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Marburg, Mittwoch, 10. September 1879
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Mein Herz klopfte laut vor Freuden bei diesen Worten seines Herrn, gewiß auch verriechen meine Züge meine Empfindungen, denn er sagte:
ließe Rückschritte gemacht hat, wovon die überfüllten chthäuser, Gefängnisse und die leeren Kirchen nur zu ndgreifliche Beweise ablegen. Ist es nun verwerfliche eaktion, wenn die Conservattven darauf dringen, daß man ie christliche Religion nicht wie ein altes Möbel in die tauften Ecken unserer Schulen stelle, sondern verlangen, B unsere Schulen, hohe und niedere, in erster Linie Er-
Negers und tödtlich in die Brust verwundet, sank er Erde."
Von seinen Erinnerungen überwältigt, ließ hier alte Mann eine Pause eintreten und fuhr dann mit wegler Stimme fort:
einem Briefe für Capitän Ollivier an. Ohne Zweifel erkannte mein guter Herr die Schrift, denn mit zitternder Hand erbrach er das Siegel. Beim Lesen des Briefes jedoch erbleichte er tödtlich, und als seine Augen noch einmal den Inhalt überflogen, sank das Blatt zur Erde. Er hob hob es nicht auf, sondern kehrte wankenden Schrittes in die Hütte zurück, währmd ich den Brief aufnahm und ihn sorgfältig verbarg; denn obgleich ich das Lesen erlernt hatte, fiel es mir doch nicht ein, das Geheirnniß meines Herrn zu erforschen.
Als ich zu ihm in die Hütte trat, hatte er sein Gesicht mit beiden Händen bedeckt, große Thränentropfen rannen zur Erde, indeß convulsivisches Schluchzen feinen Körper erschütterte.
Schweigend setzte ich mich in eine Ecke und wartete auf die Anrede meines guten Herrn. Endlich sagte er:
„Joseph, ich will und muß fterben!"
„Ganz wie Ihr wollt, Massa," war meine Antwort.
„Ich habe kein Weib mehr," fuhr er fort. „Mein Glück ist dahin, eS bleibt mir keine Hoffnung mehr, beim sie hat mich nie geliebt."
Bei diesen Worten suchte er nach dem verhängnißvollen Brief. Ich reichte ihn ihm, er überflog ihn noch einmal, vielleicht glaubte er, sich getäuscht zu haben. Als er geendet, sank abermals fein Haupt auf die Brust.
„®ieb mir meine Pistolen," sagte er dann leise, aber entschieden.
Mit schwerem Herzen erfüllte ich seinen Befehl, wandte aber mein Haupt dabei ab, als ich hörte, wie er den Hahn spannte.
Da gab mir der Himmel einen Gedanken ein und schnell fragte ich:
ziehnngsanstalten bleiben? Unser Volk wird vom Parlamentarismusfasterdrückt; eine Wahl mit ihrer Aufregung reicht der andern die Hand. Kaum ist die Reichstagswahl vorbei, so kommt die Landtagswahl, dazwischen fallen die Wahlen zu den Verwaltungskörpern in Provinz und Kreis. Allzuviel ist auch hier ungesund. Und wer will denn sagen, daß die parlamentarische Gesetzgebungsmaschine uns lauter gute Gesche, Einrichtungen und dem Lande Glück und Frieden gebracht habe? Ist es da wirklich verwerfliche Reaktion, wenn die. Regierung den Vorschlag macht, die Wiederkehr der Wahlen von 3 auf 4 Jahre zu beschränken ? Kein Mensch kann es läugnen, daß in unseren Verhältnissen vieles krank ist; wie soll es aber besser werden, wenn die gesunden Kräfte nicht angeregt und unterstützt werden, daß sie die Krankheitsstoffe ausstoßen können ? Thrtt nicht jeder vernünftige Arzt auch also? Welchem vernünftigen Menschen fällt es aber ein, ihm deßhalb verwerfliche Reaktion vorzuwerfen? Die Conservattven haben im Reichstage mit allen ihren Anträgen gezeigt, daß sie nichts anderes wollen, als die redliche Arbeit zu schützen und zu stärken gegenüber der Pfuscherei, dem Schwindel und der Ausbeutung, die Seßhaftigkeit gegenüber dem Bagabondenthum, die Gottesfurcht gegenüber der Gottlosigkeit, den sittlichen Emst gegenüber dem Leichtsinn und der Liederlichkeit, die Autorität und Pietät gegenüber der Frechheit und dem Uebermuth. Ist das verwerfliche Reaktion? Was wollen denn die Liberalen? Wollen sie wirklich, daß Alles beim Alten bleibe, daß das Gehenlassen, das laisser faire noch weiter herrsche? und glaubt irgend ein vernünftiger Mensch, daß wir auf diese Weise aus den vorhandenen Nothänden herauskommen?
Die andere Unwahrheit, welche die liberalen Zeitungen über die Conservattven aussprengen, ist die, daß sie ihnen vorwerfen, sie hätten ein Bündniß mit dem Centrum gemacht. Das ist nicht wahr; wohl aber ist es wahr, daß erst kürzlich die „Nat.-Ztg." den liberalen Mitgliedern des Centmms den Antrag stellte, sie sollten sich mit den Liberalen verbinden, dann wollten die Liberalen ihnen zu einer Revision der Maigesetze behülflich sein. Die Conservattven haben im Reichstag mit dem Centrum für den neuen Zolltarif gestimmt. Aber haben dasselbe nicht auch die Reichspartei und viele Liberale gethan? Nachdem die nationalliberalen Reichstagsprästventen Forckenbeck und Stauffenberg ihre Aemter niedergelegt hatten und kein Liberaler diese Aemter annehmen wollte, ist der conservative Herr v. Seydewitz zum ersten und der Centrumsabgeordnete v. Frankenberg zum zweiten Präsidenten gewählt worden. Allein ist das nicht in allen Parlamenten der Welt Sitte, daß die Präsidenten aus den größesten Frakttonen gewählt werden? DaS sind aber im Reichstage nächst den National- liberalen die Deutsch - Conservattven und das Centrum! Und warum sollte kein Centmmsmann gewählt werden?
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würde er mich geliebt haben! — Doch was enthielt jener schreckliche Bries?"
„Ich habe ihn zwar gelefen, allein er war nicht ganz verständlich," entgegnete der alte Neger, erhob sich, suchte das Taschentuch hervor, auf dessen Rückseite der Name Ollivier stand und überreichte seinem Gefährten aus demselben den Brief, beffen Inhalt der Leser bereits kennt.
„Welche schändliche Kaltblütigkeit!" rief der junge Mann nachdem er ihn überflogen. „O, was muß mein armer Vater gelitten haben I — Und dies herzlose Weib ist meine Mutter!"
„Mein guter Herr litt furchtbar," fuhr der alte Neger fort, „es ging eine große Veränderung mit ihm vor und kaum kannten ihn seine Freunde wieder. Endlich erbarmte sich der Himmel seiner Qualm! In einem Kampfe, der einige Tage später stattfand, traf ihn die Kugel eines
Sobald ich ihn fallm sah, eilte ich zu ihm; er durch ein Zeichen zu verstehen, daß die Uebrigen sich entfernen sollten und sagte, als wir ganz allein warm, mit
Etwa weil das Centrum im preußischen Landtage wegen der Kirchengesetze in Oppositton zu der Regierung steht? Der Reichstag ist aber doch nicht der preußische Landtag und im Reichstage steht ja jetzfdas Cmtrum auf Seiten der Regierung, während gerade die liberale Partei sich da in die Opposition gestellt hat. Welcher vernünftige und gerechte Grund lag also vor, einem Centrumsmanne diese Wahl zu versagen? Und wenn das Centrum für den Zolltarif stimmte, sollte etwa die conservattve Partei deßhalb nicht dafür stimmen, um nicht den Schein auf sich zu laden, daß sie im Bündniß mit dieser Partei stehe? Wenn die Parteien so handeln wollten, bann wäre überhaupt keine parlamentarische Verhandlung mehr möglich. Haben die liberalen Parteien nicht auch gar oft mit den Socialdemokratea gestimmt? Was würden sie sagen, wenn wir ihnen deßhalb vorwerfen wollten, sie hätten ein Bündniß mit den Socialdemokraten gemacht!
Es ist also Alles nicht so: die Conservattven wollen weder eine Reaktion in dem Sinne, wie es die Liberalen ihnen vorwerfen, noch haben sie ein Bündniß mit dem Centrum gemacht.
Tagesbericht.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Unsere neuliche Richtigstellung der Notiz der „Nat.-Ztg.", wonach Fürst Bismarck die Initiative zur Sendung des Feldmarschalls v. Manteuffü nach Warschau ergriffen haben sollte, hat in heimischen und auswärtigen Blättern eine nach unserer Meinung über die Bedeutung jener Richtigstellung hinausgehende Erörterung wachgerufen. Wir haben keine Veranlassung, auf alle Kommentare näher einzugehen, welche dazu in der Presse auftauchten. Wenn man aber, wie hier und dageschehen, die Zuverlässigkeit unserer Informationen in Zweifel zu ziehen muffen glaubte, so müssen wir dem gegenüber unsere Angaben in vollem Umfange aufrecht erhalten. Herr v. Manteuffel ist nur in Erfüllung eines tont Kaiser Alexander ausgesprochenen Wunsches, welcher preußische Offitterr den Manövern seiner Truppen beiwohnen zu sehen wünschte, an der Spitze einer Deputation preußischer Officiere nach Warschau gesandt worden und hat, wie wir außerdem erfahren, dem Kaiser Alexander die Antwort auf einen Brief überbracht, welchen unser Kaiser von seinem erlauchten Neffen vorher erhalten hatte.
Der „Reichsanzeiger" publicirt die Ernennung des Regierungspräsidenten v. Bötticher zum Oberprästdenten von Schleswig-Holstein.
Der nationalliberale Wahlaufruf, den wir im gestrigen Blatte mittheilten, findet in der „N. Pr. Ztg." folgende Beurtheilung:
zr£>at mein guter Massa auch fein Kind verloren?" Meine Worte riefen ihn zum Bewußtsein zurück und warf die Pistolen weit von sich.
„Mein theurer, guter Vater!" rief Godeffroy. „Wie
Der schwarze Bettler.
Novelle von M. Dobson.
(Fortsetzung.)
10. Capitel.
Der Schuß.
„Eines Abends brach unser ganzes Detachement aus
Hauptstadt auf," fuhr der Bettler fort, „denn die Neger toten immer näher gerückt und wir erwarteten einen mehr- "gigen Kampf.
„An dem Abend war mein guter Herr aufgelegter denn ; raschen Schrittes ging er umher, seine Anordnungen treffen und summte dabei die munteren Melodien feines aterlandes."
Ich befand mich stets an feiner Seite und plötzlich Rgte er zu mir:
„Joseph, würdest Du mein Weib und Kind lieben, denn ich Beides hätte?"
„Du würdest sie so zärtlich lieben, wie Du mich liebst, licht wahr, Joseph?" fuhr mein guter Herr fort. „Du würdest ihr gerne dienen, denn sie ist so schön und ihn
tagen, welche wir seit 100 oder 50 Jahren bekommen aufzuheben! Aber wenn sie darauf aus
schwacher Stimme:
„Joseph, ich übergebe Dir meinen Sohn, sei Du fortan fein Vater. Suche jenes Weib, seine Mutter auf, die sehr
„Joseph, sobald wir zurückkehren, sollst Du mein Weib Und mein Kind sehen!"
I „Wir verbrachten die Nacht in einem von den Negern toaumten Lager. Gegen Morgen langte ein Bote mit
v- / . Die Frage überraschte mich, daß ich nur die Hand auf c «ld Stein Herz zu legen vermochte.
Anzeigen nimmt entgegen bteSrpebitiott b. Blatte» sowie b. Annoncen-Bureaur von G. L. Daube & Co. in Brankfurt a. M; Jäger'sche uchhanblung daselbst;
Hermann'sche Buchhandl, daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: 6. Schlotte in
Bremen.
äyeigen nimmt entgegen: Ht®rpebttion b.Blatte», Wie d.Annoncen-Bureaux M Th- Dietrich & Co. in jtajfel und Hannover; Tb xietrich in Frankfurt a.M.; masenstein & Vogler in lämkfurt a M., Berlin, -chzig, Cöln re.; Rudolf Ms in Berlin, Frank- surt a. M. :c.
»erbefreiheit, welche jedem hergelaufenen Menschen gestattet, [A. scdes beliebige Geschäft anzufangen und dadurch den soliden Geschäftsbetrieb zu ruiniren und das Publikum zu betrügen; ' ferner unsere Actienfreiheit mit ihrer kolossalen Ausbeutung des Volkes; die Wucherfreiheit mit ihrem gräßlichen Un- k ohne ^g. ßnb bag Mes wirklich so treffliche Einrichtungen, die feiner Reform bedürfen? Und wenn die Conservattven rotoui- Reform derselben beantragen, wie sie denn wirklich ge- ePre® Han haben — ist das dann eine verwerfliche Reaktion? — ampis A jfj eine traurige Thatsache, daß das sittliche und reli-
Nitbürger aus allen Ständen, welche keine andere Jn- stressen haben, als die, welche das ganze Volk hat? Oder । ei hätte der conservative Bauer, Handwerker, Beamte andere Kiteressen als sein liberaler Nachbar? Wie sollte es
wären, schlechte, verfehlte Einrichtungen zu toetbeffern, wäre das etwas Böses? Und giebt es nicht recht viele solcher leneren Einrichtungen, die recht dringend der Reform be- Arfen? Wer will das läugnen? Die schrankenlose Ge-
ftrtildlhtttrtim für dm Monat September öl^lUUUyni auf die Oberhessische Zeitung v und deren Gratisbeilage wer-
hen von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) angenommen.
Die Expev. d. Oberh. Zeitung.
Zur Steuer der Wahrheit.
Die liberale Presse wirst den Conservattven vor, sie wollten eine Reactton herbeiführen, und sucht dadurch die Konservativen in den Augen des Volkes zu verdächttgen. Viele liberale Zeitungsleser lassen sich durch dieses Reaktionsgeschrei auch einschüchtern. Die liberale Presse erhebt dasselbe gewöhnlich bann, wenn ihre Heerde ihr zu Verläufen droht; dann schickt sie dies Reaktionsgeschrei wie er Schäser seinen Wauwau aus, um die Heerde wieder isammen zu treiben. Sehen wir un« aber die Sache Kvas genauer an. Für so dumm wird kein vernünftiger' Ncnsch die Conservattven halten, daß sie meinten, sie taten die Welt um 100 Jahre zurückschrauben; und Ibst wenn sie es könnten, Warum sollten sie es thun? Ber sind denn die Conservattven? Sind es nicht unsere
Erscheint täglich außer an ben Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für baS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JkluftrtrteS SonntagSSlatt" burch bie Expedition («och'sche Buchbruckerei) bezogen 2i Mark, durch bie Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf-. Für in der Expedition zu ertheilenbe Auskunft unb Annahme von Abreffen werben 25 Pfg. berechnet.
, Würdest Du in Deinen starken Armen wiegen, denn er ist m. tt. 1« gut und mein Sohn." __