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Marburg, Freitag, 31. Oktober 1879
XIV. Jahrgang
Lazeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d-Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt «. M., Berlin, Leipzig, Cöln ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank- furt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureauk Den G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Duchhandl.
daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Ählotte in
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2« de« Woge« der Revolatio«.
Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.
lFortsetznng.)
Vierzehntes Kapitel.
Im Gewühl verloren.
„Schweig, Du Narr," schrie Mutter Buffon; „hier
»wt es keine (tzrafen! Da« dort ist der Bürger Montarbas; kui prächtiger Führer ein stolzer Held! Horch, jetzt hält « eine Rede!" v
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.»Freunde, Franzosen, Republikaner, Pattioten!" begann letzt seine Rede, „und Ihr, meine Schwestern, der Stolz ^ Schmuck von Paris; Ist Göttinen der Liebe und okerheit —"
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Deutsches Reich.
Berlt«, 29. Oktober. Unser Kaiser, welcher bei der gestrigen Landtagseröffnung alle Anwesenden durch die Frische seiner Erscheinung und die Kraft seiner Sprache über- raschte, hat sich heute zur Theilnahme an den Hofjagden
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, »Das war prächtigjubelte sie, „schau nur Kleine, wie dort wieder ein Schuß aufblitzt! Und da und dott, oh es riecht schon ganz himmlisch nach Pulver! Ja, Tod den Aristokraten und Krieg bis ans Messer! Hurrah, bald wird das Blut in (Strömen stießen und bann gute Nacht Königthum!"
Wie sinnlos tobte und schrie die Menge, aber zur Steuer der Wahrheit sei es bemerkt, daß im Allgemeinen die Frauen mehr Muth zeigtep, als die Männer! Gar manchem Helden schlotterten die Kniee und er ward bleich bis in die Lippen, während das Weib furchtlos an seiner Seite dem Spiel der Bajonette und Gewehre zusah und nicht mit der Wimper zuckte, wenn ein mörderisches Geschoß dicht neben ihr einschlug. —
ärnclb von Montarbas .ward, sehr gegen seinen Willen von einem Hausen Fischweiber in eine Seitengasse gedrängt. Eine dieser Megären schlang in trunkener Leidenschaft ihrm Arm um feinen Hals und preßte einen Kuß auf feine Lippen. Umsonst strebte er sich zu befreien; wie eiserne Klammern umfaßten ihn ihre Arme und mit einem unsäglichen Gefühl von Ekel ergab er sich in sein Schicksal und duldete ihre Liebkosungm. Und fein Ausharren ward belohnt, denn ein Soldat, welcher auf ihn angelegt, traf Anstatt seiner die Furie und mit einem Wuthschrei sank sie in seinen Armen zusammen, während ihr zerschmettertes Ge him seine Spitzm-Cravatte und sein feines Jabot in Blut tauchte! ...
„Laß sie fallen — sie hat genug!" johlte eine Andere; „komm, schlinge Deine Arme lieber um mich! Sie ist mausetodt und wird nie wieder die Carmagnole tanzen!"
Auch Leonieö Thron war in Folge des Getümmels
Niger Amortisation der ersten 4procent. Prioritätsanleihe aus ihren disponiblen Restbeständen zu thun.
Vor Kurzem wurden über den Stand der Mungg-- arbetten an dem „Großer Kurfürst" Mittheilungen verbreitet, welche dieselben aussichtsvoller hinstellten. Der dagegen erhobene Einwurf, daß dieselbe günstige Nachricht nun schon zum vierten Male austrete, ohne sich bisher bestätigt zu haben, ist unrichtig. Daß das Leck völlig ^schlossen sei, eine Nachricht, welche nachträglich durch Konsularberichte bestätigt worden, war bisher nie gemeldet toorben. Erst jetzt, nachdem diese Vorbedingung jedes Hebungsversuches erfüllt, ist ein Gelingen der Hebung möglich geworden. Weiteres sollte in der neulichen Mittheilung nicht gesagt sein; gegen die Annahme gar zu sanguinischer Beurthellung der Meldung hat es in jener durch die Presse gegangenen Notiz an Kautelen nicht ge- •***• Ils Novum fei heute mitgetheilt, daß nach den letzten Berichten Herr Beutner, oder wenn man lieber will, die Gesellschaft, deren Geschäftsführer Leutner ist, um die Mitte des Monats November bei günstiger Witterung
den eigentlichen Hebungsversuchen zu beginnen beab- Mgt. . Allerdings läuft der bisherige Kontrakt, den die Admiralität mit Leutner geschlossen hat, nur bis Ende Oktober, mdeß ist derselbe, wie verlautet, bis Ende des Jahres verlängert worden.
Wie dem „Pester Lloyd" aus Petersburg von einem »sehr vertrauenswürdigen Korrespondenten" mitgetheilt wird, hält man dort die zwischen England und Rußland bestandenen Abmachungen in Betteff der Respektirung der gegenseitigen Interessensphären in Central-Asien nunmehr für hinfällig. Das politische Rußland widmet nunmehr seine ganze Aufmerksamkeit der central-asiatischen Frage. Die Ereignisse in Kabul sowie die Mißerfolge der im Frühjahr ausgerüsteten Expedition gegen die Turkomanen haben dazu beigetragen, dieser Frage größere Aktualität zu geben. ____________
Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Konstantinopel: Die Pforte hat den Ersatz der albanesischen Truppen an ber griechischen Grenzen durch asiatische Truppen anbesohlen. — Aus Cettinje: die Montenegriner sind bis Orchanitza vorgedrungen; Einwohner von Orchamtza und Pepic sind mit Unterwerfungs-Erklärungen im montenegrinischen Lager eingetroffen.
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Wirklich schien Montarbas das Volk anreben zu Auen; unbewegt unb kaltblütig stand er auf dem ^agen und ließ seine Blicke so unbefangen umher- Meifen, als ob er sich auf dem Parquet eines Salons Stande. Ob er vor seinem Todfeind, seiner Geliebten, j?“® König, den er verrieth, oder vor der Hefe des ^lkes stand, nimmer verlor Arnold von Montarbas seine ^finnung — sein Charakter war in dieser Beziehung eine Seltenheit!
nach Mecklenburg begeben, von wo die Rückkehr auf Sonnabend festgesetzt ist. — Kaiserin Augusta hat sich am vorigen Sonnabend von Baden-Baden nach Coblenz begeben, woselbst Ihre Majestät bis in die zweite Hälfte des November verweilen wird. — Das Kronprinzliche Paar und die Kron- prinzlichen Kinder erfreuen sich nach den neuesten von Pegli eingetroffenen Nachrichten dort eines durchaus befriedigenden Befindens. — Die Thronrede hat dem Landtage ein tüchtiges Arbeitspensum aufgegeben und es ist auzunehmen, daß im Laufe der Session noch Manches dazwischen geschoben wird. Die „Nat.-Ztg." hatte vor einiger Zeit schon von der Unfruchtbarkeit conservativer Landtage geredet, heute steht sie sich selbst genöthigt, einzugestehen, daß jener Vorwurf durch die Thronrede „anscheinend widerlegt werde". Die liberale Aera hat übrigens auch dafür gesorgt, daß die conservativen Parteien sich nicht auf die Bärenhaut legen können; denn es sind so viele Fehler der liberalen Aera zu verbessern, daß der Landtag noch lange Zeit brauchen wird, die Verkehrtheiten der liberalen Sturm- und Drangperiode wieder gut zu machen. Am meisten hält sich die „Nat.-Ztg." darüber auf, daß in der Thronrede fein Wort vom Kulturkampf gesagt ist. Ob die „Nat.-Z." das aus Friedensliebe oder aus Kampfeslust vermißt, läßt sich um so schwerer entscheiden, als die liberale Partei jetzt wenn sie die decimirte Zahl ihrer Fraktion überblickt, im Hinblick auf die früheren Culturkampfsiege das Gefühl von Pyrrhussiegen haben muß. Uebrigens bemerkt die „Nat.- .^tg.": „Recht viele urtheilsfähige Personen sind der Ansicht, daß möglicher Weise schon die nächsten Tage uns durch die Nachricht von einem erreichten Resultat (in den Verhandlungen mit Rom) überraschen werden." Es ist bekanntlich das schon lange unsere Ansicht gewesen; allein um so eher können wir es ja abwarten. Geradezu komisch lautet es, wenn die liberalen Blätter, und so auch jetzt wieder die „Nat.-Ztg.", anläßlich der Maßregeln des Cul- tusministers in Bezug auf die Simultanschulbestrebungen von „Bedrohung unseres Schulwesens" reden, da alle wirklich sachverständigen Männer darin einverstanden sind, daß die Simultanschule — von besonderen Notfällen abgesehen — nicht als eine Verbesserung, sondern Verschlechterung der Schulen anzusehen ist. — Schwere Ausgaben bieten sich der conservativen Mehrheit auf allen Gebieten dar, um wieder Ordnung und gesunde Entwickelung zu schaffen; aber von besonderer Bedeutung ist die Wiederherstellung des in der liberalen Aera im Staat wie in den Gemeinden zerrütteten Gleichgewichts zwischen den Ausgaben und Einnahmen und die Beseitigung der eingerissenen Schulden- wirthfchaft. Leider sieht sich die Regierung genöthigt, auch diesmal wieder eine Anleihe zur Deckung des DeficitS vor- zuschlagen. Dieser Zustand, der schon so viele andere L-taaten an den Rand des Bankerotts geführt hat, muß, wenn er andauert, auch unseren ja verhältnißmäßig finan-
. versunken und nur mit Mühe konnte sie sich unter den Trümmern des Karrens hervorarbeiten. Keiner bot der „Göttin der Freiheü" eine rettende Hand; Jeder dachte nur an sich selbst und hütete sich, seine eigene Haut zu Markte zu tragen! In jenen Tagen des Aufruhrs konnte man zwei Drittel der zu Grunde Gegangenen auf Rechnung bes Gedränges setzen; fgar Mancher fand den Tod, indem sein Fuß ausglitt, denn unfehlbar und unerbitterlich setzte ihm der Nachbar den Fuß in den Nacken und schritt kalten BluteS über ben noch lebenden, zuckenden Körper hmwcg! ...
Alle Bande der Natur, der Sitte waren gelockert und als eine Genossin Mutter Boussons im Sinken deren Kniee umfaßte, traf sie ein Fußtritt derselben in ben’ Mund unb röchalnd brach die Unglückliche zusammen, ohne daß Mutter Bouffon auch nur eine Regung von Mitleid empfunden hätte!
„Wer hätte mir geholfen, wenn ich gestürzt wäre?" lauteten ihre Gedanken; „Mitleid, Gefühl und Menschlichkeit sind rechte schöne Phrasen, aber hier gelten sie nicht! Mein Leben ist so gut, wie jedes andere und wenn Eine von uns zu Grunde gehen mußte, war es schon besser das Loos traf sie und nicht mich!" '
Leonie dankte es ihrer stattlichen und dabei doch auch schlanken biegsamen Gestalt, wenn sie nicht zu Grunde giug,. wie hundert Andere. Sie trieb mit der Fluth vorwärts und ihre starken Arme wußten bald hier bald dott einen Halt, eine Stütze zu fassen. Tief ausathmend gewahrte sie endlich vor sich einen freien Raum und schon wollte sie ihre Schtttte dahin lenken, als ein tausendstimmiges Geheul sie entsetzt zurückschaudern ließ! „Keinen Schtttt weiter! Die Straße ist unterminirt! Fünftausend
Aür die Monate November und Dezember v werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Befteünnge« auf die
Bberyesstsche Zeitung
mit deren Gratisbeilage
Illuftrirtc» LonntagSblatt
angenommen.
______________Die Exped. » Oberh. Zeitung.
Tagesbericht.
Zu dem Schlußpassus ber Thronrebe, welche ben Wunsch des Kaisers nach bem Frieben im Innern ausspricht, bemerkt bie „Prov.-Korrefp."; „Diese Mahnung wirb sicherlich bei ber Vertretung des preußischen Volkes Beherzigung finden Dem Landtag sind Gegenstände von großer Tragwette für die Zukunft zur Beschlußfassung übergeben. Das Gelingen wird nicht fehlen, wenn dabei der über jeden Parteigeist sich erhebende, auf die Sache gerichtete Blick und jene reine Vaterlandsliebe walten, welche auch auseinandergehende Ansichten durch das allseitige Suchen der Wahrheit zum Frieden führen."
Ans Berlin von gestern wird mitgecheilt, die Rattonal- lweralen und Freiconservativen beharren auf dem Ausschluß des Centrums von dem Präsidium des Abgeordnetenhauses und befürworten die Wahl von Bennigsen's zum Präsidien, v. Köller's zum ersten und des Grafen Bethusy Huc zum zweiten Bicepräsidenten. Die konservative Fraktion beschloß, v. Köller als Präsidenten, v. Benda als ersten und v. Heeremann als zweiten Vicepräsidenten vor- zuschlagen. — Das Herrenhaus verwies nach Vereidigung mchrerer Mitglieder den Gesetzentwurf über die Verhältnisse der Dienstboten und andere kleinere Vorlagen an dte betreffenden Fachkommissionen und nahm einige Com- missionswahleu vor. — Nächste Sitzung unbestimmt.
Die außerordentliche Generalversammlung der Berlin- Anhalter Eisenbahn lehnte die Vorlesung der in den wänden der Actionäre befindlichen Vorlagen ab und nahm mit 1044 von 1063 Stimmen den Antrag Kochhann an, Welcher lautet: Die Generalversammlung lehnt die Re- Nerungsoffette von 4 pCt. ab, ermächtigt jedoch bie Bahn- wftänbe, mit ber Regierung betreffs einer bem inneren ^rthe ber Bahn entsprechenden höheren Rente in Verhandlung zu treten unb beten Resultat einer späteren Generalversammlung vorzulegen. Ferner würbe angenommen ein Antrag Richter, wonach die Generalversammlung bie Vorstände der Bahn ersucht, Schritte zu schien-
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196-59 Z“ve unb mlt der Geschwindigkeit eines Hanswurstes in —- Bude verschwand der Redner. Ungeachtet des
nioof jl^stes der Situation brachen doch Viele der Umstehenden Q. d ;..”*! wieherndes Gelächter aus, als sie gewahrten, wie 101^ U/8 ber Trieb der Selbsterhaltung den Volksredner 83.46 i,. 3te und Mutter Bouffon klatschte laut in ihre derben
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