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xiv. Jahrgang

Marburg, Freitag, 29. August 1879

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So schrieb vor zwei Wochen das Blatt, welches lange

seit das leitende Organ der nationalliberalen Partei in / tr Tagespresse gewesen. Richtig ist in diesen Sätzen die ^Hervorhebung des Werthes der Mittelparteicn. Eine Ent-

Kreise zu leiten.

(Prov.-Corresp.)

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KLWil sie den öfsentlichen Geist vorbereitet für das, was die urail Regierung auf dem Gebiet ihres Handelns erstreben muß:

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zeigen nimmt «mgegtn; Spedition d.Blatte», M-dÄnnoncen-Bureaux H Q, Dietrich & Co. in rfel und Hannover; Th. Kd; in Frankfurt a -M.; Elmstein & Bozler in Elifurt a M., Berlin, Mg, Cöln il; Rudolf dsir in Berlin, Frank­furt a. M. re.

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tigen Entscheidungen haben dieselben einsam in ihrer Partei gestanden und von derselben getrennt ihre Stimme abge­geben. Gleichwohl stand die Mehrheit der Partei, wie wohl anzurtehmen ist und wie auch neuere Wahlaufrufe zeigen, den koriservativen Führern näher als den fortschritt­lichen. Aber diese gewannen fast immer das Uebergewicht, weil sie, wenn auch nur scheinbar, die populäre Strömung, die lauten (Stimmen der Presse unv die Vorurthcile des in seinem herkömmlichen einseitigen Gedankenbestand einer neuen Prüfung nicht unterworfenen Liberalismus für sich hatten. So ist es gekommen, da die von der Regierung immer wieder angestrebte Schaffung eigener Reichsfinanz­quellen bis zu dem Moment vereitelt wurde, wo die Ma- trikularumlagen bereits Defizite in den Haushalten der Bundesstaaten hervorriefen; daß sämmtliche Bestände nach den Vorschlägen einer fortschrittlichen Finanzautorität auf­gezehrt und dann triumphirend verkündigt wurde, man habe den Steuerzahlern große Lasten erspart, die ihnen die Regierung unnützerweise habe auflegen wollen. In den seltenen Fällen wo die konservativen Elemente der Partei den Ausschlag gaben, beeilten sich die fortschrittlichen, den betreffenden Beschluß als ein zeitweiliges Zugeftändniß darzustellen, welches die Gesammtpartei nicht hindere, grund­sätzlich auf dem einseitig liberalen oder fortschrittlichen Boden zu stehen. So konnte die nationalliberale Partei nicht dazu gelangen, die Aufgabe einer Mittelpartei zu lösen, welche in einer gereisten Anschauung die extremen Ansichten beherrscht und vermittelt. Mehr und mehr nahm die Haltung der Partei das Aussehen eines unentschlossenen Radikalismus an, der bald aus Schwäche, bald aus An­wandlungen richtiger Einsicht, bald in Hoffnung künftiger radikaler Siege, bald aus Gehorsam gegen die ausnahms­weise maßgebende Autorität einzelner Mitglieder, die Wege einer besonnenen und erhaltenden Politik wandelt oder sich auf demselben ein Stück fortziehen läßt.

Wenn dir Thatsache, daß die nationalliberale Partei sich so wenig geeignet gezeigt hat, den Beruf einer Mittel- partei festzuhalten, zu den bedauerlichsten unserer neueren Entwickelung gehört, so läßt sich eben deshalb das Be- dürfniß nicht verkennen, daß die Bildung einer solchen Partei von Neuem versucht werde, zu welcher die bisherige nationalliberale Partei durch geistige und politische 'Be­fähigung hervorragende und auch an Zahl nicht geringe Kräfte darbietet. Wenn von einer anderen bereits be­stehenden Mittelpartei gesagt werden kann, daß ihre Auf­gabe die Geltendmachung berechtigter Gedanken des Libe­ralismus in konservativen Kreisen ist, so bleibt fürs Erste noch Raum für eine andere Mittelpartei mit der Aufgabe, die für die Erhaltung der deutschen Nation und ihrer Kultur unveräußerlichen konservativen Einsichten in liberale

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nämlich die naturgemäße Verbindung der berechtigten Gegen­sätze. Allein die vornehmste Bedingung für das Wirken einer solchen Partei ist, daß sie den Gegensätzen, die sie vereinigen will, gleiche Gerechtigkeit widerfahren läßt, daß sie das widerstrebenden Richtungen Entnommene und für nothwcudig Erkannte mit gleicher Entschiedenheit betont. Demnach wäre die Aufgabe der nationalliberalen Partei Deutschlands gewesen, wenn dieselbe eine Mittelpartei sein wollte, die Pflege und Ausbildung der erhaltenden Kräfte sich mit gleichem Ernst angelegen sein zu lassen in den Schranken, bis zu welchen diese Kräfte unentbehrlich sind, wie auf der anderen Seite die Sicherung der Freiheit in­dividueller und öffentlicher Bewegung. Eine Mittelpartei in diesem Sinne zu sein, dafür schien die nationalliberale Partei durch ihren Ursprung, durch die Lage des Staats, in welcher sie sich bildete, wie durch die Bestandtheile, aus denen sie sich zusammensetzte, vor allen anderen Parteien angelegt. Es ist eine der bedauerlichsten Thatsachen unserer neueren Staatsentwicklung, daß die Partei unter dem Ein­fluß ihrer fortschrittlichen Elemente den Charakter der Mittelpartei bei entscheidenden Gelegenheiten nicht behauptet hat und der Aufgabe einer solchen Partei immer weniger gerecht geworden ist. Dies trat schon in der durchgehenden Erscheinung hervor, daß man bei jeder Wahlbewegung, selbst nach den maßlosen Angriffen der Fortschrittspartei wegen der Annahme der Reichsjustizgesetze, sich von der Fortschrittspartei nicht durch das Ziel geschieden erklärte, sondern nur durch das Temperament, durch das langsamere Vorgehen, durch die Rücksicht auf die augenblicklichen Ver­hältnisse und was dergleichen mehr ist. Unwidersprochen durfte sich die Behauptung wiederholen, die nationalliberale Partei sei ein Zweig der großen liberalen Partei, welche ein gemeinsames Ziel habe. So konnte man den Unterschied der nationalliberalen von der Fortschrittspartei nur noch darin finden, daß die erstere den nationalen Ge­danken aufrichtig hochschätzte und ihn also um des angeb­lich gemeinsamen liberalen Zieles willen, welches in dem Verfassungsideal der Fortschrittspartei zu erkennen sein sollte, nicht gefährden mochte. Die nationalliberale Partei zeigte sich daher anscheinend nur aus diesem Grunde bereit, das Opfer der Ertragung einer dem fortschrittlichen Ver- fassnngsideal sehr fernstehenden Regierung noch länger zu bringen.

Und doch zählte die Partei unter ihren hervorragenden Mitgliedern Männer von konservativer Durchbildung und Ueberzeuguug im ehrenvollsten Sinne des Worts, welche die Nothwendigkeit erhaltender Elemente im Staatsleben und die Natur der Elemente, welche sich den erhaltenden Beruf im deutschen Staatsleben darbicten, mit wissenschaft­licher Tiefe und zugleich mit weitem unbefangenem Blick erkannten. Aber diese Männer haben immer weniger die Gesammthalkung der Partei bestimmt. Bei manchen wich-

hen — insofern arbeitet dies Bestreben gegen sich selbst, ie liberale Partei aber ist mit den Interessen des Staa- I zn tief verwachsen, um nicht jener zerstörenden Pendenz

rheit zuwider.

[ Zuerst muß geprüft werden, ob die nationalliberale ’ rtei die Aufgabe der Mittelpattei erfaßt und festgehal- hat. Lange ist dies die Hoffnung der Regierung und ster Vaterlandsfreunde gewesen. Die Hoffnung ist von

n und ihn der Regierung gewaltsam aufdrängen will, ie Natur der Mittelpartei ist vielmehr, die lebensvolle annigfaltigkeit der Staats- und Gefellschaftsbedürfnisse t zu verkennen und denselben gerecht zu werden. Eine ittelpartei kann sich die größten Verdienste erwerben, sie den öffentlichen Geist vor Einseitigkeit bewahrt die scheinbar unverträglichen Richtungen desselben lehrt, zum Wohl des Ganzen zu vertragen und gegenseitig richtigen Schranken zu finden. Eine solche Mittel- rtci kann die werthvollste Stütze der Regierung sein,

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, m entschlossensten und nachhaltigsten Widerstand entgegen- ichnii - - ---- -■■■■' ----

____ ung der Wahrheit aber ist die Behauptung, daß die »^aNcgierungSpolitik gegen die Mittelparteien gerichtet sei. ö bezeichnete, früher nationalliberale Organ setzt als idcrsprechlich voraus, daß die nationalliberale Partei Aufgabe einer Mittelparlei entsprochen habe, und es mt an, daß die sich vollziehende Zerstörung der Partei Werk der Regierung sei. Beide Annahmen sind der

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureauk von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendanl in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

I Die uatioualliberale Partei.

MDas ist ja das Unselige und Unbegreifliche der leiten« M Politik, daß sie darauf ausgeht, die Mittelparteien zu Kiben. In anderen Staaten würde die Regierung sich Mklich schätzen, wenn sie eine große, besonnene und ge- Kigte, in Abwehr aller Extreme zuverlässige und zu ■titiem Schaffen bereitwillige Mittelpartei hätte bilden Ken. Bei uns, wo eine solche Mittelpartei besteht, hat M Regierung keine Anstrengung gescheut, um dieselbe auf Mhanischem oder chemischem Wege,, durch Sprengmittel, Kren oder Zerbröckelung zu verkleinern und zu zer- Hken. Wir sind vollständig darauf vorbereitet, bei den vorstehenden Wahlen diesen Prozeß mit Hochdruck fett» Men zu sehen. Den schließlichen Hauptgewinn dieses Ver- McnS können nur Ultramontanismuö und Radikalismus

Frscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllyftrirtrS TonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Pfg. berechnet.

c zu Tage mehr getäuscht worden. Die Aufgabe einer ittelpartei ist darin zu suchen, daß sie nicht einen ein« TJWifttn Gedankenkreis zum Maßstab des Staatslebens

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ibehö!

Der schwarze Bettler.

Novelle von M- D o b s o n.

(Fottsetzung.)

Capitän Ollivier vergalt seines treuen Dieners Zuneigung , das unbedingteste Vertrauen und hätte ihm, wenn "Hy döthig, seinen theuersten Schatz zu hüten gegeben. Den- Mj verbarg er ihm ein großes wichtiges Geheimniß, und war seine glühende Liebe zu Hortense Adeline de

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Unwille. ,

Diese Liebe verdankte ihr Entstehen einem ganz be- 32i Meten Abenteuer, welches zwar Hortense hetbeigefühtt —solle, was indeß Capitän Ollivier nicht ahnte und in der Arglosigkeit seines Herzens für eine höhere Fügung hielt u v< Hrd Niemanden verrieth.

[233 Da Hortense de Neuville die Tapferkeit und den Muth —" N jungen Offiziers so ost von ihren Freunden hatte ^hmen hören, wat ihre Neugierde, wie ihr Interesse erregt stafsi M diese beschloß wenigstens ihn zu sehen.

Als dies zufällig geschehen, war der nächste Wunsch sisreS heißblütigen Herzens ihn zu besitzen, und da sie sich »on der Bekanntschaft mit ihm auf gewöhnlichem Wege ....^gebahnt, keine große Wirkung versprach, so wollte sie $tw hn ihren allmächtigen Zauber auf ganz ungewöhnliche $eife empfinden lassen.

j I Sie hatte nämlich erfahren, daß an einem bestimmten __- borgen Capitän Ollivier durch ihre Plantage reiten würde — ’M beschloß, auf dem Rückwege zu Pferde, von nur einem

Wiener begleitet, ihm zu begegnen. Durch ein kleines ’a« x^nglas gelang es ihr, seine Annäherung zu erspähen; ftfahl ihrem Sclavcn, ihr nur langsam zu folgen, trieb i Mych fhr Pferd zur größten Eile an, daß eS bald in Mentem Galopp dahin sauste.

Auf diesem wahnstlmigen Ritt warf sie ihre Kopfbe­deckung in's Dickicht, löste die langen Flechten ihres üppigen schwarzen Haares und vermehrte dadurch noch die Augen­scheinlichkeit ihrer Gefahr.

Capitän Ollivier, der an diesem Morgen seinen Joseph unter die Insurgenten gesandt hatte, um Nachrichten über ihr Thun und Treiben zu sammeln, hörte kaum den Hus- schlag des eilig dahinfliegenden Pferdes, an dem ein weib­liches Wesen sich mit aller Kraft festklammerte, als er auch schon zur Erde sprang, ihrem Rosse in die Zügel fiel und es zum Stehen brachte.

Im selben Augenblick, als dies geschah, fiel die schlaue Cteolin, deren Lift bisher so wohl gelungen, in die Arme ihres Erretters und ließ ihr Haupt auf seine Schulter sinken, offenbar kaum im Stande, sich länger aufrecht zu erhalten.

Als sie sich von ihrem Schrecken erholt, dankte sie ihm in beredten Worten für feine Hilfe und bat ihn zugleich, ihr HauS mit seiner Gegenwart zu beehren.

Der Capitän, welcher noch immer von einem Traum umfangen zu fein glaubte, denn nie hatten feine Augen ähnliche Reize gefehen, erlangte nach und nach feine Geistes­gegenwart wieder und als auch jetzt der Diener herbeikam, half er der Reiterin ihr Pferd besteigen, versprach, sie in ihrer Wohnung auszusuchen — und Beide setzten ihren Weg fort. —

Von der Zeit an sahen sie sich im Geheimen fast jeden Abend.

Zu Anfang dieser nächtlichen Besuche begehrte Joseph seinem Herrn zu folgen, wie er eS bish-r gethan, ein aus­drücklicher Befehl desselben jedoch veranlaßte ihn zurück zu bleiben.

Capitän Ollivier war vielleicht der einzige Mann in ganz Port-au-Prince, dem Hortensens bishettger Lebens­wandel ein Geheimniß war.

Er hielt sie für rein und schuldlos und ihre bezaubernde Schönheit diente nur dazu, den Schleier zu verdichten, unter welchem sie ihre Handlungen vor den Augen des­jenigen verbarg, der der Gegenstand einer ebenso plötz­lichen wie glühenden Leidenschaft geworden.

Es war übrigens nicht schwer, den jungen Offizier zu täuschen, dessen ganze Zeit von seinen militärischen Pflichten und seiner Liebe zu Hortense in Anspruch ge­nommen ward. Diese war noch dazu das einzige Wesen, welches er besuchte und schlau und getteben genug, die Miene einer Heiligen anzunehmen, so oft dies ihren Zwecken entsprach.

Da an eine öffentliche Heirath nicht zu denken war, weil erstens das junge Mädchen minderjährig und zweitens der Capitän fürchtete, die Zustimmung seiner Vorgesetzten in jener kritischen Zeit nicht zu erlangen, so ward im Geheimen ein Priester gewonnen der ihren Bund einsegnete, die nöthigen Docnmente darüber ausstellte und dafür eine mit Goldstücke wohlgefüllte Börse von ihnen in Empfang nahm.

Es bedarf wohl nicht der Erwähnung, daß Hortense Adeline ihrem Gatten das Dasein ihres Kindes verhehlt hatte und als sie abermals Mutter ward, war die Freude des CapitänS fast grenzenlos und wenn möglich nahm seine Liebe zu seinem schönen Weibe nach diesem glücklichen Er- eigniß noch mehr zu.

Hortense aber theilte diese Freude nicht; der Rausch chrer Leidenschaft war verflogen, sie dachte an den kleinen Leonard den ihre Heirath sie gezwungen auS ihrer Gegen-