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Marburg, Donnerstag, 18. September 1879

XIV; Jahrgang

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namentlich da cs sich doch immer mehr herauSzustellen

881 mstan soll den Engländern gar nicht so feindselig gewesen

gehabt, das hat sich nun herausgestellt. Die englische Ge-

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’ b vielen Engländern sehr bedenklich und wenn jetzt Neuwahlen ) 12^ zum Parlament stattzufinden hätten, so wäre es sehr zweifel- - UH hast, ob seine Partei wieder die Mehrheit erhalten würde,

Die Weltreich-Politik Beacovsfield's

aiirb auf schwere Proben gestellt und es fragt sich sehr, ob England im Stande ist, dieselbe durchzuführen. England W kein Militärstaat, sondern ein Handels- und Jndustrie- ßaat. In keinem Lande der Welt ist ein so großer Theil her Bevölkerung mit seiner ganzen Existenz von Handel ®ib Industrie abhängig wie in England. Deßhalb kann euch England am wenigsten dauernde Störungen in Handel mb Industrie vertragen. England ist ein reiches Land, allein der Reichthum ist doch auf verhältnißmäßig kleine Kreise beschränkt und es fragt sich sehr, ob England bei gleichzeitiger Fortdauer der wirthschaftlichen Krists im Stande sein wird, die Kosten für so viele Kriege zu tragen. Die auswärtige Politik Beaconfield'ö erscheint deßhalb

ii sein, können sie sich nicht nach Afghanistan hineinwagen, jedenfalls bedürfen sie dann weit mehr Truppen als sie ctzt in Afghanistan und an der Grenze liegen haben, tach den neuesten Nachrichten hat die Regierung deßhalb en Vormarsch nach Afghanistan aufgeschoben, weil General tvberts mehr Truppen verlangt. Die Vermuthung, daß er gegenwärtige Emir Jakub Khan den Aufstand im Ge- eimen habe anzetteln helfen, scheint sich jetzt zu bestätigen; uch glaubt man, daß der afghanische Gouverneur von »erat und namentlich die jenseits der Grenze lebende Wittwe 5d)ir Alis, seine nahe Verwandte, welche bei dem Tode sres Mannes große Schätze über die Grenze gebracht hat, roßen Anthcil an dem Ausbruch des Aufstandes hatte. Hatsache ist wenigstens, daß die Aufregung in Kabul aus­rach, als einige von Herat gekommene Regimenter in iabul anlangten. Sie forderten ihren rückständigen Sold ttb als ihnen derselbe für 3 Monate ausbezahlt war und w ihnen verlangt wurde, sie sollten die Waffen ablegen

änjeigen nimmt emgegen: He Expedition d.vlattes, sowie b-Annoncen-Bureaux ngn Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Tb. lielrich in Frankfurt a.M.; Bfenftein & Vogler in üfurt c. M., Berlin, zig, CLin rc.; Rudolf floffe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

Der schwarze Bettler.

Novelle von M. D o b s o n.

(Fortsetzung.)

, Jetzt erhob er ben Arm zu der verbrecherischen That, feer in demselben Augenblick ward sein Arm von einer kiesenstarken Hand ergriffen, während die andere mit furcht- ß»rer Gewalt seine Kehle umfaßte.

t. Der Mulatte stieß einen einzigen Schrei aus, den die ^besangst ihm erpreßte, diesem folgte ein Röcheln und bttn sank ein schwerer Körper zur Erde nieder. Der ^eger hatte seinen Schwur gehalten und — ein echter Afrikaner — den Feind erdrosselt, den zu tobten noch vor Kurzem er geschworen.

i Erschreckt, kaum wissend, was um ihn geschah, richtete sth Godeffroy, der erwacht, in seinem Bette auf, indeß eine «fe Stille dem Todesschrei des Mulatten folgte. Zitternd h Bewußtsein ihrer Mitschuld an dem Verbrechen, hatte Mcrdeß die Marquise auf dem Corridor gestanden. Ein schauder durchflog ihren Körper als sie das Todesröcheln ^Nes Menschen vernahm, und schon war sie im Begriff, andere Ende der Gallerte zu entfliehen, als plötzlich Mondschein sie eine menschliche Gestalt zu sehen glaubte, Welche näher zu kommen schien. Dies erregte neue Furcht, Furcht vor Entdeckung in ihr und leise GodeffroyS Nmmerthür öffnend, schlich sie hinein und schloß vorsichtig "t Thür.

L „Isis schon geschehen?" flüsterte sie, noch ehe einmal 8k im Mondlicht sich umgcsehen.

r Godeffroy war im Begriff ihr zu antworten, der Neger ^vch kam ihm zuvor und sagte:

„Ja, es ist geschehen!"

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vor dem Widerwillen seines Volkes gegen die englische 176j Herrschaft nicht zu schützen vermöge. Wie Recht derselbe

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19 « sindtschaft ist in Kabul dem Haß der Afghanen erlegen ' , unb bcr Aufstand gegen die englische Herrschaft verbreitet , sich nicht bloö über ganz Afghanistan, sondern nach den neuesten Berichten sollen auch die Grenzstämme davon an-

einem einheimischen Regenten immer als ein Kriegszustand empfunden und die Besatzung als feindliche Macht ange­sehen wird. Wenn aber England es vorziehen wollte, das Land ganz in eigene Verwaltung zu nehmen, so steht dem aber wieder der große Kostenaufwand entgegen, welcher England dadurch entstehen würde und der durch die indische, an sich schon schwach genug bestellte Staatskasse nicht ge­tragen werden könnte. Aus Afghanistan selbst aber ist nicht viel herauszuschlagen; das ist, wie alle nichtchristlichen Länder, ein ausgebeuteteS, uncultivirtes Land. Man hat berechnet, daß allein die Erhaltung einer genügenden Truppen­macht ohne die Civilverwaltung England jährlich 31/2 Millionen Pfund Sterling kosten würde. Allein zu einer Theilung mit Rußland würde sich England doch nur im äußersten Nothfalle entschließen können; denn das wissen die Engländer sehr wohl, daß, wenn sie Rußland heute die Hälfte geben, es so lange intriguiren wird, bis ihm auch die andere Hälfte zufallen wird. Beaconsfield aber will Afghanistan auch unter englischer Herrschaft halten, weil eS das Verbindungsglied bildet zwischen Indien und der von Westen her über Cypern durch Kleinasien und das Eupbratthal vorrückenden englischen Machterweiterung. England wird es schwerlich dulden, daß Rußland sich ihm als Keil in diese Verbindungslinie hineinschiebe. ^Ehe es deßhalb sich mit Rußland in die Herrschaft Afghanistans theilt, wird es vielleicht vorziehen, einen Versuch mit dem cäsarischen divide et impera, d. h. mit der Vertheilung Afghanistans unter eine Anzahl selbstständiger, aber mit England verbundener kleiner Fürsten, zu machen, um die einen durch die anderen und so alle zu beherrschen. Aber auch das ist ein gewagtes Spiel; denn Rußland würde dann natürlich einen ähnlichen Einfluß in seinem Interesse auf die Fürsten auSzuüben suchen. Allein eine glatte dauerhafte Lösung dieser Schwierigkeiten ist ja in keinem Falle zu erwarten, darum muß England immer sich dar­auf beschränken, das kleinere Uebel dem größerer vorzu­ziehen und muß überhaupt sehr behutsam Vorgehen; denn der Weg nach Afghanistan durch unzuver­lässige Grenzstämme au den Gebirgspässen hin­durch ist immer gleichsam mit Fußangeln verlegt. England muß sich hüten, zu laut aufzutreten, sonst könnte der Haß seiner asiatischen Völker in Hellen Flammen ihm über dem Kopf zusammenschlagen und alle Weltherrschasts­pläne zu Asche verbrennen, darf sich aber freilich auch nichts gefallen lassen. Es steht ihm bekanntlich außer dem Krieg mit Afghanistan auch ein Krieg gegen den Herrscher von Birma in fast sicherer Aussicht: zwei Kriege in Asien, einer in Anfrika und eine gerüstete Kriegsflotte im Mittelmeer — das ist selbst für die Hülfsmittel Englands, auch wenn bessere Zeiten für Industrie, Handel und Ackerbau wären als jetzt, doch ein bischen zu viel. Beaconsfield wird des­halb alle seine Klugheit aufbieten müssen, um aus der

ling mit einem Blick auf den leblosen Körper des Mulatten fort, der neben seinem Bette lag.

Nach einer verzweifelten Anstrengung hatte jetzt die Marquise, welche wohl einsah, daß Alles aus dem Spiele stand, einen Theil ihrer gewohnten Ruhe und Geistes­gegenwart wiedererlangt und mit hochaufgerichtetem Haupte ries sie:

„Mir allein steht es zn, zu fragen, was hier geschehen ist! — Durch ein unMvöhnlicheS Geräusch ward ich im Schlafe gestört; ich komme hierher und finde in dem Zimmer eines meiner Gäste den Leichnam eines Mannes!"

„Den ich gelobtet," unterbrach sie Joseph, „weil er in Folge Ihres Befehls hierher kam, Ihren eigenen Sohn um's Leben zu bringen."

„Habe ich recht vernommen?" flüsterte kaum vernehm- bar der Jüngling.

„Meinen Sohn?" wiederholte voll Hohn die Marquise „Nur Leonard Ollivier de Neuville ist mein Sohn, ich weiß sonst von Keinem!"

„O! Ihr glaubtet, daß der Andere auf immer verloren sei, nicht wahr?" fuhr der treue Neger fort. „Es find seit jenem schrecklichen Ereignisse so viele Jahre vergangen, daß Ihr meint, Euer Leugnen wird meine Versicherungen entkräften! — Laßt Euch indeß durch diese Hoffnung nicht trügen, Frau Marquise, beim ich kann durch die erforder­lichen Dokumente meine Aussagen beweisen. Sie haben zwei Söhne, der eine, legitim, hat bisher den Namen Go- deffroy geführt, der andere Leonard Ollivier de Neuville genannt, ist nur ein Bastard!"

~ Unfähig ihre Wuth zu bezähmen, stieß ihr Fuß den Sterbenden, der jetzt in den letzten Zuckungen des schnell schwindenden Lebens lag, und rief leidenschaftlich:

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Wetttagen nach So in- und Feiettagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen Beilage „IlustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 3*t Mark, dwa, die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr). - JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet.

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’ scheint, daß sowohl der Krieg gegen die Zulus, als auch t in A bet Krieg gegen Afghanistan von den Engländern provo- - art worden ist. Der frühere Emir Schir Ali von Afgha-

gesteckt sein, was für die Engländer ganz besonders ver- 101 iängnißvoll sein würde; denn ohne der Grenzpässe sicher

und nach Hause gehen, wurden sie meuterisch. Die Offi­ziere erklärten den Emir für einen Abtrünnigen und ver­langten die Vertreibung der Engländer. Jacub Khan soll sich solchem Verlangen gegenüber äußerst schwach und ein- - fällig benommen haben, wie er denn überhaupt für einen äußerst schwach begabten Menschen gilt. Er soll die Offi­ziere unter Thränen und Umarmung gebeten haben, von ihrem Verlangen abznstehen. UebrigenS wird behauptet, daß er den englischen Gesandten schon vor längerer Zeit mit der gereizten Stimmung der Bevölkerung bekannt ge­macht und ihn gewarnt habe, sich nicht so viel öffentlich zu zeigen. Der Gesandte aber habe von der englischen Regierung den Auftrag gehabt, sich dem Volke recht ver­trauensvoll zu zeigen, um den Eindruck hervor zu rufen, als betrachte die englische Regierung das afghanische Volk als ihren guten Freund und meine es gut mit ihm. Der Gouverneur von Herat ist der Bruder Jacub Khans und war schon seither mit demselben zerfallen. Man glaubt, daß derselbe (er heißt Ayub Khan), sich an die Spitze der Aufständischen stellen werde. Es wird außerdem die Ver­muthung ausgesprochen, daß auch Rußland seine Hände bei dem Aufstande im Spiel habe. Wenigstens behaupten englische Blätter, daß russische Agenten schon seit Monaten in Herat thätig gewesen seien und den Gouverneur zum Aufstande gedrängt hätten. Ein Vetter des Emirs — Abdul Rhaman — befindet sich in Turkestan bei der rus­sischen Armee, der er gute Dienste leistet, indem er die Volksstämme an der Nordgrenze Afghanistans im Interesse Rußlands aufregt. Daß Rußland der Sache seine Auf­merksamkeit schenkt und keine Thränen über das Unglück Englands weinen wird, ist begreiflich; hatte doch die rus­sische Gesandtschaft vor der englischen ans Kabul weichen müssen. Der ganze afghanische Handel ist ja eigentlich ein Krieg zwischen Rußland und England; denn England hat an Afghanistan weiter kein Interesse als das, daß es durch die Herrschaft über dieses Land verhindern will, daß Rußland bis an die Thore von Indien vorrücke. Rußland aber strebt offenbar danach, seine Machtsphäre bis an den indischen Ocean anszudehnen. In Afghanistan werden über kurz oder lang beide Weltreiche Zusammenstößen. Russische Blätter machen den Vorschlag, England und Rußland sollten sich in die Herrschaft über Afghanistan theilen. Für England ist es ja eine sehr schwierige Sache, was es mit Afghanistan anfangen soll; denn das hat man ja nun ge­sehen, daß cs mit einer bloßen Gesandtschaft in Kabul nicht gethan ist; man wird schwerlich noch eine dritte opfern wollen. England wird seine Herrschaft in Afghani­stan besser sichern müssen als bisher und das kann nur durch eine starke militärische Besatzung geschehen. Es fragt sich nur: wird es eine solche neben einen eingeborenen Emir stellen ober wird es bas Land ganz in Verwaltung nehmen. Es ist bekannt, daß eine solche Besatzung neben

„Ist er tobt?" lautete die abermals leise Frage der Marquise.

„Er ist todt!" entgegnete feierlich und langsam der alte Joseph.

„Aber, Faval, war das Ihre Stimme? Kaum kenne ich sie wieder! Wo sind Sie?" und Frau von Alincourt näherte sich langsam dem Bett. Ihr Fuß berührte dabei die regungslose Gestalt des Mulatten; entsetzt wich sie zu­rück einen leisen Schrei ausstoßend. Gerade in diesem Augenblick zog der schwarze Bettler die jVorhünge vom Fenster zurück unb hell unb voll umstrahlte das Mond- licht bie so oft bewunderte Gestalt der Marquise.

„Frau von Alincourt!" rief Godeffroy in maßlosem Staunen, wie er überhaupt bas so schnell auseinander folgende nicht begriff und fast meinte, von einem schweren, schrecklichen Traum umfangen zu fein.

Voll Entsetzen blickte die Marquise auf ben jungen Mann, ber schon einige Kleiber übergeworfen, bann beugte sie sich zu bem Mulatten nieber.

Als sie ihr Haupt toieber erhob, begegnete sie bem strengen Blick des alten Negers, ber unbeweglich mit ge­kreuzten Armen vor ihr staub.

Kaum ihrer Besinnung mächtig, wanbte sie sich ber THLre zu, um ber SchreckensstLtte zu entfliehen, als Joseph ihr mit folgenben Worten in ben Weg trat:

„Bleibt!" nicht von ber Stelle, Wittwe des Capitän Ollivier! Ihr und ich, wir haben eine lange Rechnung auszugleichen!"

„Meines Vaters Wittwe — meine Mutter!" rief Godeffroy. „Sagt mir doch um GotteSwillen, was ist hier während meines Schlafes geschehen?" fuhr der Jüug-