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-Marburg, Donnerstag, 16. Oktober 1879

XIV. Jahrgang

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liten noch, wenn ihnen auch die Schule genommen wird? Es wird deßhalb wie die Erlösung von einem drückenden Ach in diesen Gegenden — und um diese handelt es sich ja zunächst nur — empfunden, daß der Herr v. Puttkamer die Simultanistrungsbeftrebungen, vor welchen keine Con- fesswnsschule mehr sicher war, eingestellt hat. Beunruhigt

2« de« Woge« der Revolution.

Frei bearbeitet von Viktor Schwarz.

(Fortsetzung.)

Tagesbericht.

Die Synode beschloß bei Berathung der Vorlage des Oberkirchenraths bezüglich der Sonntagsheiligung einstimmig folgende Resolution: der Oberkirchenrath wolle die Regierung ersuchen, daß die Gesetze und Ver­ordnungen über die Sonntagsfeier zur vollen Anwendung gebracht und nach Bedürsniß ergänzt werden. Die Synode nahm ferner den Antrag Leuschner betreffend das Verbot des Fortbildungs-Unterrichts an Sonntags-Vormittagen, den Antrag Pfeiffer, bett, die Beschränkung der Conlrol- versammlungen und militärisch.« Marschübungen an Sonn­tagen, sowie endlich den Antrag Hermann auf Beschränkung des Sonntagsdienstes aus den Staatsbahnen an.

Der „Reichsanzeiger" meldet die Ernennung des Wirkl. Geh. Oberregierungsraths im Handelsministerium Jacobi zum Uiiterftaatssecretär.

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„Beunruhigende Nachrichten" nennt die „Nat.-Ztg." die Nachrichten über Einstellung des Simultanisirungs- Geschäfts durch den Cultusminister v. Puttkamer. Wen beunruhigen diese Nachrichten? Das Volk? Wahrhaftig nicht. Dieses war vielmehr durch die Simultanisirungö-^ Bestrebungen namentlich in den Diaspora-Gegenden im höchsten Grade beunruhigt, well es ja seines confesstonellen Besitzstandes nicht mehr sicher war, sondern jeden Augen- blick gewärtig sein mußte, den einzigen Halt und die ein- zige Pflegestätte seiner Consession — die confesstonelle Volksschule — zu verlieren. Was bleibt dann den evan-

. »Wie der arme Stufet zittert,", höhnte Max; „machen *?a ein Ende, Kaspar, sonst zerbricht er uns unter den Händen!"

. Mit rohem Lachen schleppten sie den zitterndm Feigling Wer ins Dickicht und erstickten sein Geheul mit einem ^ebel, welchen sie ihm in dm Mund stecktm. Dann lud Max kaltblütig seine Büchse, nahm seinem Opfer dm Knebel dem Mund und sagte kurz:

»Bete ein Vaterunser, demüthiger Patriot; Deine Jsunde hat geschlagm und eine Kugel will ich noch an ^'4 wenden!"

. »Heilige Jungfrau," jammerte „Kopfab", „was habe ”9 Euch gethan? Ich bin ja einer von Eurer Partei "" fo hört mich doch nur erst."

L »Danke für das Cvmpliment," brummte Kaspar, „wir Md kein Kopfabschneider."

eS ausdrücklich, daß die confessionellen Verhältnisie mög­lichst zu berücksichtigen sind. Um nun über diese sonnen­klaren Worte Hinwegzukommen, giebt die „Nat.-Ztg." die interessante Auslegung, mit diesen Worten hätten „die Verfassungsgeber ihr persönliches Bedauern darüber aus­drücken wollen, daß nach preußischem Recht die Schulen, auch die Volksschulen, eben keine confessionellen sind ober sein sollen; deßhalb hätten sie diesen Mangel für die Zu­kunft durch jene Bestimmung, daß die confessionellen Ver­hältnisse möglichst zu berücksichtigen, abhelfen wollen." Hiernach hätte es also vor Erlaß der Verfassung keine Confesstonsschulen gegeben und erst durch die Verfassung wären sie gemacht worden. Das Alles lieft die „Nat.- Ztg." aus dem Artikel 24 der Verfassung heraus. Ist das nicht eine interessante Exegese? „Legt sich's (nämlich was man wünscht) nicht aus, so legt man's unter!" Die „Nat.-Ztg." ist so naiv, der Regierung vorzuhalten, es müsse daS ihr Ansehen erschüttern, wenn sie jetzt wieder das Schulsystem Falk's abschaffe. Als Falk mit der preu­ßischen Schultraditton brach, da bejubelten die liberalen Blätter und an erster Stelle die „National-Zeitung" das als einen Fortschritt, welcher das Ansehen der Regierung stärke! Die „Nat.-Ztg." kann sich beruhigen: das Ansehen der Regierung wird durch die Beseitigung einer im Wesent­lichen auf dem Schulsystem Rousseau-Basedow-Diesterweg ruhenden Schulpolitik nicht erschüttert, wohl aber hätte es durch das Beharren bei dieser Schulpolitik später noch sehr wohl erschüttert werden können. Die wirklichen Fort­schritte der letzten Zeit, wenn überhaupt welche gemacht sind, wird Herr v. Puttkamer gewiß nicht abstellen, aber die confesstonSlose Simultanschule ist kein Fortschritt, son­dern nach jeder Seite hin ein Rückschritt.

Die außerordenttiche Generalversammlung der Berlin- Potsdamer Eisenbahn hat den Verttag mit der Regierung mit einer Majorität von circa 300 Stimmen abgelehnt. — In Fortsetzung der Verhandlungen nahm dieselbe nach Ablehnung der Verkaufspropositionen der Regierung und nach Zurückziehung des Antrags Kumbruch wegen Be­willigung einer Convertirungsprämie von 20 Mark, mit 3927 gegen 573 Stimmen den Antrag Corns an, dahin- gchend, den Vertrag abzuschließen, wenn der Staat 10 Mark Prämie gewähre.

1879.

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durch diese Nachricht kann nur die liberale naturalistische Culturkampfpresse sein, welche in der Simultanfchule ein pfoMflj wirksames 'Mittel sah, den Einfluß der christlichen Religion uno Kirche in der Schule katt zu stellen, und welche deß­halb „das System Falk" feierte, well sie unter dieser loyalen Firma das System Diesterweg einzuschmuggeln hoffte, welches bekanntlich die confesstonSlose Simultan- [2746 schule nur als DurchgangSpnnkt zu der Schule austeht,

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowied. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene? in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.

tnzeigen nimmt rmgegen di, Expedition d.Blatte« sowie d.Annoncen-Bureau von Th. Dietrich & Co. ii Raffel und Hannover; Th Lüttich in Frankfurt a.M. Haasenstein L Vogler b Lrantfurr a. M., Berlin Leipzig, Cöln iu; Rudvl Aoffs in Berlin, Frank furt c. M. k.

Der bekannte Brief des Ministers Dr. Falk ist die Veranlassung zu einer Kontroverse in der liberalen Presse geworden. Von einigen Blättern dieser Farbe, so von der „Weser-Zeitung" und der „Köln. Ztg.", wird behauptet, der Brief sei nicht für die Oeffentlichkell bestimmt gewesen. Die „Köln. Ztg." bringt diesbezüglich folgende Mitlhei- lung: „Man hat darüber gestritten, ob der bekannte Brief des Herrn Falk vom 2. September mit ober ohne seine

„So höre doch nicht auf fein Geplärre," rief Max heftig; „Achtung Kaspar! Wenn mein Schuß fehl geht, muß Dein Beil aushelfen!"

Er drückte los, aber fei es nun, daß feine Hand ge­zittert, oder der Agitator eine unvorhergesehene Bewegung gemacht — der Schuß ging fehl und mit einem wilden Fluch hob Kaspar das Bell, aber ehe dasselbe niedersiel, sauste ein schwerer Knotenstock durch die Luft und eine mächtige Faust Pakte Kaspar ast der Gurgel.

„Zurück Ihr Feiglinge — schämt Ihr Euch nicht, daß Ihr zu Zweien über einen Mann her fallt" donnerte eine vor Entrüstung bebende Stimme und vor dm erftarrten Forsthütern stand Pierre Legros wie aus dem Bodm ge­wachsen.

Max gewann zuerst die Sprache wieder und antwor­tete: „Pierre Lcgros, kümmett Euch nicht um Anderer Angelegenheiten!"

„Na Max, ich dächte Du wüßtest wie ein Schlag mit meiner Faust thnt — Du hast von Weihnachten bis Ostern an den Folgen eines solchm zu thun gehabt," meinte Pierre gleichmüthig.

Max wurde dunkelroch und KaSpar blickte ungewiß von Einem zum Andem.

„Kopfab" begriff, daß die Situation sich günstiger für ihn gestattete und wandte sich schnell mit ben Worten an Pierre:

„Rettet mich, mein Freund, und ich will Euch Zell- lebens dankbar sein."

„Seid ohne Furcht," entgegnete Pierre und sich zu den Waldhütem wendend, gebot er: „Aus dem Wege — schnell!"

. .' aus welcher das Christenthnm ganz entfernt und durch tr eint tinen ^genannten allgemeinen Religionsunterricht ersetzt >en sts »erben soll. Für diese Leute ist das, was Herr v. Pntt- gen off kamer thut, allerdings beunruhigend, für sonst Niemand.

Alle Welt weiß, daß in Preußen nie ein anderes Schul- ™ Wem bestanden hat und gewollt worden ist, als das inTi System der Consessionsschule, und in der Verfassung heißt

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für daS Quattal mit der wöchentlichen Beilage „JllnftrtrteS SonntagSdlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogm 2% Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 50 Pfg (ejcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Stoffen werden 25 Pfg. berechnet.

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Erlaubniß an die Oeffentlichkell gelangt sei. Auch Ge­sinnungsgenossen des Herrn Falk glaubten aus der Form des Briefes schließen zu können, daß er nicht mit der Ab­sicht, ihn veröffentlichen zn lassen, abgefaßt sei. Diese Ansicht bestättgt sich. Als die Redaktion der „Deutsche Revue" ihn um seine Mitarbeiterschaft ersuchte, antwortete er durch jenen Brief, worauf Dr. Fleischer, Redakteur der „Deutsche Revue", um Erlaubniß bat, das Schreiben in seiner Monatsschrift zu veröffentlichen. Er fügte hinzu, daß wenn binnen acht Tagen der ehemalige Minister nicht im entgegmgesetzte« Sinne an ihn schreibe, er die Er­laubniß als ertheilt ansehen werde. Dieser Brief gelangte damals nicht in Falk's Hände, da er Berlin bereits wegen einer Erholungsreise verlassen hatte. So war Falk selbst nicht am wenigsten erstaunt, in einem süddeutschen Blatte seinen Brief abgedrnckt zu finden." Darauf erwidert aber die „Vosfische Zeitung" Folgendes: „Wir sind in der Sage, hierauf nach bester Information konstatiren zu können, daß mindestens das Erstaunen de« Ministers Falk sehr fraglich erscheint, da er in der zwischen dem Briefwechsel und der Veröffentlichung seines Schreibens in der „Deutsche Revue" verflossenen Zeit von der ihm mitgetheilten Absicht der Veröffentlichung Kenntniß genommen haben mußte, die Veröffentlichung also leicht hätte verhindern tonnen."

Die Spannung zwischen China und Japan wird immer drohender und die Londoner Blätter fangen bereits an, auf die Gefahren hinzuweisen, welche für englische Inter­essen an der asiatischen Ostküste und im Stillen Ocean aus einem Kriege zwischen diesen beiden Ländern erwachsen könnten, zumal wenn Rußland, welches seine Flottenmacht in jenen Gewässern in letzter Zeit recht bedeutend verstärkt hat, sich al« Dritter beteiligen sollte. Auf ein leitendes japanisches Blatt, Hochi Shimbuu, sich berufend, führte der North China Herald ans, daß der Streit wegen der Lntschu-Jnseln nicht Grund, sondern nur Vorwand zum Kriege sei, welchen man im östlichen Asien schon lange Zeit als beinahe unvermeidlich voraussehe. „Wir sind der Ansicht", sagt Hochi Shimbuu, „baß nur der Umstand daran (am Kriege) schuld ist, daß China so ganz und gar und wesentlich anders ist als Japan, und daß, sofern China nicht in derselben Weisem wie wir es gethan haben, den Weg des Fortschritts betritt, die Herstellung freund­schaftlicher Beziehungen auf gesunder Grundlage schlechter­dings nicht zu erhoffen ist. Japan hat den Post- und Telegraphendienst eingeführt und hat in jeder nur mög­lichen Weise nach Kräften gestrebt, sich dem europäischen System nachzubilden; und auf diese Weise ist es gekommen, daß, obwohl unser Land vormals in großem Maße China ähnelte, das Gegentheil jetzt der Fall ist und wir den Völkern von Europa und Amerika ähnlich geworden sind .... Wenn nicht entweder China fortschreitet oder wir zurückgehen, ist

„Komm Kaspar," flüsterte Max; „mit dem groben Flegel dort ist nicht gut Kirschen essen."

„Aber was sagen wir dem Grasen?" meinte Kaspar.

»Wir sagen ihm ganz einfach, wir hättm seine Befehle ausgeführt und ein Paar Louisdors wirb uns das schon eintragen."

Mit diesen Worten verschwanden die beiden Helden im Dunkel des Waldes und Pierre Legros schritt mit seinem Schützling seiner Hütte zu.

Viettes Kapitel. Kriegsrath.

Am nächstm Abend saßen Susanne, die Großmutter, Pierre und Kopfab zusammen am flackernden Kaminfeuer in der Hütte der alten Frau und überlegten, was zu thun sei. Kopfab sollte die Nacht über in der Hütte verborgen bleiben und am nächsten Morgen in aller Frühe die Rück­reise nach Paris antreten.

»Ein Montarbas vergißt niemals, wenn man feinem Willen zu trotzen gewagt," sagte die alte Frau kopf­schüttelnd, „und nie und nimmer verzeiht er Pierre, daß dieser Monsieur das geben gerettet Pierre würde am Besten thun, sein Bündel zu schnüren und Rambouillet zu verlassen!"

„Und was sollte aus Ihnen, aus Susanne werden?" murmelte Pierre beklommen.

„Rambouillet ist nicht die Welt," flüsterte Susanne ettöthend; „warum sollten wir Pierre nicht begleiten?"

„Wahrhaftig, Mademoiselle hat den Nagel auf den Kopf getroffen," rief „Kopfab", sich graziös verbeugend. „Monsieur hier, (ich werde mir übrigens in Zukunft er­lauben, ihn Bürger Legros zu nennen) hat mir einen großen Dienst geleistet und ich bin ihm dafür zu ewigem

„Mit Vergnügen," sagte Max und trat um einen Schritt , jJWüd, so daß der Agitator, als er vorwärts schritt, anf entfefl jeder Seiten einen Forsthüter hatte. Beim nächsten Schritt binndf Wie er sich än der Gurgel gefaßt und ein blankes Bell Achte vor feinen Augen.

.Er greift nach seinem Dolche, welchen et in der Stuft« Esche trug, aber ein Schlag Kaspars ließ seine Hand matt herabsinken und so blieb ihm Nichts übrig, als um Gnade su bitten. Die Kniee schlotterten ihm und er ward erd- W; all sein Muth war verflogen, nun es sich um sein ^enes Leben handelte — mit Anderer Leben war er dichter fertig 1