecklen­burgisch en Sommerrestdenz Ludwigslust ein glänzender Empfang bereitet war, hat sich zwei Tage in den Jas- nitzer Forsten mit Jagen beschäftigt und ist am 1. No­vember von dort nach Berlin zurückgekehrt.

Die „N. Pr. Z." veröffentlicht an hervorragender Stelle folgende Note: „Den Behauptungen einiger Zeitungen gegenüber sind wir in der Lage zu constatireu, daß Se. Majestät der Kaiser und König in der bem Vorsitzenben ber Generalsynobe gewährten halbstündigen Audienz seine heit. Mutter Rothkäppchen dagegen erinnerte an einen Elephanten, welcher mit seinen plumpen Füßen Alles niedertritt, was sich ihm entgegenstellt unb das Feuer, welches in ihren kleinen Augen glänzte, hatte offenbar seinen Ursprung in der Schnapsflasche, welche sie in der Hand hielt. Ihre Aermel hatte sie aufgekrempt und ihre rothen, kräftigen Arme und muskulösen Hände sahen viel­versprechend aus.

»Ja", sagte jetzt die Fischhändlerin, „Ihr seid klüger und besser, als wir Alle! Gut, daß Ihr unsere Führung übernommen habt! Ihr verschmäht jedes Getränk, es sei denn Blut, und gegen die Liebe seid Ihr eben so unempfindlich!"

„Ei Mutter Rothkäppchen", sagte die Wölfin; „Ihr werdet ja senttmental! Was bringt Euch denn in diese Stimmung?"

„Ein Engel, welchen ich unter meinem schlichten Dache beherberge", entgegnete das Hallenweib mit einem Schluch­zen, welches wohl halb auf Rechnung des reichlich genos­senen Branntweins zu setzen war. „Früher, als ich noch beten konnte, Bürgerin, glaubte ich an Engel, sah sie aber nie! Und nun glaube ich an Nichts mehr und trotzdem kommt ein Engel, mich zu besuchen! Ach, seit ich selbst ein junges Mädchen war und im weißen Kleide zur Communion ging, habe ich noch nie wieder ein so holdes Geschöpf gesehen, wie das, welches die Menge gestern beinahe zertreten hätte! Aber ich muß noch einen Tropfen trinken — bie Zunge klebt mir am Gaumen."

»Ihr habt genug getrunken," sagte Leonie, bie Hanb auf die Flasche legend.

. „Wirklich, meint Ihr, Wölfin? Nun, Ihr müßt eS wissen! Ich kann Euch Nichts abschlagen! Und wißt

„Danke, Mutter, ich trinke keinen Tropfen", entgegnete e Wölfin. „Wenn es überall nach Pulver riecht und $ Straßenpflaster aufgeriffen ist, muß man seine fünf ’tttne beisammen haben!"

Bewundernd blickte das alte Fischweib zu Leonie auf; tt-5' , ließ sich kaum ein schärferer Gegensatz denken, als diese »83.. Iben Priesterinnen der Freiheit! Leonie war eine elegant weidete Dame; Grazie und Anmuth begleiteten jede ihrer —- Regungen und in ihren Augen blitzten Geist und Schlau-

__- in der einen Hand eine Flasche und in der anderen * Glas.

„Nur einen Schluck, Bürgerin", hörte sie Susanne Ben; „auf das Wohl der Freiheit! Ach, das thut gut ’8’ - cs wärmt den Magen und stärkt das Herz!"

volle Befriedigung über den bisherigen Gang der Synodal- verhandlungen ausgesprochen hat."

Zwischen Berlin und Varzin findet ein lebhafter De­peschenwechsel statt. Fürst Bismarck nimmt an allen Fragen der inneren und äußeren Politik regen Antheil und arbeitet auf seinem Landsitze unaufhörlich mit, trotz­dem sich sein neuralgisches Leiden bis zum unerträglichen ge­steigert hat. Bekanntlich hatte sich der Reichskanzler bei seiner Abreise von Berlin bereits darüber beklagt, daß er in allen Gliedern Schmerzen fühle. Seidem haben sich diese Schmerzen, wie aus den neuesten Mittheilungen hervor­geht, bedeutend verstärkt und versetzen durch ihre ununter­brochene Fortdauer den Leidenden in Erregung und Schlaf­losigkeit.

Der „Reichsanzeiger veröffentlicht eine kaiserliche Ver­ordnung vom 31. Oktober, welche das Verbot der Einfuhr von Reben zum Verpflanzen, vom 11. Februar 1873, auf alle Reben, gleichviel ob zum Verpflanzen geeignet oder nicht, sowie auf alle sonstigen Weinstocktheile, insbesondere Rebenblätter, ausdehnt und nur die Einfuhr von Trauben gestattet, wenn zur Verpackung derselben keine Rebenblätter verwendet sind.

lieber den neu ernannten Justizminister Dr. Friedberg geben wir nachfolgende biographische Notizen: Er wurde am 27. Januar 1813 zu Märkisch-Friedland in West- prenßen geboren, besuchte das Gymnasium zu Danzig und studirte 1833—36 an der Universität Berlin die Rechte; arbeitete beim Kammergericht als Assessor und wurde 1848 zum Staatsanwalt bei demselben ernannt; alsbald nach Greifswald versetzt, wurde er dort schon 1850 zum Ober­staatsanwalt befördert unb hielt gleichzeitig an der dortigen Universität als Privatdocent Vorlesungen über Strafproceß. Im Jahre 1854 wurde er zum Geheimen Justizrath er­nannt und als vortragender Rath in das Justizminsterium berufen. 1857 zum Geh. Ober-Justizrath, 1870 Präsi­dent ber Justiz-Prüfungs-Commission, 1872 zum Wirklichen Geh. Ober-Justizrath unb durch Königl. Erlaß vom 30. November 1872 aus Allerhöchstem Vertrauen zum Mit- gliede des Herrenhauses auf Lebzeit berufen, worauf am 30j_ Juni 1875 die Bestellung zum Kronsyndikus erfolgte; 1873 erfolgte seine Ernennung zum UnterftaatSfecrctär. Nach dem Zustandekommen der Reichsjustizgesetze, an deren Zustandekommen er ein hervorragendes Verdienst hatte — er war als preußischer Bevollmächtigter im Bundesrath stellvertretendes Mitglied der Justizkommission desselben — wurde er als Nachfolger des Herrn v. Amsberg, Direktors der Abtheilung für das Reichsjustizwesen im Reichskanzler­amt, zum Staatssekretär in dem neugeschaffenen Reichs­justizamt ernannt, in welcher Stellung ihn seine jetzige

Ihr, seit wann ich Euch ins Herz geschlossen habe? Seit ich Euch zum ersten Male sah! Damals hatte ein Un­verschämter das Pistol auf Euren Bruder angelegt und da tratet Ihr ruhig neben ihn, faßtet seine freche Hand mit festem Griff und preßtet sie, bis er vor Schmerz laut aufschrie und das Pistol fallen ließ — Ihr hattet ihm 3 Finger zerquetscht! Und damals sagte ich zu meinen Kameradinnen: „Sie sieht fein und zart aus, wie eine Aristokratin, aber sic ist unser mit Leib und Seele und wenn sie jemals die rothe Flagge schwingen sollte, folgen wir ihr durch Dick und Dünn; Ja das thun wir, Wölfin, bis zu den Pfortm der Hölle und sogar bis in das Fege­feuer hinein 1"

, Ein alter Philosoph hat einst versichert, daß man eher LO. me Sta in die Luft bauen, als einen Staat ohne Re­gion erhalten könne. Das hat in seiner Weise selbst läster zugegeben, als er meinte, daß man ohne „ein Bis- 1993 |ttt Religion" im öffentlichen Leben nicht auskommen 8nne, und der Socialdemokrat Bebel erklärte im Reichs­age, daß der Atheismus der gradesteWeg zum SocialiS- »us sei. Unsere Vorfahren aber haben diesen Gedanken n das Sprichwort gefaßt:

Mr m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet. 9 P ö Vf9‘

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d-Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'schc Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendanl in

Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

haasenstein & Vogler in

Frankfurt a. M., Berlin, -. n ^dipfig, 66lu ic.; Rudolf p’S Avise in Berlin, Frank-

Äür die Monate November und Dezember v werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellunge« auf die Bberhessische Zeitung mit deren Gratisbeilage

Jllustrirtes Sonntagsblatt

angenommen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Simultanschule oder CortfessiottsschttleT

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[29 *nn trat sie dicht an das junge Mädchen heran und gggrätfte einen Kuß auf die über das Kissen herabhängenden

Mein Flechen, ehe sie tiefaufseufzend das Zimmer wieder