XIV. Jahrgang
Marburg, Freitag, 19. September 1879
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Die „Prov.-Corresp." bespricht den jüngsten Erlaß des Kltusministers an den westfalischen Clerus und schreibt: sDurch diese klare Kundgebung des CultuSministers wird Kem Gerede von kirchlicher Reaklion, welches seit Wochen im Mittelpunkt der liberalen Wahlagitation bildet, der loben entzogen. Je weniger man hoffen konnte, dem Ersten Bismarck auf dem Gebiete der praktischen Fragen, In deren Lösung es sich zunächst handelt, erfolgreich ent- jkgenzutreten, um so beflissener suchte man den jüngsten Ninisterwechsel zu benutzen, um den Wählern das Schreck- üld einer rückschreitenden Bewegung, namentlich der Preis- (tbung der Rechte des Staates in kirchlichen Dingen vor- hspiegeln, was jedoch iu den Thatsachen. keine Äegrmwung fnbet. Die jetzigen Aeußerungen des Ministers werden >iefem Treiben hoffentlich ein Ziel setzen. Mau wird der Regierung, an bereit Spitze nach wie vor Fürst BiSmarck skht, das Vertrauen schenken, daß sie unser Schulwesen h Wahrheit auf dem Boden der alten bewährten Ueber- irferungen fortzuentwickeln enfchlossen ist. Zugleich wird
bie verzweifelte Anstrengung sich zu erheben.
Es gelang ihm, sich gegen den Bettpsosten zu lehnen teb deutlich die Worte hervorzubringen:
„Mein Name aber, Faval, steht darunter, also Mörderin, ist dieser Dein rechtmäßiger Sohn."
..Der Mensch redet im Wahnsinn," rief Frau von
Sie daher sich nicht zu vertheidigen. Der Todesschrei Ihres Verbündeten führte mich hierher, und ich kam früh genug, Ihre Schuld zu erfahren, wie auch Zeuge Ihrer Grausamkeit zu sein. Ziehen Sie sich jetzt in Ihre Gemächer zurück; morgen sollen Ihnen meine ferneren Beschlüsse bekannt werden.
Wohl einsehend, daß jetzt Alles für sie verloren, verließ voll Wuth und Verzweiflung die Marquise langsam das verhängnisvolle Gemach.
Eine leise Bewegung ging jetzt durch den Körper des Mulatten; das Leben entfloh, starr und ausdruckslos blickte das Auge, ein Lächeln der Befriedigung aber umspielte die bleichen Lippen, benn endlich war die Rache sein geworden!
Die Gaste des Marquis von Alincourt erfuhren nichts von diesem tragischen Ereigniß. Am folgenden Morgen präsidirte wie gewöhnlich die Wirthin an der Frühstücks- tasel, wo sich Alle außer Don Rodrigo de Ramero eingefunden; doch beachtete fast keiner der Anwesenden sein Nichterscheinen.
Im Laufe des Morgens noch theilte der Marquis den eingeladenen Gästen mit, daß zu seinem Bedauern ihn wichtige, unerwartete Geschäfte nach Paris zurückberufen, und eine Stunde später zerstreute sich wirklich schon die Gesellschaft, so fröhlich wie sie gekommen, und die glänzenden Wagen rollten die stattliche alte Eichenallee, die zu Schloß Alincourt führte, unaufhaltsam hinab.
Der Marquis von Mncourt war der Letzte, der den alten Familiensitz verließ; in seiner Begleitung befanden sich seine Tochter, Godesfroy und Joseph, der alte treue Neger.
man auch in weiten Kreisen des BürgerthumS wie der ländlichen Bevölkerung der Heberzeugung des Ministers zustimmen, daß mit dem Tage, wo wir aufhören würden, für den Volksunterricht aus dem unversteglichen Hellsbrunnen des Evangeliums zu schöpfen, der Niedergang des gesammten nationalen Kulturlebens besiegelt wäre.
Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge wird der von dem Minister für öffentliche Arbeiten in's Leben gerufene, aus hervorragenden Vertretern der Landwirthschaft, des Handels, der Industrie, der Eisenbahn-Commissarien und der» Ministerien für öffenlliche Arbeiten, der Landwirthschaft, der Finanzen reff), des Krieges bestehende Landeseifenbahn- Rath im Laufe des Oktober zum Beginne feiner Thätigkett eingeladen werden. Wie bisher durch die Verkehrsaus- schüsfe in den Provinzen den königlichen Eifenbahndirektionen ein überaus nützlicher Beistand zu Theil wurde, so werde auch die Mitwirkung eines ähnlichen Organs mit erweitertem Wirkungskreise an der Centtalstelle von dem besten 'Erfolge begleitet fein und wesentlich dazu beitragen, die Staatsbahnen zu dem zu machen, was die Eisenbahnen überhaupt sein sollen: Oeffentliche Anstalten zur Förderung der Landeswohlfahrt.
Unser neues Münzsystem erfährt durch das praktische Leben eine Berichtigung nach der andern. Wir haben schon vor Jahren auf die Unbrauchbarkeit der allzu kleinen Münzen hingewiesen. Nun hat sich herausgestellt, daß der Verkehr dieselben beharrlich zurückgewiesen hat; es ist der Negierung nicht möglich gewesen, die geprägten 20-Pfcnnig- stücke sämmtlich in den Verkehr zu bringen. Es liegen davon in der Reichsbank 10,638,000 Mark. Der Reichskanzler hat deßhalb dem Bundesrath eine Vorlage zugehen lassen, in welcher er vorschlägt, etwa 5 Millionen Mark dieser 20-Psennigstücke in 1- und 2-Markstücke umprägen zu lassen. Ein weiterer Mißstand des Münzsystems besteht noch in der fast gleichen Größe der 10-Pfennig- und 50-Pfennigftücke, welche namentlich in der Dämmerung und in der Eile des Verkehrs sehr leicht verwechselt werden können, namentlich wenn an den 50-Psennigstücken der neue Glanz des Silbers durch den Gebrauch verblichen ist und diese Stücke fast eben so grau aussehen wie die 10-Pfennigstücke. Entweder müssen die 10-Psennigstücke kleiner ober die 50-Pfennigstücke größer geprägt werden ober eS muß bie Prägung bei bem einen oder dem anderen so gemacht werden, daß sie durch das Gefühl sofort leicht (der geschnittene Rand der 50-Pfennigstücke genügt nicht) zu unterscheiden sind — etwa ähnlich wie die belgischen Scheidemünzen, auf welchen die Werthzahl in der Mitte in einer Vertiefung steht, während die Aufschrift auf einem diese Vertiefung umgebenden Ringe steht. Auf irgend eine Weise müssen gerade diese im Verkehr am
Dieser plötzliche Aufbruch aber erregte das unbegrenzte Erstaunen des Herrn Leonard Ollivier de Neuville, welcher auf Ehre! versicherte, daß er nie etwas AehnlicheS noch erlebt!
Aber der Jüngling sollte noch Schlimmeres erfahren, denn während der Wagen des Marquis sich Paris zuwandte, schlug die Reisechaise der schuldigen Creolin die entgegengesetzte Richtung ein.
„Auf Ehre! Ich glaube der Postillon ist schon betrunken!" rief von seinem Sitze auffahrend Herr Leonard. Die Marquise jedoch hielt ihn zurück, barg ihr bleiches Gesicht in bett Hauben und sagte mit leiser Stimme:
„Wir kehren nicht nach Paris zurück, mein Sohn, sondern werden fortan in Nantes wohnen!"
Auf Ehre! Mama, das begreife ich nicht!" und die Gesichtszüge des überraschten Jünglings bestättgten deutlich diese Versicherung.
Alle Personen, welche nach wie vor das Hotel Alincourt besuchten, stellten häufig freundschaftliche Erkundigungen nach der abwesenden Marquise an, auf welche sie den Bescheid erhielten, daß sie leider durch einen Unfall sich ein hartnäckiges Leiden zugezogen, von dem sie wohl schwerlich je genesen werde.
Das Verschwinden ihres hoffnungsvollen Sohnes indeß ward einstimmig mit Stillschweigen übergangen, wir aber wollen hier von ihm berichten, daß seine Tage unter Jockeyvergnügungen und Billardspiel verflossen, und er in der Bretagne in Letzterem ein anerkannter Meister war. —
(Schluß folgt.)
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meisten gebräuchlichen Münzen leichter unterscheidbar gemacht werden. Man hätte bie 2-Markstücke und demgemäß bann auch bie 1-Markstücke etwas größer prägen sollen, so zwar, daß bann bie 50-Pfennigstücke eine ähnliche Größe wie bie alten 4-Groschenstücke hätten erhalten können. Die silbernen 5 Markstücke hätte man bann ganz fortlassen können.
Ans Gastein wirb der Neuen freien Presse von gestern geschrieben: Die Abreise des Fürsten Bismarck hat eine Verzögerung erfahren, weil der Kanzler wiederholt mit den Bädern aussetzen mußte. Er lebt wie alljährlich äußerst einfach und verläßt seine Wohnung meistens nur nach Tisch zu einer zweistündigen Spazierfahrt; dagegen arbeitet er auffallend viel, und es vergehen nicht zwei Tage, während welcher nicht ein Courier ginge oder käme. Ohne Zweifel werden aus dieser angestrengten Thätigkeit Bismarcks die weitgehendsten Schlüsse gezogen werden, und wenn dieselben auf die bevorstehende Wiener Reise des Kanzlers und damit zusammenhängende internationale Vorgänge sich erstrecken sollten, so wird ihnen vielleicht eine gewisse Berechtigung nicht abgesprochen werden können. Nur muß man sich hüten, der Phantasie allzusehr die Zügel schießen zu lassen. Nach neuerer Meldung trifft Fürst Bismarck am Freitag in Wien ein.
Die vor kurzem getagt habende evangelische Allianz hat eö mit den evangelischen Proiestantenvereinkrn und der ihnen nahe stehenden Linken der Mittelpartei gründlich verdorben. Die „Magdeb. Zeit.", das Organ dieser Richtung, giebt ihr heute in ihrem Leitartikel den Abschied. Und warum? Man höre: Das Blatt schreibt wörtlich: „Man verhandelte am zweiten Tage über „die Unwandelbarkeit des apostolischen Evangeliums", was Darauf hinauslief, daß Christi Versöhnungstod, Auferstehung und himmlische Verklärung, nach einem der Redner auch noch seine Wiederkunft zum Gericht über die Lebendigen und die Todten, kurz die Gottheit Christi als unwandelbare Glaubensvorstellungen bezeichnet wurden. Alles, was hiervon abweicht, ist den Trägem des Bundes einfach Unglaube. (Was denn sonst?) Von der Ausbreitung und nothwmdigen Bekämpfung des so gefaßten Unglaubens war in den Berichten über die kirchlich-religiösen Zustände der verschiedenen Länder, die den ersten Tag ausfüllten, voHugsweise die Rede. Die Spitze ging allemal gegen die frei forschende und urtheilende Wissenschaft und den kirchlichen Liberalismus. Von der evangelischen Allianz ist demnach nicht bloß nichts Vernünftiges und Gutes mehr zu erwarten, sondern, so weit ihre Wirkungen reichen nur Bedenkliches. Glücklicherweise reicht weder ihr Arm noch ihre Zunge weit. Außer wenn sie gerade versammelt ist, kümmem sich um sie höchstens ihre eigenen Würden-
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„Ich habe Alles mit angehört, Fran Marquise, suchen
Der schwarze Bettler. .
Novelle von M. Dobson.
(Fortsetzung.)
Frau von Alincourt ließ einen raschen Blick über in Geburtsschein gleiten und sagte dann hastig und iumphirend: .
„Im Dokument fehlt das Wichtigste, mein Name.
iS ist daher ohne alle Gülttgkeit."
Der Mulatte, welcher noch immer lebte, machte jetzt
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Tagesbericht.
Der Kaiser empfing gestern Vormittag ten von seinem lute Popper eingetroffenen General-Feldmarschall Freiherrn ort Manteuffel, conferirte Nachmittags mit dem Vice- 129? Minister - Präsidenten Grafen v. Stolberg und mit dem liq ilaatsminister v. Bülow und ertheilte hierauf dem Bvt- hafter des deutschen Reiches am italienischen Hofe, v. ieudell, Audienz. Der Kronprinz empfing den japanesifchen klaubten und begab sich dann nach Potsdam, wo er sich i73j kends dem Kaiser auf dessen Reife nach Straßburg
—' Hier' aber trat sie wie vor einer Geistererscheinung
Zurück, Denn, vor ihr stand ihr Gatte, der so schnell ihrer 91.9 Hand das verhängnißvolle Dokument entnahm, es bem Kil.fl Atm Neger wtebergab, unb dann mit eisigkalter Strenge
88 »schließt. •
Heber die Manöverreisen des Kaisers nach den Pro- irinzen Preußen und Pommern berichtmd, schreibt die 323 Irovinzial-Correspondenz": Die Hebungen im Bereiche 178 über Armeecorps machten den günstigsten Eindruck und - ^tätigten nach allseitigem Zengniß die erfreuliche Heber« ~ Agung von der stetig fortschreitenden Ausbildung unserer 44 Irmee. — Die Berufung des Landtages ist der „Prov.- * brrresp." zufolge etwa für den 23. October in Aussicht
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
81; tnfere verehrten auswärtigen Abonnenten er« " suchen wir um baldgesällige Erneuerung ihrer
80? jestellungen aus das mit dem 1. Oktober be- 8*1 innenbe vierte Quartal. Ohne vorherige Be- § ellung wird von der Post die Fortsetzung nicht ge- 89; Art und um vollständige Exemplare zu erhalten mß die Bestellung vor Ablauf des Quartals 101; macht werden. — Auf dem Lande nehmen die igHoftbate« Bestellungen an.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Sß Wort, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Wert 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
- geigen nimmt entgegen: 98; iExpedition d.Bkatte», 97; xie d.Annoncen-Bureaux jn Th. Dietrich & Co. in 99; gflel und Hannover; Th. — Ulrich in Frankfurt a.M.; 98 „senstein & Vogler in 101; «ntfurt a M., Berlin, 102» Hzig, Cöln ic.; Rudolf 104; jfle in Berlin, Fran!»
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4 •/■ „Der Mensch redet tm Wahnsinn," rief Frau von 4 •/• Silincourt, noch immer mit bem ganzen Muth der Ver- Sveiflung ihren Feinden gegenübertretend. Auch hat das
26zengniß eines Sterbenden keine Gülttgkeit!"
104« r „O, mein Gott," betete inbrünstig der Mulatte, „laß
98.# »ich nur so lange leben, bis ich die Elende vernichtet, btS 95.3 le endlich meine Rache empfunden hat!"
14^ In diesem Augenblick machte bie Marquise eine Be- begung, das Papier zu zerreißen; Joseph wollte sie darin