JKatßucg, Dienstag, 16. September 1879
xiv. Jahrgang
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Fortschritliche Wahlagitatio«.
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Er entdeckte Nichts, im tiefen Dunkel lag das Erdreich ihm und die schwarze Gestalt, die regungslos sich an Boden drückte, entging dm sonst so scharfm Augen Mulatten.
große Vermehrung der Ausgaben in Folge der allgemeinen großen Preissteigerung, welche während der liberalen Aera — namentlich während der Gründerzeit in Folge der Masse von Papiergeldzeichen (Banknoten und Actien), welche in den Verkehr geworfen wurden, entstanden ist. Was ist heute ein Thaler gegen früher? In Folge dessen reicht fast Niemand mehr mit seinem Einkommen aus, welches nicht mit der Preissteigerung gleichmäßig gestiegen ist — und bei wem wäre das, abgesehen von den Gründern und Börsenspekulanten, völlig der Fall? — Als diese enorme Steigerung aller Preise in der liberalen Aera stattfand, hat kein liberales Blatt ein Wörtchen dagegen gesagt: im Gegentheil priesen ste das als ein Zeichen wachsenden Volkswohlstandes. Jetzt nun, wo der neue Zolltarif den Eingangszoll auf verschiedene Maaren erhöht und für andere, die bisher zollfrei waren, neu einführt, schreien sie das Land voll, was dieser neue Zolltarif für eine Steigerung, der Preise hervorbringen werde. Daß uns gar nichts anderes übrig blieb, wenn wir unsere deutsche Landwirthschaft und Industrie durch die Einfuhr aus dem Lande nicht völlig wollten ruiniren lassen, davon schweigen die liberalen Herren; ste thun so, als sei der neue Zolltarif aus purem Muthwillen oder expreß um den armen Lmten ihr Brod zu vertheuern, eingeführt worden. Daß die Brod- und Fleischpreise gerade in der Freihandelszeit fast um das Doppelte gestiegen sind und die zollfreie Einfuhr der auS- ländifchen Maaren gar nicht den Consumenten, sondern den Jmporthändlern zu gute gekommen ist, davon wird ebenfalls kein Wörtlein gesagt. Und selbst, wenn wir den ganzen Getreidezoll zu tragen hätten, was aber gar nicht zu fürchten ist, so betrüge derselbe für das Pfund Weizen oder Roggm nur V2 Pfennig, für das Pfund Brod würde er also nur etwa 1 3 Pfennig betragen. Ist das der Siede werth? Bekanntlich sollen durch die größeren Zolleinnahmen die lästigen diretten Steuern für die ärmeren Volksklassen vermindert werden. Die liberalen Blätter wissen recht gut, daß das im ersten und zweiten Jahre nicht möglich sein wird, weil die Großhändler jetzt noch rasch vor Einführung des Zolltarifs solche Massen von Waaren einführen, daß damit der Bedarf für längere Zeit gedeckt werden kann und also in der nächsten Zeit nicht viel Zolleinnahmen zu erwarten stehen; aber nichtsdestoweniger benutzen ste diesen Umstand, die Regierung zu verdächtigen, als sei es ihr mit der Verminderung der direkten Steuern gar nicht Ernst. — Alle Welt hat den Culturkampf über und über satt und wünscht, daß die widerwärtige ,Cul- turpaukerei" der liberalen Blätter aufhöre. Die „Nat.- Ztg." selbst hat neulich dem Centrum eine Revision der Maigesetze angeboten, wenn sich die liberalen Mitglieder des Centrums mit der liberalen Partei vereinigten; aber wenn die Regierung ebenfalls die Beendigung dieses Kampfes, wünscht und ein Minister ein friedlich klingend Wort spricht,
Die Germania setzt ihre Polemik gegen dieselbe Antwort des Kultusministers fort, indem sie hervorhebt, daß es
Der schwarze Bettler.
Novelle von M. Dobson. lFortsetzung.)
aze tzr. 217.
„Es muß doch der Wind gewesen fein," sagte Don Rodrigo zu der Marquise, die noch nicht bei ben Dahlim stand, zurückkehrend. „Ehe jedoch ich mich auf eine Er-
wohl füglich nicht mehr erwarten, al» was ihnen die Antwort des Kultusministers bietet: Der Minister vertritt darin, wie vorauszusehen war, den Standpunkt, daß er nicht einseitig die Maigesetze ändern, den Kulturkampf beseitigen, überhaupt nicht die Kirche zur Eigenthümerin der Schule machen könne. Im Uebrigen enthält der Bescheid ein rückhaltloses Bekenntniß zum Evangelium, ohne welche» kein Volk leben und gedeihen kann. Der Satz: „Ich bin meinerseits der Überzeugung, daß mit dem Tage, an welchem wir aufhören würden, für den Volksunterricht aus dem unversiegbaren Heilsbrunnen des Evangeliums die Gmndlage zu schöpfen, der Niedergang unseres ge- sammten nationalen Kulturlebens besiegbar wäre," wird genügen, um die tendenziöse Frage, ob der Erlaß, wie die telegraphische Ankündigung lautete, das „Princip Falks" sesthalte, zur Genüge klarzustellen und zu entscheiden."
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„O, die Schändliche!" rief sie voll edler Entrüstung, „wie konnte sie nur so viel Liebe und Hingebung durch so schwarzen Undank lohnen und dem treuen Herzen Ihres Vaters einen so tödtlichm Stoß versetzen? Godesstoy," setzte sie dann in bewegtem Tone hinzu, „ich weiß gar nicht, was uns die Zukunft bringen wird. Das ober weiß ich, daß ich Sie treu und innig liebe und dies Gefühl nie, nein, nie im Leben für einen Anderen empfinden kann." ,
„Theure, geliebte Blanche!" rief Godeffroy und sank, überroältigt von den Worten des jvon ihm so glühend geliebten Mädchens vor ihr auf die Kniee nieder. „Habe Dank, tausend Dank für Deine Liebe, die in der traurigen Vergangenheit mein einziges Glück ausmachte."
Er ergriff ihre Hände und drückte sie leidmtschaftlich an seine Lippen, an seine Brust.
Sie aber bog sich zu ihm nieder, berührte seine jugendliche Stirn mit ihren Lippen und flüsterte:
«Jetzt sind wir verlobt. Sollten sich auch ungeahnte Hindernisse unserer Verbindung in den Weg stellen, sollten wir unS nie angehören dürfen, so schwöre ich Dir, nie das Weib eines Anderen zu werden!"
Voll glühender Begeisterung sprang der Jüngling aus seiner tnieeuben Stellung empor, schloß bie Geliebte in seine Arme, brückte den erstm Kuß auf ihre Lippen unb wieberholte in berebten Worten ihr bie Gelübde, welche sie soeben ihm abgelegt und nach einer kurzen Weile trat das jugendliche Brautpaar dm Rückweg nach dem Schlöffe an.
Während dieser ganzen Zeit hatte der treue Neger die Marquise und den Mulatten nicht auö den Augen gelassen und gesehen, daß Erstere dm Arm ihres Begleiters ergriff und mit ihm in den Garten hinabging.
tuen Anleihen, die Ausgaben des preußischen Staats und »Reichs, sowie die Provinzialsteuern und die Communal- " , tuern sich ganz außerordentlich vermehrt haben. Auch £ 4 schieben die fortschrittlichen Flugblätter den Conserva- (4. ® >en in die Schuhe. Sie werden völlig zu dem Herrn
Sogleich warf er sich platt auf die Erde nieder und folgte ihnen mit aller Gewandtheit, die er in seiner Jugend besessen, abwechselnd sich unter Bäumen und Gebüsch verbergmd.
Die Creolin schien nicht die Absicht zu haben, ihrm Gästm zu folgen, sondern wandte sich einem freien kleinen Platze zu, in dessen Mitte eine ansehnliche Gruppe hochgewachsener blühmder Dahlim prangte und sagte, als sie ihn erreicht:
„Endlich sind wir allein und könnm jeben nähernden Schritt bemerken. Thellm Sie mir jetzt ihre Pläne mit, Herr Ramero!"
„Das ist mein sehnlichster Wunsch," entgegnete der Mulatte, „und es wäre schon lange geschehen, hätte mich nicht die Gegenwart Ihres Sohnes in dem Reisewagen am Reden verhindert. Doch, was war daS? Hörtm sie nicht auch ein Geräusch?"
Gerade in diesem Augenblick war Joseph m das Dahliengebüsch gekrochm.
„Ohne Zweifel der Abmdwind, der die Blätter bewegte," entgegnete gleichgiltig die Marquise.
Vorsichttger und argwöhnischer als seine Gebieterin näherte Ramero sich den Dahlim, bog die einzelnen Gebüsche auseinander, um sich erst zu überzeugen, daß sich Niemand verborgen hatte.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« s owie d. Anuoncen-Bureaux von G L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.
Der Einfluß dieses selten schönen Augustabends machte h auch auf die Liebendm geltend und unfähig ihrm Ge- hlen Worte zu verleihen, indeß in ihren Gedanken nur l it einander beschäftigt, schritten sie eine Weile schweigend
Erscheint täglich außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlustrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 34 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
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en em- iterstützt haben? Sind eS nicht bie Liberalen, welche ihn auch fHdjtl hl wieder als Wahlcandidaten in etwa 10 Wahlbezirken n M- fffgefteHt haben? Fürst Bismarck hat in dieser Zett in ufe da $ inneren Angelegenheiten den liberalen Parteien und Kirck- ® liberalen Ministern völlig freie Hand gelassen. Sie 1, u» lbm die Gewerbeordnung, so wie die Kirchen- und Schul- »ftera, Mik nach ihren Grundsätzen umgestaltet. Als diese Ge- lattfltt hx gemacht wurden, haben alle fortschrittlichen national- ffelbtt letalen Blätter dieselben als große Thaten der liberalen [2460 arteien gepriesen. Da wäre Jemand schön angekommen, Ülcrtl ®n er 'behauptet hätte, daS Verdienst für diese Gesetze 2U el bühre den Conservativen. Nachdem aber diese Gesetze [24:81 I meistens nicht bewährt haben und in Folge dessen auf L— en Gebieten die traurigsten Nothstände sich entwickelt weichet ben, Niemand mehr die großen Fehler jener liberalen sarbei -setze läugnen kann und das ganze Land nach Abänderung r nais nselben verlangt, sollen es die Conservativen sein, welche «je Fehler verbrochen haben. Es ist eine bekannte That- reppe» che, daß in der liberalen Aera, trotz der Milliarden und
Die Fortschrittspartei überschwemmt jetzt das Land mit (ngblättem. Dieselben enthalten förmliche Standes- [ II ibißten, wie sie früher in katholischen Gegenden, die Pitenpater zu halten pflegten. Da sind Flugblätter [2470: r bie Bauern, die Handwerker, die Schullehrer, in wel- j w jedem Stande vorerzählt wird, was Alles die Con- J »ativen verbrochen haben sollen. Daß die Conservattven ihrend der ganzen liberalen Aera seit 12 Jahren in ' m Parlamenten in der Minderheit waren und also einen ■ stimmenden Einfluß auf die Gesetzgebung gar nicht haben unten, das genirt die fortschrittlichen Flugblattschreiber tnig. Und wenn ihnen Jemand diese grobe Unwahrheit ifer, Mt, bann sagen sie: Ja, die Regierung war doch "v A «servativ. Aber auch das ist nicht wahr. Den Mini- ——; im Delbrück, Camphausen, Friedenthal, Falk und Hobrecht, ilche in dieser Zeit die wirtschaftlichen und Culturkampf- ische gemacht Haden, wird wahrlich Niemand nachsagen eilen, daß sie konservativ seien. Die liberale Partei hat »se Minister ja auch immer als ihre Gesinnungsgenossen die h handelt, hat überall deren Partei ergriffen — oder waren ich an« 1 etwa die Conservativen allein, welche den Minister Falk
9 it. Dietrich & Co. in rnvum Issel und Hannover; U. “ ikmchm Frankfurt a.Nt.; nblte »senstein & Vogler in tot Ob- mtfurt 0 M.. Berlin, jpziz, Cöln re.; Rudolf i Aus- bst« iu Berlin, Franker flirt a. M. rc.
»der ictnanb gemacht, der alle Schüsseln und Teller zerbricht.
1 ie fortschrittlichen Herren rechnen eben auf die Unwissen- A | it des Volkes und daß sie deßhalb doch für ihre Un- sik von Rhetten Glauben finden werden. Die Vermehrung der Best ^aben für Steuern tritt aber noch zurück gegen die
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■'^er »eigen nimmt entgegen: c Di- eExpeditivnb.Blatte«, 6 ge- ^ed.Annoncen-Bureaux
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bann fallen diese liberalen Zeitungen unb Flugblätter darüber her unb verdächtigen es als Gang nach Canossa unb erheben ihr Reaktionsgeheul! Wenn bie Regierung Vorschläge zum Ankauf ber wichtigen unb einträglichen Privatbahnen für ben Staat macht, weil sie es für nothwendig hält, daß diese wichtigsten Verkehrsmittel mit ihrer ganzen Verwaltung lediglich unter den Gesichtspunkt der Beförderung des Verkehrs und der Produttion gestellt werben, statt sie, wie bisher, als meltenbe Kühe für bie Aktionäre zu behandeln, so erheben die fortschrittlichen Blätter auch dagegen ihre verdächtigende Stimme, als geschehe daS im Interesse der Börse. So wird die Wahrheit verdreht, daS Volk irregeführt und mißtrauisch gegen die Regierung, und alle Parteien, welche nicht wie die Fortschrittspartei von vornherein gegen Alles, was die Regierung thut — noch ehe man eS kennt — Opposition machen, mißtrauisch gemacht. Und das geht so bei jeder Wahl, gestern bei der Reichstagswahl, heute bei der Landtagswahl; wir fragen, wo soll das noch hinführen?
Tagesbericht.
Ueber die Antwort deS Kultusministers auf die Eingabe deS westfälischen Clerus schreibt bie „N. Pr. Ztg ": „Die Neue Evangelische Kirchenzeitung äußerte dieser Tage über jene Eingabe des Münster'schen Elerus: „So gerechtfertigt auch bie Forderung einer Abkehr von dem auf dem Schulgebiet eingeschlagenen Wege erscheint, so ist doch die Parole: Aufhebung ber Maigesetze nicht geeignet, bem Friedensschluß zwischen Staat und Kirche zu dienen. Die Grenzgebiete ber Kirche und des Staates bedürfen der Regulirung; aber ber Staat kann seine Rechte an Rom nicht preisgeben." — Diese beiben Sätze zeichnen die gegenwärtige Lage ganz richtig, und die Petenten konnten
1 * „Blanche," sprach endlich Godeffroy, „Sie wissen noch *$t was in diesen Tagen geschehen ist. DaS Geheimniß einer Geburt ist mir jetzt entdeckt worden und ich darf ___enigstens das Andenken meines Vaters lieben und höchsten. Er hat mir doch einen Namen hinterlassen —"
„Einen edlen Namen?" — unterbrach ihn gespannt Kass« h« junge Mädchen.
Diese Frage traf sein Herz und traurig antwortete er: wid« 1 „Nein Blanche, keinen adeligen."
„O, ich frage nicht meinetwegen, gewiß nicht Godeffroy" Ute leise das junge Mädchen, zärtlich zu ihm aufblickend, X 6it gilt der Name gleich und den liebe ich vor allen, der ! hi Ihnen getragen wird."
„Dank, Blanche, Dank," rief der Jüngling, ihre Hand Vege. seifend und sie heftig drückend. „O, welche bittere j (Mal empfand ich in diesem Augenblick. — Aber vernehmen * jetzt, was ich über meine Vergangenheit erfahren." . Der Jüngling erzählte, was wir bereits aus der Er- Rlung des alten Negers wissen: mit ungeteilter Aufmerksamkeit lauschte das junge Mädchen seinen Worten, Nb Thränen des tiefsten Mitgefühls entquoHen ihren pigen, als Godeffroy ihr die Seelenqualen seines von ber stönen aber falschen Creolin verrathenen Vaters beschrieb.