-kr. 226.
Marburg, Freitag, 26. September 1879.
uv. Jahrgang
gajeigen nimmt emgegen: He Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux gin Th, Dietrich L Co. in gaffet und Hannover; Tb Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in jrontfurt a M., Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Kaffe in Berlin, Frankfurt a. M- rc.
OIitcheUchk jritimii.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» s otoie d. Annoncen-Bureaux von ®. £. Daube & Co. in Frankfutt a- M; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hennann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thiene» in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen-
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Die Wahle«.
Die Wahlen rücken immer näher heran. Die liberalen Blätter haben in Bezug auf die wirthschaftlichen Fragen bereits ihre Oppositionsstellung scharf gezeichnet. Sie arbeiten darauf hinaus, eine liberale Mehrheit in den Landtag zu bringen, welche dafelbft den im Reichstag verlorenen Kampf gegen die Wirtschaftspolitik des Reichskanzlers wieder anfachen soll. Namentlich machen sie Front gegen ben Erwerb der Privatbahnen für den Staat. Es ist das AN so auffallender, als es gerade Die liberalen Zeitungen waren, welche früher für das Reichseisenbahnprojekt so lchhaft agitirten. Aber damals, als Camphausen noch Finanzminister war, hofften sie und die hinter ihnen stehenden Börsenkreise, das Reich würde den Erwerb der Bahnen durch eine großartige Finanzoperation, bei der bann natürlich die Börse wieder den Löwenantheil eingeheimst hätte, bewerkstelligen; sodann glaubten sie damals, bas Reich würde dann seine Bahnen in Complexen an Privatgesellschaften verpachten. Natürlich wären dann die Pächter wieder die großkapitalistischen Börsenkreise gewesen, bie dann in doppelter Weise an dem Reichseisenbahn- geschäst verdient hätten. Aber diese Hoffnungen sind nun in den Brunnen gefallen, seit das Reichseisenbahnprojekt wfgegeben worden ist und der preußische Staat die in seinem Gebiet liegenden Privatbahnen für sich erwerben will, wie das andere Staaten — Baiern, Württemberg und Sachsen — bereits gethan haben, und zwar nicht durch großartige neue Eisenbahnanleihen, sondern durch einfache Ueberschreibung der Eisenbahnaktien als unkündbare Schuldscheine (Consols) auf den Staat mit Garan- Ürung einer gewissen Rente für die Aktionäre als Ersatz für die Dividenden nach dem Durchschnitt einer Reche von Jahren — und seit weiter bekannt geworden ist, daß der Staat dann seine Bahnen in eigenen Betrieb nehmen will. Während die liberalen Zeitungen damals die Borthelle des Reichseisenbahnprojektes ,für das Reich, die Industrie und den Handel nicht laut genug preisen konnten, wissen sie jetzt nicht Bedenken genug vorzubringen, welche sich aus dem Staatsbahnsystem für Handel und Verkehr,
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Zwei Goldschmiede.
(Fortsetzung.)
2) Albrecht Dürer.
Benvenuto Cellini ist unter dm Goldschmieden einer von den Männem seines Vaterlandes, welche die Größe ihrer Zeit in ihren künstlerischen Leistungen abspiegeln.
In Deutschland ist dassetbe der Goldschmied Albrecht Dürer.
Denn auch hier, gleichwie in Jtalim, in den Niederlanden, in Spanien, hatte sich in üppiger Fülle die Blume der Kuttur des Mittelalters erschlossen. Auch hier, wie wohl Kaiser, Fürsten und Adel der Förderung dieser Kultur lange nicht so viel beten, wie Papstthnm, Fürsten und Adel in Italien, verbreitete sich innerhalb des freien Bür- Serthurns der Städte Wohlstand und Liebe zur Arbeit. Eine allgemeine Gehobenheil und das poetisch angehauchte Streben der Zeit drückten sich im deutschen Städteleben aus. Zierrath und Schmuck sollten sich über Alles, auch über die eigene Person ausbreiten und den Selbstwerth kennzeichnen, den man als Mensch dieser Zeit mit gerechtem Stolz sich beilegte. Das Haus wurde das Heiligthum l>es Bürgers; er erbaute es, als solle es den Stürmen der Jahrhunderte trotzen, und verschönerte es mit dem, was das Handwerk in seinem kunstgewerblichen Aufschwung weichlich lieferte. Gediegenhett und technische Bildung der Arbeiter, ihre Ehre und ihr Ehrgeiz, hatten das Handwerk allgemein, wo es entwicklungsfähig, mit künstlerischem Sinn erfüllt.
Vorzugsweise das der Gold- und Silberorbeiter. Seit dem dreizehnten Jahrhundert schon waren ihre Werkstätten A den aufblühenden Städten Süddeutschlands Orte künst-
so wie für die Finanzen des Staates ergeben sollen. Damals wie jetzt hüllten sich diese Blätter dabei natürlich stolz in die interessenlose Toga der Sorge für das allge- gemdne Volksinteresse — aber der Pferdefuß des Börsen- Jnteresses guckt für Jeden, der nicht ganz blind ist, groß und plump daraus hervor, daß man lachen müßte, wenn dieses Manöver nicht so ernst und traurig wäre. — Vorzugsweise im Hinblick auf die Wirthschaftspolitik hatte man die Parole: „Fort mit Bismarck", ausgegeben.
Neuerdings nun haben sie ganz allgemein noch die Parole: „Für Falk und sein System!" erhoben. Veranlassung dazu hat ihnm ein Brief des Ministers Falk an die „Deutsche Revue" gegeben, welchen sämmtliche Berliner liberale Blätter am Sonnabend Abend wie auf einen Schlag veröffentlichten. Man kann kaum glauben, daß Herr Falk die Veröffentlichung dieses Briefes gewünscht hat, dessen Stil so äußerst mangelhaft und dessen Inhalt für einen Minister so auffallend ist. Aber auf der anderen Seite kann man sich doch auch nicht denken, daß die „Revue" die Veröffentlichung gewagt hätte, wenn sie nicht der Zustimmung Falks dazu sicher gewesen wäre. Die liberalen Blätter nehmen das offenbar an. Die „Nat.-Ztg." ruft auS: „Das war ein Weckruf zur rechten Zeit!" Das „Berl. Tagebl." nennt ihn „ein weithin leuchtendes Fanal." Wie der Minister Delbrück im Reichstage an die Spitze der wirthschasllichen Oppositton getreten, so wird nun Falk wohl im Abgeordnetenhause an die Spitze der liberalen Opposition auf dem Gebiete der Schulpolitik treten; und auch der Minister Camphausen will demnächst, wie liberale Blätter berichten, in ähnlicher Weise der Finanzpolitik des Reichskanzler gegenüber auftreten. Es ist das ein bisher im königlichen Preußen ungewohntes Schauspiel, daß abgetretene Minister als Führer der Oppositionsparteien auftreten. Diesem Verfahren muß energisch entgegengetreten werden; denn es führt uns in die parlamentarische Parteiregierung hinein, wo die Exminister mit den Oppositionsparteien den regierenden Ministern mit ihren Parteien gegenüber stehen. Herr Falk spricht da in allerlei dunklen Andeutungen, die für den Fürsten Bismarck wahrhaft beleidigend sind. Bekanntlich hat derselbe im Abgeordneten- hause gesagt: „Wir gehen nicht nach Canossa." Herr Falk bemertt dazu: „Fürst Bismarck geht sicherlich nicht nach Canossa, wenn et es vermeiden kann, und er vermag ja viel zu vermeiden." Er läßt also zwischen den Zeilen lesen, daß Bismarck unter Umständen doch nach Canoffa geht. Dann weist er auf die Schulverwaltung hin und sagt wörtlich:
Wirkliche Sorge trage ich aber wegen des Unterrichtswesens. Darum kämpfen die wichtigsten Factoren der Gegner am leidenschaftlichsten und in gleichem Geiste. Hier steht ihnen fein Gesetz im Wege und kann ihnm bei der Natur des Gegmstcmdss keines im Wege stehen.
lerischm Strebens, wie einst zu Hildesheim des Bischofs Bernward Goldschmiedschule. Mehr und mehr hatte sich dies Handwerk ausgedehnt, zu Zünften ober Gilden sich vereinigt, vielfach das Münzamt in den Städten verrichtet und wegen seines Ansehens und künstlerischm Charakters Gelehrte und Adlige als Ehrmmitglieder oder wirkliche Genossen aufgenommen.
Eine der geachtetsten, der berühmtesten dieser Goldschmiedezünfte war die der freien Reichsstadt Nürnberg, des deuffchm Florenz auch in anderer Beziehung, des „Ohr und Auges Deutschlands, auris et oculi Germanicae", wie Luther sie bezeichnete.
In ihren Manern wurde Albrecht Dürer am 20. Mai 1471 geboren und er sollte ihren Ruhm zur höchstm Entfaltung bringen. Nicht nur als der prächtige Vollmmsch, der die ganze Tüchtigkeit und geistige Kraft des Bürger- thums seiner Zeit, des deutschen Volkes, in sich darstellte; nicht nur als der Maler, der Kupferstecher, der Zeichner und Formschneider, der ewig rastlose Künstler und Denker, welcher einzig in seiner Art erst von späteren Geschlechtern erst von den heutigen, vollauf gewürdigt werden sollte; — sondern auch als der Goldschmied, der zuerst sein Handwerk in Dmtschland aus der Flachheit und verhälMißmäßigen Kleinheit seiner Absichten zur Höhe einer auf wisimschaft- liche und Stylgesetzte bafirten freien Kunst hinaufzog. AIS der anerkannte Hochmeister und Vater der deutschen Kunst der er die Thore zur nächstm sonnenglänzenden Zukunft aufthat, ist es auf fein Verdienst zurückzuführen, daß dmtsche Goldschmiede bald allen anderen überlegen und in Frankreich und Spanien, selbst in Jtalim, gesucht waren.
Ein echtes Goldschmiedskind war Albrecht Dürer. Schon sein Großvater Amonius in Ungarn trieb dies Handwerk,
Heber den Geist, in welchem das Unterrichtswesen geleitet wird, entscheidet stets die Verwaltung.
Es wird sicher nicht ausbleiben, daß die gegenwärtige Verwaltung den an sie gerichteten Anforderungen in ganz anderer Weise entgegenkommt, wie ich das für statthaft hielt.
Wird sie nicht aber auch dem sich vorbereitenden Anstürme Einräumungen machen müssen, die sie bei freiem Willen nicht geben würde? Das wird zum guten Theile wiederum vom Ausgange der Wahlen abhängen. Es ist mir darum erfreulich, daß in den weitesten Kreisen sich ein Erkennen oder doch Empfinden dafür bilbet, wo die ernsteste Vertheidigung geboten erscheint.
Die mir aus Anlaß meines Rücktritts gewordenen Kundgebungen, so zahlreich, daß an eine Beantwortung derselben nicht gedacht werden kann, enthalten dafür den Beweis, mehr fast noch als die Preffe. Daraus erwächst eine Hoffnung. (Sine andere gewährt mir der Umstand, daß manches doch schon zu tief Wurzel gefaßt hat, um wie mit einem Schwamme weggewischt werden zu können. Ich bin endlich überzeugt, daß, wenn es zu erhalten gelingt, bis sich die KampfeSleidmschaft gelegt hat, die Beurtheilung manches während meiner Verwaltung Gewordenen eine günstigere wird, und darum die Angriffe auf dasselbe enden werden.
Sie sehen, ich gehöre nicht zu den Pessimisten. Aber freilich die pessimistischm Auffaffungen müssen Wahrheit werden, wenn von denen, welche zum Handeln berufen sind, die Hände in den Schooß gelegt werden. Möge das nicht so sein!
In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener Falk.
Diese letzten Worte des Ministers benutzen die liberalen Blätter zu ihren Wahlagitattonen in der widerwärtigsten Weise. Aber der selbstständig denkende Thell des Volkes sagt sich doch: Was will denn Herr Falk? Er ist abgetreten, weil die Zustände auf dem kirchen- und schulpolitischen Gebiete nachgerade ebenso unhaltbar geworden waren, als die Zustände auf dem wirthschaftlichen Gebiete, welche seine Collegen Delbrück und Camphausen zum Rücktritt genöthigt hatten. Selbst die „Post", das Organ der freikonservativen Partei, bereit Mitglied Herr Falk seither war, gesteht zu, „daß Herr Falk all- mählig zu sehr Partei geworden war, um sich die völlig objecttve Beurtheilung zu erhalten, welche die Voraussetzung einer staatsmännischen Beurtheilung bildet."
Jemehr die liberalen Blätter die Parole: „Für Falk und sein System" erheben, desto fester müffen alle, welche den Frieden zwischen Staat und Kirche, wie zwischen Schule und Kirche wollen, ohne den das Volksleben nicht gedeihen kann, sich energisch vereinigen, um entschieden und sein Vater, auch Albrecht mit Namen, war aus Un- gam schließlich 1455 nach Nürnberg gekommen-, um hier einer der besten Arbeiter im edlen Metall zu werden, ein tüchtiger, fleißiger, sinnender Meister, dessen Leistungen schon zu den ungewöhnlichen in Ehren gerechnet wurdm. Ein Goldschmiedstöchterlein aus Nürnberg, Barbara Haller, nahm er sich zum Weibe und sie schenkte ihm nicht weniger als achtzehn Kinder, von denen freilich nur drei Söhne leben blieben, unter ihnen auch der jüngste, Albrecht.
„Meine fromme Mutter," schrieb nach ihrem Tode dieser Sohn liebevoll in sein Tagebuch, „hat achtzehn Kinder getragen und erzogm, hat oft die Pestilenz gehabt, viel anderer schwerer, merklicher Krankheiten, hat große Armuth gelitten ^Verspottung,Verachtung, höhnische Worte, Schrecken und große Widerwärtigkeit. Noch ist sie nie rachselig gewesen." . . . „und sie strafte mich allweg fleißig, wenn ich nicht recht handelte, und sie hatte allweg mein und meiner Brüder große Sorge, und ging ich aus und ein, so war allweg ihr Sprichwort: geh in dem Namen Christi, und sie that uns mit allem Fleiß stettglich heilige Vermahnung, hatte allweg große Sorge für unsere Seele, und ihre guten Werke und Barmherzigkeft, die sie gegen Jedermann erzeigt hat, kann ich nicht genugsam anzeigen । und ihr gutes Lob."
So erzog ihn die Mutter fromm und gut. Der Vater : seinerseits hielt ihn schon von früher Jugend an, sich fleißig im Zeichnm zu üben, und als er dm nothwendigstm Schuluntericht gmossm, tarn er zum Schmelztiegel und an dm AmboS; denn er sollte einst mit dm Brüdern das väterliche Geschäft übernehmen und als Goldschmied fort- sührm. Und der zukünftige Maler zeichnete sich schon selbst als kleiner Knabe. „Dies malt ich nach meiner Ge-