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rasch zu so großem Ansehen gelangt, daß der römische König Ferdinand 2 Jahre später dm Landgrafen bat, ihm Pulver und Büchscnmeister für den italienischen Krieg zu überlassen. Im braunschweigischen Kriege machte dem Land­grafen die Stadt Wolfenbüttel sehr viel zu schaffen. Hier wurde sein treuer Zeugmeifter, Veit Krautpeter, auf hinter­listige Weise getödtet, so daß der Landgraf, um den Schimpf zu rächm, in dm Schanzen persönlich Hand anlegte. Später schlich er sich auch einmal in Bauernkleidung an die Festung heran, um die schwächste Stelle zu erspähen. Ueber die so kläglich verlaufene »Belagerung von Ingolstadt (1546) schrieb er selbst: „Und muß auch Schertlin be­kennen, w e ungern wir für Ingolstadt abzogen, und daß uns das Wasser in den Augen stand." Das Schicksal Deutschlands und der ganzm solgenden Jahrhunderte sagt der Verfasser, hing an dem Entschluß des Kurfürsten von Sachsen und feiner Räthe; seine Zaghaftigkeit und Unent­schlossenheit rettete den Kaiser, wie dieser selbst später ein- gcstand. Der Landgraf Philipp hatte cs übrigens unter Hinweis auf den glücklichen Verlauf des württcmbcrgischen Feldzuges an wiederholtem Drängen nicht fehlen lasten, aber vergebens. — Die Artillerie hatte Philipps glückliche Zeiten getheilt, sich reich und großartig entfaltet, wir sehen sie nunmehr auch mit in seinen Sturz hereingezogen. Eine der Hauptbedingungm der Kapitulation von Halle war die Schleifung der Festungen und die Uebergabe des gesammtm Hauptgeschützes, so daß damit die hessische Artillerie für einige Zeit faktisch zu erisiircn aufgchört hat. Die Kaiser­lichen Kommissare, führtm im Ganzm 170 große Geschütze fort. Herzog Alba ließ sogar, um den Triumph noch zu erhöhen, 12 neue Stücke gießen, welche mit oes Land­grafen Wappen versehen wurden und zum Geschenk für spanische Heere bcsiimmt waren. Doch das Schicksal spielt oft wunderbar: Mit den Geschützen aus der hessischen

Beute, die Landgraf Wilhelm in dem Kriege, den er 1552 zur Befreiung seines Vaters unternahm, fielen ihm auch gerade jene 12 Stücke vollständig neu in Innsbruck in die Hände. Einen anderen Thcil, der zur Bewaffnung der Armada verwand wurde, erhielt der Landgraf von der Königin Elisabeth von England als Geschenk zurück. Bei dem Tode Philipps (1568) belief sich das Material wieder auf 160 Stück. Das Geschütz gehörte zum unveräußerlichen Hausvermögen des Landgrafen und wurde ebenso wie das Silbergeschirr unter die vier Brüder getheilt. Das Testa­ment des Landgrafen bestimmte dabei, daß es zu keinem Angriffskriege, am wenigsten aber zu einer Bruderfehde mißbraucht werden dürfe. — Sehr anschaulich wird dann weiterhin auf Grund gesammelter urkundlicher Angaben ein Besuch der Zeughäuser in Gießen und Rüsselsheim um das Jahr 1624 geschildert. Bei der Annäherung an die Festung wird geschossen, mit dem bloßen Kuallen mit blin­den Patronen war es aber damals allein nicht gethan; scharf mußten die Stücke geladen sein, je höher der Gast, desto größer das Kaliber, und wen man besonders ehren will, dem schoß man mit Granaten und Raketen. Die Schußzahlen 101 und 21 waren jedoch damals noch nicht bekannt, sondern die Bestimmung den Offizieren oder Konstab­lern überlassen. Die Einzelheiten müssen hier übergangen und auch auf die Schllderung der Belagerung von Rheinsels, St. Goar und Katz (gelegentlich der Exekution in der Nie- dergrafschaft Katzenellenbogen, 1626,) sowie auf die Schick­sale der Festung Rüsselsheim in den Jahren 1630 — 35 kann nur hingewiesen werden. Die treffliche Arbeit ist im vorliegenden Hefte noch nicht zum Abschlüsse gekommen. — Beigegeben ist eine Karte zur Schlacht bei Lauffen, während ein Uel ersichtsplan zur Belagerung von Rheinfels im nächsten Hefte nachgeliefert werden soll.

(St.- A.)

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Marburg, Dienstag, 23. September 1879

XIV. Jahrgang

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röcid Rtontfurt c. M. , Berlin, . C S'Mchzig, Eöln tu; Rudolf bur£. Me in Berlin , Frank- sand inrt a. M. rc.

itrfß. faltigen nimmt entgegen: uur ^Expedition d.vlatter, Die d.Annoncen-Bureaur M Th. Dietrich & Co. in leffel und Hannover; Tb. gietrich in Frankfurt a.M.; Uafenstein & Bogl-r in

AttWslhk Ältmg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- Thiene- in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

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Literarisches

Die „Deutsche Revue" enthält ein Schreiben Dr. Falks als Antwort auf eine Aufforderung zur literarischen Thätig- keit. Falk glaubt, die Zeit zu einer solchen Thätigkeit noch nicht gekommen und hofft die Gelegenheit zu Aeußerungen zu haben, wenn er wiederum einen Platz im Abgeordneten­hause erhalte. Falk kann jseine Sorge über den Ausfall der Wahlen nicht unterdrücken und faßt die Sachlage in dieser Beziehung schwerer als Mancher auf, der im Allge­meinen die Reaction gekommen sieht. Dagegen hegt er diese generelle Furcht nicht. Der Reichskanzler gehe sicher nicht nach Canossa, wenn er es vermeiden könne und er vermöge viel zu vermeiden. Auf verschiedenen Gebieten würde es einer Menge Gesetzabänderungen bedürfen. Eine wirkliche Sorge trage er aber wegen des Unterrichtswesens. .Hier stehe kein Gesetz im Wege und könne keines im Wege petzen. Ueber den Geist der Leitung des Unterrichtswesens

Gegenüber den durch die zufällige gleichzeitige Anwesen­heit des Cardinals Hohenlohe und des Nuntius Jacobini in Gastein veranlaßten Correspondenten-Meldungcn, die Verhandlungen mit Rom seien inzwischen durch Hohenlohe geführt worden, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", es sei daran kein wahres Wort. Die Verhandlungen, welche jetzt zu einer persönlichen Begegnung Jacobinis mit dem Reichskanzler geführt, hätten seit mehreren Wochen in Wien stattgcfunden.

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beitragen. Es wäre deßhalb zu wünschen, daß unsere Diplomatie sich nicht blos mit Klugheit, sondern vor allen Dingen mit den großen Culiurgedanken und^den hohen Culturzielen des Reiches Gottes ausrüsten wollte, damit endlich nicht sowohl die rohe Furcht vor der Macht des Stärkeren, sondern die aus dem Streben nach Veredlung der Völker geborene Friedensliebe der Antrieb zur Auf­rechterhaltung des Friedens werden möchte.

Tafle-dericht.

Der Reichsanzeiger publicirt eine Bekanntmachung des Ministers des Innern, wonach die Erlaubniß zum Betriebe einer Gastwirthschaft, zum Ausschenken von Wein, Bier und anderen nicht unter die Gattung von Branntwein und Spiritus fallenden geistigen Getränken in Ortschaften unter 15000 Einwohnern, sowie in solchen Orten mit größerer Einwohnerzahl, für welche dies durch Ortsstatut festgefetzt wird, künftig von dem Nachweise des vorhandenen Bedürf­nisses abhängig ist. Bezüglich der Erlaubniß zum Aus­schenken des Branntweins und zum Kleinhandel mit Brannt­wein und Spiritus bewendet eS bei dem bereits landcs- gesetzlich bestehenden Nachweise des vorhandenen Bedürf­nisses. ______________

töt zwischen Oesterreich und Preußen nicht blos zu be­seitigen, sondern an ihre Stelle ein freundschaftliches Ver- hältniß der beiden Reiche zu setzen, das den gemeinsamen Ausgaben, wie der Stammesverwandtschaft der beiden Völker entspricht, und während die Lösung dieser schwierigen Frage Oesterreich keine Scholle Landes gekostet, hat Oester­reich es vorzugsweise Bismarck zu verdanken, daß es nun in den Besitz zweier, für die Abrundung seines Reiches und für den Verkehr mit dem Orient so wichtigen Pro­vinzen der Türkei gelangt ist. Wenn nun Oesterreich seine Aufgabe versteht, so erblüht ihm eine neue Zukunft. Das für österreichischen Handel und Industrie so wichtige Gebiet der Balkanhalbinsel steht ihm nun offen und dem Vordringen Rußlands auf der Balkanhalbinsel, welches für Oesterreich eine so große Gefahr enthielt, ist ein Riegel vorgeschoben. Daß Oesterreich das Alles auf so leichte Weise erlangen konnte, verdankt es in hervorragendster Weise Bismarck. Rußland ist freilich über diese Wendung der Dinge verdrossen, allein, wenn Oesterreich und Deutsch­land einig sind, wird es seinen panslawistischen Aerger verbeißen müssen. Und wenn Rußland seine Aufgabe recht erwägt, so muß es sich doch sagen, daß dieselbe nicht auf der Balkanhalbinsel, sondern in seinem eigenen großen Ländergebiete liegt. Alle die Versuche Rußlands, seine Macht nach dem Südwesten hin auszudehnen, sind zu seinem Verderben ausgeschlagen. Wie viel Unglück haben die Kriege mit der Türkei schon über Rußland gebracht! Wenn Rußland es je erlangt hätte, daß der Schwerpunkt seiner Macht nach Konstantinopel verlegt worden wäre, so würde das den Zerfall des russischen Reiches bedeutet haben. Die panslavistische Partei in Rußland will das freilich nicht einsehen. Allein Oesterreich sowohl als Deutschland haben schon ihrer Selbsterhaltung willen alle Ursache, diesen panslawistischen Strebungen Rußlands einen Riegel vorzuschieben. Und daö ist hoffentlich durch die Besetzung Bosniens durch Oesterreich und die Freundschaft mit Deutschland geschehen. Das deutsche Volk freut sich über die Reise seines Reichskanzlers nach Wien, denn das deutsche Volk wünscht ein freundliches Verhältniß zu Oester­reich. Hoffen wir, daß derselbe Wunsch auch in Oester­reich in Bezug auf Deutschland ein ebenso lebendiger ist und daß die Freundschaft von Dauer und von Segen für beide Reiche wie für Europa sein werde. Es ist sehr be­dauerlich, daß die Staaten Europa's noch immer, bis an die Zähne gerüstet, mißtrauensvoll und vielfach feindselig sich gegenüber stehen und man immer kriegerischer Aus­brüche gewärtig sein muß. Möchten gerade die mächtigsten Staaten: Oesterreich und Deutschland, ihren Ehrgeiz darein setzen, zur Beseitigung dieser beklagenswerthen und für den Freund der Cultur so dcprimirenden Verhältnisse

seitlicher organisiert, und im Jahre 1870 hat das geeinigte

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

tembrrMnsere verehrten auswärtigen Abonnenten er- < ’ suchen wir um baldgefällige Erneuerung ihrer t25 Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober be- ___n mnende vierte Ovartal. Ohne vorherige Be­rufe L Mng wird von der Post die Fortsetzung nicht ge- ~r y* efert und um vollständige Exemplare zu erhalten ^^imß die Bestellung vor Ablauf des Quartals TischeMnacht werden. — Auf dem Lande nehmen die teräthGostbote« Bestellungen an.

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itg wir! Fürst Bismarck weilt dermalen in Wien als Gast des litt pe Österreichischen Reichskanzlers und Kaisers. Diese That- agen n a(|je bezeichnet drastisch den großen erfreulichen Umschwung, [251 ^cher seit 1866 in den Beziehungen zwischen Oesterreich militt int dcm neuen deutschen Reich eingetreten ist. Wenn auch ; ie Nachricht, daß es sich bei diesem Besuche um den Ab- u hluß eines förmlichen Schutz- und Trutzbündnisses zwischen daß i <n beiden Reichen handle, wohl übertrieben ist, so bedeutet s allä K Besuch ganz gewiß mehr als einen bloßen Akt der

fL Deutschland bewiesen, zu welcher ungeheuren Machtentfal- (TQl tag es befähigt ist. Aber auch Oesterreich steht jetzt ' Nächtiger da, als früher. Seine Politik hat jetzt durch äi. »ie Gewinnung des Einflusfes auf der Balkanhalbinsel Wieder klare und bestimmte Ziele gewonnen. Es hat den Men Culturberuf der Ostmark wieder ausgenommen, «ichts fördert die innere polittsche Festigkeit und die iLpannkraft der Nationen mehr, als klare, bestimmte Auf- Mben — und so ist zu hoffen, daß dadurch Oesterreich Mch au innerer Festigkeit gewinnen wird. Die Reise Wismarck's nach Wien ist im höchsten Sinn ein Triumph seiner Politik. Es ist ihm gelungen, die alle böse Rivali-

' Höflichkeit. Er hat jedenfalls eine hervorragende politische 777 Bedeutung und wenn dieselbe auch in ihrem Wesen und ____- in ihrer Tragweite erst später bekannt werden wird, so ist mit obe »ch so viel gewiß, daß dieser Besuch als ein Ausdruck die n guten freundlichen Beziehungen zwischen Deutschland [2531 mb Oesterreich angesehen werden kann. Und diese That- —siche ist schon an sich von ungeheurer Bedeutung nicht beide Reiche selbst, sondern auch für die Erhat- des Friedens von Europa. Denn wenn Oesterreich üb' Deutschland fest zusammenhalten, so wird keine andere liacht es wagen, den Frieden Europas zu stören. Die ühere Schwäche Deutschlands lag vorzugsweise in der irch die Rivalität zwischen Oesterreich und Preußen her- orgerufeneu Uneinigkeit der deutschen Staaten. Seil diese livalität beseitigt ist, hat sich Deutschland fester und ein-

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Archiv für hessische Geschichte uud Alterthumskuude. Herausgegcben aus den Schriften des historischen Ver­eins für das Großhcrzogthum Hessen von Dr. Gustav Frhrn. Schenk zu Schweinsberg, zeitigem Vereinssek­retär. XIV. Band, 3. Heft, mit 2 Karten.

Das vorliegende Heft bietet namentlich einen sehr an- Wchenden kriegsgeschichtlichen Beitrag: Aus der älteren »Geschichte der hessischen Artillerie, von C. veydhecker, Hauptmann und Batterie-Chef im Westpreußischen

‘UÄ- br.

Meld Artillerie-Regiment Nr. 16.

Der Verfasser gicbt eine lebendige Darstellung der ersten Entwickelung der landesherrlichen Artillerie in Hessen bis tat Ende des Bauernkrieges, schildert namentlich (nach Ölmann) die Belagerung von Landstuhl durch den Land- —trafen Philipp den Großmüthigen, den Pfalzgrafen und len Erzbischof von Trier (1523) wobei der belagerte Franz Kaffes ton Sickingen ein so trauriges Ende fand, sowie die Be­gießung der Ebernburg nnd die Einnahme von Franken« sausen, welche den Bauernkrieg im nördlichen Deutschland beendigte- Sehr ausführlich wird der Kricgszug Philipps ; lach Württemberg (1534), dem Herzog Ulrich zu Hülfe anada- ^schrieben und die Ordnung des Heereszuges, sowie die *■ ; Obliegenheiten der einzelnen artilleristischen Chargen nach

Conard FrondSbergcrs Kriegsbuch (zum Theil in ergötzli­chen Versen) geschildert. Mit Hülfe seiner vortrefflichen Artillerie gelang es dem Landgrafen Philipp, toie des Näheren auSeinandergesetzt wird, die Kaiserlichen bei Lauffen in schlagen, die Städte Stuttgart und Tübingen, die Veste ^^4-hvhen-Urach, das noch gewaltigere Schloß Hohen-Asperg l,,w' *>nb ebenso Neuffen zur Uebergabe zu zwingen und die Er­oberung Württembergs in der kurzen Zeit von 3 Wochen tu beenden. Die hessische Artillerie war durch diesen Zug