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Juaröucg, Dienstag, 26. August 1879
XIV. Jahrgang
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triAk. teeigtn nimmt emgcgen: Vebi r Expedition d.Blatte«, lrk *“ gje d.Annoncen-Bnreaux " - |t Th, Dietrich & Co. in
? b: effe[ und Hannover; Th. »kastei Ulrich in Frankfurt a.M.; "a'_~ ^gsenstein & Bögler in canifurt a M., Berlin, ipjig, Köln ic.; Ruools
(OlifiilflW jritimii.
Anzeigen nimmt entgegen die G^>editton d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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Co.
1993
I
187».
r.
870.
Ter schwarze Bettler.
Novelle von M. Dobson.
(Fortsetzung.)
Der jüngere Theil der Gäste tanzte unterdeß mit Enthusiasmus, der dem Alter eigen ist, und nach eben beendigten Tour im Cottillon nahmen Blanche
Godeffroy in einer Fenstervertiefung Platz, die mög- st fern von der Marquise war und wo sie ungestört
ieubern konnten. Eine Zeit lang war die. Unterhaltung jener für Liebende so interesiant, für Zuhörer indeß $ ganz unverständlichen, langweiligen Weise geführt. Üblich jedoch erinnerte sich Blanche, daß sie ihrem - lehrten eine wichtige Mittheilung zu machen habe KM N einen spähenden Blick um sich werfend, sagte sie
„Gestatten Sie mir fortzufahren/ unterbrach ihn mein* kochend das junge Mädchen, „und mißverstehen Sie mich KlE $ä)t. Meine Absicht war einzig und allein, Sie vor ^er Person zu warnen, die ich jedoch nicht näher be- ^chnen darf. Auf alle Fälle möchte ich Ihnen rathen, ^rsichtig und klug zu handeln.
Wunderbar! auch Ramero sagte mir, daß ich einen
j7«f jährlichen Feind besitze!"
tz.gO.tl. „Nannte er Ihnen einen bestimmten Namen?"
Der Städtetag.
Daß die Einberufung des Städtetags nach dem Schluffe ps Reichstags stattfinden sollte, war schon auf dem ersten siLdtetag beschlossen worden. Vor einiger Zeit wurde be- Det, daß der Vorstand des Städtetages diesen Auftrag Men und den Städtetag einberufen werde; in liberalen Kittern, wie z. B. in der „Königsb. Hart. Ztg.", wurde rö auch lebhaft befürwortet. Die Auslassungen der „N. llg.Ztg." darüber zeigten aber, daß man in RegienmgS- teifen es sehr übel aufnehmen würde, wenn die Einberufung jtattfinbe. Da kam plötzlich in liberalen Blättern die fschricht, daß von einer Berufung desselben im September feine Rede sei. Der „Frankftr. Ztg." wurde darüber noch zeigendes berichtet:
Es haben über die Wiedereinberufung des Städtetages ölang noch keine Correspondenzen zwischen dem hiesigen »mite und bett auf dem Städtetag vertreten gewesenen Kommunen stattgefunden. In Aussicht genommen scheint ckerdings die Gründung eines permanenten deutschen Städte- tzrs, der bei allen die kommunalen Interessen berühren- kn Fragen zu einer Berathung zusammenberufen werden «il. Es ist ein solcher Plan ins Auge gefaßt, jedoch taten noch lange Dorberathungen nochwendig fein, ehe fafer Plan eine feste Gestalt annehmen wird. In der Äficht der leitenden Kreise soll es liegen, während der timten Session des Abgeordnetenhauses diesen Plan zur Mischen Ausführung zu bringen.
Der „Magdeburger Zeitung" wird heute Folgendes bet:
Die Angaben, welche von einer Berufung des Städtern nächster Zeit wissen wollten, sind mit vollem t als unbegründet zurückgewiesen worden, besonders da die weiteren Folgen des neuen Zolltarifs für die ibte abzuwarten von vorn herein entschlossen war. Man kein gesetzliches Mittel unversucht lassen, um die Agi- n, welche der Städtetag in das Auge gefaßt hat, so am als möglich zu machen und von diesem Stand- aus seine Berufung lediglich nach Opportnnitäts- ben zu bemessen.
Es wundert uns, daß diese liberalen Herren an der ählichen Niederlage, welche sie im Mai mit ihrem n Städtetag erlitten haben, nicht genug haben. Be- tlich hatten sie damals 246 Städte eingeladen und es en sich nur aus 72 Städten Besucher des Städtetages ein» nden. Städte wie Leipzig, München, Augsburg, Stutt- Itt, Karlsruhe, Mainz, Duisburg, Stargardt hatten anS- kücklich abgelehut und von jenen 72 erschienenen Städten irten sich die Vertreter der größten Industriestädte heinlands: Essen, Bochum, Witten, ausdrücklich gegen
Bestrebungen des Städtetags. Der Oberbürgermeister che von Essen rief den Herren zu: „Machen Sie das
' „Nein, das verweigerte er hartnäckig!"
L »Wohlan denn, Herr Godeffroy," sagte nach kurzem
Nmt das junge Mädchen, „so will ich Ihnen den
„Herr Godeffroy, ich ersuchte Sie, hierher zu kommen."
„Ja, mein Fräulein, und wüßten Sie, welches 'W, welche Seligkeit diese Worte in meiner Brust bttftMT___«
Volk wieder consumtionsfähig, dann werden Sie ihm größeren Nutzen gewähren, als durch Abwendung der Getreidezölle." Und der Vertreter von Bochum, Herr Bollmann rief der Versammlung zu:
„Die Industrie meines HeimathlandeS bedarf des Schutzes, sonst geht sie und mit ihr Tausende und Abertausende zu Grunde. Wenn es uns gut geht, dann zahlen unsere Arbeiter gern einige Pfennige mehr fürs Brod und Fleisch."
Was das Brod vertheuert, das ist bekanntlich nicht der Zoll, sondern der Zwischenhandel, welcher in den letzten Jahren so große Ausdehnung gewonnen hat. Auf dem Wege vorn Bauer bis zum Bäcker geht die Brodfrucht durch so viele Hände, welche alle daran verdienen wollen. Da ist vor Allem die Börsenspekulation mit Getreide, welche schon damit handelt, ehe es noch reif ist und alles Getreide wir Hhr Eigenthum behandelt, mit dem sie an der Börse spielt wie mit Rechenpfennigen. Es ist bekannt, daß das Brod im Vergleich mit den Kornpreisen 50 pCt. und das Weizengebäck im Vergleich mit ben Weizenpreisen um 300 Procent Aufschlag hat. Der Magistrat zu Bayreuth hat kürzlich ermittelt, daß bort in ben Jahren 1867 bis 1869, als die Brodpreise noch polizeilich festgestellt würben, 200 Pfund Roggen im Durchschnitt 19,50 Mk. und 200 Pfund Brod 20,20 Mk. kosteten. Nachdem aber die Polizeitaxe durch §. 72 der Reichs-Gewerbeordnung weggefallen war, stellte sich in den Jahren 1871 bis 1878 der Durchschnittspreis von 200 Pfund Roggen auf 18,92 M. Das Brod dagegen auf 29,44 Mk. Vor Aufhören der Polizeitaxe betrug also der Unterfchied zwischen den Korn- unb Brvdpreisen 70 Pf., nach Anfhören ber Polizeitaxe betrug dieser Unterschied aber 9,28 Mk., also 14 Mal so viel. Das Pfund Brod wurde also durch Einführung der Gewerbefreiheit um fast 5 Pfennige vertheuert. Man hat nicht gehörh daß in liberalen Zeitungen auch nur ein Wörtchen dagegen geredet worden wäre; jetzt aber, wo durch den Zoll höchstens eine Vertheuerung des Pfundes Brod um !,2 Pfennig vielleicht in Aussicht steht, schlagen diese städtischen liberalen Leitungen einen Lärm, als müßten die Städte Hungers sterben. Man sieht, diese liberalen Blätter und der Städtetag stehen ganz im Dienste des alle Dinge vertheuernden Zwischenhandels. Wenn die Bauern oder die Handwerker ihre Interessen geltend zu machen suchen, wie neulich auf dem Handwerkertag in Bremen, dann schreien die großstädtischen liberalen Blätter Zeter über selbstsüchtige Interessenvertretung — und was ist der Städtetag anders als die plumpste Interessenvertretung des Zwischenhandels der Großstädte? Aber dagegen sagt keine liberale Zeitung ein Wörtchen, das finden sie ganz in der Ordnung. Wenn die landwirthschastliche Bevölkerung chre Interessen zur Geltung bringen will, und wenn die unparteiische conservative Presse oder der
Namen Ihrer Feindin nennen. Hüten Sie sich vor Frau von Alincourt!"
Kaum waren diese Worte chren Lippen entschlüpft, als Blanche eine leichte Berührung ihrer Schultern fühlte. Sich hastig umwendend, fuhr sie unwillkürlich zurück, denn vor ihr stand — die Marquise von Alincourt!
„Sie müssen jetzt antreten, mein liebes Kind," — sagte mit ruhiger Freundlichkeit die Creolin, „Sie haben bereits eine Tour überschlagen."
Blanche trat eilig in die Reihen, um ihre Verlegenheit zu verbergen, während Frau von Alincourt mit wohlerheuchelter , mütterlicher Bewunderung ihr nachblickte und laut genug, daß Godeffroy sic verstand, sagte: „Wie lieblich! weich' unerreichbare Anmuth!"
„Blanche täuscht sich gewiß in Bezug auf ihre Stiefmutter," dachte, der junge Mann, als er zu ben Tanzenden trat.
Kaum hatte er sic verlassen, so nahmen die Züge der Marquise einen finstern, boshaften Ausdruck an und zähneknirschend murmelte sie:
„Ich bin entdeckt! O, um so sorgfältig über ihn zu wachen, wie zärtlich muß sie ihn lieben! — Ob wohl der elende Faval entschlossen ist, mir zu trotzen?"
Gegen zwei Uhr Morgens betrat Don Rodrigo de Ramero ben Ballsaal.
Sein Antlitz war bleich und eingefallen, er wagte nicht bie Augen zu erheben, aus Furcht, überall höhnischem Gelächter zu begegnen, denn er wußte ans Erfahrung, daß die Drohungen der Maquise nicht umsonst gewesen.
Als er jedoch im Ballsaal der stets ihm zu Theil werdenden Höflichkeit begegnete, athmete er freier, seine gewöhnliche Sicherheit kehrte zurück und er setzte sich in eine
Reichskanzler sie darin unterstützt, dann erheben diese liberalen Blätter ein gewaltiges Geschrei darüber (wie das z. B. in diesem Frühjahr erst geschah), daß man einen Gegensatz zwischen Stadt und Land wachrufe. Wenn aber der Städtetag die Großstädte zufammenrnst, um angeblich das Interesse der Großstädte gegen landwirthschastliche und Jn- dustriezölle zu schützen, dann wird da« gelobt und gepriesen. Den Großhändlern der Großstädte soll es gestattet fein, ohne Zollabgaben aus aller Welt Massen von Getreide und Jndustriewaaren nach Deutschland zu fahren, einerlei, ob unsere Landwirthschast und unsere Industrie dabei bestehen kann ober nicht. Wenn die Landwirthschast klagt, dann ruft man ihr zu: Rentirt sich der Getreidebau nicht mehr, so baut Gemüse und Erdbeeren oder Nesseln — und der klagenden Industrie ruft man zu: Wer nicht bestehen kann, mag untergehen, wir kaufen, wo wir die Waaren am billigsten haben können. Man schicht das Jntereffe des Consumenten vor, in Wahrheit steckt aber nichts anderes, als das Interesse des importirenden Großhandels dahinter. Die große Menge des Volke- muß erst durch ihre Arbeit etwas verdienen, ehe sie consnmiren kann; für sie ist es also vor allen Dingen wichtig, daß sie Arbeit und Verdienst hat; der hier in Betracht kommende Handel freilich lebt nicht von der productiven Arbeit, ihm ist eS also auch gleichgültig, waS aus der Produktion, der Arbeit wird. Diese einseitige Begünstigung des Handels, wie sie bisher unsere Wirthschaftspolitik beherrscht hat, muß aufhören und wir müssen uns wieder der gesunden Politik zuwenden, welche es als ihre erste Aufgabe ansteht, die produktive Arbeit: den Ackerbau und die Gewerbe, in Schwung zu bringen und den Handel als ben Gehülfen der Arbeit zu betrachten, ber nicht vernachlässigt, sondern mit allen Kräften gefördert werden muß, aber nicht wie bisher auf Kosten der Arbeit. Das ist auch der Sinn ber jetzigen Politik des Reichskanzlers und deßhalb verdient dieselbe die kräftigste Unterstützung; die einfettig im Interesse des großen Jmporthandels arbeitende Handelspolitik des Städtetages muß dagegen bekämpft werden.
Tagesbericht.
Die Cabinetsordre, durch welche Se. Majestät ber Kaiser dem Generalfeldmarschall Grafen von Moltke anläßlich des 60jährigen Dienstjubiläums auSzeichnete, hat wie jetzt bekannt wird, folgenden Wortlaut: „Mein lieber Generalfeldmarschall! Wenn ich Ihnen bei ber heutigen Feier Ihres 60jährigen Dienstjubiläums bas anbei erfolgende Kreuz mit Stern des Ordens pour le merite verleihe, so wünsche ich Ihnen hierdurch zu betätigen, daß es keine Anerkennung großer Thaten und militärischen Verdienstes geben kann, auf welche Sie nicht einen gerechten Anspruch erworben hätten. Sie werden ben Stern mit dem Bilde meines großen Vorfahren mit dem erhebenden
Fenstervertiefung, wo er dem durchdringenden Blick der Wirchin zu entgehen hoffte.
„Hier will ich bleiben und beobachten," sagte er, „vielleicht wagt sie nicht, ihre Drohung zu vollziehen. Jedenfalls hat sie mich noch nicht gesehen, und wenn die Umstände es erfordern, kann ich mich zeigen."
Ramero hatte sich indeß geirrt, denn da die Marquise ihn erwartete, hatte sie kein Auge von den Thüren verwandt. Zu ihrer großen Freude sah sie ihn eintreten: nun war ihr Opfer ihr gewiß, es konnte sich ihrer Gewalt nicht entziehen.
Dies für sie so wichtige Ereigniß stellte ihre gute Laune, wie ihre Heiterkeit wieder her, und da einige Tanzende des Vergnügens überdrüssig wurden, war sie bald der Mittelpuntt einer kleinen ausgewählten Gesellschaft, welche ihrer lebhaften Unterhaltung mit offenbarer Bewunderung lauschte.
Nach einer Weile ward bas Abenbeffen gemelbet Mit jener unwiderstehlichen, ihr eigenen Anmuth, ergriff die Marquise den zwar nicht angebotenen Arm des jungen Godeffroy, führte ihn an der Fenstervertiefung vorbei, wo sie Ramero verborgen wußte, und sagte laut lachend, als ob ihre plötzliche Lustigkeit durch eine Erinnerung hervorgerufen sei:
„Herr Godeffroy ist Ihnen vielleicht die Geschichte eine- gewiffen Faval bekannt?"
Dieser antwortete verneinend, indeß Ramero wie von einem Dolchstich getroffen, regungslos dasaß.
„Ihnen meine Herrschaften?" fuhr Frau von Mncourt fort, sich an ihre Gäste wendend.
„Faval?" wiederholte einer der Anwesenden. „Ein eigenthümlicher Name!"