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Skr. 830.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte«, sowie d-Annoncen-Bureauk von Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Tb Dietrich in Kanifurt a-M-; Haafenstein & Bögler in »rankfurt a M., Berlin. Leipzig, ESln re.; Rudolf Nvsse in Berlin, Frant» furt a. DJ. re.

Marburg, Mittwoch, 1. Oktober 1879

xiv. Jahrgang.

I

GklMche jfitmip

> Anzeigen nimmt entgegen . die Expedition d. Blatter sowie d. Annoncen-Bureaux von L- Daube & So. in * Frankfurt a. M; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendmst in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: C. Schlotte in .

Bremen-

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Tagesbericht.

Der CultuSrninister Herr v. Puttkammer hat es ver> standen, trotzdem die liberalen Blätter neulich sagten, er finde leere Klassen vor, bei dem Finanzminister eS durchzu­setzen, daß weitere 300,000 Mark zur Ausbesserung der Lehrerpensionen in den neuen Etat eingesetzt werden, um die Lehrerpensionen wenigstens auf 600 Mark zu bringen. Sodann hat er sich, was ebenfalls bei den einsichtsvollen Lehrern Beifall finden wird, dafür ausgesprochen, daß den ersten Lehrern an mehrklassigen Schulen eine Stellung zu geben, welche ihnen eine gewisse Machtvollkommenheit über die an der Schule arbeitenven jungen Lehrkräfte verleihe, um denselben einen Anhalt und eine Leitung zu geben. DieDeutsche Lehrerzeitung" berichtet nämlich über eine Audienz, welche eine Deputatian desPreußischen Landes-, Lehrer-Vereins" am 23. September bei dem Herrn v., Puttkammer gehabt Hal, um demselben die Erledigung der Dotationsfrage ans Herz zu legen und theilt die Zusage des Herrn Ministers mit.

lieber die Unterredung des Fürsten Bismarck mit dem französischen Botschafter am Wiener Hofe, Herrn Taisserenc de Bort, erfährt derTemps" auf telegraphischem Wege noch folgendes 'Nähere: Herr v. Bismarck erschien in der Botschaft in Gesellschaft des Fürsten Reuß, der aber im Einlrittssalon znrückblieb, so baß das Gespräch ohne'Zeugen stattsand. Nach den üblichen Höflichkeiten wendete man sich der wirthschafttichen Frage Frankreichs und Deutsch­lands zu. Man sprach von der Amtsthäligkeit des Herrn Teisserenc als Handelsminister und von der neuen Han- despolitik Deutschlands, erörterte verschiedene schwebende Fragen, an denen Frankreich unmittelbar betheiligt ist, und kam endlich auf die Reise des Herrn v. Bismarck nach Wien und die verschiedenen Commentare, zu welchen die­selbe Anlaß gab, zu reden. Herr Teisserenc de Bort wies aus die Theilnahme hin, welche dieses Ereigniß auch in Frankreich erregt hätte; daraus sagte Fürst Bismarck nahezu wörtlich:Ich ergreife gern diese Gelegenheit, um Ew. Excellenz die allerbestimmleste Versicherung zu geben, daß die intimen Beziehungen zwischen Oesterreich und Deutsch-

Des Kaisers Fahrt durch die Schlachtfelder bei Metz am 25. September 1879.

^Schluß.

Umgeben ist das Denkmal mit einem schwarzer; Eisen­gitter, an den Tafeln mit den Rainen der gefallenen Officiere des Regiments sich befinden. Drei Seiten des Vierecks sind mit diesen Namen angefüllt, auf der vierten stehen die Nachweisungen der Verluste, welche die Division an diesem Tage erlitten. Die Regimenter 8, 12, 48, 52 haben das Erringen des Bergrückens mit Hunderten von Leben bezahlen müssen; die schwersten Verluste aber hatte das Regiment 52 aufzuweisen, welches 18 Officiere, 38 Unterofficiere, 369 Mann auf dem Platze ließ. An die­ser Stelle hielt während des Gefechtes am 16. Prinz Friedrich Karl, und hier verlleß auch heute der Kaiser den Wagen, um einen Ueberblick über die blutgetränkten Felder zu werfen. Sichtbar ergrifien las er die Namen der Gefallenen und bestieg danü den Hügel, auf welchem das eigentliche Steindenkmal steht. Ein Wetter Fernblick eröffnet sich hier auf die ganze Straßeulinie von Mars- la-Tour bis Gravelotte. Aber es ist ein trauriger Anblick, denn wohin man sieht, da tagen weiße Kreuze und da­zwischen heben sich die großen Steindenkmäler ab, welche die Regimenter und Divisionen später dem Andenken der Kameraden gesetzt haben. Es ist ein ungeheures Leichen­feld, und obgleich neun Jahre verflossen sind, seit unsere Tapferen dort den Heldentod starben, sprechen die stummen Kreuze doch heute noch lebhaft und dringend zum Beschauer, zumal wenn man, wie ich, die Grabhügel alter Freunde hier wiederfindet.

Umgeben von seiner zahlreichen Suite stand der Kaiser wohl 3,4 Stunden an diesem Denkmal, während Major

land Frankreich durchaus nicht ^beunruhigen, noch seine Empfindlichkeit wachrufen dürfen. Sie können das gute Verhältniß, welches jetzt zwischen Deutschland und Frank­reich besteht, weder beeinträchtigen noch überhaupt berühren. Ich glaube im Gegentheil, daß unser Verhältniß sich in einer nahen Zukunft noch intimer gestalten wird und daß- wir die besten Freunde von der Welt sein werden. Eng­land ist mir dafür ein Beispiel. Der alte Haß (gegen Albion) ist vergessen und England ist heute der treue Bundesgenosse Frankreichs. Auch Oesterreich kann als Beispiel gelten. Vor 10 Jahren hätte man mich nicht ebenso empfangen. Heute ist alles vergessen. Die Völker wie die Menschen haben^ ein schwaches Gedächtniß. Ich habe mich niemals der Sprache bedient, um meine Ge­danken zu verbergen. Ich bin immer aufrichtig und Herr Waddington, mit dem ich in Berlin einen sehr lebhaften Verkehr unterhielt, hat sich davon überzeugen können. Zu­dem verfolgt Deutschland keine aggressive Politik. Es will fortan in Frieden leben und ich kann hierbei an den Aus­spruch eines ihrer Minister erinnern, welcher einst sagte, Frankreich suche mit Niemand Händel, weil es zufrieden. Nun denn, ich kann Ew. Excellenz versichern, Deutschland ist zufrieden." Dan« kam Herr v. Bismarck auf seine Reise nach Wien zurück und äußerte, die Blätter hätten die Bedeutung derselben übertrieben.Ich wollte mich, sagte der Kanzler, lediglich durch den Augenschein und per­sönlich überzeugen, daß die vom Grafen Andrassy gegen Deutschland eingeschlagene Politik auch höchsten Orts gut- geheißeu wird. Der Kaiser von Oesterreich ist sehr geliebt und sehr mächtig in seinem Lande, ich kam also her um seine persönlichen Ideen kennen zu lernen. Die Ereignisse der letzten Zeit, die Schwierigkeiten auf welche die Aus­führung des Berliner Vertrags an gewissen Orten stieß, haben mich dazu bestimmt. Ich wollte mich auch der Ge­sinnungen des Nachfotzers des Grafen Andrassy versichern. Von Gastein aus war der Weg nicht weit und so bin ich hier." Herr Teisseranc de Bort dankte dxqr Kanzler für seinen Besuch und die freunclichen Worte, die er. über­bracht hätte. In diesem Augenblick sah der Fürst auf seine Uhr und rief:Ach, ich vergesse mich ganz bei Ew. Ex­cellenz und der Nuntius erwartet mich. Ich kann nicht ohne Schaden, dieses Stelldichein versäumen." Ehe er sich verabschiedete, sagte der Fürst noch, wie sehr er Herrn Teisserenc de Bort um seinen Urlaub und die Erholung die er sich gönnen werde, beneide." Auch ich habe mich ehedem mit der Verwaltung meiner Güter beschäftigt. Ich liebe den Ackerbau und das war meine glücklichste Zeit. Jetzt ist es mir aber, trotz meines Gesundheitszustandes verboten, an dergleichen zu denken. Auch kann ich nicht begreifen, wie der Graf Andrassy sich entschließen konnte, seinen Posten in solchem Augenblicke und in voller Mannes- kraft zu verlassen." Daniit empfahl sich der Fürst, indem

Zingler vom Generalstabe einen den Vorgang der Schlacht etiäuternoen Vortrag hielt. Als Major Zingler die Be­sprechung des 16. August beendet hatte und auf den 17. übergehen wollte, unterbrach ihn der Kaiser mit der Be- merttlng, daß er an diesem Tage schon selbst eingetroffen sei und sich des folgenden aufs Genaueste erinnere.

Hierauf wurde die Fahrt gegen Vionville fortgesetzt, vorbei an dem Denkmal des 3. Artillerie - Regiments (Generalfeldzeugmeister) und dem Denkmal des Ostfrie- stschen Infanterie - Regiments Nr. 78, welches auf diesem Schlachtfelde 31 Officiere und etwa 600 Mann eigebüßt hatte. Links der Straße lagen kleine Waldparzellen, deren Erstürmung seiner Zeit viel Blut gekostet, rechts in einer flachen Thalsenkung lag Flavigny, umgeben von Massen­gräbern, aus deren dunkelgrünem Gras die weißen Kreuze monoton heransschauten. Vionville, das hart erstrittene, blutig errungene, liegt auf einer sauft ansteigenden Er­höhung und präsenlirt sich in gewöhnlichen Zeiten in äußerst ungünstiger Weise. Es ist ein sehr schmutziges Nest, und als ich gestern vorbeifuhr, hatte ich wirklich die Empfindung, selten eine so gräuliche Dorfstraße gesehen zu haben. Heute aber hatte es sich nach Kräften herausge­putzt und die abscheulichen Misthaufen vor den Häusern mit Tannenreistg bedeckt, so daß es recht gut aussah; jedenfalls war der gute Wille anzuerkennen. Im Dorfe selbst machte, der Kaiser nicht Halt, wohl aber auf der Höhe hinter demselben, wo er auch vom Wagen abstieg. Dicht daneben verläuft die französische Grenze, und es machte einen eigmthümlichen Eindruck, von der französischen Seite, grade während der Kaiser Vionville passirte, hef­tigen Kanonendonner zu hören, der von einem französischen Manöver herrühren mochte. Der Großherzog von Mecklen-

er Herrn Teisseranc de Bort einlud, ihm seinen Besuch in Berlin zu erwidern. Die Unterredung hatte über eine halbe Stunde gedauert.

Hebet die deutsch-russischen Beziehungen ist Folgendes zu melden: DieNat.-Ztg." brachte einen langen Artikel von berufener Seite" aus Petersburg, der im Wesent­lichen Folgendes besagte: Der Correspondent szählt zuerst die Fehler der Gortschakoffschen Politik, die er darin findet, daß der Frieden svon San Stefano auf eigene Faust ge­schlossen wurde, der doch das Schwergewicht im Osten so total verrückte. Man wiegte sich in der Illusion, Fürst Bis­marck werde diese Abmachungen einfach gut heißen. Bis­marck unterstützte zwar wohl die Abtretung von Saturn und andere Kleinigkeiten, aber Rußland mußte die Zwei­theilung Bulgariens zugeben, die seine Vorpostenstellung auf der Bolkanhalbinsel thatsächlich zerstörte. Nach dem Congreß jverfiel Gortschakoff in die Illusion, Fürst Bis­marck werde den Berliner Vertrag nicht ernst nehmen. Aber man mußte sich, wenn auch murrend und wider­willig, fügen und sich zurückziehen. Der unverzeilichste Fehler der russischen Politik war die Geschmacklosigkeit, der üblen Laune über die eigenen Illusionen Ausdruck zu geben. Bismarck antwortete darauf mit den Besprechungen zu Gastein und Wien, deren Resultat einfach Rußland fest- legen und Frankreich damit von Neuem isoliren wird. Rußland, sagt der Correspondent weiter, wird durch die neue Constellation von den Balkanländern ausgeschloffen werden, wenn es gelingt, die Fürstenthümer am Balkan direct unter österreichischen Einfluß zu bringen. Oester­reich ist thatsächlich schon mit der Psotte alliirt und nun im Stande, Rußland nach dem Westen den Weg zu ver­legen. Um dieRückversicherung des Friedens vollständig zu machen, zeigt sich England auf Seiten der nach Kon­stantinopel hin erweiterten österreichisch-deutschen Entente so daß Rußland bald völlig isolirt fein wird. Der Cor­respondent schließt:Die völlige Jsolituug wird die Erb­schaft sein, welche der Nachfolger des Fürsten Gortschakoff anzutreten haben wird, eine sicher nicht beneidenswerthe Aussicht. Wir können nicht einmal mehr sagen: La Russie se receuillel DieN. A. Z." knüpft an diesen Artikel eine Berichtigung. Es hieß in jenem Ar­tikel wörtlich : Es ist keine Frage, daß Rußland sich nicht zu dem Mai-Memorandum hätte verstehen müssen . . . wenn Graf Schuwaloff auf ferner bekannten Petersburger Reife die Unterstützung Deutschlands für den großbulgari- schen Plan hätte finden können; nachdem es dessen aber ermangelte, war es nöthig, zu capttuliten und Fürst Gortschakoff soll damals geäußert haben, jetzt fei er mit Deutschland quitt." Darauf entgegnet dieN. A. Z." im Wesentlichen Folgendes: Der russische Botschafter Gras Schuwaloff habe niemals die Unterstützung Deutsch­

burg ritt bis dicht an die Grenze heran, doch ließ er vor­sichtshalber einen Gendarmen vorauSretten, um sie nicht unwissentlich zu überschreiten. Der Kaiser, der Kronprinz und der Großherzog unterhielten sich in leutseligster Weise mit den versammelten Landleuten, und es gewährte einen seltsamen Anblick, wie ein Blousenmann zwischen dem Kaiser und dem Prinzen Karl stand und sich mit beiden in ge­mächlichster Weise unterhielt.

Auf der Fahrt von Vionville nach Rezonville traf der Kaiser an der Chaussee auf zahlreiche Denkmäler. Ein gewaltiger Obelisk verkündete, daß hier das brandenburgische Füsilier-Regiment Nr. 35 seine Tobten begraben habe. Der zweite, ftiedhosähnlich eingefaßte Platz hatte noch Raum gehabt für Leichen von Kriegern, welche, im Ge­büsch versteckt und vergessen, erst im Juli 1879 aufge­funden und an dieser Stelle bestattet worden waren. Noch alle Jahre wurden solcheverlorene" Leichen, oder viel­mehr Gerippe gefunden, und oft konnte sogar noch die Person der Tobten festgestellt werben, durch bie Erken­nungsmarken, bie babei gefunben wurden, durch Uhren oder durch bie, Nummerknöpfe ber Uniformen. Auch fran­zösische Denkmäler stauben hier, theilweise recht hübsch aus­geführt und sorgfältig gepflegt. Weiterhin folgte, umgeben von zahlreichen Massengräbern, das Denkmal des 20. In­fanterie-Regiments, während man links von der Chauffee am Walbsaume bas Denkmal ber Garbe-Dragoner-Brigarbe erblickte, bie sich am 16. August in jener bekannten Attaque zusammen mit ben 7. Cuirassteren unb 16. Ulanen gegen ben anbrängenben Feinb geopfert hatte.

Vor Rezonville verließ bet Kaiser ben Wagen und begab sich zu Fuß in das Dors, in welchem er die Nacht vom 18. zum 19. August 1870 zugebracht hatte. Es