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JllarÖUüg, Sonnabend, 18. Oktober 1879.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Kosse in Berlin, Frankfurt a. M. il
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Anzeigen nimmt entgegen dteEpzedttton d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JRuftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buckdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Tage-bericht.
Der Ausschuß des Bundesraths für auswärtige Angelegenheiten trat gestern unter dem Vorsitz des bayerischen Staatsministers v. Pfretzschner zu einer Sitzung zusammen. ___________
Die „Nordd. Allgem. Zlg." meldet: Gutem Vernehmen nach steht es außer Zweifel, daß die Regierung auf das Verlangen der Berlin-Potsdam-Magdeburger Bahn, die Convertirungsprämie auf 10 Mark pro Actie zu erhöhen, nicht eingehen wird.
Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Konstantinopel. Das neueste Projekt einer Anleihe von 52/io Millionen ist in Folge de« Rücktritts der Banque Ottomane von dieser Combination gescheitert. — Aus Cettinje. Mon- tmegro läßt ununterbrochen Munition und Proviant an die albanesische Grenze befördern.
Ueber die Einnahme von Kabul erzählt der „Standard" folgenden Bericht: Am Morgen des 8. d. Mts. erhielt die ganze Kavallerie-Brigade, bestehend aus einer Schwadron der 9. Lancier, dem 5. Punjab-Kavallerie-Regiment, dem 12. Bengalischen Kavallerie - Regiment und den 14. Bengalischen Lanciers plötzlich den Befehl, aufzusitzen, und trabte auf den Balahissar zu. Als die Brigade sich dem Fort näherte, wandte sie sich nach rechts, die Anhöhen umgehend. Dann ritt sie auf Shapore zu, wo, wie es hieß, der Feind Tags zuvor gewesen. Starke Abtheilungen wurden auf einem hohen Hügel längs des Plateaus, der Front zuschwärmend, bemerkt. Es schien schwierig, deren Stellung zu umgehen. Die Brigade rückte indeß vor und machte dicht vor einem großen Fort Halt. Man fand es verlassen. Durch ein offenes Thor rückte eine Schwadron des 5. Punjab-Kavallene-RegimentS ein und entdeckte 72 Geschütze, bestehend aus Armstrongs, einer Bergbatterie und Haubitzen. Das Magazin rauchte noch, da es in der Nacht vorher, als der Feind das Fort verließ, in die Lust gesprengt worden war. Dies erklärt die furchtbare Erschütterung, die in dem Lager verspürt wurde. Die Kavallerie nahm nun eine Stellung in der Reserve ein so wie aus sämmtlichen Wegen zur Deckung eines Rückzuges. Die Artillerie rückte aus dem Lager vor und beschoß die Anhöhen. Der Feind erwiderte das Feuer. Längs des ganzen Kammes des feindlichen Hügels liegt eine hohe Mauer. Das feindliche Lager war gegenüber der den Rücken des Hügels behauptenden Kavallerie ausgeschlagen. Die Artillerie feuerte bis Sonnenuntergang, aber der Feind behauptete seine Stellung, aus der ihn zu verdrängen ohne Infanterie unmöglich war. Aber Bakers Brigade kam erst herbei, nachdem es zu dunkel war, um
I« Den Woge« der Revolution.
Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.
(Fortsetzung)
Obgleich sich der Graf Arnold in dieser Weise geäußert, war seine Verneigung, als er sich jetzt der Königin näherte, tief und ehrfurchtsvoll und auch sein Ton hätte Niemand vmnuthen lassen, daß seine Ergebenheit nur äußerlich war.
„Willkommen am Hofe, Graf Arnold," begrüßte ihn die harmlose Königin; „Frau von Polignal sprach schon die Befürchtung aus, Eure eigenen Wölfe tonnten Euch aufgefressen haben! Ich habe ihr indeß dies ausgeredet; sch selbst habe schon in den Wäldern von Rambouillet gejagt und weiß, wie anziehend sie sind — ich hatte keine Sorge um Euch."
Halb erschreckt blickte er sie an. Wußte man denn bei Hofe Alles? Hatte man sein Geheimniß errathen und wußte man etwa um Susannens Aufenthalt? Aber nein Diarie Antoinette blickte ihn so gütig an — es konnte nicht sein.
„Nur die Nothwendigkeit hielt mich fern," stammelte verwirrt; „nur im Sonnenschein Eurer Gegenwart, Diajestät, fühle ich, daß ich lebe!"
„Nun, einstweilen scheint es mir nicht, als ob Euch der Sonnenschein gefehlt hätte," lachte die Königin fröh- fich auf; „Ihr blüht ja wie eine Rose. Aber nun erzählt wir von den Wölfen — gibt es beten wirklich so Viele in Euren Wäldern? Sagt mir, wie Viele habt Ihr Setödtet?"
„Wenn Ew. Majestät befehlen, arrangire ich eine große Wolfsjagd auf meinen Gütern," rief Montarbas eifrig.
einen Angriff vorzunehmen. Die Kavallerie bivouakirte Nachts innerhalb einiger von Mauern eingeschlosscnen Lagerplätze. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit machten die 14. Bengalischen Lanciers einen Angriff und lödtcten einige Afghanen, die auf unsere Wasserträger feuerten. Bei Tagesanbruch bemerkte das 9. Kavallerie-Regiment, daß die feindliche Stellung verlaffen worden. Es wurde ermittelt, daß die Rückzugslinie in der Richtung von Ghuzin lag, und daß der Feind seine Flucht die ganze Nacht hindurch fortsetzte. Es kam nun zu einer sehr ermüdenden Verfolgung auf eine Strecke von 23 Kilometer. Einige Pferde stürzten und verendeten. Der Feind wurde auf den Hügeln nach allen Richtungen in kleine Haufen zerstreut. Etliche Mannschaften des 5. Punjab-Kavalleric- RegimentS verfolgten die flüchtigen Afghanen über die Hügel; eine andere Abtheilung schnitt ihren Rückzug ab und 17 wurden getödtet. Es waren keine Zeichen mehr von dem Feinde vorhanden, der völlig zersprengt worden war. Das 12. Bengalische Kavallerie-Regiment nahm eine Rekognos- zirung etliche Kilometer weiter vor und erbeutete in einer Entfernung von 33 Kilometer 6 Feldgeschütze, 6 Bergkanonen, einige Elephantm, Kameele, Pferde u. s. w., auch machte es einige Gefangene. Die übrige Streilmacht kehrte nach dem Lager zurück, nachdem sie an diesem Tage 60 Kilometer zurückgelegt hatte. Auf dem Rückmärsche ritt sie durch die jetzt zum ersten Male betretene Stadt Kabul. Der Bazar ist ungeheuer groß und malerisch. Einige Läden waren offen und die Leute saßen umher. Kaufleute kehrten täglich zurück. Wir fanden das Lager auf einem neuen Platze dicht am Balahissar aufgeschlagen. Die Ar- ttllerie und die Kavallerie sind in der Ebene; die Infanterie steht auf einem kleinen Hügel im Rücken. Die Ruhe wurde in vergangener Nacht nicht gestört. Es »erden vorläufig keine weiteren Kämpfe erwartet. Die Erpc- bition ist vom besten Erfolg begleitet gewesen.
Deutsche- «eich.
•• Berlin, 16. Oktober. Die „Tribüne" beschäfttgt sich mit dem Artikel der letzten „Provinzial-Correspondenz". Das halbamtliche Organ hatte gesagt, die Regierung sei mit der Weiterführung der begonnenen Reformen beschäftigt, für die sie stets die Zustimmung bedeutender Persönlichkeiten der nationalen und liberalen Richtung gefunden habe und daß die große Mehrzahl der Wähler bei jenen Reformen die Regierung zu unterstützen gesonnen sei, dafür habe die Regierung das Zeugnitz in den Wahlergebnissen empfangen. Diesen Satz nennt die Tribüne einen offenkundigen Trugschluß und fragt: „Wer hat dem Volke vor den Wahlen gesagt, daß die Regierung nichts anderes als die Fortführung der begonnenen Reformen beabsichttge." Wie soll man jedoch die Behandlung der offenkundigen Thatsachen nennen, wie sie die Tribüne sich erlaubt. Vor
„die Wölfe werden sich glücklich schätzen, zu Ew. Majestät Füßen sterben zu dürfen!"
„Schmeichler," drohte die Königin. „Uebrigens würde ein Wolfsfell eine schöne Schlittendecke abgeben!"
„Geruhen Ew. Majestät ein solches Fell von mir anzunehmen ?" rief Montarbas feurig und sich tief über Marie Antoinettens schöne Hand neigend, flüsterte er in unverschämt vertraulichem Tone:
Wenn das Fell die schönste Dame Europa« umhüllt, darf ich vielleicht hoffen, daß sie sich auch deS Gebers, daß sie sich meiner erinnern wird?"
Und in scharfem, schneidigem Tone erwiderte jetzt die Königin:
„Monsieur, Sie scheinen sich selbst »ergeffen zu haben! Sie sind entlassen und ich erwarte nicht, Sie während Unseres Aufenthaltes in Versailles nochmals zu sehen!" ....
Sechstes Capitel.
Ein Abtrünniger.
„Sie sind entlaßen! Ich erwarte nicht, Sie nochmals zu sehen!" Wie Fluch und Verdammniß gellten ihm die Worte in den Ohren, vergifteten seine Gedanken, jagten das Blut wie rasend durch seine Adern. War er wirklich noch derselbe — der stolze Graf von Montarbas, der sich stets gerühmt, alle grauen mit feinem Blick besiegt zu haben? Und diese deutsche Erzherzogin hatte es gewagt, seine Huldigung zu verschmähm — hatte ihm die Thüre gewiesen wie einem überlästigen Bettler!
Aber sie sollte für diese Demüthigung büßen — thener sollte sie ihr zu stehen kommen! Sie hatte ihn beschimpft hn Beisein des ganzen Hofes, hatte ihn mit Füßen getreten und sie sollte eö bereuen — schwer bereuen! Mit
den Wahlen hat die Prov-Corresp., um einen Ausdruck des offiziellen Organs der nationalliberalen Partei zu gebrauchen, mit mechanischer Gleichförmigkeit wiederholt, der einzige Gesichtspunkt, unter dem die Wähler, welche die Regierung unterstützen wollten, ihre Wahl zu treffen hätten, sei die Stellung der Caudidaten zu der Wirtschaftspolitik der Regierung; und auf die Frage waö der Landtag mit der Wirtschaftspolitik zu thuu habe, ist erwidert worden, die Fortsetzung der Zollreform des Reiches liege auf dem Gebiet der preußischen Steuern. Uebrigens erlaubt sich die Tribüne noch eine Fälschung, wenn sie aus der Zustimmung bedeutender Persönlichkeiten nationaler und liberaler Richtung „von den Liberalen gebilligte Reformen" macht. Unter „Liberalen" kann man auch die sogenannte große liberale Partei verstehen, von der Zustimmung dieser hat natürlich die Prov.-Corresp. nicht gesprochen. — Durch ein Allerhöchste Cabinetsordre ist genehmigt worden, daß die Geschwaderchesö und die Commandanten der Schiffe und Fahrzeuge der Marine für die Reisen, welche dieselben von ihrem GarnisonSort nach dem Einschiffungsort zurückzulegen haben, vom 1. April 1879 ab, außer den reglementsmäßigen Tagegelbern und Reisekosten auch die nachweislich nolhwendigen Kosten deS Transportes ihrer Seeequipage bis zu dem Gewicht von 1250 Kilo vergütet werden. — An Gaben zur Unterstützung der Hinterbliebenen der mit dem „Großen Kurfüst" Verunglückten, sind neuerdings bei der Admiralität 50014 Mark eingegangen. — Nach der Nachweisung der Admiralität über die Schiffs- bcwegung in der ersten Hälfte des Monats Oktober wurden in Dienst gestellt am 1. Oktober „Freya", „Hyäne" in Wilhelmshaven, „Vineta" in Kiel, außer Dienst gestellt „Nymphe" in Danzig am 30. September, „Niobe" und „Ziethen" in Kiel am 30. September resp. 7. Oktober, „Ariadne" am 12. Wilhelmshaven. „Albatroß" befand sich in Auckland, „Bismarck" in Apia, „Cornel" auf dem Wege nach Plymouth, „Cyclop" in Nonpasako, „Hansa" in Valparaiso, „Loreley" in Smyrna, „Luise" nach Chefoo in See, „Medusa" nach Bakia, „Nautilus" nach Sidney, „Nauttlus" auf Chefoo-Rede, „Prinz Adalbert" nach Wla- biwostock.
Müuche«, 16. October. (Abgeordnetenkammer.) Baron Dobeuek, der als Ersatzmann für den ausgetretenen bisherigen Abg. Krauffold erschienen ist, wird beeidigt und das Austrittsgesuch von Stief genehmigt. — Hieraus referirt Gramer über die Regierungsvorlage betreffend den Malzaufschlag; er schlägt vor, von einer Generaldiscussion abzusehen, was einstimmig genehmigt wird. In der Spe- cialberathung wird Art. 1 Oe« Gesetzentwurfes, welcher die Verwendung von Malz, das zur Erzeugung von Branntwein oder sonstigen Spirituosen declarirt ist, zur Bierbereitung verbietet, nahezu einstimmig angenommen. lieber» Artikel 2 — Erhöhung des Malzaufschlages von 4 auf einem wildem Fluche warf er sich in seinen Schlitten und befahl dem Kutscher, nach Paris zurück zu fahren. Als n durch die festgefrorenen Straßen sauste, konnte er nicht umhin, ben Trotz, bie Härte unb bie Verzweiflung in ben Zügen der ihm Begegnenden wahrzunehmen; sogar bie Kinder stießen Verwünschungen gegen ihn au«, als er an ihnen vorbeifuhr und spieen ihn an!
Vor einem Gasthaus stand eine Frau mit wirr herab- hängenvem Haar unb wild rollenden Augen, eine Megäre, unb schleuderte ihm einen wilden Fluch ins Gesicht — «eiter, immer weiter stürmten die edlen Roffe, wie rasend hieb er auf sie ein, je lauter unb drohender bie Rufe: „Aristokrat", „Adelsbrut," „Lumpengraf" hinter ihm erschollen!
„Du kommst wohl ans bem Backhaus?" höhnte ein Strolch, ihm im Vorbeifahren bie geballte Faust unter die Nase hallend; „Du hast uns gewiß für Brod sorgen wollen?"
„Brod?" schrie ein Zweiter; „nein, für uns bleibt kein Brod übrig — bei Hofe fressen sie Alles auf! Die verfluchte Ausländerin nimmt uns und unseren Kindern dm Bissen aus dem Munde! Nieder mit der Oester- reicherin!"
„Ja — nieder mit der Oesterreicherin rufe auch ich," schrie Montarbas, seinen Hut schwingend! Hoch unb stolz richtete er sich im Schlitten auf; bewundernd, jubelnd umringte ihn das Volk und mit Hurrah für dm „Bürger" Montarbas ließ man den Schlitten passirm.
Tiefanfathmmd lehnte sich der Verräther in die weichen Kissen zurück. — Jetzt wußte er, wo er Rettung suchen mußte! —
Als er Paris erreichte, fand er es in Aufruhr. Seinern