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Jitarßurg, Sonnabmd, 27. September 1879

XIV. I-hkMg

Anzeigen nimmt emgegen: die Expedition d.vlatte», towie d.Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenftein & Bögler in Mnifu'-.t c. M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf Messe iu Berlin, Fran!- fnrt c. M. k.

mechMr Kitm.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung das elbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JSnstrirttS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruäererl bezogen 21 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

itnfere verehrten auswärtigen Abonnenten er- suchen wir um baldgefällige Erneuerung ihrer Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober be­ginnende Vierte Onartal. Ohne vorherige Be­stellung wird von der Post die Fortsetzung nicht ge­liefert und um vollständige Exemplare zu erhalten muß die Bestellung vor Ablauf des Quartals gemacht werden. — Auf dem Lande nehmen die Postbote« Bestellungen an.

Fürst Bismarck

hat Wien wieder verlassen. Ueber den Inhalt der dortigen Verhandlungen lassen wir nachstehend einige Zeitungs­stimmen folgen. Die „Nat.-Ztg." berichtet, „man habe sich gegenseitig bestimmte und bedeutende Zusagen gemacht" — ohne sie in bindende schriftliche Form zu dringen. Bismarck habe anerkannt, daß Oesterreich zur Behauptung und demnächstigen definitiven Regelung seiner Stellung auf der Balkanhalbinsel der Unterstützung Deutschlands bedürfe; denn man dürfe nicht meinen, „daß der Ueber- t gang aus dem Provisorium der gegenwärtigen Stellung auf der Balkanhalbinsel in eine endgültige Position für Oesterreich-Ungarn ohne Schwierigkeiten zu bewerkstelligen 5 sein werde." Zu den Verheißungen Biömarck's auf poli- llschem Gebiete hätten auch Verheißungen auf beur Gebiete der materiellen Interessen sich zugesellt. Das sei bei der Scrupulosität Bismarck's in Fragen des materiellen Inter­esses Deutschlands besonders hoch anzuschlagen. Während man so Erhebliches über die Zugeständnisse vernimmt, welche Fürst Bismarck in Wien gemacht, herrsche dagegen ! vollkommenste Stille über die Zugeständnisse, welche Oesterreich an Deutschland gemacht habe; übrigens werde Bismarck über die Resultate seines Besuches in Wien eben so befriedigt sein, als Andrassy mit dem ihm dadurch ge­wordenen Abschluß seiner Amtsthätigkeit.

Das „Fremdenblatt" schreibt: „Wenn Deutschland und Oesterreich über eine gemeinsame Zoll- und Handels­politik sich einigen, können sie mit Erfolg der Concurrenz höher entwickelter Industriestaaten die Spitze bieten. Mehr­fach wird auch auf die Gestaltung der Handelsbeziehungen zum Orient hingewiesen und dieselbe mit der geplanten deutsch-österreichischen wirthschaftlichen Einigung in .-Zu­sammenhang gebracht.

Der „Köln. Ztg." wird aus Wien telegraphirt: Ueber die Besprechungen zwischen Bismarck und den österreichi­schen Staatsmännern bezüglich der auswärtigen Politik wird natürlich strengstes Stillschweigen bewahrt. Alle ins Einzelne gehenden Mittheilungen der Blätter beruhen lediglich auf Combinationen, sicher ist nur, daß festge-

Zwei Goldschmiede.

2) Albrecht Dürer.

(Schluß.»

Albrecht Dürer widmete seine großen Talente vielfach der Malerei. In seinen Porträts dichtete er; in ihnen zeigte er sich neben Holbein als der erste und geistvollste Maler Deutschlands, als dessen Raphael. Während dieser Genius in Italien mit Ehren und Vermögen überschüttet wurde, genoß Dürer nur wenig von alledem. Sein Ruhm belohnte ihn nur karg, wenn sein eiserner Fleiß ihm auch ein kleines Vermögen einbrachle, so daß er bei seinem Tode 6000 Gulden hinterlassen konnte. Kaiser Maximilian I. konnte ihm nur eine Pension von hundert Gulden jährlich geben, und wie ihm die Gemälde bezahlt wurden, gebt aus seinen Tagebüchern hervor. Vom Frankfurter Kaufmann Jakob Heller forderte er für ein Altarbild statt ausgemach­ter 130 Gulden deren 200, weil er allein für zwanzig Dukaten des besten Ultramarins und statt dreizehn Monate Zeit zwei Jahre darauf batte verwenden müsien. Daneben erbat er sich noch (der Sitte damals entsprechend) ein Kleid für seine Frau und zwei Gulden — Trinkgeld für seinen Bruder. Aber er schrieb (1509) dem Besteller auch: „Mich soll Niemand mehr vermögen, ein Tafel mit so viel Arbeit Mehr zu machen. Ich müßte zu einem Bettler darob werden. Denn gewöhnliche Gemälde will ich in einem Jahr einen Haufen zu Stande bringen, daß Niemand für Möglich hielte, daß ein Mann so viel thun möchte; aber bas fleißig kleiden gehet nit von statten, darum will ich Meines Stechens auswarten, und hätte ichs bisher gethan, so wollte ich auf den heutigen Tag um tausend Gulden reicher sein."

setzt wurde, Bevollmächtigte beider Staaten zu ernennen, welche unabhängig von den schwebenden Verhandlungen über einen Mcistbcgünstigungsvertrag berathen sollen, sowie welche Verkehrserleichterungen in handelspolitischer Bezie­hung zwischen Oesterreich und Deutschland eingeführt werden können. Die Berathungen sollen so beschleunigt werden, daß das Ergebniß derselben noch zum nächsten Jahre den Legislativen vorgelcgt werden könnte.

Von russischen Auslassungen über Bismarcks Wiener Reise liegen bisher nur Artikel der „Peterburger Zeitung" und des Brüsseler „Nord" vor* Der letztere spricht nur von den Ausgleichungsverhandlungen zwischen Bismarck und Jacobini; die erstere aber rühmt den Fürsten Gort- schakoff, daß er es abgelehnt habe, an den Wiener Unter­redungen zwischen den beiden „unaufrichtigen" Staats­männern Bismarck und Andrassy theilzunehmen, da die­selben doch nur die Annexion Deutsch-Oesterreichs an Deutschland zur Folge haben würden.

Die englischen Zeitungen haben sich alle sympathisch ausgesprochen, außer „Daily News", die sich über Bis­marcks Besuch in Wien in unzufriedenem Tone vernehmen läßt, und das ist allerdings bezeichnend für dieses Blatt, welches während des orientalischen Krieges eine ungemessene Vorliebe für Rußland gefaßt hat. Da der Bestand Oester­reichs dem moskowittschen Reiche hinderlich erscheint, sieht „Daily News" ein Unrecht daß ersterem durch eine so nach­drückliche Betonung des guten Einvemehmens mit Deutsch­land Sicherheit vor einem Angriffe des ausdehnungssüch­tigen Nachbars gewährleistet wird. Das russenfreundliche Blatt geht gar so weit, die Unhaltbarkeit der österreichischen Monarchie vorauszusagen, wobei es von der falschen Voraus­setzung ausgeht, daß die slawischen Völker Oesterreichs es vorziehen würden, unter der russischen Knute wie die Polen ihrer Nationalität und Sprache beraubt zu werden, welche ihnen durch die Vereinigung mit dem österreichischen Kaiserstaate gesichert sind.

Ein Theil der Pariser Presse weist die Auslassungen deutscher und österreichischer Blätter, daß Frankreich nichts von etwaigen Abmachungen in Wien zu fürchten habe, mit der Bemerkung zurück, Frankreich, als gänzlich unin- leressirter Zuschauer, bedürfe solcher Beruhigung nicht. Wenn aber ferner Fürst Bismarck jetzt sein Werk der Einigung aller germanischen Stämme durch eine intime Allianz Deutschlands mit Oesterreich kröne, so liege hierin nur eine Sicherung des europäischen Friedens und ein Schutz dagegen, daß Europa nicht kosakisch werde.

Tagesbericht.

Der „Reichs- u. Staats-Anzeiger" veröffentlicht nach­folgende Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 21. d. M, betr. den Gewerbebetrieb der Pfandleiher und Rückkaufshändler: Zur Ausführung des §. 34 der Reichs-

Jn der That fühlte sich Dürer auch am freiesten, wenn er in Kupfer stach oder für den Holzschnitt arbeitete. Mit der bewunderungswürdigen Leichtigkeit, in der er diese Sttche und Zeichnungen ausführte, drückte er in einer Meisterhafttgkeit ohne Gleichen auch den deutschen Geist darin aus. Alle seine berühmten und ihrer Zeit viel ver­breiteten Marienbilder und Jllustrattonen der Evangelien mit dazu angebrachtem Text sinv wie Idyllen und Feen­märchen aus dem Leben oe^ deutschen Volkes gehalten; Kleidung, Gesichter, architektonischer Hintergrund, geistige Fülle des Inhalts, sind deutschen Charakters. Man kann wohl sagen, in solcher Art übersetzte Albrecht Dürer zu allererst die Biebel ins Deutsche und wurde er mit seinen populären Holzschnitten der Johannes Martin Luthers, welcher im Volke den Boden für die Reformation vorbe­reitete. Die biblischen Personen, wie Dürer sie darstellte, einfach menschlich und ohne die sonst übliche byzantinische Auffassung, prägten sich allem Volk in Deutschland ein und Luthers Bibel in ihrer kernigen deuffchen Sprache wurde darum so schnell verstanden.

Dürer und Luther gehörten zusammen, um ihre Zest- alter kulturgeschichtlich so denkwürdig zu machen. Sie re« präsentiren es Beide in ihrer ganzen Größe. Auch verehrte Einer den Andern, und sie wußten es, wie sich Beide er setzten. Als Luther gefangen worden — ohne daß man noch wußte, wie er damit auf die Wartburg gerettet wurde — brach Dürer in Klagen aus über den Verlust dieses Mannes und bat zu Gott, daß er Mitleid haben möge mit dem Zustande Deutschlands. Und als er dann dem großen Reformator seine Verehrung auszudrücken suchte, geschah es durch ein Meisterstück seiner Goldschmiedekunst. Denn die Trauringe Luthers und seiner Katharina v. Bora

Gewerbe-Ordnung vom 21. Juni 1869 in der Fassung des Artikels 4 des Gesches vom 23. Juni 1879 (Reichs­gesetzblatt Seite 267) wird hiermit bestimmt, was folgt: 1) Die Erlaubniß zum Betriebe des Pfandleihgewerbes bezw. des gewerbsmäßigen Ankaufs beweglicher Sachen mit Gewährung des Rückkaufsrechts ist bis auf Weiteres in den Stadtkreisen von der Ortspolizeibehörde, in den Land­kreisen, nach Anhörung der Ortspolizeibehörde, von dem Landrathc des Kreises — in der Provinz Hannover: in den selbstständigen Städten von der Ortspolizeibehörde, in­nerhalb der Amtsbezirke von dem Amtshauptmann; in den Hohenzollernschcn Landen von den Ober-Amtmännern zu ertheilen. 2) Wegen des Verfahrens und der Behörden, welche im Falle der Versagung der Erlaubniß zum Be­triebe der zu 1. gedachten Gewerbe und des dagegen einge­legten Recurses (§. 4, Alin. 2 der Reichö-Gewerbe-Ord- nung) beziehentlich bei der Zurücknahnie der Erlaubniß 53, 54 ebendaselbst) in Gemäßheit der Vorschriften der §§. 20, 21 der Gewerbe-Ordnung in Wirksamkeit zu treten haben, kommen die zur Ausführung der gedachten §§. 20, 21 in Bezug auf die int §. 34 aufgeführten Ge- werbtreibenden ergangenen Bestimmungen, namentlich der Ministerial-Anweisung vom 4. September 1869, zur An­wendung. 3) In Orffchaften, für welche dies durch Orts­statut (§. 142 der Reichs-Gewerbe-Ordnung) festgesetzt wird, soll die Erlaubniß von dem Nachweise eines vor­handenen Bedürfniffes abhängig sein.

Fürst Bismarck nebst Gemahlin und dem Grafen Wil­helm Bismarck sind gestern 123 4 Uhr Mittags in Berlin eingetroffen. Graf Rantzau mit Gemahlin waren zum Empfange am Bahnhof.

Einer Privatdepesche der „Nordd. Allgem. Ztg." au« Wien zufolge, begibt sich Baron Haymerle heute an das italienische Hofiager in Monza, um dem Könige seinen Ab­schiedsbesuch zu machen. Nach Haymerle'S Rückkehr am 30. September erfolgt der formelle Vollzug der Personal- Veränderung in der Leitung des auswärtigen Amtes. Graf Andrassy dürfte zunächst nach Terebes gehen.

Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest: Die der Regierungsvorlage in der Judenfrage beigeschloffenen Listen umfassen 1074 unverweilt zu naturalisierende Israeliten. Die beschränkte Zahl wird dadurch erklärlich, daß viele den Bedingungen für die Naturalisation entsprechende Juden unter fremdem Schutz stehen.

reatsche» Reich.

•* Berlin, 25. September. In der Sitzung des Bundesraths vom 15. September ist auf Anregung des Ministers Hofmann als Vorsitzender daö Einverständniß sind aus Meister Dürers Hand hervorgegangm, wie nicht ■ nur die geschichtlichen Zeugniffe (in Bernouilli's Samm­lung kleiner Reisebeschreibungen und in Junkers güldenem und silbernem Ehrengedächtniß Dr. M. Luthers) sagen, sondern wie auch die, nur eines Dürers würdige Sinnig­keit in der künstlerischen Arbeit verräth.

Der eine dieser Ringe ist hoppelten Reifes, gekrönt mit einem hohen, konischen Kasten, der einen Rubin, das Symbol warmer Liebe, und einen harten, blitzenden Dia­mant, das Symbol männlicher Kraft und Treue, nebenein­ander enthält. Im Innern der Reife stehen eingravirt die Namen der beiden Vermählten in Anfangsbuchstaben: C. v. B. und M. L. D. (Doktor), sowie der Ehesegensspruch: Was Gott zusammengesügt, soll kein Mensch scheiden.

Der andere Ring ist ungleich kunstreicher und in seiner Größe ein Meisterstück der Gravirkunst. Er besteht aus ■ einem breiten Hauptreife von durchbrochener und erhabener Arbeit, besetzt mit einem funkelnden Rubin, und aus zwei Nebenreifen, reich mit Figuren verziert. Diese drei Reife sind nicht, wie die zwei des vorher beschriebenen Ringes, ■ auseinander zu nehmen, sondern fest mit einander verbun­den. Der Hauptteif stellt in der einen Hälfte einen Baum mit Aesten vor, der durch einen Querbalken unter dem । Rubin eine Kreuzform enthält, auf welchem in halbrunder Krümmung die fein bis auf die Muskel ausgearbeitete: Figur des Gekreuzigten befindet. Unten am Baume, dicht. Zu den Füßen Christi sind die Würfel der Kriegsknechte. und die drei Kreuznägel angebracht. Die andere Seite des Hauptreifes zeigt die Kreuzesinschrist J. N. R. J. und : eine mit Stricken umwundene Säule, die an die Geißelung ;■ Christi erinnern soll. Auf den Nebenreifen sind thells die / Marterinstrumente, Speer, Stanze mit Essigschwamm, Geißel