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Anzeigen nimmt rmgegen: die Gn>editio« d.tvlattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Tb. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Messe in Berlin, Frankfurt o. M- rc.
JRorÖurg, Freitag, 17. Oktober 1879
XIV. )ahkMg
Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blatte- sowied- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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Tage-bericht.
In einem längeren Artikel unter der Ueberschrift: Die Beurtheilung der Wahlen vom 7. October, tritt die „Prov.-Co rresp." den von der fortschrittlichen und einem Theile der liberalen Tagespresse künstlich erregten Reaktionsbefürchtungen entgegen, worin ein Theil der zwar in verminderter, aber doch recht erheblicher Zahl in das Abgeordnetenhaus zurückgekehrten nationalliberalen Partei, der gerade aus den besonnensten Elementen überwiegend zusammengesetzt sei, ein schweres Hinderniß finden könne, den richtigen heilsamen Weg zu betreten, der zum Verständniß mit der Regierung zum Wohle des Landes führe. Die Correspondenz hält es demgegenüber am Platze zu erklären, daß die Regierung mit der Weiterführung der begonnenen Reformen auf den Gebieten der Steuern, Eisenbahnen und Verwaltung, wofür sie stets die Zustimmung bedeutender Persönlichkeiten der nattonalen und liberalen Richtung gefunden, aber nicht mit der Zerstörung aller Werke der letzten 12 Jahre beschäftigt sei. — Die „Prov.-Corresp." erwähnt ferner der bei dem Wiener Besuch des Reichskanzlers stattgehabten Verabredung, nochmals den Weg zu suchen, der zu HandelSerleichterungm zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn führen könne, sowie jener Art von Kritik, welche in solchen Versuchen das Verlassen der Schutzzollpolitik finden möchte. Sie weift hierbei darauf hin, daß die Tarifreform von vornherein auf den Zweck berechnet war, Deutschland bei den Unterhandlungen über Handelsverträge mit fremden Staaten in eine günstigere Lage zu bringen, und führt zu dem Ende eine dies klar aussprechende Stelle aus dem Schreiben des Reichskanzlers an den BundeSrath vom 15. December 1878 an.
Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Die stattgehabte Conferenz der Vorstände der Deutschen stattsttschen Centralstellen beschloß dem Bundesrathe vorzuschlagen, daß die nächste allgemeine deutsche Volkszählung am 1. December 1880 stattfinde und mit derselben die Viehzählung sowie die Ermittelung der Größe der von je einer Haushaltung ans bewirthschasleten landwirthschaftlichen Flächen unmittelbar verbunden werde.
Die Generalsynode berieth gestern den Antrag Kögel, der Obcrkirchenrath wolle darüber mit dem CultuSminister verhandeln, daß die Staatsprüfung für evangelische Theologen, wie es das Gesetz über die Vorbildung der Geistlichen gestatte, überall mit der ersten theologischen Prüfung verbunden und durch die Mitglieder der theologischen Prü- fungS-Commission abgehalten werde. Der Synodale Krafft und Gcnoffen beantragen die völlige Abschaffung der Staatsprüfung (das sogenannte Culturexamen). Nach längerer Debatte nimmt die Versammlung den Antrag Kögels fast
In den Woge« der Revolution.
Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.
(Fortsetzung)
„Was Sie da sagen, mag wahr oder nicht wahr fein — mich kümmert es nicht", erklärte jetzt die alte Frau mit großer Seelenruhe. „Mir ist von Jugend auf gelehrt worden, Gott zu fürchten und unser Königshaus zu lieben — das ist- mein GlaubenSbekenntniß I Jetzt ist Susanne meine Hauptsorge und wenn Sie uns rathen wollten, wie wir sie am sichersten den Nachstellungen unserer Grundherrn entziehen können, würden wir Ihnen sehr dankbar sein!"
„Das sei meine Sorge," rief Pierre sich stelz auf« richtend. „Ich kann für drei arbeiten und nimmer soll die Noth ihre gierigen Fänge nach uns ausstreckcn! Morgen packe ich all unsere Habe auf meinen Schlitten, spanne meine Maulesel davor und mache Alles zur Abreise bereit. Der Schnee ist fest und wir werden rasch vorwärts kommen. Was meint Ihr zu meinem Vorschläge?"
„Ich finde ihn prächtig," ftohlockte Kopfab; „denkt nur an das Gesicht des edlen Grafen, wenn er bei seinem nächsten Besuche das Nest leer findet!"
Susanne schwieg, aber ihr Blick sprach deutlicher als Worte: ,,Wo Du hingehst, da gehe ich auch hin."
Die Großmutter meinte, sie würde am liebsten Vater Jgnazius um Rath fragen und eben öffnete sich die Thür und der Priester trat ein. '
„Willkommen," tönte es ihm entgegen; „Vater Jgnazius Ihr kommt wie gerufen."
„Ich komme, um Abschied zu nehmen", war die ernste Antwort deö Geistlichen; „morgen muß ich nach Paris ausbrechen."
einstimmig an. Im Laufe der Debatten hatte sich der CultuSminister gegen den Antrag Kraffts ausgesprochen, Kögel gedankt, daß er sich nicht auf kirchenpolitische Gesichtspunkte eingelassen, was die Regierung augenblicklich dem Antrag gegenüber in eine sehr mißliche Lage gebracht hätte, und erklärt, daß er seine persönliche Ansicht über den Werch des Culturexamens hier nicht äußern könne, da ihm feine amtliche Eigenschaft gebiete, bestehende Gesetze nicht zu kritisiren. Der Minister versprach, den Antrag Kögels sorgfältig zu erwägen und wenn irgend möglich im Sinne der Synode zu erledigen.
Dir englischen Blätter jubeln über den siegreichen Einzug der englischen Truppen in Kabul. Der „Standard" meint, die Macht der Civilisation habe wieder einmal ihre Superiorität über diejenige des Barbarismus geltend gemacht; eine kleine, von Engländern organisirte und geführte Truppenmacht sei in das Innere eines wilden Landes eingedrungen und habe allen Widerstand, den man ihr entgegensetzen konnte, niedergeworfen. Wer jedoch die Situation genau prüfe, werde zu der Ueberzeuguug kommen, daß alle Gefahr noch nicht vorüber fei. Die Armee habe sich in Folge des raschen Vormarsches von ihrer Bagage trennen müssen; der Emir sei ein Gast im brittschen Lager, allein seine Treue sei noch immer zweifelhaft; die Notabeln Kabuls und der Umgebung beugten sich den Siegern, was sie nicht verhindern würde, bei der nächsten besten Gelegenheit dem General Roberts mitzuspielen, wie sie es dem Major Cavagnari gechan. Wie die Deutschen nach Gefangennahme Napoleon's III., wiffe man nicht, mit wem der Friede abzuschließen sei. Die feindliche Hauptstadt sei in englischen Händen, allein man wisse nicht, was mit derselben anzufangen sei. Es taffe sich nicht leugnen, daß der größt» Theil Afghanistans früher oder später durch England oder Rußland absorbirt werden müsse. England wünsche daS Eine so wenig als das Andere und würde jeden Verzug einer Lösung gerne aufnehmen. DaS Beste sei wohl Verlegung der Hauptstadt nach einem in der Nähe der indischen Grenze gelegenen Platze, wo eine stete Verbindung sowohl mit dem Emir als mit dem englischen Residenten möglich sei. Für General Roberts und seine Truppen sei für den Augenblik nichts zu befürchten; die militärischen Schwierigkeiten würden später'jedoch um so sicherer sich einstellen.
Deutsches Reich.
Berli«, 15. Oktober. Ukber die Audienz des El- binger Oberbürgermeisters und des Stadtverordnetenvorstehers beim CultuSminister v. Puttkamer wegen der Simultanschule in Elbing, wird der „Köln. Ztg." Folgendes berichtet: „Der Cullusminister v. Puttkamer hat den Oberbürgermeister und den Stadtverordnetenvorsteher von El-
„Nach Paris?" rief die Großmutter; „auch wir überlegten eben, ob wir nicht am besten nach Paris übersiedeln würden."
„Auch Ihr wollt nach Paris? Und weßhalb?"
Einige leise Worte Pierres erklärten ihm Alles und nach kurzem Nachdenken meinte er, es sei das Beste, was sie thun könnten.
„Dann ist es enffchieden," rief Kopfab; „morgen reifen wir. Hurrah die Revoluttan!"
„Vergönnt mir noch einige Worte, Jaques Armand," bat der Priester in mildem Ton. „Wir Beide stehen aus verschiedenen ©eiten; Sie find ein begeisterter Anhänger der neuen Aera, während ich an dem allen Bibelwort festhalte: „Liebe Gott Deinen Herrn von ganzem Herzen «nb Deinen Nächsten als Dich selbst! Es ist meine Pflicht, Ihnen zu sagen, daß ich Ihren Umsturzplänen, soweit es in meiner Macht steht, entgegenarbeiten werde und meine Hauptaufgabe soll cs fein, Blutvergießen zu verhüten!"
„Ich danke Jhnm, ehrwürdiger Vater," sagte Kopfab, sich ehrfurchtsvoll verbeugend; „Sie sind in Allem mein Gegner, nur in einer Beziehung lassen Sie uns Hand gehen — vereint wollen wir diese braven Leute schützen und Elend und Schande fern von ihnen halten! Wir Männer der Revolution find nicht so schlimm, als man uns schildert und die Unschuld ist uns stets heilig!"
Fünftes Capitel.
Versailles.
Auch in Versailles lag der Schnee hoch und die bittere Kälte machte den Aufenthalt im Freien beinahe unerträglich Dennoch drängten sich Haufen zerlumpter, elend aussehender Menschen laut tobend und lebhaft gestikulirend in den Straßen und fammelten sich vor den Läden der Bäcker
bing mit seiner gewohnten Höflichkeit empfangen, ihnen aber rund heraus versichert, er fei ein Gegner der Simultanschule und dieser Punkt wäre einer von denjenigen, worin et von keinem Vorgänger abweiche. Er wolle nicht sagen, daß er unter seinen Umständen jemals eine Simultanschule dulden werde; allein er werde dies nur ausnahmsweise thun, in Nothfällen, wo die confesstonelle Schule nicht durchgeführt werden könnte. Er müffe den Herren von Elbing überlassen, einen solchen Nothfall für ihre Stadt nachzuweisen und darüber neues Beweismaterial beizubringen. Vor der Hand bleiben alle Elbinger Schulen geschlossen. Die Antwort läßt den Elbingern sehr wenig Hoffnung übrig, denn die Simultanschulen sind ja erst neuerdings des Grundsatzes halber in Elbing eingeführt, und eine materielle Unmöglichkeit, die Schulen in alter Weise sortbestehen zu lassen, wird schwerlich nachgewiesen werden können." Bemerkenswerth erscheint in dieser Mittheilung , daß die Simultanschule des Grundsatzes halber, d. h. aus Liebhaberei für die Simultanschule und nicht aus wirklichem Bedürsniß, eingeführt worden sei, und daß die Stadtväter von Elbing es auch von vornherein aufgeben, solche Gründe für Einführung dieser Schulen beibringen zu können, aus denen die Nothwendigkeit dieser Maßregel erhellt. Es wird sich auch noch in vielen anderen Fällen bei näherer Prüfung der Acten herauöstelleu, daß die Einführung der Simultanschule nicht aus dringendem Bedürsniß, sondern eben aus Grundsatz erfolgt ist. Stichhaltige Gründe sind ja nur in ganz besonderen Noth- fällen — und diese erkennt ja auch Herr v. Puttkamer an — für die Simultanschule beizubringen. Es wird das auch von der liberalen Presse gar nicht versucht. Für sie war und ist die Simultanschule lediglich ein Culturkanrpf- mittel, d. h. ein Mittel zur Beschränkung und Beseitigung des Einflusses der christlichen Kirche und Religion auf die Volkserziehung. Da« gestehen die ehrlichen Culturkampsblättcr auch zu. Sie wollten das Volk aus dem Einflüsse der Religion herausführen und auf einem anderen, religionslosen Boden vereinigen, wo es alle religiösen Unterschiede vergessen sollte. Das Schlimme ist nur, daß auf dem Boden der Negation, der Confessionslosigkeit, die ja nur eine Abwesenheit von Religion ist, Niemand, am wenigsten eine große Nation stehen und ihre Jugend religiös und sittlich erziehen kann. Es gehört eine ganz doctrinäre Verblendung dazu, um durch Schulen, welche auf die Confessionslosigkeit, also auf die Abwesenheit von Religion gestellt sind, ein religiöses und sittliches Volk zu erziehen — und in der Religionslosigkeit den einheitlichen Pulsschlag des Lebens der Nation legen zu wollen! Confessionslosigkeit, Religionslosigkeit und Gottlosigkeit sind wesentlich gleichbedeutende Begriffe. Gott bewahre unser Volk vor solcher Einheit, die aufgeführt wäre auf den Trümmern der christlichen Religion und Kirche! Ueberdies ist eS eine allen Thalsachen wider-
und Fleischhacker. Das Brod wurde täglich theurer; auch das Brennholz stieg im Preise und die Noth und das Elend wuchsen lawinenarttg an.
Im königlichen Palast sah es freilich besser aus. Schwellend weiche Teppiche bedeckten den Boden der Salons; Helle Kaminfeuer prasselten und reichbesetzte Büffets reizten den Appettt. Jetzt eben drängte sich eine bunte, reichgekleidete Menge durch die eleganten Räume, denn es war die Stunde, in welcher die Königin ihren Empfang hielt und wer nur irgend dazu berechtigt war, versäumte nicht, sich einzufinden. Wenn man einen Blick in daS Gewühl warf, mußte man unwillkürlich daran denken, daß ein kleiner Theil des hier zur Schau getragenen Luxus ausreichen würde, all das Elend und die draußen herrschende Noth zu schildern und doch schien Keiner zu ahnen, daß er sich auf einem Vulkane befand? Täglich, stündlich konnte ein Ausbruch erfolgen und dann wehe denen, welche so sorglos plauderten und scherzten! Jetzt schritt der Graf von Montarbas durch das Gedränge, aber sein Blick war finster und seine Brauen drohend zusammengezogen. Er dachte an Susanne; mit unbeschreiblicher Wuth im Herzen war er aus der verlassenen Waldhütte heimgekehrt und jetzt ging all fein Dichten und Trachten dahin, die Entschwundene, Allen zum Trotz aufzufinden.
Um ihn her fluthete und wogte ein buntes Stimmen- geschwirr; Witze, Bonmots und Neckereien flogen hin und her immer wieder neue Gestalten und Gesichter erschienen in der zu den Appartements der Königin führenden Gallerte.
„Sieh da, Montarbas, erblickt man Sie auch wieder einmal in Versailles?" rief ein elegant gekleideter, schöner junger Edelmann, Namens de Favras. Man sagt ihm