I87s- »r. 215.
f- Geld
Marburg, Sonnabend, 13. September 1879
XIV. Jahrgang
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fort a. M. rc.
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» los) tage« nimmt emgtgen:
3 Expedition d.»latte«,
9g ped.Annoncen-Bureaux
’ i । Tb, Dietrich & Co. in 99 fei und Hannover; Tb
S A.l STD •
94 isenstein & Vogler in . i ptfurt a. M., Berlin, 10« ;jtj, Köln rc.; Rudolf toi) ße in Berlin, Frank-
OllttliWk jfitmiß.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Amwncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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99? Erscheint täglich außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (K och'sche 98] Buchdruckerei) bezogen 2S Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. <excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
—’ ' Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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Der Wahlaufruf,
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linkte Recht der Volksvertretung, die Ausgaben des
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- wßen ausgenutzt und entwickelt sehen. Sobald die aus
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lOlf 1 ihre Ausgaben Unterstützung und Erleichterung ge- iviMt werden. Hierbei sind die ländlichen und städtischen
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»estheile angemessen sind.
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i Einnahmen des Reiches zu gewinnenden Ueberschüsse fc die weise Sparsamkeit, womit unsere Finanzen vcr-
sungsmäßigen Rechte des Volkes nicht erblicken — tre hessische Erfahrung hat uns belehrt, daß sogar die
es Männer nach Berlin zu senden, die ein Verständ- für die Bedürfnisse unseres Volkes und das Herz auf
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r, sich nach allen Seiten hin bewährt hat.
Die im Deutschen Reiche angebahnte Verbesserung des kuerwesens und der Staalswirthschaft wollen wir für
i rechten Fleck haben. Was wir wollen? — Es läßt iin folgenden Worten kurz zusammenfassen.
Wir wollen Aufrechterhaltung der verfassungsmäßigen
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95.2]
hin das Steuerverweigerungsrecht führt. Wir können einer Feststellung des Staatshaushaltsetats auf eine
Der schwarze Bettler. Novelle von M. Dobson. (Fortsetzung.)
i68i „Er hat mir befohlen, über Euch zu wachen und ich 20.(7 kde es getreulich thun. Alles ist möglich, was er mir M chlen hat! — Zudem habt Ihr einen gefährlichen Feind
3 o' Ki armer, junger Massa!"
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„Mich verlassen?" wiederholte der treue Reger.
„Ich gehe nach dem Lande."
„Ich folge Euch dahin, junger Massa."
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„Das ist ganz unmöglich, mein guter Joseph."
Der alte Reger sann einige Augenblicke nach, dann pe entschlossen:
„Ihn tobten, Joseph?" fragte erschreckt der Jüngling, «ie könnt Ihr solche Gedanken hegen?"
„Ich werde meinen Schwur halten," antwortete der Kler, indeß seine Züge den furchtbaren Entschluß bestä- !ten. Bald jedoch fügte er sanfter hinzu: „Laßt mich $ folgen, mein guter Massa! — Ich habe bisher ver- nen, Euch zu erzählen, daß nicht zufällig die Polizei in ! Spielhölle gedrungen. Zwar ist mir die Absicht Eures Kides dunkel, doch weiß ich, daß Ihr in eine Falle ge- $ worden seid."
»Was aber berechtigt Euch, das zu glauben, Joseph?"
Dies war binnen zwei Tagen das dritte Mal, daß er 5t Worte hörte und fast ängstlich fragte er:
Kennt Ihr meinen Feind?"
»Ja ich kenne chn und bei dem Andenken meines guten 105.*? *rn, ich werde ihn sicherlich tobten."
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24.7»
- Kressen in gleicher Weise zu berücksichtigen.
*0$ Bei der großen Bedeutung, welche die Eisenbahnen für _ gedeihliche Entwickelung der Industrie und Landwirth- 8Ä ist haben, sind wir der Ansicht, daß sie der großen an 92i Schellten Aufgabe sich nur dann gewachsen zeigen können, -! an die Leitung der Hauptlinien sich in den Händen des ' wies befindet.
I Wir wollen, daß Provinz, Kreis und Gemeinden ihre -i men Angelegenheiten selbst verwalten, aber bei der Eiu- 6$ rung dieser Gesetze in unserer Provinz ist gewissenhafte
lOis ite und denken dabei sowohl an die Rechte des Königs
104 -an die der Unterthanen. Es genügt uns, das unbe-
i73j ijährige Feststellung des Staatshaushaltes, wie sie in [ kurhessischen Verfassungs-Urkunde von 1831 vorgesehen
ksvrge zu treffen, daß die Verwaltung nicht theurer, 771 Meller und schwerfälliger wird, als sie es jetzt ist, 72 ! die Männer des öffentlichen Vertrauens nicht durch hl) kenämter überbürdet und die Einrichtungen der Selbst- A daltung dem örtlichen Bedürfnisse, den geschichtlich ge- ®”*tten Verhältnissen und Einrichtungen der verschiedenen
44 werden müssen, die Möglichkeit dazu gewähren, muß das 72 ' rch Arbeit gewonnene Einkommen durch eine Verbesserung
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t Klassen- und Einkommensteuer entlastet, es muß durch * Verweisung der Grund- und Gebäudesteuer den Gemeinden
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lief «jährige Dauer und in der Verlängerung der Wählet', «oben für die Abgeordneten eine Gefahr für die ver-
. „Joseph," fügte er dann lauter hinzu, „ich muß Euch Ä *8e Sage verlassen, mein Freund."
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... 1 satshaushaltsetats zu bewilligen. Wir verschmähen es, f. Geld.sl die s. g. constitutionellen Garantien zu markten — ist eine unvergessen traurige Erfahrung in Hessen,
Ä chn die Conservativen in Hessen demnächst erlassen $ stm, lautet nach zuverlässiger Mittheilung, wie folgt:
.Die Wahlen zum Landtage stehen vor der Thüre, da
Die Wiederherstellung des kirchlichen Friedens ist mit aller Aufrichtigkeit anzustreben. Auch hier können wir an unsere früheren hessischen Zustände erinnern, bei welchen die Rechte des Staates bereitwillig von der Kirche anerkannt, Seitens des Staates dagegen die Grenze des inneren kirchlichen Lebens gewissenhaft geachtet wurde.
Aus dem Gebiete der Volkserziehung verlangen wir enges Zusammenwirken von Kirche und Schule; wir wollen, daß jedem Bekenntnisse durch Bewahrung des confessionelleu Charakters der Volksschule sein volles Recht zugestanden, daß die Leitung des Religionsunterrichts ausschließlich den Dienern der Kirche überlassen werde — damit halten wir jedoch die Unterordnung des gejammten Volksschulwesens unter die staatliche Aufsicht für völlig verträglich. Gesetzliche Regelung halten wir in Betreff der Unterhal- tungspflicht der Schulen, der Stellung der Lehrer, ihres Einkommens und Ruhegehaltes, sowie der nothwendigen Beihülfe des Staates zu den Lasten der Schule für dringend Wünschenswerth.
Ihr hessischen Wähler! Wir bitten Euch Männern Eure Stimme zu geben, welche diese unsere Wünsche an rechter Stelle mit klaren Worten darlegen und mit ganzem Herzen empfehlen. Ihr, die ihr seicher liberalen Abgeordneten Eure Stimme gegeben, prüfet Euch, ob Ihr nicht einverstanden seid, mit den Grundsätzen, die wir hier ausgesprochen haben und wenn Ihr damit einverstanden seid, wie wir dies von der Mehrzahl mit Zuversicht erwarten, hütet Euch Männer zu wählen, welche sich den seither gebildeten liberalen Parteien anschließen würden, sondern bedenket, daß Ihr nur. in konservativen Männern die rechten Vertreter Eurer eigenen Ueberzeugung, Wünsche und Hoffnungen finden könnt.
Tagesbericht
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt zu dem Aufruf der Nattonalliberalen: „Wenn der national- liberale Kandidat sich mit einem Wahlaufruf introducirt, welcher den Freikonservativen und allenfalls auch dem Neukonservativen freundschaftliche Berührungspunkte bietet warum sollte der Wähler nicht alle Freundschaftsrücksichten gelten lassen und dem nationalliberalen Bewerber die Hand reichen? Ja sogar in dem guten Glauben, ein Werk gesunder und heilsamer Politik, nämlich: die Annäherung zu einer großen Mittelpartei zu fördern. Es ist kaum zu bezweifeln, daß viele Wähler auf diesen Leim gehen und der Parteitaktik einen Triumph bereiten werden, welchen diese sich mindestens nicht durch den Muth des Bekenntnisses erworben hat. Wir denken natürlich nicht daran, an dem guten Glauben der Unterzeichner des Wahlaufrufs zu zweifeln; es ist vielmehr anzunehmen, daß die Gemäßigten und Friedfertigen auch der Meinung sind, durch die Vereinbarung des Wahlaufrufs den radikalen
„Das, was ich gesehen und vernommen! — Hört nur!" Der treue Neger erzählte, wie Ramero dem Auverg- naten den Brief übergeben, dessen Aufschrift jener laut buchstabirt, während er selbst neben ihm an den Stufen der Kirche gestanden.
Als er geendet, fragte Godeffroy:
„Seid Ihr auch gewiß, daß Ihr Euch in Bezug auf die Person nicht geirrt?"
„Ja, dessen bin ich gewiß; es war der Mann, der feit zwei Monaten Euer Feind geworben, zwar ohne Euer Zuthun; derselbe, dem ich mißtraute, feit zuerst mein Auge ihn gesehen, derselbe, der gestern mit Euch auf dem Balkon stand und dem Ihr unvorsichtiger Weise Eure Geschichte erzähltet!"
„Ramero?" rief Godeffroy. „Nein, es ist unmöglich! — Ans welchem Grunde kann er so mich hintergangen haben?"
„Das weiß ich nicht, doch daß er es gethan, ist gewiß."
„Und diese Einladung, welche ich soeben erhallen habe, ist von ihm —“
„So geht nicht, geht nicht," unterbrach ihn der treue Neger.
„Ja, ich muß dennoch gehen," sprach enffchloffen der junge Mann, „denn ich werde Blanche sehen."
„Die Stimme der Liebe ist stärker als die meinige," flüsterte Joseph. „Doch eine Stimme sagt mir, daß man Euch jetzt an den Abgrund lockt! — Ich folge Euch, Mafia, fuhr er entschieden fori, „widersetzt Euch meinem festen Entschluß nicht länger! —Wohl weiß ich, daß nicht überall sich der arme schwarze Bettler zeigen darf, ich werde mich also verbergen, daß weder Ihr, noch sonst irgend
Elementen das Gesetz biftirt zu haben, und das sie zu führen meinen, während sie thatsächlich und trotz aller milden Worte geführt werden. Denn eö wäre gegen die menschliche Natur und gegen alle Erfahrung des politischen Lebens, daß die Extremen sich dem sanften Joch der Mäßigung auf die Dauer fügen; sie ertragen es nur, um einen augenblicklichen Zweck zu erreichen. Und wenn es der nationalliberalen Partei gelingt, sich mittelst ihres Wahlaufrufs eine namhafte Vertretung im Abgeordnetenhause zu gewinnen, wird es sich bald zeigen, ob Lasker und Forckenbeck und Bamberger auch persönlich aus der Kampfesstellung abgeschwenkt sind, welche der Wahlaufruf Preis giebt, und ob es in ihrem Charakter liegt, von ihrem Einfluß auf die Partei keinen Gebrauch zu machen. Es wird sich bald genug zeigen, ob der Wahlaufruf eine Wahrheit ist. Wir möchten vor der Hand noch daran zweifeln." _____________
Von dem deutschen Ausstellungscommissar für die Weltausstellüng in Sidney, Geh. Reg.-Rath Reuleaux ist, wie wir hören, ein Schreiben an den Hamburger Gewerbeverein gelangt, welches besagt, die Sidneyer Ausstellung werde verschiedener Ursachen halber die Leistungsfähigkeit deutscher Industrie nicht genügend darthun, weshalb es von Wichtigkeit fei, die bald darauf folgende Ausstellung von Melbourne zu beschicken. Herr Reuleaux bittet den Verein, zu untersuchen, welche exportfähigen Firmen in Sidney gefehlt haben und welche sich zur Betheiligung in Melbourne eignen und die angebotenen Ausstellungsgüter von Hamburg und Umgegend einer Prüfung zu unterwerfen. Der Gewerbeverein beschloß-Mmzufolge, alles aufzubieten, um zu einer würdigen Vertretung der deufichen Industrie in Melbourne das ©einige beizutragen. _____________
Der „Pester Lloyd beschäftigt sich in einem sehr ausführlichen Artikel mit dem Rücktritt Andrafiy's; die Stellung des Blattes zu diesem Staatsmann ist eine solche, daß seine Mittheilungen wohl Aufmerksamkeit verdienen. Mit großem Nachdruck wird an verschiedenen Stellen hervorgehoben, die Ursache zu diesem Rücktritt sei Krankheit, wirkliche ehrliche, nicht blos diplomatische Krankheit. Aber mit dieser Krankheit hat es doch wieder seine eigene Be- wandtniß; der Graf hat sich diese Krankheit im Dienste der Politik zugezogen. Er hat sich über die orientalische Frage so aufgeregt, daß feine Nerven gelitten haben. Und mm fließen Krankheitsgeschichte und politische Geschichte zu folgender Enthüllung zusammen: Der Vertrag von St. Stefano war eine Verletzung alles dessen, was Rußland bei Beginn des Krieges Deutschland und Oesterreich- Ungarn versprochen hatte; im Februar 1878 hielt man in Petersburg den Coup einer Ueberumpelung der beiden
Jemand mich sieht, bis — aber sagt mir den Ort wohin Ihr gehen werdet."
„Nach Schloß Alincourt bei Andelys im Eure-Depar- tement"
„Den Namen will ich schon behalten. — Doch, junger Massa, Ihr habt Euer Geld in dem Spielhause verloren, Ihr braucht welches, hier ist mehr," und mit diesen Worten legte der Neger eine Rolle Gold auf den Tisch, was Godeffroy voll Verlegenheit gewahrte.
„Nehmt nur, mein junger Massa," sagte Joseph mit weicher Stimme. „Euer Vater gab mir mehr, er gab mir die Freiheit und nie kann ich ihm meine Schuld abtragen."
Dann schickte er sich zum Gehen an, drückte noch einmal des jungen Mannes Hand und fragte:
„Wann werdet Ihr morgen aufbrechen?"
„Ich weiß es nicht genau, doch wird es vor Nachmittag sein."
„So lebt denn wohl! Bevor ich Euch folge, werden mit noch einige Stunden bleiben, Eure Mutter zu suchen."
12. Capitel.
Die Reise.
Früh am nächsten Morgen machte Joseph, voll ungewohnter Kraft und Thättgkeit, sich mit seinem langen L>tab auf den Weg. Zwanzig Jahre lang war er aufs Geradewohl durch die Straßen von Paris gewandert, um jenes Weib zu suchen, heute jedoch hatte er es besser, er hatte eine Spur, wenn auch nur eine unsichere, zu verfolgen und unwillkürlich griff seine Hand in die Tasche, in der er das verhängnißvolle Tuch verwahrte..
Ohne auch nur einen Augenblick zu zaudern, wandte er sich dem Faubourg St. Germain zu, in welchem allein er die mit Wappen gezierten Equipagen wußte, aufmerksam