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Är. aas.

Marburg, Mittwoch, 22. Oktober 1879

xiv. Mrgang

Anzeigen nimmt cmgegen: die Erpedilion d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von LH, Dietrich & To. in staffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin. Leipzig, Löln re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Arant - furt a. M. re.

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GttMchk Jcit iiiiii

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d- Annoncen-Bureaux von ®. 8- Daube & Co- in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandi ung das elbst;

Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. LhieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagenlnach> Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen BeilageJlluftxtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (stoch'sche Buchdrucker-» bezogen 2k Mark, durch dte Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). -Insertionsgebühr für die gespaltene Zette 10 Pfg. Für m der Sxpeditton zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Tagesbericht.

Das Staatsministerium trat Sonnabend Mittag unter dem Vorsitz des Grafen v. Stolberg-Wernigerode zu einer Sitzung zusammen, in der es stch, wie mitgetheilt wird, neben kleineren Vorlagen um die Feststellung des Etats, dessen definitiver Abschluß durch die Eisenbahnvorlage bis­her verzögert war, und um den Bericht an den Kaiser über die verschiedenen dem Landtage zu unterbreitenden Gesetzentwürfe handelte. DerNat.-Ztg." wird darüber Folgendes berichtet:Wie verlautet, würde stch das Deficit in dem Voranschlag des preußischen Staatshaushalts pro 1880/81 auf etwa 42 Millionen Mark stellen. Die Ma- tticularbeiträge Preußens sind mit 22 Millionen Mark in Ansatz gebracht, d. i. um 18 Millionen Mark niedriger als für das laufende Jahr. Die Genauigkeit der Zahlen lasten wir auf sich beruhen, im Allgemeinen scheinen sie richtig zu stehen. Nach den im letzten Landtage gepflo­genen eingehenden Verhandlungen und nach den Erklärungen des frühereu Finanzministers Hobrecht berechnete sich das preußische Deficit etwa gleich hoch wie die zeitigen Matri- cularbeiträge rund 40 Millionen Mark. Somit tritt uns in obigen Zahlen eine wenig erfreuliche Finanzlage Preu­ßens entgegen. Die Erspamiß durch Herabminderung der Matricularbeiträge in Folge der neuen Mehreinnahmen des Reiches um 18 Millionen Mark ist wohl hauptsäch­lich absorbirt durch die Vergrößerung der Differenz zwischen den eigenen Einnahmen und Ausgaben, was gleichbedeutend mtt einer Erhöhung deS Deficits um dieselbe Summe ist. Da bei der Ausgabenveranschlagung, wie mehrfach gemtt- dtt wurde, die äußerste Sparsamkeit beobachtet sein soll, so muß die Ursache der ungünstigen Bllanz in den Ein­nahmen gesucht werden, bei denen die Eisenbahnen, die Berg- und Hüttenwerke, die Domänen Md Forsten die wichtigste Rolle spielen, was allerdings eine eigenartige Einleitung für die großen Verstaatlichungsvorschläge blldet. Die bezügliche Vorlage ist übrigens ausgearbeitet und wird uns als ein sehr eingehendes und voluminöses Actenstück beschrieben. DaS Debüt des Herrn Bitter ist kein glän­zendes und man spricht bereits von dem Projekt eines Tausches der Portefeuilles, welche auch daS Finanzmini­sterium einbegreifen würde. Wir können dabei natürlich für nichts einstehen, als für die Existenz eines solchen Gerücktes in sonst wohl informirten Kreisen." Was kann Herr Bitter dafür, wenn der in der liberalen Aera Del­brück-Camphausen entstandene wirthschaMche Nothstand noch fortdauert und er das vorhandene Deficit zwischen wirklichen Einnahmen und Ausgaben nicht mehr, wie s. Z. Camphausen, mtt Milliardenbeständen verdecken kann? Während der liberalen Aera tourben die Ausgabe in einer Weise erhöht, daß dieser Ausfall zwischen Einnahmen und Ausgaben gar nicht ausbleiben konnte. Wenn der Libera-

I« de« Woge« der Revolution.

Frei bearbeitet von Viktor Schwarz, l Fortsetzung.)

Jaques Armand blickte seine schöne Schwester verwirrt an es war ihm neu, solche Eigenschaften wie die letztgenannten von einer Frau rühmen zu hören. Indessen sie mußte ihn kennen und so begnügte er sich mit ihrer Versicherung.

Bruder und Schwester befanden sich in Leonies Ge­mach, welches Arnold Montarbas seit seinem ersten Be­suche schon gar häufig wieder betreten hatte. Wenn Jemand der Wölfin gesagt hätte, sie liebe Montarbas, so würde sie ihm entrüstet den Rücken gekehrt haben und doch konnte sie sich nicht verhehlen, daß ihr Herz bei seinem Erscheinen zu zerspringen drohte daß sie Mette, sobald ihm eine Gefahr drohte und daß- eine wahnsinnige Eifersucht sie verzehrte, wmn sie nur an Su­sanne dachte.

Und sie durfte stolz auf ihn sein! Im Rath der Teputitten, in der Kammer überall schien er an seinem Platze und ihr ganzes Streben ging darauf hin, ihn mit Hülfe ihres Bruders höher und höher zu heben.Ich sage Dir Bruder," fuhr sie jetzt lebhaft fort,ein Mann Hut uns sehr Noch, wmn wir nicht alle zu Gmnde Scheu sollml Unsere Deputirtm vettretm Frankreich, aber sie vermögen eS nicht zu retten! Wir müssen einm Führer haben und Keiner ist bester dazu geeignet, als der Bürger Montarbas.

Bürger Montarbas", lachte Jaques Armand,Leonie Du bist klug und redegewandt ein Brutus in Weiber- röcken, aber wenn Dein Herz inS Spiel kommt, bist Du «nzurechnungsfähig I"

ismus irgend eine seiner Liebhabereien, wie das Civil- tandS- und das Schulaufstchtsgesetz, die Goldwährung und 0 vieles Andere durchführen wollte, wurde ,'gar nicht ge­ragt, ob auch die Mittel dazu vorhanden wären, sondern es hieß einfach:die Mittel müssen stch finden." Nun finden sie sich aber nicht. Wie kann man aber den neuen Minister dafür verantwortlich machen?

Der Gesetzentwurf betreffend die Vertheilung der aus der Reickssteuer-Reform zu gewinnenden Ueberschüste, welcher im Finanzministerium geplant und daselbst in Ausarbeitung genommen ist, bringt einen ganz neuen Modus der Steuer- Ermäßigung in Vorschlag. Die auf Gmnd des Gesetzes erfolgenden Steuer-Nachlässe sollen nämlich nicht mehr wie bisher allen Steuerklassen zugleich in angemessenem Ver­hältnisse zu Gute kommen, sondern je nach dem Betrage der Ueberschüste einzelne Steuerklassen, von der niedrigsten angefangen, befreien. Die Ermäßigung ist so berechnet, daß bei einer gewissen zur Verfügung stehenden Summe die unterste Stufe der Klastensteuer von einer vollen Monatsrate entlastet wird; bei stehenden Ueberschüsten würden sodann die folgenden Steuerstufen die Ermäßigung einer gleichen Rate genießen. Für den Fall, daß die ver­fügbaren Summen noch weiter reichen, sollen die fünf ersten Stufen der Einkommensteuer in gleicher Weise und in derselben Abstufung an der Ermäßigung theilnchmen. Selbstverständlich würde in günstigen Jahren nicht bei dem Nachlasse einer einzigen Monatsrate stehen geblieben werden, sondern weitere Monatsraten nach derselben Reihen­folge in Wegfall kommen. Der Gesetzentwurf stützt sich zwar mit seinen Vorschlägen ganz auf unsere jetzige Steuer- Gesetzgebung, in der Begründung wird aber ausgesprochen, daß unser Klastenstener-System einer gründlichen Reform bedürfe und daß eine solche ernst im Auge behalten würde.

Unter dem 14. October hat Gras Otto zu Stolberg in Stellvertretung des Reichskanzlers in Betreff der Prü- fung der Apotheker einen Antrag dem Bundesrath über­reicht, welcher eine Vervollständigung der Bekanntmachung vom 13. November 1875 resp. 5. März 1875 verlangt. ES heißt in diesem Anträge: Nach diesen angezogenen Bekanntmachungen ist die Zulassung zu den pharmaceu- tischen Prüfungen von der Zurücklegung einer Lehrzeit ab­hängig, deren Dauer in der Regel drei Jahre, für den Inhaber eines zum Besuche einer deutschen Universität berechtigenden Zeugnisses der Reise indessen nur zwei Jahre beträgt. Es sind neuerdings darüber Zweifel entstanden, ob zur Gehilfenprüfung nach einer nur zweijährigen Lehr­zeit ausschließlich der Inhaber eines Eymnastalzeugnisses zugelaffen sei, welches nur zu dem auf einzelne Lehrfächer beschränkten Besuche einer Universität berechtigt. Da weder

Und ich sage Dtt, Jaques, er ist unser mit Leib und Seele, trotz seines alten Stammbuchs. Er hat seine Schiffe hinter sich verbrannt; er muß bei uns bleiben, denn die Aristokraten verfluchen seinen Namen als den eines VerrätherS und wehe ihm, wenn er wanken wollte er kämpft mit dem Strick um seinen Hals! Ist er ein Spion, bann ha dann will ich mir selbst nicht mehr trauen !"

Und willst Tu für ihn bürgen ? Wir spielen ein verzweifeltes Spiel, Leonie,'und wehe uns, wenn er den Schlechten spielt!"

Ich bürge für ihn!" rief die Wölfin stolzich die Wölfin 1 Wir Beide, Du und ich, wir machen nicht die Revolutton, aber die Revolution hat uns, die Wölfin und Kopfab geschaffen!"

Leonie, denkst Du noch unserer Kinderzeit? Weißt Du noch, wie wir zusammm auf dem Rasen am Bachesrand saßen und Veilchen pflückten?"

Jaques versprich mir nur Eines erinnere mich nie an unsere Kindheit! Oh, ich wollte ich wäre noch einmal ein unschuldiges Kind, aber das ist vorbei vorbei auf ewig!"

Und zu Jaques Armands Erstaunen brach die Wölfin in heiße Thränen aus.

Leonie, Schwester! Was hast Du?" fragte Jaques besorgt.

Nichts! Nichts! schluchzte sie und barg ihr glühendes Gesicht an seiner Schulter; ich dachte nur eben daran, wie es sein könnte! aber ich will nicht weinen! Ich glaube beinahe, ich habe Aehnlichkeit mit jenem unseligen Weib ans dem Märchen, welches bei Tage em Wolf war und Nachts menschliche Gestalt annahm!"

die Vorarbeiten zu den Bekanntmachungen vom 5. März und 13. November 1875, noch der Wortlaut der letzteren hierüber eine sichere Auskunft geben, wird die erwähnte Frage durch den Bundesrath zu entscheiden sein. Aus­weislich der von den beteiligten Bundesregierungen ge­gebenen Auskunft erfolgt in den einzelnen Staaten die Zulassung zum Universitätsstudium nach abweichenden Grundsätzen. Bei einigen Universitäten wird der Zutritt zum Studium einzelner Lehrfächer selbst den Abiturienten solcher Schulen gestattet, zu deren Aufgaben der Unterricht in der lateinischen Sprache überhaupt nicht oder doch nur in geringem Umfange gehört. Es erscheint nicht zweifel­haft, daß in derartigen Fällen die Gewährung der frag­lichen Vergünstigung den Voraussetzungen nicht entsprechen würde, von welchen bei Erlaß der erwähnten Bestimmun­gen ausgegangen worden ist. Dagegen dürfte es unbe­denklich sein, die Abkürzung der Lehrzeit den Abiturienten derjenigen Realschulen erster Ordnung zu Gute kommen zu lassen, an welchen obligatorischer Unterricht im Latein ertheilt wird und welche als berechtigt anerkannt sind, für die Schüler der zweiten Klasse nach ettljährigem erfolg­reichen Besuche derselben gütige Zeugnisse über die wissen­schaftliche Befähigung zum einjährigen freiwilligen Militär­dienste auszustellen. Es wird daher beantragt, der Bundeö- rath wolle die erwähnten Bekanntmachungen entsprechend abäudem.

Ein Petersburger Brief derNorddeutschen Allge­meinen Zeitung" erklärt die Zeitungsmeldungen, wonach der russische Domänenminister Walujew bald mit einer Mission nach Baden-Baden betraut fein, bald sich in Li- vadia befinden sollte und bestimmt wäre, die Oberleitung der Verwaltung zu übernehmen und an Stelle Gortscha- koffs an die Spitze der Leitung der auswärtigen Ange­legenheiten zu treten, für pure Erfindung. Walujew war weder in Baden-Baden, noch war oder ist er in Livadia; derselbe befindet sich einfach auf Urlaub und begab sich über Wien und München nach Ouchy, wo er sich noch befindet und von wo er sich nächste Woche nach Baden- Baden begeben und nach einigem Aufenthalt nach Peters­burg zurückkehren wird.

Meldungen derPolitischen Correspondenz". Ans Kopenhagen: Man glaubt, daß anläßlich der Geburt der Tochter des Herzogs von Cumberland der dänische Hof vereint mit den verschwägerten Höfen sich bei dem Herzog, wie es scheint, erfolgreich um die eventuelle Renuntiation desselben auf die Krone Hannovers bemüht habe; man verspreche sich davon eine günstige Gestaltung der Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemarck. Ans Konstantinopel: In der am Samstag stattgehabten Konferenz erklärten die griechischen Commissäre (wie be,

»Leonie, sprich nicht so, Du bist krank?"

Nein, nein ich bin nicht krank ich bin die Wölfin und will auch meinem Namm keine Schande machen! Laß uns aus den Grafen zurückkommen! Du mußt mit ihm sprechen und mußt ihm den Führerposten anbieten"

Und wenn er ablehnt? unterbrach sie Kopfab.

Nein, er wirb ihn nicht ablehnen, dafür bürge ich! er ist ruinirt er steckt in Schulden bis über die Ohren und wird mit Freuden die erste Gelegenheit er« greifen, um seinen Verpflichtungen zu entgehen! Sollte er trotz alledem Umstände machen, so sende ihn mir her ich will ihn schon Überreden!"

Leonie, sieh mir ins Gesicht? Ist es nur Patriotismus, welcher Dich inspirirt? Treibt Dich nicht noch ein anderes, wärmeres Gefühl, für die Bekehrung dieses Aristokraten alle Hebel in Bewegung zu setzen?"

Stahlhart und stahlkalt begegneten die grauen, blitzenden Augen seinem Blick und mit Heller, klarer Stimme erwi­derte die Wölfin:Nein, mein Bruder nein und tausendmal nein!"

Hätte Jaques Armand die Frauen besser gekannt, bann hätte er wissen müssen, baß sie nie freigebiger mit Betheuerungen finb, als wenn es sich um Dinge handelt, welche sie selbst nicht glauben, so aber war er befriedigt und sagte:

Wenn es so steht, will ich keine Zeit mehr verlieren! Ich will sofort Santene aussuchen!"

Das hat nicht solche Eile! Warst Du bei dem Herzog und hast Du erhalten, worum ich Dich bat?"

Wahrhaftig, das hätte ich beinahe vergessen! Hier ist es unterzeichnet und mtt dem königlichen Siegel