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-kr. ü37.

JUarÖUtg, Donnerstag, 9. Oktober 1879

xiv. Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaul von Tb- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt e. M. Berlin, geipjtg, Cöln re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

GchMk jritmiii.

Anzeigen nimmt entgegen dieGWeditton b. Blatte» sowied. Annoncen-Bureaux von G-L-Daube & So. in Frankfurt a- M; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W- Thiene- in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJklustrirteS LountagSblatt" durch die Expedltron (A o ch fche Buchdruckerei) bezogen 3k Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (epi Bestellgebühr). JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.

das Vierte Quartal

;uf die Oberhessische Zeitung und deren Gratisbeilage

Jllustrirtes Sonntagsblatt" werden noch fort­während von der Expedition und allen Postan- stalten (auf dem Lande von den Landpostboten)

angenommen.

Die Ex-ed. d. Overh. Zeitung.

Tagesbericht.

Bis jetzt sind 300 Wahlresultate bekannt; davon sind etwa 77 Conservative, 25 Freiconservative, 64 Centrum, 72 Nationalliberale, 3 als liberal bezeichnete, 31 Fort- schntt, 15 Polen, 2 Dänen, 2 Partikularisten, 1 Demokrat und 8 noch unbestimmter Richtung angehörig.

Wahlen zum Abgeordnetenhaus.

Berlin. Im I. Wahlbezirk wurden Klotz, Ludw. Löwe und Parisius, im II. Straßmann und Langenhaus, im III. Virchow und Knörcke, im IV. Zimmermann und Eugen Richter gewählt. Dieselben sind sämmtlich fortschrittlich. In Hochheim wurde Dr. Thilenius (nal.-lib.) wieder­gewählt; in Schwalbach Bürgermeister Körner (liberal) gegen Gosebruch (fortschrittlich) und in Homburg v. d. Höhe Kalle (nat.-lib.) gewählt. In Heiligenbeil, R.-B. Marienwerder, gewählt Gerlich (nat.-lib.), in Loban, R.-B. Marienwerder, gewählt Lyskowski (Pole); in Lotzen, R.-B. Gumbinnen, gewählt Wegmann (Fortschr.); in Stettin gewählt Schmidt (lib.); in Pyritz, R.-B. Stettin, gewählt v. Niekisch-Rosenegg (cons.) und v. Löpel (cons.); in Er­furt gewählt Dr. Max Weber; in Mörs, R.-B. Düssel­dorf, gewählt Aegidi (freicons.); in Krefeld, R.-B. Köln, gewählt Seyffardt (nat.-lib.); in Ludwigöhausen, R-B. Münster, gewählt Graf Schmiesing (Centrum) und v. Droste (Centrum); in Wetzlar, R.-B- Coblenz, gewählt Staudinger (Freicons.); in Posen gewählt Dr. Hänel (Fvrtsch.); in Dramburg, R.-B. Cöslin, gewählt Graf Baudissin (conservativ). Im Saalkreis incl. Stadt Halle, R.-B. Merseburg, gewählt Reinicke (nat.-lib.) und Justiz­rath Fiebiger (nat.-lib.), in Meppen, Prov. Hannover, v. Windthorst (Centr.), in Hameln, Prov. Hannover, Span­genberg (freicons.), in Göttingen, Prov. Hannover, Köhler (nat.-lib.), im Geestkreise, Prov. Hannover, Holtermann (nat.-lib.) in Neuhaus, Prov. Hannover, v. Bennigsen (nat.-lib.), in Flensburg, Provinz Schleswig-Holstein, ge. wählt Jensen (freicons.), in Rendsburg, desgl., Hollesen (nat.-lib.), in Kiel, 0 desgl., Prof. Seelig (Fortschr.), in Segeberg, desgl., Hänel (Fortschr.). In Labiau, R.-B. Königsberg, gewählt Rittergutsbesitzer Hardy (cons.) und Rittergutsbesitzer v. Perbandt (cons.); in Carthaas-Reustadt,

Ei« Lebe« im Schatte«.

Erzählung von A- Reich st adt.

< Fortsetzung.)

Bei seinem bösen Gewissen hielt er für unmöglich, daß sie so gut und selbverläugnend sei, wie sie schien.

_ Gewiß war es Verstellung! Er wollte sie schon ent­larven.

Daß die Leute Schlimmes von ihm dachten merkte er wohl. Wer anders konnte also schuld daran sein als sie? War er daher einmal darüber zugekommen, daß sie mit ihrem Vater oder Hedwig allein gewesen und ein ver­trautes Wort mit ihnen ausgetaufcht hatte, so fragte er empört: 3äin hast Du wieder hinter meinem Rücken schlecht von mir gesprochen, Schauergeschichten zum Besim gegeben? Und dann stampfte er mit dem Fuße und verbot ihr das Sprechen.

Wenig ahnte er, daß sie eh.er alles Andere gethan, als auch nur eine Silbe ihrer Leiden verrathen haben würde. Freilich wenn sie auch alles läugnete, so sahen die Ihrigen doch, wie es mit ihrer Ehe stand. Weiß und weißer bleichte das Haar ihres Vaters und Larß hätte den guten alten hassen können, so grimmig machte chn dessm gram­volles, stilles Antlitz.

Lange blieben ihre Kräfte ihr nicht mehr treu, das fühlte Susanne. Es war an einem Sonntag. Sie hatte ihren Vater zum Mittagessen eingeladen und er hatte eine Meilenweite Fahrt unternommen, um sie zu sehen. Daß er kam, verstimmte ihren Mann, der ungern Gäste be- wirthcte. Durch sein Treiben war er in Schulden gestürzt, schon wuße er seine Gläubiger nicht mehr zu befriedigen. Unerwartete Rechnungen quälten ihn.

R.-B. Königsberg, gewählt v. RybinSki (Pole) und v. Tho- karski (Pole); in Tilsit-Niederung, R.-B. Gumbinnen, ge­wählt Gutsbesitzer Möller (Fortschr.) und Hauptmann a. D. Wander-Carlsberg (Fortschr.); im Landkreis Posen gewählt v. Swinarski (Pole); in Buk-Kosten gewählt Magdzinski (Pole) und v. Chlapowski (Pole). In Adenau, R.-B. Coblenz, gewählt Amtsrichter Kvchann (Centrum). Wahlkreis Montabaur. Gewählt Lieber (Centrum). Wahlkreis Diez. Gewählt Mohr (Fort­schrittspartei). In Rüdesheim gewählt Schlichter (nat.- lib.); in Weilburg Tripp (Centrum). In Rennerod gewählt Landrath Wißmann (freicons.). Wiesbaden. Oberlandesgerichtsrath Petri (liberal), mit 160 gegen 2 Stimmen gewählt.

Die Vertretung des Staatssekretärs v. Bülow über­nehmen v. Radowitz und Dr. Bucher. Die handelspoli­tische und staatsrechtliche Abtheilunz des auSwärttgen Amtes bleibt unter der Leitung v. PhilipSbornS. Nach der Ab­reise des Fürsten Bismarck fällt die obere Leitung deS auswärtigen Amtes dessen Stellvertreter, bem Grafen Stol­berg zu. ____________

Der Ton der russischen Presse seit der Beendigung des orientalischen Krieges hat bekanntlich im Auslande verdiente Aufmerksamkeit gefunden. Die Artikel der rus­sischen Petersburger und Moskauer Zeitung, des Golos, der Neuen Zeit, der Agence Russe, des Journal de St. Petersburg, des Nord und anderer ähnlichen Blätter sind nicht allein zur Unterrichtung des russischen Volkes ge­schrieben worden; auch jenseits der Grenzen Rußlands hat man aus diesen Veröffentlichungen nützliche Lehren gezogen. Man hat darin gelesen, daß sich die Selbstüberschätzung der Russen seit dem Kriege noch gesteigert hat; daß die panslawistische Partei mit einer Sicherheit von ihrer die ganze Welt bedrohendenMission" spricht, die komisch sein würde, wenn der zur Schau getragene Dünkel nicht der einer wenig gewissenhaften, aber einflußreichen Fraktion wäre, welche großes Unheil anrichten kann. Die Neue Zett schlug vor einigen Wochen vor, Oesterreich den Krieg zu erklären aus Achtung vor dem bosnisch-herzegowinischen' Volke, in dessen Gebirgen der erste Funke der slawischen Bewegung aufloderte. Die russische Petersburger Zeitung erthellte um dieselbe Zeit den Rath, den Bosporus und die Donau vorläufig in Ruhe zu lassen und über Preußen herzufallen, weil Fürst Bismarck untreu geworden und sich in der Orientfrage auf Seiten der Westmächte ge­stellt habe. Am weitesten ging die Moskauer Zeitung. Diese hiett es für angemessen, mit der ganzen Welt zu­gleich und sogleich Krieg zu führen: mit Oesterreich, weil cs Novibazar besetzen wolle; mit Deutschland, weil Fürst Bismarck dort an der Spitze der Regierung stehe; mit

Zum Ueberfluß soll ich meinen Schwiegervater auch noch füttern! murmelte er verdrießlich zwischen den Zähnen, ohne daß es Jemand hörte. Seine schlechte Laune nicht beachtend, thcilte ihm Susanne mit einem Seufjer mit, daß ihr Hausstandsgeld zu Ende fei

Wo bist Du damit geblieben? herrfchte er sie an. Das Blut schoß ihr in die blaffen Wangen.

Du kannst mein Anschreibebuch sehen, antwortete sie ruhig. Ich habe Dir stets von jedem Pfennig Rechen­schaft abgelegt. .

Du lügst! schrie er und die Ader auf seiner Stirn schwoll, Verschwendet hast Du's und Deinen Verwandten zugesteckt. Ja, die Hälfte bei Seite gebracht würden wir fönst nicht auskommen?

Larß! stammelte sie und es wurde ihr dunkel vor den Augen.

Um Gottcswillen nimm das Wort zurück. Und sie trat wankend vor ihn ihn. Die Kinder hingen sich angst­voll an ihre Kleider.

Ueberrascht sah er ihren entrüfteten, vorwurfsvollen Blick. So bestimmt und streng war sie niemals aufgetreten. Die edle Würde und der Stotz, welcher in diesem Augen­blick ihr Wesen abelte, brachte ihn in seiner Rohheit zur Verzweiflung.

Sich selbst nicht mehr kennend, hob er die Hand. Du wirst das nicht thun 1 sagte sie und ihr Auge sprühte.

So wagte sie ihn anzublicken? Das werde ich doch, schrie er wild. Ihr Vater wollte dazwischen treten, aber der Schlag fiel schon und noch einer und noch einer.

Den alten Herrn bei Seite stoßend, stand Larß mit rollenden Augen vor seinem Weib.

England, weil es dashinterlistige Albion", und mit Frankreich, well es eine Republik sei. Selbst das ferne China sollte nicht verschont bleiben: es müßte gezüchtigt werden, weil es sich in Kuldscha dem russischen Willen zu widersetzen wagte. Man ist geneigt, feinen Augen nicht zu trauen, wenn man ähnliche Ungeheuerlichkeiten lieft, aber man wird mit Besorgniß erfüllt, wenn man be­denkt, daß dies die geistige Nahrung ist, die einem un­wissenden und leicht zu fanatifirenben Volke als tägliches Brod vorgesetzt wird. Systematisch hat die panslawistische Presse darauf hingearbeitet, Rußland gegen das gefammte Ausland zu verbittern. Verdächtigungen, Verleumdungen, Entstellungen von Thaffachen, Einschüchterungsversuche jedes Mittel ist ihr gut genug.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Oktober. Unsere mehrfach ausgesprochene Ansicht, daß nach den Wahlen der Abschluß der Verhand­lungen mit Rom perfect werden würde, scheint sich als richtig bestätigen zu wollen. Der Berliner offiziöse Cor- respandent derWiener Pol. Corresp." meldet nämlich jetzt, daß der Friedensschluß mit Rom nahe bevorsteht. Der Graf Stolberg soll, wie hier verbreitete Gerüchte sagen, von Baden-Baden mit der kaiserlichen Zustimmung zu den Beschlüssen des Staatsministeriums, wie sie neulich auf Grund der Verhandlungen mit Rom gefaßt worden sind, zurückgekehrt sein. Ueber die Verhandlungen und ihren Inhalt äußert sich das offiziöse Blatt in folgenden, freilich noch sehr allgemein gehaltenen Worten:Eine Veranlaffnng, gegen die Candidaten des CentmmS aufzutreten, lag für die Regierung nicht mehr vor, nachdem |bie Centrnms- Fraction, wenngleich durch die Interessen ihrer Wähler mit gebundener Marschroute, in den wirthschaftlichen Fragen zum Reichskanzler gestanden. Da die wirthschaftlichen Fragen in Form der Verstaatlichung der Eisenbahnen und der neueren Steuerreform den Schwerpunkt der kommenden Session bilden, so hatte die Regierung wohl keinen Anlaß, sich eines so sicheren Kampfgenossen zu berauben, welcher ohnehin bisher ohne jede Gegenleistung zu ihr gestanden. Denn was auch immer in einzelnen Blättern über die vom Kanzler angeblich gemachtenVersprechungen" zu lesen gewesen sein mag alle diese Ausstreuungen und Insinuationen waren nicht das Papier Werth, auf welchem sie gedruckt wurden. Fürst Bismarck brauchte sich zu Gegendiensten nicht zu verpflichten, weil er recht gut wußte, daß das Centrum in feinem eigensten Jntereffe, nicht um des Kanzlers und nicht um der Regierung willen, in den WirthschaftSfragen zu der letzteren stand. Der Gang der Verhandlungen mit Rom hat bewiesen, daß so entschieden Fürst Bismarck es auch als seine Pflicht betonte, den Frieden mit der Kirche zu ermöglichen, er doch nicht einen Deut von Dem opfere, was im wirklichen Jntereffe des

Leichenblaß, zusammmschanernd am ganzen Leib, sank sie auf die Erde. Statt jeder Erwiderung quoll ein Strom dunkelrothen Blutes aus ihrem Munde.

Qualvoll wand sie sich am Boden. Kaum wiederzu­erkennen war ihr fchmerzentstellteS Gesicht.

Tonlos ohne Organ kaum verständlich konnte sie endlich die Worte murmeln:

Ich will fort von Dir, fort!

Und von den Äinbern? fragte er, während ihm die Arme schlaff am Leibs niedersanken.

Trostlos irrte ihr Blick zu dm Kleium, die einge­schüchtert und fröstelnd vor Furcht sich in die äußerste Ecke am Ofen geflüchtet, um sich dort eng zufarnmenzu- tauern.

Meine Kinver? Die nehme ich mit mir.

Ein grausamer Hohn umspielte seinen Mund.

Glaubst Du, daß ich sie Dir ließe? Nach böslicher Verlassung? Wenn Du den Skandal vor den Leuten nicht scheust, so scheue ich chn.

Kalter Fieberkost schüttelte ihre Glieder.

Nun fragte er nach einer Pause bitter Susanne, willst Du wirklich noch fort?

Thränenlofen Blicks starrte sie auf ihre hülfiosen Lieb­linge und verhüllte ihr Angesicht:

Nein, ich bleibe bei Dir.

Seit der Mißhandlung, welche sie durch ihren Mann erlitten, fühlte Susanne ihre letzte Kraft erschöpft. Jener Schlag hatte ihre Gesundheit ein für allemal zertrümmert. Nicht erst der Arzt brauchte ihr zu sagen, daß keine Hoff­nung war. Sie selbst fühlte bas am besten.