Marburg, Dienstag, 2. September 1879.
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xiv. Jahrgang
OlicrlflWk Jcitiino
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- tn von allen Postanstalten (auf dem Lande von m Landpostboten) angenommen.
Die Expcd. 6. Oberh. Zeitung.
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Das soll zllm Dank uns mahnen,
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gegen 12 Uhr erwachten am folgenden Morgen
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I «vdeffroy noch wenig Lust emp
an seine Toilette, während
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tffi. .^iellöHe, an die er mit Abscheu denken konnte,"besuchen . < Wt. Aber Ramero hatte gesagt: .
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.Ich bin sogleich zu Ihrer Verfügung, mein Freund.
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„Auf Ehre! zehntausend LouiSb'ors."
Und dennoch überlegte er beim Ankleiden, ob er jene
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Der schwarze Bettler.
Novelle von M. Dobsvn.
(Fortsetzung)
7. Kapitel.
Nur Servandoni.
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Zur Sedanfeier.
Neun Jahre sind verschwunden Seit froh bei Siegesklang Nach schweren Kampfesstunden Die Botschaft zu uns drang: Napoleon gefangen Und mit ihm Frankreichs Heer! Seit wir hochjubelnd sangen: Gott in der Höh' sei Ehr!
Da am Argonner Walde War Großes ja vollbracht; Da hat auf Flur und Halde Die Schlacht so laut gekracht, Als zwischen Sedans Wällen Der Frevelmuth zerbrach, Und nach sehr schweren Fällen DaS wälsche Heer erlag.
Da in den blut'gen Tagen Ließ Gott uns Wunder sehn, Der Feind mit Roß und Waget« Mußt jäh zu Grunde gehn! Dem schwarzen Lügenbunde „Der großen Nation" Schlug die Vergeltungsstunde, Bedeckt mit Schmach und Hohn!
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empfand, sich von seinem Lager A erheben. Der Schlaf hatte ihn wenig gestärkt, die Hergänge der vergangenen Nacht hatten ihn während be8= Wen beschäftigt und immer hörte er die ihn so auf-
„Znm ersten Male gewinnt man immer" und er he- Wgte sein Gewissen mit dem Zusatz:
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Am Siegesfeste wehn; Die Glocken sollen läuten Durch's deutsche Vaterland Und hohe Freude deuten, Daß Einigkeit erstand.
Ein einig Volk von Brüdern Muß heute fröhlich sein, Bei Becherklang und Liedern Sich seiner Siege freun! In Liebe fest umschlungen, Hat sie auf blut'ger Bahn Germaniens Volk errungen Trotz Frankreichs Größenwahn!
. „Ich will nur einmal hingehen! — Wir müsien doch in der Welt kennen lernen!"
tr k-Als er das Zimmer seines Freundes betrat, fand er
C1 ' bereits am Schreibtisch, und schnell, aber wie zu- ,, Mig, den Brief, den er schrieb, mit der Hand beschattend,
n ^tin ein jeder hat seine kleinen Geheimnisse, und daher “fien auch Sie mich noch einen Augenblick mtschuldigen." Godeffroy verstand diesen Wink, kehrte in sein Zimmer Mck, indeß Ramero das Schreiben faltete und damit, als ——■ 6 es versiegelt und adressirt, an das geöffnete Fenster trat,
So fei're denn auf's neue Im lieben Vaterland, Du Volk der Ehr und Treue, Das kühn dem Feinde stand, Den Tag, an dem erklangen Die Worte tief und schwer: Napoleon gefangen!
Und mit ihm Frankreichs Heer!
Ttgerdericht.
Die „Nordd. Allgem. Ztg.", indem sie darauf himveist, daß die bei irgend welcher amtlichen Veranlassung von dem gegenwärtigen Cultusminister gesprochenen Worte von einem Theil der Presse in einer Weise kommentirt wurden, welche weniger das Bestreben objektiver Berichterstattung als die Absicht erkennen lasse, die Amtsführung des Ministers gleich im Beginne in der Meinung des Publikums mögllchst herabzusetzen, kommt auf die von der Wahrheit abweichende Darstellung des Besuches des Ministers in dem Kösliner Schullehrer - Seminar und seiner dabei ge- thanen Aeußerungen zurück, giebt die Darstellung des Vorganges nach dem Bericht eines zuverlässigen Gewährsmannes und theilt dann den Wortlaut der von dem Minister an die Abiturienten gerichteten Mahnworte mit.
Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die Behauptung italienischer Blätter, daß sich der italienische Ministerpräsident Cairoli durch den deutschen Botschafter in Rom, v. Keudell, eine Zusammenkunft mit dein Fürsten Bismarck erbeten, Letzterer aber abgelehnt habe, ist nach zuverlässiger Auskunft vollständig aus der Luft gegriffen. Von keiner Seite ist der Versuch eines Gedankenaustausches über eine Zusammenkunft gemacht worden.
Die „Kreuz-Zeitung" beschäftigt sich an leitender Stelle mit dem „Reaktionsgeschrei." In der liberalen Presse beklagte man sich bitterlich darüber, daß das gegenwärtige Treiben der Oppositions - Parteien als — revolutionär charakterisirt wird, wogegen man sich aber durchaus das Recht Vorbehalte, den Konservativen ohne weiteres den Vorwurf der — Reaktion entgegen zu werfen. Allerdings könne sie (die Kreuz-Zeitung) nicht umhin, „alle die Bestrebungen, welche darauf hinaus laufen, außerhalb der Verfassung stehende Autoritäten zu etabliren ober den Schwerpunkt der Regierung zu verrücken, ober in die Rechte des Königs einzugreifen — als revolutionär zu charak- terifiren und, wenn man uns deßhalb der Reaktion zeiht, so soll es uns recht fein, im Bewußtsein erfüllter Pflicht." Weiter bemerkt sie: „Aber wie kommt es, daß das Reaktionsgeschrei in Schwung gebracht worden ist, von dem Augenblicke an, da das Manchesterthum nm sein Ansehen, um seinen maßgebenden Einfluß gekommen ist, seitdem der
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wo er einem Auvergnaten, der Botengänge besorgte, winkte näher zi« kouimet«.
Attßcr diesem war auch der schwarze Bettler auf dem Platze, der, als er eine Gestalt ans Fenster treten sah, hastig aufblickte, diese aber erkennend, sich gleichgilttg abwandte.
„Bringe diesen Brief an seine Adresse!" rief jetzt der Mulatte dem Auvergnaten zu.
Der Bote fing das Schreiben in seiner Mütze auf, anstatt sich aber damit auf den Weg zu machen, setzte er sich auf die Haustreppe unter dem Balkon.
„Was zum Teufel hast Du vor?" rief ungeduldig Ramero.
Statt aller Antwort begann der ehrliche Bergbewohner mit großem Ernst und großer Genauigkeit die Worte zu buchstabiren, welche er auf dem Brief vorfand: „An — den Herrn — —"
„Schweig! — schweig!" rief der Mulatte.
Der Bettler, welcher bis jetzt vollkommen gleichgiltig dagestanden, begann aufmerksam zu werden lauschte begierig auf jedes Wort.
„Po—li—zri--" studirie eifrig der Bote weiter.
Da der Balkon längs der ganzen Front des Hause« hinlief und auch Godeffroy'S Zimmer an demselben lag, blickte jetzt Don Rodrigo mit ängstlichem Ausdruck in dasselbe hinein.
„Schweig! sage ich Dir!" rief er jetzt leise hinunter. „Und lies jetzt kein Wort weiter."
Dem Auvergnaten jedoch entging dieser Befehl und abermals buchstabirte er:
„Com—mif—fär!"
„Schuft!" sagte Ramero jetzt außer sich.
Anstoß zu einer neuen Wirtschaftspolitik gegeben und die vorbereitenden Schritte vollzogen worden sind? Ist das politische Freiheits-Ideal unverträglich mit den Zollschranken, dann verlieren ja sehr große, um ihrer Freiheit willen bewunderte Staaten den Anspruch auf die Achtung des Liberalismus. Oder wäre es wahr, daß der bittere Kern der liberalen Doktrin eben nichts ist als der pure Egoismus, welcher der politischen Freiheitsformel bedarf, um der Freiheit der kapitalistischen Bewegung vollen Spielraum zu schaffen? Wenn dies der Fall — und das Prinzip des Individualismus, auf welchem sich die liberale Partei auf- gebaut hat, führt ja ganz natürlich und nothweudig zu dem Verlangen des Individuums, feine Kräfte und feine Uebermacht rücksichtslos zu verwertheu und die Ausbeutung zu einem System zu machen — so würden die Konservativen den Vorwurf der Reaktion wiederum zu ihrer eigenen Genngthuung acceptiren. Denn allerdings streben sie dahin, der nationalen Arbeit ihren Schutz, dem ehrlichen Gewerbefleiß seinen Lohn zu sichern, so weit die Gesetzgebung dazu behülflich."
Es regnet noch immer Wahlaufrufe. DaS Centrum, der Fortschritt, die Neu- und Deulsch-Conservativen sind bereits vorangegangen. Jetzt kommen die Freicouservativen und die Nationalliberalen wollen bann auch ihren Aufruf veröffentlichen. Schon brachte bie demokratische Wiener „Neue freie Presse" einen Wahlaufruf der National- liberalen. Allein die „Nat. - Ztg." bezweifelt noch die Aechlheit desselben und kündigt daS baldige Erscheinen deS ächten an. Warten wir denselben also ab. Er wird wohl so allgemein und phrasenreich gehalten fein, wie bie an- beren auch. Am Sonntag hat hier eine Anzahl hervorragender Mitglieder der nationalliberalen Partei eine vertrauliche Besprechung gehalten, über deren Verlauf bie „Magb. Ztg." Folgendes meldet: „Anwesend waren u. 91. die Abgg. v. Forckenbeck, Miquel, Rickert, Wähler, Braun, v. Sybel, Röstet, Dohm, Alexander Meyer, Seifert, Kieschke, Böttcher, Horwitz, Burg, Gärtner und Bertog — Männer von beiden Flügeln also, von rechts wie von links. Zu einigen über Hauptfragen brauchten sie sich nicht erst; diese allgemeine Einigkeit war schon gesichert, als der hannover- sche Wahlaufruf aus Miquels Idee in Berlin keinen Anstoß fand. Der allgemeine Wahlaufmf der Partei, der ihre Durchschnitts- und Gesammt-Stimmung zu spiegeln hat, wird schwerlich in irgend einem wesentlichen Punkte etwas Anderes sagen. An die Landtagsaufgaben tritt bie ganze Partei geschlossen unb gleichdenkend heran." Dieselbe Zeitung hört noch nachträglich, daß in den hannoverschen Wahlaufruf ein Satz wegen der Auslieferung des WelfenfondS an die entthronte Königsfamilie aufgenommen worden war. Da hierfür jedoch keine Einstimmigkeit erzielt werden konnte, verzichtete die Mehrheit der in Hau-
Jn diesem Augenblick näherte sich Godeffroy dem Fenster und fragte leichthin:
„Wen aber beglückten Sie mit jener Benennung, Ramero.
„O! Niemand, wirklich!" stammelte verlegen der Mulatte.
„Vom — Saint — Sulpice — Distrikt," vollendete deutlich der Auvergnate, stand auf, zog feinen Hut und sagte: „Ich kenne jetzt die Adresse, Euer Gnaden, soll ich auf Antwort warten?"
„Nein, fonbern mache, baß Du fortkommst!" lautete bie heftige Antwort unb ber Bote verschwanb um bie Kirchenecke.
„An den Polizei-Commissar vom St. Sulpice-District l" sprach halblaut ber alte Neger. „Was mag baö bebeuten? — Ich muß ben Menschen beobachten!"
Kaum war ber Bote verschwunben, als Ramero seine gewöhnliche Stimme wiebererlangte und heiter sagte:
„Nun wollen wir gehen unb sehen, ob Fortuna uns holb ist?"
„Heute nicht!" entgegnete Godeffroy.
„Wie? Sie zaudern, mein Freund?"
„Ich weiß nicht wie es kommt, allein nur schwer kann ich mich dazu verstehen. Dazu habe ich kein Geld—'
„Thut nicht!" unterbrach ihn ber Versucher, ich kann Ihnen welches leihen."
Bei biefen Worten berührte sein Fuß ein kleines Packet. Er bückte sich darnach, nahm es auf — eS enthielt bie Summe, bie gewöhnlich G odeffroy bekam.
„Sehen Sie," fuhr er fort, „wie bie gütige Fee für Sie sorgt. Sie brauchen nicht zu borgen, bie Gabe kommt sehr gelegen."