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Marburg, Sonntag, 26. Oktober 1879
XIV. Jahrgang
ünzeigen nimmt tmgegen: oie Expedttio« d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Cöl.n rc.; Rudolf Lioste m Berlin, Kraut« surr a. M. rc.
(O[ici1|cffHii|c jfitimii.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'fche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendani in Berlin; W- Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen-
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angenommen.
Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
Woche« - Ueberficht.
Am Mittwoch Vormittag ist unser Kaiser bei vor- ttefflichem Befinden von Baden-Baden kommend wieder in seine Hauptstadt Berlin eingezogen, woselbst er nunmehr für den Winter Residenz genommen hat. Der Aufenthalt des Kaisers in Baden - Baden war während der letzten Wochen ein vielbewegter. Sah sich doch Kaiser Wilhelm während desselben durch Vorstellungen seines leitenden Ministers bewogen, einer völligen Frontändemng unserer bisherigen auswärtigen Politik seine förmliche Gutheißung zu geben. Es ist heute gar keine Frage mehr, daß die Nachrichten von dem Abschlüsse eines förmlichen Bündnisses zwischen Deutschland und dem habsburgischen Kaiserstaate richtig sind. Daß eS Kaiser Wilhelm große persönliche Ueberwindung gekostet hat, in diese Aenderung unserer auswärtigen Politik zu willigen, die Rußland öffentlich für aus der Zahl der verläßlichen Freunde Deutschlands ausgeschieden erklärt, braucht nicht gesagt zu werden. Kaiser Wilhelm hat nochmals btthätigt, daß er keine höheren Erwägungen kennt, als die des Wohles seines Reiches, und die Bewohner des letzteren insgesammt müssen ihm dessen Dank wissen.
Die Nachricht vom Abschluß eines Bündnisses zwischen Deutschland und Oesterreich wird in den Wiener Blättern vielfach besprochen und zwar in durchweg günstigem Sinne. Die Interessengemeinschaft beider Staaten wird betont, und zwar von Blättern der verschiedensten Parteifarbe. Einige Blätter, die zuerst an das Vorhandensein eines schriftlichen Vertrags nicht glauben wollten, mußten ihre Zweifel bald aufgeben. Im Reichörath ist eine größere Anzahl von Gesetzentwürfen eingebracht worden, namentlich über, die Verwaltung Bosniens und der Herzegowina und über die Wehrverfassung.
Der Präsident der französischen Republik, Grsvy, ist mit dem Entschlüsse, den Anarchisten das Handwerk zu legen, in's Elysse zurückgekehrt und hat sofort den Justiz- Minister veranlaßt, ein Rundschreiben an die General- prokuratvren mit der Ermahnung, streng die Gesche zu handhaben, zu richten. Dasselbe ist vom 17. October da-
I« de« Woge« der Revolution.
Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.
iFottsetzung.)
„Nun denn, Du sollst Alles erfahrens Leonie. Am ganzen Hofe fand sich Niemand — ich muß sehen, daß uh sonst wo Jemand auftreibe!"
„Und wann findet das Duell statt?" fragte sie nach kurzem Sinnen.
„Morgen früh um acht Uhr bei den drei Tannen im «vw de Boulogne. Hoffentlich regnet es nicht; es ist so unbehaglich, wenn man vor dem Frühstück naß wird!"
Leonie blickte plötzlich auf, wie von einer Idee durch- juckt. „Bürger Montarbas," sagte sie ernst, „wenn auch uur eine Frau, bin ich doch Kopfab's Schwester und als solche kann ich Rach schaffen! Es wäre Wahnsinn, jetzt w der Nacht nach einem Secunbanten herum zu laufen Und ^vielleicht keinen zu finden! Nein Arnold überlaß mir K Sache! Gehe zu Bett und schlafe ruhig bis zum Georgen — ich stehe Dir dafür, wenn Du zu den drei Hannen kommst findest Du einen Secundanten! Oh, ich habe noch gute Freunde — ich verspreche nicht zu viel!" „Und welchem Deiner Bewunderer denkst Du die be- ueidenswerthe Rolle dieses Secundanten zu? Bedenke r-evnie, er darf nicht nur Patriot, er muß auch ein Edel- u>am, oder wenigstens — ein Ehrenmann sein!"
„Wahrhaftig, diese Jmperttnenz übersteigt alle Begriffe! Aber beruhige Dich! Dir gilt eS nur um Deine persön- uche Ehre, aber ich muß für die Ehre unserer Partei Ivrgen! Gehe jetzt zu Bette: sage Deinem Kammerdiener, tr möge Dich um sieben Uhr wecken und eiue Tasse Kaffee und einen Schluck Rum für Dich bereit hallen! Du
ttrt, hat bisher aber weder die Communards erschreckt, noch die Blanqui und Genossen eingeschüchtert, die im Süden ihre Wühlerei sortsetzen. In Lyon wurde Blanqui wie ein Volksheld und Sieger von der Arbeiterbevölkerung impfangen. In Marseille tagt seit dem 20. d. M. der Arbeitercongreß, zu dem Theilnehmer aus der Nähe und Ferne, darunter viele Frauenzimmer, zusgmmengeströmt sind. In Lyon hat das socialistisch^Wahlxomitö für eine zu besetzende Gemeinderathsstelle denselben '"Louis Garel aufgestellt, der . Secretär des Wohlfahrtsausschusses war und sich in seinem Wahlkreise seiner Thaten unter der Commune rühmt. In einer Adresse der Demokraten des Var an Rochefort heißt es: „Eine Mutter verstößt nicht die besten ihrer Söhne!" und dieses Wort macht die Runde durch die anarchistischen Blätter, während die Rspublique Frantzaise ihre Agitation für die allgemeine Amnestie fortsetzt. Die Gerüchte über eine Ministerkrisis sind an der Tagesordnung, werden aber regelmäßig widerlegt.
Die neueste Rede SaliSbury's in Manchester, in der er sich so unumwunden gegen Rußland aussprach und die deutsch-österreichische Vereinigung mit Freuden begrüßte, wird nicht allein von der Mehrheit der englischen Blätter, sondem auch in politischen und diplomattschen Kreisen sehr belobt; ihre gegen die heftigen Angriffe der Opposition wohlthätig abstechende ruhige Darlegung der allgemeinen auswärtigen Politik des Ministeriums hat unverkennbar einen guten Eindruck gemacht, den spätere Partei-Angriffe kaum abschwächen dürften. Vielfach heben die englischen Blätter hervor, daß Deutschland und Oesterreich im Falle von Verwicklungen auf die Unterstützung Englands zählen könnten.
Dem dänischen Reichstage ist (zum siebenten Male) ein Gesetzentwurf über die Ordnung des Landesheeres und der Seewehr vorgelegt worden.
Daß das deutsch - österreichische Bündniß in Rußland das größte Aufsehen gemacht hat, ist sehr natürlich. Be- merkenöwerth ist, daß die russische Presse bis heute sich noch nicht an eine Besprechung dieses Ereignisses herangewagt hat. Der Schlag, den Fürst Bismarck in Wien gegen die panslawistischen Zukunftspläne geführt, hat dort offenbar derartig bestürzt, oaß man sich noch immer nicht recht in die neue Lage finden kann. Die Hetzereien find gänzlich verstummt und der von der panslavistischen Presse gefeierten Orgie scheint jetzt der schwerste Katzenjammer nachzufolgen.
Die Türkei hat wieder einmal eine neue Ministerkrise erlebt. Said ist Großvezier, Mahmud Ne<nm Minister des Innern geworden. Die übrigen Minister sind die bekannten Statisten, die bei jeder Ministerkrise auftauchen, bezw. verschwinden. Irgendwelche Wichligkeit ist diesem Dekorationswechsel nicht beizulegen, denn den russischen Neigungen des Herrn Mahmudow wird das deutsch-öster- siehst, ich verstehe mich auf dergleichen. Dann nimm einen warmen Mantel um, birg Dein Schwert unter demselben und eile ins Bois de Boulogne. Dort wird ein Secundant Deiner harren, daraus gebe ich Dir mein Wort — das Uebrige ist Deine Sache."
Noch zögerte der Graf.
„Leonie, kann ich mich auch auf Dich verlassen?" fragte er unschlüssig.
Ein dunkles Roth, das Roth des Zornes trat in ihre bleichen Wangen. „Verlaß Dich auf mich," murmelte sie dann, „als ob ich von Adel und Deine Mutter oder Deine Schwester wäre!"
„Warum nicht, als ob Du mein Weib wärest?" lachte er, ihre Hand an seine Lippen ziehend. „Ich weiß zwar noch nicht, ob man seinem Weibe trauen darf, ich habe noch keines gehabt, fuhr er dann fort. Sie entzog ihm hastig chre Hand, warf den Mantel über die Schlittern und eilte hinaus in die finstere Nacht.
Leonie's erster Gang war nach Hanse und als Lord Fitzgerald in der Frühe des kalten Wintermorgens durch die Straßen eilte, um den Marquis von Vaucourt aufzusuchen, ward er auf Grund eines jener lettres de cachet festgenommen und in die Bastille geschleppt! Er ahnte nicht, daß sein Name über des Königs Unterschrift von einer ihm gänzlich fremden Fran, von Leonie Armand ausgefüllt worden — er glaubte einfach, es sei ein Jrrthnm im Spiele und bemühte sich, wiewohl vergeblich, dies den Wachen, welche ihn nach der Bastille escottirten, begreiflich zu machen.
»In solchen Angelegenheiten irrt man sich nicht, mein Herr," sagte der in seiner Würde gekränkte Sergeant kurz und bestimmt.
reichische Bündniß schon Zügel anlegen. Von all den neu ernannten Männern ist nichts zu hoffen, eben so wenig wie von den alten zu erwarten war.
Tagesbericht.
Freitag Nachmittag l Uhr fand in Berlin in der Militärkirche die Trauerfeier für den verstorbenen Minister v. Bülow statt. Die Kirche war überfüllt von Leidtragendm. In der Nähe des Trauerkatafalkes standen die Minister Graf Stolberg, Graf Eulenburg, v. Kamecke, Bitter, Lucius und Hofmann die früheren Minister Falk und Hobrecht, der englische, russische, ftanzösische, türkische und österreichische Botschafter, der bayerische, sächsische, amerikanische, griechische und chinesische Gesandte, die Beamten des auswärttgen Amtes, Feldmarschall Graf Molkte und viele andere Generäle. Gegen 2 Uhr erschien der Kaiser mit dem Prinzen Karl und militärischem Gefolge. Se. Majestät richtete an die Wittwe des Verstorbenen, derselben die Hand küssend, sodann an jeden der Hinterbliebenen sechs Söhne Beileidsworte und nahm dann rechts vom Altar, vor welchem die Leiche aufgebahrt war, Platz, während die Hinterbliebenen links Platz nahmen. Nach dem Chorgesang hielt Generalsuperintendent Büschel die Leichenrede und ertheilte den Segensspruch. Nach dem Gesang des Liedes: „Wenn ich einmal soll scheiden," wurde der Sarg nach dem Leichenwagen getragen und unter dem Gefolge von zahlreichen Hof- und Privatwagen nach dem Friedhof der Apostel-Gemeinde abgeführt. ’
Ueber die Einziehung der 20-Pfennigstücke schreibt die „Nat.-Ztg.": Die zuständigen Ausschüsse des Bundesraths sind nunmehr, wie man uns schreibt, in die Berathung über den Antrag, die 20-Pfennigstücke einzuziehen und in 2-Markstücke umzuprägen, eingetreten. Es haben inzwischen Erhebungen über das Bedürfniß und die Verhältnisse im praktischen Verkehr stattgefunden, und es ist nach alledem anzunehmen, daß der Zustimmung zu dem Anträge nichts entgegengestellt werden möchte. Die Einschränkung im Umlauf der 20-Pfennigstücke wird sich jedenfalls als eine Wohlthat Herausstellen, obschon man ihre völlige Einziehung nicht vornehmen wird. Es ist bei dieser Gelegenheit auch die Frage wegen der allmähligen Einziehung der Thaler wieder in Anregung gekommen. Man hat vor einiger Zeit an der Ausnahme festgehalten, als sei die Beibehaltung der Thaler ein allgemeines und lebhaftes Verkehrsbedürf- niß, und es ist in Folge dessen angeordnet worden, die seit einiger Zeit eingezogenen Thalerstücke wieder in Verkehr zu bringen. Indessen ist nach kurzer Zett ein so beträchtlicher Theil der ausgegebenen Summe wieder an die Bank zurückgekommen, daß man von einer weiteren Ausgabe Abstand genommen hat. Es scheint hiernach, daß man
»Aber ich sage^ Ihnen, es kann nicht anders sein. Oder sollte mein Schneider die Frechheit gehabt haben, mich zu verklagen? Aber nein, das ist nicht denkbar — wegen einer SchneiberrOnnng stellt der König keinen Verhaftsbefehl aus! So laßt mir nur noch zwei Stunden Zeit — es betrifft einen Ehrenhandel und —"
„Genug des Geredes! Folgen Sie nnö!"
Und mit diesen Worten setzte sich die Escorte mit ihrem Gefangenen in Bewegung und es dauerte nicht lange, so war die eherne Pforte der Bastille hinter dem Unglücklichen zngefallcn und er einstweilen für die Außenwelt tobt . .
Der Marquis von Vaucourt schritt indeflen in leicht begreiflicher Auflegung in seinem Gemach auf und ab; er wartete bis zum letztmöglichen Moment und fuhr endlich fluchend allein nach dem Bois de Boulogne. Dort schickte er den Wagen zurück und schritt allein nach dem Platz des Rendezvous. Der Morgen war trübe und nebelig; man konnte kaum die Hand vor den Augen sehen und Vaucourt hoffte noch immer, der Ausgebliebene werde sich noch einfinden. Fitzgerald erschien nicht und er ergab sich endlich darein, ohne Semndant zu fechten.
Endlich erschien auch Montarbas und zwar gleichfalls allein. Erstaunt späte Jeder nach dem Secundanten des Andern, aber keiner sprach ein Wort — das wäre gegen die Etiquette gewesen! Schweigend bot der Graf dem Marquis eine Prise, schweigend nahm sie derselbe und bann stauben Beibe wieder unbeweglich. Enblich unterbrach ein rascher Schritt bie unbehagliche Stille; „bas ist Fitzgeralb," bachte ber Marquis; es ist Leonie'ö Verehrer, murmette Moittarbas. |
(Fortsetzung folgt.) 1