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St. ÜSS.

Marburg, Donnerstag, 30. Oktober 1879.

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Tagesbericht.

I Der Landtag wurde heute Mittag im weißen Saale des königlichen Schlosses feierlich eröffnet.

Gegen 250 Mitglieder der beiden Häuser des Land­tages, die Generalität und höchsten Staats-Behörden waren anwesend. Zn der Diplomatenloge waren der österreichische und der türkische Botschafter, der schwedische und der amerikanische Gesandte, sowie mehrere Attaches. Um 12*4 Uhr traten die Minister Graf zu Stolberg, v. Kameke, Graf Eulenburg, Maybach, v. Bitter, v. Putt- kamer und Lucius ein und nahmen links vom Throne Aufstellung. Kurz vor 12*/z Uhr erschien Se. Majestät der Kaiser, dem die obersten Hofchargen vorausschritten. Der bisherige Präsident des Herrenhauses, Herzog v. Ra- tibor brachte ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Der Kaiser bestieg den Thron, von welchem rechts die Prinzen Karl, Friedrich Karl und Georg, sowie Prinz August v. Württemberg Ausstellung nahmen, bedeckte das Haupt mit dem Helm und verlas die folgende Thronrede, welche an mehreren Stellen mit Beifall ausgenommen wurde:

Erlauchte edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages! Indem Ich die Gesammtvertretung der Monar­chie nach Erneuerung des Hauses der Abgeordneten wiederum begrüße, ist es Mir Bedürfniß, nochmals den Gefühlen innigen Dankes Ausdruck zu geben für die Beweise der Theilnahme, welche Mir und Meiner Gemahlin bei Ge- legenheit des durch Gottes Gnade im Frühjahr begangenen Festes aus allen Kreisen des Bottes, zugleich unter reicher : Bcthätigung des Patriotismus, gewidmet worden sind. In jenen Kundgebungen habe Ich ebenso wie in den mannig­fachen Erweisen der Liebe und Treue, die Mir neuerdings in verschiedenen Provinzen der Monarchie zu Thell ge- ' worden sind, eine erhebende Bestätigung der Ueberzeugung gefunden, daß unter allem Wandel der Zeiten das innige I Band zwischen Fürst und Boll, auf welchem das Erblühen der preußischen Monarchie von jeher beruht hat, in aller Festigkeit besteht und eine weitere geeignete Entwickelung verbürgt. Die Finanzlage und der Staatshaushalt werden

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Mutter Carey' sHähn d.e l".

Es gab kaum eine seltsamere Bande von Amazonen, als die Hallstnweiber von Paris. Derb, kühn, schamlos und entwürdigt, hielten sie doch streng auf ihre Satzungen ""d Institutionen, und wehe derjenigen, welche einen Wider- fpmch wagte!

Es war im Mai; jenem Monat, in welchem Frank- veich einem lachenden Paradiesgarten gleicht. Das Par­lament war wieder zusammengetreten und der Hof sowohl wie die Bürger von Paris knüpften neue Hoffnungen daran. Neckar und der König versprachen sich vielleicht '"ehr davon, als zu rechtferttgen war, und die Königin ^ar zu wenig selbstsüchtig, um die Befürchtungen, welche ste vielleicht empfinden mochte, Andern mitzutheilen. Steuer- trieb das französische Staatsschiff auf den Wogen; der Kapitän war fassungslos, die Mannschaft in Meuterei und die Passagiere in Lebensgefahr. Die Sturmvögel flogen

-..v yi.:, aber Niemand verstand ihre mahnenden Flügelschläge zu deuten und ihr dumpfes Geschrei verhallte m dem Tosen der Brandung. Das neue Parlament bestand aus Edelleuten, Geistlichen und Bürgem; die Letz- teren nannte man wohl auch dmdritten Stand," und !le bildetm bei Weüem die Mehrzahl der Versammlung. _ An einem strahlenden, sonnigen Maimorgen waren die ^ttaßen von Paris schon früh gedrängt voller Menschen. Arbeiter, Handwerker und Kaufleute standen in Gruppen beisammen, gestikulirten lebhaft und schwangen ihre ver-

Srscheim täglich außer «n den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker.,) bezogen 2i Mark, durch die Postämter d-S Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg l-xcl. B-st-llgebühi)^-^settionSgebühr str die gespaltene Zerle lO Pfg

Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

I« de« Woge« der Revolalioa.

Frei bearbeitet von Vittor Schwarz.

(Fortsetzung.)

Dreizehntes Kapttel.

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flkür die Monate November und Dezember V werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die Dberhessische Zeitung mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS Sonntagsblatt

angenommen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Aeituag.

in Folge der Mehreinnahmen, welche auf Grund der Steuer­reform im Reiche aus den Erträgen der Zölle und der Tabakssteuer den einzelnen Staaten zufließen sollen, im Lause der nächsten Jabre allmälig erhebliche Verände­rungen und Erleichterungen erfahren. Dieselben konnten jedoch bei der Aufstellung des Etats für das nächste Jahr noch nicht von entscheidender Bedeutung sein. Wenn auch aus den Erträgen der Reichssteuern eine nicht unbeträcht­liche Mehreinnahme schon für das nächste Jahr in Aussicht genommen werden kann, so wird doch die augenblickliche Finanzlage noch wesentlich durch die Nachwirkung der seit­herigen Verhältnisse bestimmt. Im letzten Verwaltungs­jahre haben die Einnahmen zur Bestreitung der Ausgaben nicht hingereicht. Auch ist eine Erhöhung des Matricu- larbeitrags für das laufende Jahr nothwendig geworden. Bei dem auf den meisten Gebieten der Erwerbsthätigkeit fortdauernd lastenden Drucke haben die Ausgabebedürfnisse des Staates in den regelmäßigen Einnahmen des nächsten Jahres ihre Deckung nicht vollständig finden können. Die zur Ergänzung erforderlichen Mittel werden wiederum im Wege der Anleihe zu beschaffen sein. Die darauf bezüg­lichen Gesetze werden Ihnen mit dem Staatshaushaltsetat unverzüglich vorgelegt werden. Meine Regierung hegt die Zuversicht, daß Sie ihr bereitwillig helfen werden, die Schwierigkeiten der jetzigen Uebergangszeit zu überwinden, des UebergangS, so Gott will, zu einer Zeit neuen wirth- schastlichen und finanziellen Aufschwunges. In Erfüllung der dem Landtage während der vorigen Session ertheilten Zusage wird Ihnen alsbald der Entwurf eines Gesetzes vorgelegt werden, welches die Verwendung der dem Staats­haushalte aus dem Ertrage der Reichssteuern zufließenden Mehreinnahmen zu Classen- und Einkommensteuer-Erlaffen, vorbehaltlich anderweitiger mit Zustimmung des Landtages darüber zu treffenden Verfügungen, zu regeln bestimmt ist. Eine durchgreifende Reform der direkten Besteurung wird bis zu einer günstigeren Gestaltung der Finanzlage vor­zubehalten sein. Um aber eine für viele Gemeinden drin­gend wünschenswerthe Erleichterung ihres Haushaltes durch Erweiterung ihrer Einnahmequellen eintreten zu lassen, wird ihnen die Einführung einer Steuer vom Ausschank geistiger Getränke und vom Kleinhandel mit Branntwein vorgeschlagen werden. Der Entwurf dieses Gesetzes, von welchem zugleich eine heilsame Gegenwirkung gegen den in wirthschaftlicher und sitllicher Hinsicht bedenklichen Andrang zu derartigen Geschäften erwartet werden darf, sowie ein fernerer Gesetzentwurf wegen Besteuerung des Wanderlager- Betriebes zu Gunsten der Communen wird Ihnen dem­nächst zugehen. In hervorragender Weise wird Ihre Mit­wirkung auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens in Anspruch genommen werden. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß nur im Wege entschlossener Durchführung des Staats- eisenbahnsystems die Eisenbahnen der öffentlichen Wohl­schiedenen Werkzeuge. Die Fleischhauer schulterten ihre Beile, die Zimmerleute ihre Aexte, die Schneider fuchelien mit ihren Ellen in der Luft herum und ein kleiner Schuster hanttrte in Ermangelung von etwas Besserem mit einem Pfriemen! Und mitten unter all diesen Gruppen flatterten Mutter Carey'sHähndel", wie man die Pariser Fisch­weiber spottweise nannte, luftig umher; gaben hier einen Schlag mit Zinsen zurück, theilten dort verschiedene Püffe aus und warfen Manchem eine Artigkeit an den Kopf, welche dem Getroffeneil das Blut in die Wangen trieb! Es war eine entsetzenerregende Bande, welche in drastischer Weise das Dichterwort verkörperte:Da werden Weiber zu Hyänen" rc. , die Aelteren trugen zumeist schwarze At- laskleider, während die Jüngeren schreiendere Farben ge­wählt hatten; dagegen waren sie sämmtlich mit Schmuck überladen und das Haar war so sorgfältig geordnet, wie es nur eine Pariserin versteht.

Na, wie geht's denn, mein Hühnchen?" redete ein derbes, breitschultriges Mannweib ein zitterndes Mädchen an, welches an dem Arme eines Atleihen inmitten der wilden Schaar stand und sich besorgt nach allen Seiten umschaute.

Danke, danke ich ich fürchte mich," flüsterte sie erschrocken und barg ihr Gesichtchen scheu mit den Händen.

Ja, das sehe ich, mein Täubchen," lachte die Aeltere; Kinder, wie Du, gehörm auch nicht hierher! Geh' nach Hause und schüre das Feuer, damit das Esten nicht kalt wird! Wie? Hast Du keinen Appettt? Na, der kommt schon! Heute zum Nachtmahl gibt es Blut! Blut, mein Herz, wie gefällt Dir das?"

Oh Pierre, ich ängstige mich tobt," stöhnte das

Kassel und Hannover; Th.

Dietrich in Frankfurt o.3JL;

Haasenstein & Bögler in 1 zrankfurt a M., Berlin,

Leipzig, Löln rc.; Rudolf Nahe in Berlin, Frant-

fahrt mit solchem Nachdruck und Erfolge dienstbar ge­macht werden können, wie dies die Interessen des Landes mit wachsender Stärke erheischen, hat Meine Regierung mehrere Verträge vereinbart, welche die Ueberführung wich­tiger Aetien-Eisenbahn-Unternehmungen in die Hände des Staates zum Gegenstand haben. Dieselben werden als­bald Ihrer Beschlußfassung unterbreitet werden. Wesent­lich vermöge der von ihr eingeschlagenen Schritte ist die Regierung in den Stand gesetzt, Ihnen zugleich die Aus­führung neuer Eisenbahnlinien durch die Hand oder doch mit Unterstützung des Staates vorzuschlagen, dazu be­stimmt, wichtige Landestheile aufzuschließen und mit dem vaterländischen Eisenbahnnetze in Verbindung zu bringen. Auch die Verbesserung der Wasserstraßen bildet den Gegen­stand angelegentlichster Fürsorge Meiner Regierung. In einer ausführlichen Denkschrift werden Ihnen die Ziele dargelegt werden, welche die Regierung in planmäßigem Vorgehen bei der Regulirung der fünf Hauptströme, des Rheins, der Weser, der Elbe, der Oder und der Weichsel ins Auge gefaßt hat, und welche Gesammtmittel dafür er­forderlich sind. Die weitere Durchführung der Verwal­tungsreform erfordert Abänderungen in der Einrichtung der höheren Verwaltungsbehörden, deren gleichzeitige Ein­führung in dem gesammten Umfange der Monarchie zur Herstellung einer gleichmäßigen Organisation der allge­meinen Landesverwaltung geboten erscheint. Nicht minder bedarf es der Ausdehnung der Verwaltungsgerichtsbarkeit und der Vorschriften über die Zuständigkeit und das Ver­fahren der Verwaltungsgerichte und der Verwaltungsbe­hörden auf das ganze Staatsgebiet. Dieselbe wird be­dingt durch eine Revision der bezüglichen Gesetze, welche unter Aufrechthaltung der Grundlagen derselben die bei ihrer Handhabung hervorgetretenen Mängel beseitigt. In den Gesetzentwürfen, welche behufs Erreichung dieser Ziele Hnen zur Beschlußfassung zugehen werden, sind zugleich lrebergangs-Bestimmungen vorgesehen, um die Wirksamkeit der neuen Einrichtungen in denjenigen LandeStheilen zu stellen, welche der Verwaltungsreform enstprechende Kreis- und Provinzial - Ordnungen noch nicht be­sitzen. Den Erlaß der letzteren unausgesetzt zu fördern, wird Meine Regierung sich angelegen sein lassen. Der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Aufbringung der Gemeinde-Abgaben, dessen Vereinbarung durch die Aus­dehnung der Verwaltungsresyrm erleichtert, aber auch um so dringlicher wird, soll Ihnen von Neuem vorgelegt wer­den. Meine Regierung ist bestrebt gewesen, die durch die neue Organisation der Gerichte und die Einführung des neuen Prozeßverfahren bedingten umfangreichen und viel­seitigen Arbeiten so zu fördern, daß die am 1. Oktober d. I. in Kraft getretenen Reichsjuftizgesetze und die dieselben er­gänzenden Landesgesetze einen geebneten Boden fanden. Die neuen Gerichte haben ihre Thätigkeit sofort zu beginnen

| Mädchen sich fester an seinen Begleiter schmiegend; der Letztere sprach leise ihr zu und endlich schien sie sich zu beruhigen.

Susanne war immer noch nicht verheirathet; ihre Großmutter war nach kurzer Krankheit gestorben und erst jetzt, nach Ablauf des Trauervierteljahres hatte Vater Jg- nazius dem jungen Mädchen zugeredet, die Hochzeit nicht länger aufzuschieben. Sie hatte errölhend eingewilligt und morgen sollte die Feier stattfinden. Pierre hatte heute einen freien Tag und so unternahmen sie einen kurzen Spazier­gang, als er aber jetzt sah, wie Susanne sich ängstigte, verwünschte er diesen Einfall.

Kind, wie kommst Du hierher?" redete die Sprecherin von vorhin Susanne nochmals an.Du siehst so fein aus, wie eine Prinzessin am Ende bist Du eine ver- kappte Aristokratin? Na, Du brauchst nicht zu erschrecken Mutter Bouffon muß ihren Spaß haben! Nenne mich rundweg Mutter Bouffon!"

Ich ängstige mich," entgegnete Susanne, sie scheu axv- blickend.

»Wie? Wohl wegen des delikaten Nachtmahls, von welchem ich vorhin sprach? Bürger, ich rathe Euch, bringt die Kleine nach Hause sie taugt nicht hierher! Wenn ich meinen Posten hier verlassen dürfte, würde ich sie am liebsten selbst in Sicherheit bringen, denn meine breiten Schultern kommen überall durch, aber die Wölfin hat mir befohlen, sic hier zu erwarten!"

Die Wölfin?" rief Susanne lebhaft;kommt sie hierher?"

Ja wohl, meine Kleine! Willst Du ste sehen?" Ja, das möchte ich schon."

Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton d. Blattet sowie d Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalibendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-!!

Anzeigen nimmt emgegen: die Expedition d.BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th. Dietttch & Co. in