zur Feier deS 700jährigen Regierungsjubiläums des Wittelsbacher Hauses, welche am 16. September nächsten Jahres stattfindet, und beschloß die Niedersetzung einer Festcommis-- ston. — Während der deutsche Kronprinz an der Seite seines Vaters den Manöver» beiwohnt, verweilt die Kronprinzessin in dem steiermärkischen Römerbade. Sie sucht dort Heilung von einem Nervenleiden und gedentt später in einem Seebade bei Genua mit ihrem Gemahle zusammenzutreffen. -
Der Einladung des österreichischen Kaisers folgend, ist der König von Sachsen nach Wien gereist, um sich von dort zu den kaiserlichen Manöver» nach Steiermark zu begeben. — Die Oesterreicher sind von der Herzegowina aus in zwei Kolonnen in das Sandschak von Novibazar eingcrückt und haben Plevlje (Taschlitza) und Priepolje besetzt, ohne auf Widerstand zu stoßen. Nur in Plevlje, bekannt als der Heerd von Agitationen, bereitete ihnen der Kommandant der dort verbliebenen türkischen Garnison einige Schwierigkeiten; er erklärte, zur Räumung des Ortes keine Vollmachten von Konstanttnopel zu haben, und verweigerte die Zurückziehung seiner Truppen von einer die Stadt beherrschenden Anhöhe. Die Letztere wurde trotzdem von zwei österreichischen Bataillonen besetzt, welche sich friedlich neben den Zeltlagern der Türken postirten. — Rußland hat Oesterreich, auf dessen Machterweiterung auf der Balkanhalbinsel es mit scheelem Auge blickt, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Wiener Regierung stand eben im Begriff, mit Serbien eine Eisenbahnconvention abzuschließen, die dem österreichischen Handel den Weg nach Salonichi öffnet. Bereits war die Zustimmung des Fürsten MUan in Aussicht gestellt, als die Unterhandlungen plötzlich in's Stocke» geriethen, woraus man wohl nicht mit Unrecht schließt, daß russischer Einfluß den Fürsten noch in der letzten Stunde bewogen hat, die Konzession nicht zu genehmigen.
In Bern tagte der Kongreß für Sonntagsheiligung, der von 225 Delegirten aus fast allen europäischen Staaten besucht war und sich amentlich für eine Beschränkung des Eisenbahndienstes an Sonntagen entschied. — An einer in Luzern abgehaltenen Generalversammlung der Gotthardbahngesellschaft, wurde die Ausführung der Mont- Canern-Linie und die Verpfändung derselben gegen eine Anleihe von 6 Millionen Franken beschlossen.
Ein dritter Transport französischer Kommunisten landete in Port-Vendres und trat dann die Weiterreise nach Paris an, wo' unter den üblichen Hochrufen auf Republik und Amnestie die Rückkehr der Verbauten durch Geldspenden, Bewirthung und Ansprache gefeiert wurde. — Trotz aller Agitationen für die Helden der Pariser Kommune, ist in Bordeaux der radikale Blanqui bei der Stichwahl gegen einen Republikaner unterlegen.
I» Aides, in Ostrumelien, kam es zwischen der bul-
Marburg. Für die Pilger, welche in dem von der heil. Elisabeth gestifteten Hospital verstorben Warrn, wurde eilt besonderer Begräbnißplatz am östlichen Abhänge des Lützelberges der St. Elisabethkirche gegenüber angelegt. Die Sorge für das Begräbniß der Pilger lag den deutschen Rittern, auch Brüder des Hospitals der heil. Maria zu Jerusalem genannt, ob, welche die Landgrafen Heinrich Raspe und Konrad im Jahr 1233 nach Marburg berufen hatten und unter deren Aussicht das Hospital sich befand. Im Jahre 1268 erbauten die deutschen Ritter in der Mitte des erwähnten BegräbnißplatzeS eine Kapelle in die Ehre des Erzengels Michael und ließen diese gleich der Elisabethkirche durch chre Ordenspriester mit Gottesdienst versehen. Kapelle und Todtenhof führen von da den Namen St. Michaels; die gewöhnliche Bezeichnung für beide ist „Michelchen". Die Kapelle, im gothischen Stil erbaut, hatte anfänglich keinen Thurm; das Todten- glöcklein, welches den Gläubigen das Hinscheiden eines Pilgers mit der Aufforderung verkündigte, für die Seele des Hingeschiedenen Gottes Barmherzigkeit im Gebete zu erflehen, hing an der Außenseite der Kapelle.
Bei Einführung der Reformation in Marburg wurden mehrere Kap eilen, auch die St. Michaelskapelle außer kirchlichen Gebrauch gesetzt. Landgraf Philipp überwies letztere nebst Todtenhof der Stadt Marburg als Eigeuchum. Für die Erhaltung der Kapelle hat die Stadt bis zu einem gewissen Zeitpunkte nicht das Geringste gethan. Wenn der Bau aus Quadern bestände, er wäre längst nicht mehr vorhanden, die Stadt hätte die Steine so gewiß zum Wiederaufbau der im Jahre 1552 eingestürzten Weidenhäuserbrücke benutzt, als sie zu gleichem Zwecke um die ebensallö außer Gebrauch gesetzte Dominicanerkirche bei
garischen Bevölkerung und den zurückkehrenden mohame- danischen Flüchtlingen zu bluügen Zusammenstößen, wobei 16 Gendarmen gelobtet wurden. Verschiedene Botschafter haben deßhalb bereis die türkische Regierung interpellirt, der, man die Schuld an diesen Vorgängen beimessen will.
Jakub Khan, der Emir von Afghanistan, hat endlich, nachdem man über sein Schicksal eine Zeit lang im Ungewissen schwebte, ein Lebenszeichen von sich gegeben und in einem Schreiben an den Vicekönig von Indien seine freundschaftlichen Gesinnungen betheuert. Trotzdem beschuldigt man ihn des Einverständnisses mit den Aufständischen, welche die englische Gesandtschaft ermordeten. Ein starkes Heer soll in Kabul zusammengezoge» sein, um die afghanische Hauptstadt gegen die Engländer zu ver- theidigen. Während gegen die Letzteren die afghanischen Priester de» „heiligen Krieg" predigen, trifft General Roberts Vorbereitungen zum Vormarsch. Zur Verstärkung seiner Streillräfte ist bereits ein Truppentransport von England abgegangen.
Im Zululande haben die Engländer den König Cetewayo gefangen genommen und wollen damit den dortigen Krieg beendet haben.
Tagesbericht.
Der „Post" zufolge wird Feldmarschall v. Manteuffel sich am 28. September nach Straßburg begeben.
Uebcr den Inhalt des von dem Minister des Innern Dem Staatsministerium vorgelegten Gesetzentwurfs über die Organisatton der Verwaltungsbehörden werden in der Presse sehr irrige und mißverständliche And.'utungen verbreitet. Dazu gehört vor Allem die Behauptung des „Berliner Tageblatt", daß der Fortfall der Regierungs- Präsidien angestrebt sei, während dieselben gerade in vielen Beziehungen an die Stelle der Regierungskollegion treten sollen. Wir bemerken übrigens, daß über die Angelegenheit zunächst ein Austausch schriftlicher Vota der einzelnen Ministerien stattfindet und eine Berathung im Staatsministerium erst in der nächsten Woche in Aussicht steht.
Privattelegramm der „Nordd. Allgem. Ztg," aus Deutsch-Crone meldet: das hiesige Kreisgericht verhandelte heute eine Anklage gegen den ehemaligen Erzbischof Ledochowski wegen Uebertretung der Maigesetze betr. die Verhängung der großen Excommunikation gegen den staatstreuen Probst Lizak in Schrotz, und verurtheilte Ledochowski zu 2000 Mk. Strafe event. 70 Tage Gefängniß und zur Erstattung der Kosten.
lieber den Besuch des Fürsten Bismarck in Wien geht der „Nat.-Ztg." von regelmäßig sehr wohl informirter Seite folgendes Privattelegramm aus Wien ein. Wenn
--■■■■ ■ ■ ■ .........
Landgraf Philipp supplicirte, der aber chr Ansinnen mit Sttllschweigen überging. Die Kapelle war bis zu einer Ruine herabgesunken, Thüren und Fenster waren nicht mehr vorhanden; Dach und Dachstuhl waren schadhaft; das ern- gedrungene Regenwasser hatte das Kirchengewölbe zum Theil zerstört, und die in der Nähe wohnenden Bürger benutzten sie als Hm- und Strohschober; ebenso befand sich auch die Umfassungsmauer des Todtenhofes in einem sehr verwahrlosten Zustande. So stano es mit der Kapelle und dem Drdteuhof im Jahre 1583. In diesem Jahre begann der Magistrat der Stadt mit einer gündlichen Restauration, welche bis 1587 dauerte. Auf wessen Veranlassung der Rath sich zu diesem Schritte veranlaßt sah, läßt sich aus den handschriftlichen Aufzeichnungm hierüber nicht ersehen. Bei der Restauration erhielt die Kapelle den jetzigen Dachreiter, im Innern Kanzel und Empore und wurde von da bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zum Abhallen der Leichenpredigtm benutzt.
Bis zum weftphälischen Friedensschlüsse im Jahre 1648 waren sämmtliche Bewohner Marburgs mit Ausnahme der in der Deutschordens-Commende wohnenden, und von da bis 1810 sämmmtliche Bewohner lutherischen Bekenntnisses Parochianen oder Pfarrkinder der Pfarr- oder Hauptkirche der Stadt. Die Parochianen der Pfarrkirche waren zur Anhörung des göttlichen Wortes und zum Empfang der Sakramente in diese, die Bewoher der OrdenS-Commende dagegen in die Elisabethkirche gewiesen. Die Lage der Pfarrkirche war für die Bewohner der Ketzerbach und deS Steinwegs weniger günstig als für die anderen Stadtheile, da erstere das Geläute in derselben nicht vernahmen; sie waren auf ein anderes Zeichen gewiesen. Zwischen der Neustadt und dem Steinweg stand nämlich da- aus Stein erbaute
Skr. 222
Klarburg, Sonntag, 21. September 1879
XIV. Jahrgang
WttMche jfitiiinj
79
e Hand
-kräftig
terswtg
z.
rE
ich
TT 1 i Bon Wien wird dann Bismarck über Berlin zunächst auf Uju I seine lauenburgischen Güter reisen. — Unser Ostseege-
■k oha Bestehen aufgelöst und am 16. d. seinen feierlichen Schluß
akt gehalten. — Am gleichen Tage ist im deutschen Reichs-
asse.
Beitrag zu der Geschichte der Stadt Marburg.
ICH,
187»-
lges
zunächst dem Grafen Andrassy in Wien einen Besuch abstatten. Dieser Reise unseres Fürsten Reichskanzlers ist eine hohe politische Bedeutung wohl nicht abzusprechen.
schwader hat seine diesjährigen Uebungen beendet und ist nach Kiel zurückgekehrt. Dort werden die Schiffe außer Dienst gestellt, um im großen Bassin zu Ellerbeck ihren Winterschlaf zu hallen. — Das Berliner Obertribunal, bet höchste Gerichtshof Preußens, hat sich nach 200jährigem
mmela
ressort
r. 116.
Sonntag
187»
Wege-
er.
iber.
Reto® Anzeiger die königliche Verordnung erschienen, ^welche die jeprew Auflösung des Hauses der Abgeordneten verfügt. Für die lampfc Wahlmännerwahl wurde der 30. September, für die Ab- sagien 'geordnetenwahl der 7. Oktober festgesetzt. — Bei den Er- l-Age« gänzungswahlen in den sächsischen Landtag verlor die Fvn- i a/Bh schrittspartei fünf Sitze, darunter zwei an die Social- nage bcmokraten, die nun durch drei Abgeordnete in der sächsische» eke» zweiten Kammer vertreten sein werden. — Der Münchener [iilW Magistrat beschäftigt sich bereits mit de» Vorbereitungen [25 -
Unsere verehrten auswärtigen Abonnenten ersuchen wir um baldgefällige Erneuerung ihrer Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober de
rer St. Michaelskapelle.
Die durch das Ableben einer Wittwe erledigte Glöckner-
Änzeizen nimmt entgegen: tfc Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaur »on Tb. Dietrich & Co. in Staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; äaafenftein & Vogler in jranlfurt c- M., Berlin, Leipzig, Cbln re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. St. ic.
■ Taille am Fuße des Lützelberges in der Nähe der Lahn 1 ein Hospital in die Ehre des heiligen Franziskus von Assissi, starb am 19. November 1231 und wurde am 1.
, "M, ginnende vierte Ouartal. Ohne vorherige Be- Neuch ftellung wird von der Post die Fortsetzung nicht ge- mst ein siefert und um vollständige Exemplare zu erhalten l- muß die Bestellung vor Ablauf des Quartals
Anzeigen nimmt entgegen die Epiedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureanx von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvakidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Juni 1235 vom Papste Gregor IX. zu Perugia in Italien, heilig gesprochen. Von diesem Tage an betritt Marburg, das erst kurz vorher Stadtrechte erhalten hatte, den Schau- platz der Geschichte. Tausende von Pilgern kamen aus den entferntesten Gegenden nach Marburg, um am Grabe der heil. Elisabeth sich die kirchliche Gnade zu erwerben, die der Papst allen frommen Besuchern in Aussicht gestellt H hatte. Mancher Pilger kehrte in seine Heim ach nicht wieder
Zurück, der Tod ereilte ihn auf der Rückreise oder hier in
sehr bil
1.
:rPreik [250
)em
» , L Tie Bedeutung des sonn- und festtäglichen Geläutes in
Mheri * ™ -
[252
itiJÖ*' ...92,51
. , der kirchenpolitischen Wirren gedeutet. Fürst Bismarck IILun wird in einem der nächste» Tage Gastein verlassen und
n M i stelle an der St. Michaelskapelle ist vom hiesigen Stadt- n eind rach wieder tpie vor Alters mit einer männlichen Person bestellt und dieser zugleich die Aufsicht über den St.
. jg?! Michaels-Todtenhof übertragen worden. Wie bekannt, ist tkk, ,j Ke St. Michaelskapelle nicht mehr im kirchlichen Gebrauche; .gehüls da aber das sonn- und festtägliche Geläute schon über 200 -—r Jahre in derselben üblich ist, so dürste es wohl von Jn- rd e» stresse sein über den Ursprung und die Bedeutung desselben a. i» Verbindung mit der Geschichte der Kapelle und des it. A.i Todtenhofes etwas Näheres zu erfahren.
[2^ Aus Veranlassung des Magisters Konrad von Marburg [23 hE Elisabeth, die junge Wittwe'des Landgrafen Ludwig Lj IV. von Thüringen und Heften, Marburg sich zu ihrem Wittwensitze ausersehen. Im Frühjahr 1229 kam die Landgräfin von der Wartburg in Thüringen nach Marburg,
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Brchdruckerei) bezogen 21, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exel. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
gemacht werden. — Auf dem Lande nehmen die Postbste« Bestellungen an.
Woche« - Ueberstcht. '
Kaiser Wilhelm ist nach Abhaltung der Manöver bei Stettin über Berlin nach dem Elsaß gereist, um auch den dort Statt findende» Truppen-Uebungen beizuwohnen. Der hohe Herr erfreut sich fortgesetzt des besten Wohlbefindens. Fürst Bismarck empfing dieser Tage in Gastein dm Besuch des deutschen Botschafters bei der französischen Republik, Fürsten Hohenlohe. Bei der noch immer herrschenden, durch die unsinnigen Umtriebe Gortschakoff's hervorgerufenen Erregung der Gemüther, namentlich angesichts der zur Schau gestellten angeblichen Vorliebe Gortschakoff's für das „um den gebührenden Einfluß gebrachte" Frankreich erregte auch dieser Besuch, von dem man in gewöhnlichen Zeiten kaum reden würde, diesmal die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Grade. Die gleichzeitige Anwesenheit des österreichischen Nuntius Jacobini in Gastein wurde auf die Fortdauer der Verhandlungen mit der Curie zur Bellegung