nau die Gestalt der Statue gab. Er überzog dann das Wachs mit einer Art Erde und brannte diesen zweiten Ue- berzug wiederum, wobei das Wachs schmolz und ausfloß und den Raum für die Aufnahme des Metalls zwischen den beiden Schichten frei machte. Der Guß selbst sollte in einer unmittelbar unter dem errichteten Ofm angebrachten Grube in seiner Werkstatt erfolgen.
Alles war sorgfältig vorbereitet. Aer als das harzige Pinienholz im Ofm in riesigex Flomuie aufschlug, fing die Werkstatt selber Feuer und ein Theil des Daches brannte ab. Regen und Sturm, die draußen wüthetm, mäßigten des Ofms Gluth. Die Erze darin schmolzen deßhalb nicht, wie Cellini sich auch abmühen mochte. Verzweiflung darüber warf ihn mitten in dieser Eyklopenarbrit auf das Lager und die Arbeiter sollten nun allein das Werk des Sctmelzms fortsetzen. Sie vermochten es nicht und ließm ihrem Meister fagm, der Perseus sei unwieder- bnnglich verloren.
Da sprang Cellini im Fieber auf und stürzte aus dem Bette in die Werkstatt zum Ofm, in welchem das Metall schon wieder hatt geworden. Er schickte zu den Nachbam nach trockmem Eichenholz; er stopfte das Loch in feiner Werkstatt gegen den Wind und Regen mit feinen Teppichen und Tapeten zu; er warf neues Metall in die neue Glut und sah endlich unter solchen Anstrengungen die eherne Mafie sich in Fluß setzen. In diesem Moment höchster Erwartung platzte unter Donnerknall der Ofen. Gleichviel für Cellini — denn das Metall war flüssig. Um es in eigner Glut zum schnellen Lauf zu treiben, lief er jetzt in feine Küche und holte alles dott befindliche Kupfer- und Zinngefchirr, zweihundert Stücke, herbei, das er in feiner ehrgeizigen Wuth nun in den geborstenen Ofm schleuderte.
So kam der Guß doch zu Stande und glücklicher als Cellini selber vorausberechnet. Als dann das glänzende Erzbild, wie es heut noch in schöner Patina in der Landsknechtloge auf dem Marktplatz zu Florenz Bewunderung erregt, vor allem Volk enthüllt wurde, erhob sich ein unmäßiges Geschrei des Beifalls, welches den Künstler über allen Verdruß und Kummer, die ihm seither in Florenz widerfahren, ttöstete. „Die Leute," erzählt er selbst, „hörten nicht auf, immerfort Sonette an die Thürgewände anzuheften, wodurch gleichsam ein festliches Ansehen entstand."
Wie er sich nun dem Herzog vorstellte, sagte dieser mit großer Freundlichkeit zu ihm:
„Mein Benvenuto, du hast-mich und das ganze Volk zufriedengestellt; aber ich verspreche dir, daß ich dich auf eine Weise befriedigen will, über welche du dich verwundern sollst."
Der Herzog löste sein Versprechen nur nach Mahnungen und nicht sehr fürstlich ein, indem er Cellini 3000 Goldgulden für dm Perseus in unregelmäßigen Monatszahlungen absand, worüber der Künstler, der 10,000 Scudi gefordert durchaus nicht befriebigt war.
Bis 1570 lebte und schuf Cellini noch die herrlichstm । Meisterwerke seines Zeitalters. Sein Leichenbegängniß zmgte davon, wie man in ihm den großen Künstler ehrte, mochte er als Mmsch auch durch sein so oft ungebändigtes Naturwesen immer in Händel und Feindschaften gelebt haben.
Von seinen getriebenen Arbeiten in Gold und Silber ist nachweisbar nur wenig erhalten; bei seinem großen Ruf hat man dagegen später viel Kunstwerke in den großen Sammlungen ihm zuzuschreibm beliebt. In Zeichnungen
70 ;
XIV; Jahrgang
Rr. x25
GttMchk jfitinio
Harkt
1175.)
erwartet.
. 899.
1991
S0
■ [2461
ickefr
879.
steuer.
1879.
nebel- v
brikat n des reber Itona rauen
i und igung
l) II
rterre). in der [2563
Zur Anwesenheit des Fürsten Bismarck in Wien er- ilt die „Rordd. Allg. Ztg." folgendes Privattelegramm:
Fürst Bismarck, von der Wiener Bevölkerung und der ge-
fammten Presse mit wärmster Sympathie begrüßt, hat gestern Vormittag mit dem Grasen Andrassy. eine mehrstündige Konferenz gehabt und sind beide Staatsmänner auf das Lebhafteste befriedigt von der Coincidenz der beiderseitigen Meinungen in den von ihnen besprochenen Fragen. Rach der Konfermz wurde Fürst Bismarck von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen und stattete der Kanzler hierauf Besuche beim Grafen Taaffe und beim Baron Haymerle ab. Um 4 Uhr sand die Hostasel statt, zu welcher neben dem Fürsten und seinen Söhnen alle Herren der deutschen Botschaft, ferner: Graf Andrassy, Graf Taaffe, General- Adjutant Freiherr v. Beck, Botschafter Freiher v. Haymerle, die Sektionschefs Baron Orczy, Frecherr v. Calice, Freiherr v. Schwegel gela en waren. Für heute ist ein vertrauliches Familiendiner beim Grafen Andrassy angesagt, zu welchem nebst der fürstlichen Familie auch Prinz und Prinzessin Reuß, Graf und Gräfin Taaffe, Baron und Baronin Haymerle geladen sind. Zu diesem Diner wird auch der ungarische Ministerpräsident, Herr v. Tisza,
des Oberpolizeiamtes zu melden, woselbst in seinem heimath- lichen Passe durch einen Vermerk zur Nachsuchnng eines russischen Passes für den ferneren Aufenthalt in Rußland auf die Dauer eines Jahres bestimmt wird. Um diesseitige, nach Rußland reisende Staatsangehörige vor den aus der Nichtbefolgung dieser Vorschriften erwachsenden Unannehmlichkeiten zu bewahren, ist denselben durch hie mtt dem Ausstellen der Pässe beauftragten Behörden anzuempfehlen, sich bei der Ankunft am Bestimmungsort bei ben Ortsbehörden zu melden und den russischen Paßpolizeivorschriften pünktlich nachzukommen. — Die Statistische Correspondeuz enthält eine Ueberstcht über die preußischen Straf- und Gefängnißanstalten 1877—78. In den 49 vom Ministerium des Innern ressortirenden Strafanstalten waren in dem genannten Zeitraum angestellt 2041 Beamte, die Zahl der Detinirten betrug 100212 Männer und 24860 Weiber. Von der Gesammtzahl der Detinirten waren 1877—78 7,83 pCt. der Jsolirhaft unterworfen, im Jahre 1876 waren, es 9,13 pCt. Die Dauer der Einzelhaft betrug inj den meisten Fällen Vi—2 Jahre, selten mehr als 4 Jahre. Die Todesfälle unter den Gefangenen betrugen 1875 2,33 pCt., 1876.2,22 pCt., 1877—78 2,45 pCt., van den Gestorbenen endeten durch Selbstmord 1875 8, 1876 12, 1877—78 18. In Geisteskrankheit verfielen während der Haft 50, resp. 74 und 33 Gefangene. — Die im Reichseisenbahnamte aufgestellte Ueberstcht der Betriebsergebnisse der Eisenbahnen Deutschlands excl. Bayerns ergiebt für 87 Bahnen nachstehende Daten. Die Einnahmen aus allen Verkehrszweigen waren im Monat August bei 30 Bahnen höher, bei 57 geringer als in demselben Zeitraum des Vorjahrs, die Einnahmen vom 1. Januar 1879 bis Ende August bei 39 Bahnen höher, bei 48 geringer als im Vorjahre.
Hamburg, 19. September. Der Senat erklärte, wie man dem „H. K." von hier schreibt, in der gestrigen Abendsitznng der Bürgerschaft, baß er mit der von letzterer beschlossenen Verfassungsrevision nunmehr einverstanden. . Damit ist benn in friedlichster Weise der seit Jahren herrschende Verfassungskampf beseitigt. Für ben Fall von Streitigkeiten zwischen Senat und Bürgerschaft ist an Stelle des Lübecker Appellationsgerichts nicht bas neue hanseatische Oberlandesgericht eingesetzt, sondern das Leibgericht. r
Darmstadt, 23. September. Der Prinz von Wales ist heute um 5 Uhr nach Kopenhagen abgereift. Der Großherzog und der Erbgroßherzog reiften gkkfeeitig nach Balmoral ab, nachdem sich der Großherzog, sowie der Prinz von Wales vorher bei der Kaiserin von Rußland in Jugenheim verabschiedet hatten. — Zwischen der Regierung und dem Verein der öffentlichen Anwälte in Darmstadt ist, wie man der „Franks. Ztg." von hier mittheilt, ein Prinzipienstreit ausgebrochen. Die Regierung erließ
nöl 3®- X)Looir d. Öd' r IhSX
ir. Falk jetzt die Wähler für sich und sein System in die Echranken ruft; denn ohne die Verallgemeinerung der Überzeugung, daß das „System Falk" ein schädliches war, |jt eine wirkliche Besserung nicht zu erhoffen. Dr. Falk aber in einer Selbsttäuschung befangen, wenn er die Angriffe auf seine Grundsätze der „Kampsesleidenschaft" lschreibt und von der Zukunft eine günstigere Beurthei- tng erwartet. Im Gegentheil, wir glauben, die Zukunft dird noch ein strengeres Unheil fällen, wenn erst die Erregung des Kulturkampfes gaiy geschwunden sein wird Aid die Früchte der Aussaat auf dem Gebiete der Schule Ich vollständig offenbaren.
faieigen nimmt entgegen: gt Expedition d.vlatte-, Wie d-Annoncen-Bureaux M Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th, xietrich in Frankfurt a.M.; Mienstein & Vogler in tantfurt a. M., Berlin, kipzig, Cöln ic.; Rudolf igffe in Berlin, Front' flirt a. M- rr.
Zwei Goldschmiede.
1) Benvennlo Cellini. (Fortsetzung.)
Deutsches Reich.
•** Berlin, 23. September. Dem Minister Falk wird wohl bald bange werden vor den Geistern, die sein in jeder Beziehung unbegreiflicher Brief entfesselt hat und die seinen Namen als Feldgeschrei vor den Wahlen zu ver- werthen suchen. Je radikaler die Blätter sind, um so eifriger preisen sie seinen Namen, und er muß es sich gefallen laffen, daß sich auf seine Autorität alle diejenigen berufen, welche im Kulturkampf ganz etwas anderes Ersucht haben als er, und die in Sachen der evangelischen Kirche ihn al& einen halben und lauen bekämpften. Selbst der Magdeburger Zeitung wird schon bange vor der Ausbeutung des Briefs durch den Radikalismus, sie mischt in ben Becher des Entzückens über ben Falkschen Brief einen Tropfen bet Besorgniß mit den Worten: „Unsere auswärtige Lage ist ernst genug und überschäumender Eifer thut überhaupt nicht gut, darum glauben wir, daß es nicht ; wohlgethan sei, sich zu wett nach links abdrängen zu lassen." Hier bringt schon eine Ahnung durch, daß gegen die mit Emphase ausgestellte Alternative: „Für ober gegen Falk" vielleicht eine andere Alternative ausgestellt werden könnte. Falk oder Bismarcks, und zwar nicht blos um der auswär,ttgen Politik willen, sondern auch in Bezug auf die Frage von Canossa und selbst auf die Culturfrage. — Dem Bundesrath ist von dem Reichskanzler, vertreten durch den Vorsitzenden des Reichsschatzamtes Scholz, der Entwurf einer Verordnung bett, die Abänderung resp. Ergänzung der Bestimmungen über die Tagegelder, Fuhrkosten und Umzugskosten der Reichsbeamten zugegangen. — In Folge neuerer Bestimmungen über die russische Paßpolizei ist der Ausländer verpflichtet, sich in Warschau im Paßbureau
«Marburg, Donnerstag, 25. September 1879 )fi P I.„<
Gold und Ehren, die ihm der König Franz I. von frankreich bot, konnten ihn nicht bewegen, in dessen Diensten iu bleiben. In seinem ungestümen Ehrgeiz wollte er in Italien, dem gefeierten Lande der Kunst, in dem herrlichen lotens der Medicäer, seine Anerkennung als größten Künstler seiner Zeit finden; benn er besaß die stolze Meinung , daß er eS fei. Und er bewies es auch in Allem, Aas seine glückliche Hand formte und arbeitete, Kleines Oie Großes, uno er erwarb sich die erstrebte Anerkennung - , t rotz aller Kabalen und Hinterlist seiner Neider in Italien • 1246t ® einem ununterbrochenen Kamps dagegen wie gegen Launen und die Zweifel des Herzogs Cosmus I von Slebici, in dessen Dienste er seit 1546 getreten war.
Diese Zweifel seines Gebieters 'richteten sich namentlich legen die Ausführung der Statue des PerseuS mit dem - ßj Nedusenhaupt in Erzguß, wie fie Cosmus bestellt und Benvenuto im Modell genial schon geformt Halle. Ben- 27?- tenuto, gekränkt in seiner Eitelkeit, wollte beroeifen, daß canada- tt machen verstehe, was Niemand von allen Kunstken- "icut“ ttrn für möglich hielt. Wie er diesen Vorsatz auSführtk, Wegd ^schreibt er ausführlich und mit der großen, ihm eigenen Selbstliebe in seiner romantischen, abenteuerlichen Lebens- M)ilberung, deren Uebersetzung uns Goethe gegeben hat ,,,j, Aid die ja als eine literarische Thal von charakteristischer d.8S,bk- Eigenthümlichkeit auch zu den großen Werken Cellinis zu ^chnen ist.
Zuerst fertigte Benvenuto ein Thonmodell seines Perseus kannte dasselbe uno bedeckte es mit Wachs, dem er ge=
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» s owie d- Annoncen-Bureanx von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst ) Jnvalidendaiü in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Bit unsererseits haben im Uebrigen nichts dagegen ein« freund „wenden, baß hiermit eine klare Frage gestellt wird, von aus so- 6tten richtiger Beantwortung in Ler Thal das Heil unseres >u vei- gaterlanbeS wesentlich abhängt. Oft genug haben wir, l2vv4 |[g Dr noch Amte war, daraus hingewiesen, daß nt oder irade sein Wirken auf dem Gebiete der Schule unser Ep staats- und Volksleben mit Gefahren bedrohe, bereit Ab- 12536 Endung auch einer ernsten Gegenarbeit nur schwer ge- L~ J ngen werde; darum kann es uns nur recht sein, wenn
[2441
ilcrin 3u er- [2480
uder, Wo?
[2561
fächern
je Wahlagitation, die Freude darüber kann also nicht überraschen; wohl aber wird man sich wundern dürfen, br. in »B der Staatsminister Dr. Falk sich berufen gefühlt hat, ;c eine ine solche, dem Liberalismus so willkommene, für die Re- ' ierung aber mindestens nicht angenehme Kundgebung in ie Wett zu schicken und zum Kampfe gegen die Reaktion mf dem Gebiete der Unterrichts-Verwaltung aufzurufen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JklustxirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
itnfere verehrten auswärtigen Abonnenten er- " suchen wir um baldgefällige Erneuerung ihrer Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober beginnende vierte Ovartal. Ohne vorherige Be- lellung wird von der Post die Fortsetzung nicht geliefert und um vollständige Exemplare zu erhalten »uß die Bestellung vor Ablauf des Quartals gemacht werden. — Auf dem Lande nehmen die Zostbote« Bestellungen an.
Tagesderichl.
Der „Reichs-Anzeiger" pnblicirt einen Erlaß des Kains an den evangelischen Oberkirchenrath, durch welchen je Generalsynode zum 9. Oktober einberufen wird.
Die „N. Pr. Ztg." bemerkt zu dem mehrfach erwähnten salk'schen Schreiben: „Die Kundgebung des bisherigen tllltnsmmifters kommt dem Liberalismus sehr gelegen für
nm