ses
Är. 829.
Marburg, Dienstag, 30. September 1879.
xiv. Jahrgang
inner, Batet: t und geord- fehlen
arz.
allen de ge- d wir e Zu-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte«, sowie d-Annoncen-Bureauk gon Th. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf gstoffe in Berlin, Frankfurt c. M. :c.
Oiicchksslsche Jritinig.
Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blatte- sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thiene- in Slberfeld: C. Schlotte in Bremen.
gftr tn der Expedttron zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. P 3
Die Eindrücke Meiner diesmaligen Anwesenheit in Elsaß-Lothringen haben Mir zu Meiner lebhaften Genug- thuung und Freude bestätigt, daß der innere Wiederanschluß dieses Landes an das deutsche Vaterland in erfreulichem Fortschritt begriffen ist. Es ist Mir und der Kaiserin und Königin, Meiner Gemahlin, überall ein Empfang bereitet worden, welcher Unsere Erwartungen weit übertroffen und welcher durch die sichtbare weitere Betheiligung in sehr wohlthuender Weise Zeugniß von der freudigen Bewegung der Bevölkerung ablegte. Ich ersuche Sie, Meinen Dank zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, dem ich gern auch den Ausdruck Meiner Befriedigung für die allgemein entgegenkommende und gute Aufnahme der Truppen während der Uebungen hinzufüge. Ich verlasse Elsaß-Lothringen heute mit dem Wunsche für das Gedeihen dieses schönen Landes und mit der erhöhten Zuversicht, daß einsichtvolles Streben der Regierung und wachsendes Verttauen der Bevölkerung Beide bald mit einem festen Bande vereinigen werden.
4 Metz, 26. September 1879.
, ' (gez.) Wilhelm.
Der „Pester „Hon" will wissen, das wirthschaflliche Verhältniß zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland werde nicht auf Grund eines Meistbegünstigungsvertrags sondern auf Grund eines Tarifvertrags geregelt werden.
Der Pariser Correspondent der „Times" (Herr Oppert von Blowitz) schreibt: Beim Durchlesen nachstehender Bemerkungen, welche im vergangenen Jahre Fürst Bismarck gegen mich äußerte, dürsten Ihre Leser sich über die schlagende Bestätigung wundern, welche dieselben durch den Empfang in, Wien gefunden haben. Wir hatten gerade vom San Stefano-Vertrag gesprochen und der Fürst fuhr fort: „Wenn ein Feind besiegt ist, so kann man den Fuß auf seinen Nacken setzen und ihm abnehmen, was man will, allein es ist nothwendig, an die Folgen der Niederlage zu denken. Wir würden ganz anders daran sein, wenn ich im Jahre 1866 wie Jgnatieff gehandelt und Oesterreich Land abgenommen hätte. Um jene Zeit hatte ich alle Welt gegen ytich. Als wir auszogen, hatte ich gesagt: Sind wir siegreich, so werde ich Oesterreich kein Territorium abnehmen; wir dürfen uns nicht für immer mit Oesterreich verfeinden. Es ist nöthig, daß in zehn oder zwölf Jahren wir uns wieder vertragen, und in Freundschaft mit einander leben. Als wir siegreich waren, drang man in mich, Territorium zu nehmen, allein ich weigerte mich und habe seitdem oftmals Grund gehabt, mich darüber zu freuen." Bei diesen Worten blickte ich unwillkürlich den Fürsten an, welcher mir zur Seite saß. Ohne scheinbar Die Augen zu wenden, bemerkte er meine Bewegung und fuhr fort: „Ich weiß, an was Sie denken,
laufet.
en,
rselbs
namentlich in Bezug auf Frauen- und Kinderarbeit volle
u
«
87».
andg: ausey ngav
ttnfere verehrten auswärtigen Abonnenten er- ** suchen wir um baldgefällige Erneuerung ihrer Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober beginnende vierte Ooorkak. Ohne vorherige Bestellung wird von der Post die Fortsetzung nicht geliefert und" um vollständige Exemplare zu erhalten muß die Bestellung vor Ablauf des Quartals gemacht werden. — Auf dem Lande nehmen die Postbote« Bestellungen an.
Anfang October beginnt die höchst spannende Erzählung Leben im Scharte«, von Reichardt.
onser- 2605 Ltch ffelbfi, stellst, leistet, )öfet, aufen, raths- leister, Mehrer, esitzer, ? tut et nstein, lsM lieber leister, st, A. stellst, leist», mitt. Na» lmerer rselbst rselbst
tt.s'Kar eine Fahrt zu Ehren der Tobten, die auf den weiten >.86,Meldern von Metz für des Vaterlandes Ruhm und Größe p Heldentod gestorben.
——B *) Nach der .Köln. Ztg."
8 und Serbien in den Zollverein eintreten werden, bis an's hst Meer ein deutscher Strom werden. Unserer Industrie Mer, »mrden die für sie so aussichtsvollen Märtte des Orient« :crftet erschlossen werden. Es wäre Aussicht vorhanden, daß t Bit dann auch eine übereinstimmende Arbeitsgesetzgebung ge- keisll schaffen werden könnte, wenn die Concurrenzfähigkeit der Linder ausgleichen und den Bedürfnissen der Humanität
Bor den Wahlen.
Die Fortschrittspartei hatte die Parole ausgegeben: .Fort mit Bismarck I" Sie wurde gefragt, wen sie dann an die Stelle Bismarcks vorzuschlagen hätte, ob Eugen Richter oder Herrn Lasker. Eine Antwortz hat sie nicht gegeben Die Herren haben inzwischen fortagitirt. Richter hat sich selbst nach der hessischen Residenz des Liberalismus vorgewagt und geschwind noch ein fortschrittliches Wahlcomit« mit einem fortschrittlichen Candidaten gründen Helsen. Fürst Bismarck aber ist unterdessen in Wien gewesen und hat dort ein Werk geschaffen, welches von der segensreichsten Bedeutung für unser Vaterland wie für Europa zu werden verspricht. Wie es heißt, hat zerbeht er einen Zollperein mit Oesterreich angebahnt oder viel- ■upfep mehr im Wesentlichen bereits zu Stande gebracht, welcher farret, die beiden großen Staaten zu einem großen wirthschaft- isbalst lichen Ganzen verbindet, wie der dentsche Zollverein früher ,er, d die deutschen Staaten verband und so segensreich für dieselben wirkte. Durch eine solche Vereinigung würden Oesterreich und Deutschland ihre gegenseitigen Zollgrenzen ausheben und die Donau würde, namentlich wenn es sich bestätigt, daß auch die Donau-Fürstenthümer Rumänien
Dann folgt
n de« Woge« der Revolutio«, Novelle von Victor warz.
s Kaisers Fahrt durch die Shrlachtfetder bei Metz «M 25. September 1879.*)
Von allen denen, welche den Kaiser auf seinen Reisen vier Wochen begleitet, wurde das am 24. d. M. sehr günstige und regnerische Wetter nur mit geringer Be- rgniß bettachtet. Mit bestimmter Zuversicht wurde au- ommen, daß es sich bis morgen bessern müsse und daß tt abendliche Regen nur dazu dienen werde, den Staub 'r die morgende Kaiserfahrt zu löschen. Und so wie wir
genommen, kam es denn auch: der heutige letzte Kaiser- war abermals vom schönsten Wetter begünstigt, und B«d< baß ein herbstlich frischer Wind und herbstliche Kühle vor- ttrschten, konnte nur dazu beitragen, die Fahrt zu einer e- 1 Mgenehmen zu machen. Hitze haben wir feit vier Wochen knugfam genossen, und die heutige Abwechslung ist gewiß m B Öen Theilnebmern der Fahrt höchst erwünscht gewesen, dich paßte der wolkenbedeckte, ernste Himmel zu dem Einruck, den jeder einigermaßen gefühlvolle Beobachter beim , Mucti der Schlachtfelder empfinden mußte und der ein «über, melancholischer war. Die heutige Fahrt des Kaisers fcir keine Festfahrt im eigentlichen Sinne des Wortes, es
||» Rechnung tragen könnte. Wenn sich die Staaten auf dem , 4 friedlichen Boden der Arbeit einigen, so ist ferner Aussicht vorhanden, daß sie die schwere drückende Waffenrüstung chwei! allmählig oblegen können; denn Staaten, welche auf diese litte* Weise gleichsam ein wirthschaftliches Reich bilden, brauchen titifl nicht mehr stets kriegsgerüstet einander gegenüber zu stehen, d »er Es ist somit Aussicht vorhanden, daß die drückenden Mili- tärlasten erleichtert werden können, namentlich wenn sich später Sertö auch noch andere Staaten entschließen würden, diesem Zoll- irst Perein beizutreten. Aus diese Weise wird dann auch die [2"
107.
r ict llee.
Frage, ob Freihandel oder Schutzzoll, aus der Welt geschafft werden können, weil ein solcher Zollverein die verschiedenen Produktionsverhältnisse der Länder ausgleichen würde. — Während also unser Reichskanzler ein solch' großes, aussichtsvollcS Werk in's Leben ruft, ziehen unsere Fortschrittler im Lande umher und wiegeln das Volk gegen i den Kanzler und seine Politik auf und sie selbst haben dem Volke nichts zu bieten, als ihre Phrasen und Schlagwörter. Sie müssen aber selbst den Eindruck gewonnen haben, daß das Volk dieser Agitation gegen Bismarck nicht recht zugänglich gewesen ist, deßhalb ergreifen sie jetzt den Brief des Exministers Falk mit wahrer Gier und Eugen Richter hat denselben sofort zu einem Wahlflugblatt benutzt, um auf Grund dieses takllosen Schreibens die Regierung, den Reichskanzler sowohl, als den Cultusminister v. Puttkamer zu verdächtigen.
Diese Verdächtigung mit allgemeinen Redensarten, ist ja immer die Hauptwaffe der sortschritllichen Kampfes- weise gewesen. Jetzt rufen sie: „Für Falk und sein System,, und thun, als stände das Heil des Vaterlandes auf dem Spiel, wenn dies System beseitigt würde. Aber sie hüten sich wohl zu sagen, was denn eigentlich Falk wirklich Segensreiches geschaffen haben soll; sie hüten sich aber auch zu sagen, daß Falk den Fortschrittlern bei Weitem nicht weit genug gegangen ist. Als er sein Amt nieder- legte, sagten fortschrittliche Blätter, sie hätten keine Ursache, seinen Rücktritt sonderlich zu beklagen. Jetzt aber erheben sie seinen Namen zur Wahlparole. Der Zweck heiligt das Mittel. Mit dem Brief Falk's können sie die Regierung verdächtigen und darum greifen sie dieses „leuchtende Fanal," wie das „Berl. Tagebl." diesen Bries nannte, auf und werfen ihn als Brandfackel in die Wahlen hinein! : Sie haben die Regierung verdächtigt, sie vertheuere dem Volke die Nahrungsmtttel, lege ihm neue Steuern auf zu Gunsten der reichen Gutsbesitzer und Fabrikherren; nun ! verdächtigen sie dieselbe, sie wolle den Staat an die römische Kirche verrathen und die Schule zur Magd der Kirche machen. — Wir fragen: was soll aus solchen lügenhaften Wühlereien Gutes entstehen? Wann wird unser Volk endlich diesen Leuten den Rücken kehren? Möchte es doch einmal die Worte der Fortschrittler an den Thatsachen messen und sich an der Hand derselben die Frage beantworten: Was hat uns die Fortschrittsparki und der Liberalismus, und was hat uns unsere Königliche Re- gierung in den letzten 12 Jahren geschaffen — so kann es für das preußische Voll nicht mehr zweifelhaft sein, daß es sich fest auf die Seite feiner Regierung stellen und .diesen liberalen Agitatoren den Rücken kehren muß.
Tagesbericht.
Oberprästdent v. Möller bringt folgendes kaiserliche Handschreiben zur öffentlichen Kenntniß:
Werke des Friedens waren es nicht, die wir heute sahen, Alles erinnerte an den Krieg und seine Werke. Finster ragte beim Ausgang aus Metz das Riesenfort von St. Quentin, unnahbar schon zur Zeit als die damalige Jungfrau Metz umschloffen, unnahbar heute, wo es dreifach vergrößert und verstärkt ist. Nach Südwesten hin richtet sich feine ungeheure Front, und wenn es auch heute waffenlos und ohne Besatzung einsam und still auf steiler Höhe fteljt und die deutsche Fahne, anchoher Fahnenstange wehend, das einzige Zeichen von Leben in ihm darbietet, sy bedarf es doch keiner lebhaften Einbildungskraft, nm diese hevorragende Masse voii Erd- und Mauerwerk sich vorzustellen in Feuer und Pulverdampf gehüllt und jeden feindlichen Angriff blutig zurückweisend. Frescaty, selbst Corny liegen unter feinen Geschützen und die ihm gegenüberliegenden Höhen würden gegen sein Feuer selbst in der Defensive schwer zu halten sein. Schnurgerade führt die lange Pappelallee bis Corny, und so oft man den Blick zurückwendet, sieht^nan das gewaltige Fort, einst für uns ein Stein des Anstoßes und der Hemmung, jetzt das festeste Bollwerck der deutschen Festung Metz. Freundlich liegen an den Abhängen der Serge, die grünen Rebenreihen, freundlich lachen dazwischen die hübschen dicht gedrängten Dörfer und Städtchen und glänzend zieht die Mosel ihr Silberband am Fuße der Berge, derühnt durch Schlacht und Kampf, berühmt durch Fleiß und Arbeit bis zurück in die spätesten Zeiten. Neben den ErinnerunMeichen von 1870 liegen die tausendjährigen Bauwerke der Römer noch dem heutigen Geschlechte zeugend von einem Kunstverständniß und einer industriellen Kraft, die, lange verloren, erst in späten Zeiten wiedergewonnen wurde. Fest gebaut zieht sich die Römerstraße, noch heute vielfach benutzt, dahin, und der
ungeheure Aquaduct bei Jouy-aux-ArcheS erregt noch jetzt unser Staunen durch die Großartigkeit feiner Anlage und feine riesenhaften Bogen, die selbst die vollendete Technik der heutigen Zeit mit ihren vervollkommneten Hülssmitteln nicht gewalliger, nicht imposanter Herstellen könnte. Neueste Geschichte und die älteste historische Vergangenheit des Landes liegen hier in einem Landschaftsbilde vor uns ausgebreitet.
Der erste Ort, welchen der Kaiser auf seiner Fahrt berührte, war das jetzt von der Negierung angekaufte Schloß Frescaty, in welchem vor neun Jahren die Bedingungen der Kapitulation von Metz unterzeichnet wurden. Vor dem Schlosse war ein in der Gegend cantonnirenbeS Infanterie-Bataillon nebst der Regimentsmusik zum Empfang aufgestellt. Daneben stand die Schuljugend mit ihren Lehrern und der Metzer Kindergesangverein, besten Protectorin bie Kaiserin ist. Bei dem nur kurzen Aufenthalt, ben der Kaiser hier nahm, würbe er vom Gesang ber Mäbchen begrüßt, auch würbe ihm ein auf Pergament gedrucktes Gedicht überreicht. Auch in Jouy-aux-Arches, wo ber mächtige römische Aquaduct mit Laubgewinden geschmückt war, erwartete den Kaiser die Schuljugend und eine zahlreich versammelte Menge. In Corny, wo eine große Fahne in deutschen Farben mit den Worten „Vive rempe« reur“ wehte, fand kein Empfang Statt, ebensowenig in Noveant. Das kleine Städtchen Gorze war dagegen zum eigentlichen Empfang ausersehen, und wie es vor 9 Jahren die Bosts für den Angriff des dritten Armeecorpö gegen Viouville und Rezonville bildete, so begann auch heute eigentlich erst von ihm aus der Kaiserzug, da ein großer Theil des Volkes dem Kaiser bis Gorze entgegengefahren war und ihn erst hier erwartete. Der kaiserliche Wagen