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-kr. LSI.

Anzeigen nimmt cmgegen: tte Erpedikivn d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Laasenstein & Vogler in Jrankfurt a. M., Berlin. Leipzig, Löln ic.; Ruools Aoffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Marburg, Donnerstag, 2. Oktober 1879. Jahrgang

AttWschk Zitiliig.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- TbieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf-. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

KtMllllgkN auf die Oberhessische Zeitung v und deren Gratisbeilage

Jllustrirtes Sonntagsblatt" werden noch fort­während von der Expedition und allen Postan­stalten (auf dem Lande von den Landpostboten) angenommen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Nachstehend einige bis jetzt bekannte Resultate der Wahlmännerwahlen:

Köln. Stadt. 254 Klerikale, 242 Nationalliberale oder Fortschrittliche.

Trier. Stadt. 53 Nationalliberale oder Fortschr., 34 Klerikale.

Münster (Westphalen). Stadt. 110 Klerikale, 31 Nationalliberale oder Fortschrittler.

Münster. Landkreis. Stadt Cösseld wählte durch­gehends klerikal.

Posen. Nach bisheriger ungefährer Schätzung ist der Ausfall zu Gunsten der Fortschrittspartei.

Danzig. Stadt. 296 Nationalliberale oder Fortschr., 64 Conservativc oder Ultramontane.

Barmen. 116 Frcikonservative, 215 Nationalliberale oder Fortschr.

Elberfeld. Nationalliberale und Fortschrittler stimmten fast durchweg vereint, 155 Nationalliberale oder Fortschr., 160 Freikonservative oder Ultramontane.

Elbing. Aeußerst geringe Betheiligung. 113 Natio­nalliberale oder Fortschr., 17 entschieden Konservative.

Krefeld. Von den gewählten Wahlmännern sollen 121 für Seiffardt, 107 für Neichensperger stimmen.

Stettin. 33 Konservative, 157 Nationalliberale, 97 Fortschrittliche.

Frankfurt a. M. Vereinigte Fortschritts- und demo­kratische Partei 260, Nationalliberale (Wahlverein) 150, Klerikale 5. Die Landorte, soweit deren Resultate noch ausstehen, dürsten den Nationalliberalen, noch etwa 25 Wahlmänner zusühren.

Wie man der Magdeburger Zeitung schreibt, dürften sich Oesterreich-Ungarn und Deutschland zunächst über einen Zwischentaris verständigen, über dessen Grundzüge man bereits einig geworden sei. Die beiderseitigen Kommissare welche die bezüglichen Verhandlungen führen sollen und im Laufe des nächsten Monats zusammentreten werden, sind bereits ernannt. Ob und welche Ausdehnung die zu tref- smden Vereinbarungen auf einige andere, Oesterreich- Ungarn benachbarte Staaten zu finden haben würden, da-

Eiu Lebe» im Schatte«.*)

Erzählung von A. Reich stadt.

Motto: Nur das mag wie mit f-stem Erz

In Freundschaft zwei Genoffen binden, Wenn Geist uno Geist sich, Herz und Her, In einem hohem Dritten finden.

Geibel.

Einförmig dehnt sich das flache Oderbruch am Strom entlang bis zu den niedrigen Sandhügeln der Mark. Weit und breit Rüben und wieder Rüben, wohin das Auge blickt, oder zur Abwechslung Kartoffelfelder und rvthblühender Taback; statt traulicher Bauernhäuser städ­tische, weiß getünchte Gehöfte, Fabrikschornsteine ohne Zahl. Nne fruchtbare Wüste aber gewiß ist die Sahara nicht so nüchtern.

An den Landwegen, die ihres schweren Bodens halber bei nassem Wetter selbst von den Ochsen kaum zudurch- kncten" sind, wächst nur die nützliche Weide. In dieser holzarmen Gegend wird sie alle Jahre ihrer Krone be­raubt; den einzigen Schatten spenden dann die kahlen Baumstümpse. Keine bunte Blume wagt sich auf den sorgfältig bestellten Acker, wo der Dampfpflug herrscht, wo das Korn ingedrillten" Reihen wächst und schon die Kinder dazu angehalten werden, mit der Hacke auf der Schulter, in militärisch geordneten Schaareu auSzu- ziehen, um alles Unkraut zu vertilgen.

Eigenthümlich ist, daß der Himmel hier für das zu entschädigen sucht, waS die Erde versagt. Phantastischer und reicher als anderswo gestalten sich hier seine lustigen Gebilde. Vorzüglich bei Sonnenuntergang, wenn auS dem

*; Nachdruck verboten

rüber wäre nach den Mittheilungen der Magdeb. Zeitung bis jetzt noch gar nichts bestintmt, es scheint, daß man in dieser Beziehung über die ersten Andeutungen noch nicht hinausgckommcn ist. Man soll dieffeits zu ziemlich weit­gehenden Konzessionen an Oesterreich bereit sein, selbstver­ständlich jedoch auf volle Gegenseitigkett rechnen.

Bei dem Kaiser von Rußland, der augenblicklich in Livadia weilt, sollen nach Meldungen Londoner und Wiener Blätter wichtige Berathungeu gepflogen werden, denen außer dem Thronfolger auch Lobanoff, Dondukoff und Kauffmann beiwohnten. Auffallend erscheine, fügt der WienerTimes"- Correspondent seiner Meldung bei, daß man nichts davon höre, daß Gortschakoff oder Schuwaloff auch in Livadia erwartet würden. Für die inneren Zustände in Rußland ist die Mittheilung charakteristisch, daß von 1800 imma- trikulirten Studenten in den letzten fünf Jahren nicht we­niger als 720 wegen ihrer politischen Umtriebe verfolgt und verhaftet wurden.

DiePolit.-Corresp." meldet aus Konstantinopel: Die griechischen Commiffäre erhielten Weisung, ihre letzte De­klaration, daß Griechenland eine Discussion auf Grundlage des 13. Protokolls des Berliner CongresseS acceptirc, auf- rechtzuerhalteu. Dagegen haben sie die von den Türken vorgeschlagene Fassung der Deklaration, daß Griechenland acceptire, die Grundlage des 13 Protokolls zu discutiren, abzulehnen. Der britische Botschafter Layard wird am 10. October zurückerwartet. . ,,

Der Ausbruch des Krieges zwischen Aegypten und Abessinien scheint glücklich vermieden zu sein. Aus Kairo wird nämlich demStandard" unterm 5. d. gemeldet: Gordon Pascha, der General-Gouverneur des Sudan, hat eine Unterredung mit dem abessinischen Befehlshaber ge­führt. Das Ergebniß der Unterredung wird als sehr be­friedigend erachtet und die abessinischen Truppen sind von der ägyptischen Grenze zurückgezogen worden. Gordon Pascha hat sich behufs einer Besprechung zum König be- gegeben. Die Entsendung ägyptischer Truppen ist nicht mehr erforderlich. ,

DevtscheS Reich.

Berli», 30. September. Se. Majestät der Kaiser erfreut sich, wie wir aus Baden Baden erfahren, des besten Wohlbefindens und erledigt täglich daselbst in gewohnter Regelmäßigkeit die laufenden Regierungsgeschäfte. Gestern Vormittag empfing Allerhöchstderselbe den am Abend zuvor aus Berlin eingetroffenen Statthalter, General-Feldmarschall Freiherr« von Manteuffel, welcher heute früh von Baden nach Freiburg abreiste und am 1. Oktober in Straßburg anlangen wird, um seinen Posten als Statthalter zu über- schwarzen, üppigen Boden feuchte Dünste aufsteigen, sieht man oft Wolken von so wunderbar tiefer, kräftiger Farben­pracht über die weite Niederung ziehen, wie sie selten sind in unserm nördlichen Vaterlande.

Um diese Abendzeit begegnen wir einem jungen Mädchen auf dem Wege zu einem Kirchhof. Es ist das einzige Ziel, das es für sie gibt, wenn sic wandern und dem Staub der endlosen Kohlenwagen auf der belebten Chauffee ausweichen will.

Der Weg führt an einfcm Graben entlang. In dem Graben schleicht ein trübes, schwarzes Wasser.

Einige Erlen und sogar junge Eichen dürfen hier ihre Zweige ausbreiten. Große gelbe Kuhblumen und riesen­blättriger Lattich überwuchern den Schlamm. Seine Nahrung suchend stolzierte ein Zug scheuer Trappen auf dem Acker. Sobald sie den menschlichen Schrittj vernahmen, stießen sie einen merkwürdigen Schrei aus, entfalteten ihre bräunlich grauen Schwingen und ergriffen die Flucht.

Langsam, augenscheinlich in schwere, kämpfende Ge­danken vertteft, öffnete das junge Mädchen die Kirchhof- thür. Während sie sich müde auf die Bank setzte, blickte sie trostlos um sich.

Sic hatte sich so nach Erquickung gesehnt. Und dies war Alles, was ihr durstender Blick in sich ausnahm.

Ein regelrechter viereckiger Platz von zwei gelben Kies­wegen in Kreuzesform durchschnitten. Auf jeder Seite im kurzgeschoreueu Rasen etwa vierzig Gräber, rechts für die Erwachsenen, links für die Kinder. Und ein Grab genau wie das andere. Nirgends war ein verwittertes Kreuz geduldet, nirgends eine Trauerweide, nirgends ein schwarzes Güter blumenumwuchcrt. Statt dessen lag hübsch ordent­lich aus jed:m Grab ein viereckiger, weißer Stein, in

nehmen. Am Sonntag Nachmittag fand im Schlöffe zu Baden Familientafel und Abends ebendaselbst ein kleinerer Thee statt. Der Kronprinz von Schweden hat gestern Baden wieder verlassen. Am Königlichen Hofe wird heute der Geburtstag Ihrer Majestät der Kaiserin in ge­wohnter Weise feierlich begangen. Wie wir aus Baden- Baden erfahren, beabsichtigen die daselbst anwesenden Aller­höchsten und Höchsten Herrschaften zur Feier des Tages sich nach Breisach zu begeben- In Berlin und Potsdam wurde der Geburtstag der Kaiserin wie alljährlich durch Beflaggung der öffentlichen und vieler anderer Gebäude be­gangen. Die Wachen und Posten zogen im Parade-An­zuge mit Haarbusch auf. In den Hospitälern und Waisen­häusern fand eine festliche Bewirthung der Hospitaliten und Waisenkinder statt. Der Centralverband deutscher In­dustrieller hat außer dem Freiherm von Varubüler auch dem Freiherrn zu Frankenstein, erstem Vicepräsidenten des Reichstags, durch eine Deputation eine Dankadresse überreichen lassen.Der Bundesrath hielt gestern ein Plenarsitzung ab, in welcher die Vorlagen, betreffend die Taggelder, Fuhrkosten und Umzugskosten der Reichsbeamten und die Desinfektion der Eisenbahnviehwagen im Verkehr mit Belgien einer Er­örterung unterzogen wurden. Erstere wurde der N. A. Z. zufolge dem Ausschüsse für Rechnungswesen überwiesen, während Letztere an den Ausschuß für Eisenbahnen, Post und Telegraphen ging. Die Besetzung erledigter Stellen bei den Disziplinar-Behörden erfolgte nach den Vorschlägen. Nachdem die Wahl von Mitgliedern der Verwaltung des Rrichs-Jnvalidenfonds und der ReichSschulden-Kommission erfolgt war, legte der Vorsitzende am Schluß qer Sttzung die eingelaufenen Eingaben vor.

Hamburg, 30. Septbr. Heute Nacht gegen 3 Uhr explodirte auf der Süderelbe unweit Harburg der Ewer des PulverschiffesBoothby" auö St. Pauli, an dessen Bord noch 3 Wagenladungen Pulver waren; die Besatzung des Fahrzeuges, aus 3 Mann bestehend, sowie angeblich einige in der Nähe fischende Fischer wurden getödtet. In Harburg und Hamburg wurde durch den Luftdruck mehr­facher Schaden verursacht.

Karlsrahe, 29. September. Am letzten Mittwoch Abends hat die couserbative Partei hier in der Residenz­stadt desliberalen Mutterstaates" einen großen Triumph gefeiert und eine moralische Eroberung von unberechenbarer Tragweite gemacht. Der Reichstagsabgeordnete Freiherr von Marschall (Karlsruhe-Bruchsal) hiät im großen Ein­trachtssaal vor fast 1000 Männern aus allen Ständen, Conservattven, CentrumSleuten, Liberalen, Fortschrittlern und Social-Demokraten einen beinahe zweistündigen meister­haften Vortrag über die Arbeiten des Reichstags im Jahre 1878/79, über den Zolltarif besonders und auch über seine (des Redners) Stellung zum Culturkampf. Mit lebhaftem Bravo schon empfangen, wurde der Redner des Oefteren

großen goldenen Buchstaben den Namen des Verstorbenen tragend.

So regelrecht und symmetrisch lagen die weißen Würfel da, als ob die Gräber Fabrikarbeit wären. Und Fabrik­arbeiter schlummerten auch allerdings unter den meisten dieser tadellos sauberen Stätten. Die Zuckerfabrik, welche sielieferte, ragte dicht hinter-dem Kirchhof hervor man hörte nichts anderes hier als das Sausen und Klappern ihrer Maschinen. Wie eine Trauersahne breitete sich ihr dunkler Rauch hoch über diese kahle Einöde.

Wohl konnte es nur eine liebevolle Herrschaft sein, die ihre Arbeiter so reinlich gebettet. Seltene Ziersträucher blühten auf den geharkten Beeten, jeder dürre Zweig, jedes vertrocknete Blättchen war aufmerksam entfernt--und

dennoch die Prosa dieses Platzes, der in dem arm­seligsten Winkel sonst seine schwermüthige Poesie zu be­haupten pflegt, wirkte niederdrückend auf das junge Mädchen. Mechanisch zählte sie, wie sie so da saß, ein Mal über das andere die weißen Leichensteine.

Ein neues Grab war gegraben. Sie trat vor dasselbe hin und immer trostloser wurde ihr Blick, während sie in daffelbe hinabstarrte.

Wenn sie mich einst dort hineinlegten und ich hätte nie, nie im Leben ein anderes Gefühl kennen gelernt, als der Einsamkeit, das mich jetzt verzehrt, würde ich nicht die Schme^en der Vereinsamung mit hinüber nehmen?

Sie schauerte zusammen.

Ja, wenn ich kein Herz hienieden besitze, das mir ge­hört, an das ich ein Recht habe wer sagt mir, ob ich nicht auch drüben, wenn alle sich jubelnd wiedervereinigen, die hier der Tod getrennt, allein und verlassen zwischen