'94
s
’*|te. 19»
Klarburg, Donnerstag, 21. August 1879
xnr. )ahrg»g
AtWschk jcitmig
sart a. M. rc.
Buchdruckerei) bezogen 34 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reichest 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.
«
131
9
«4
9
91 Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preist für dast Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JAustrtrteS TonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche 9- Buchdruckerei) bezogen 31 Mark, durch die Postämter dest Deutschen Reichest 3 Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
1( II
Hl
91
«r Expedition d.vlattest, MkdAnnoncen-Bureaux w Th, Dietrich & Co. in
Krmch in Frankfurt a.M.; Mienstein & Vogler in Mfnrt a M., Berlin, „‘.njig, Cöln ic.; Rudolf hgffe in Berlin, Frank-
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d. Annoncen-Bureanx von ®. L- Daube & Co. in Frankfutt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Juvalidendank in
Berlin; W- Thienes in Elberfeld; 6. Schlotte ti
Bremen.
S
es.
15
H
»4
9',
H
Der schwarze Bettler.
i io
"4
- i
Der vom Reichstag creirte Posten eines vierten Unter- tssecretärS für Handel, Gewerbe und Landwirthschaft Ministerium für Elsaß-Lothringen wird, wie das „B. hört, höchst wahrscheinlich überhaupt nicht besetzt werden, besteht nämlich die Absicht, die Verwaltung der indirekten ern und der Zölle im Reichslande auf das Reich zu agen und direct dem Reichsschatzamt zu unterstellen; in hieraus bezüglicher Gesetzentwurf hat den Bundesrath eits vor mehreren Monaten befchästigt und wird dem ichstag im nächsten Jahre vorgelegt werden. Nach Ab- nung dieses Verwaltungszweiges würde aber der Posten ves elsässischen UnterstaatSsecretärs der Finanzen sachlich rt herabgedrückt, daß man sich entschlossen hat, wie iprünglich auch beabsichtigt war, die Handels- und Ge- eangelegenheiten bei der Finanzverwaltung zu belassen.
B gefaßt werden.
Die „Magdeb. Ztg." brachte neulich einen Artikel über nigsen", in welchem ausgeführt wurde, daß für den ritt des Herrn v. Bennigsen aus dem parlamentarischen
23 -44
-7«
-63
-21 Jn'Z
H Wie daS „B. T." hört, hat der Minister des Innern km Staatsministerium eine Vorlage gemacht, in welcher j fe Grundsätze erörtert werden, von denen der für die Ächste Landtagssession in Aussicht genommene Gesetzentwurf, effend die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichtsbehörden der ganzen Monarchie, ausgehen soll. Hebet diese und e principielle Fragen wird nach der Rückkehr des Wen Bismarck von Gastein im Staatsministerium Be-
Ä
0
8‘w
das Verhalten des Fürsten Bismarck gegen ihn rnt- idend geworden sei. Er habe darüber seinen persön- Freunden, insbesondere dem Landtagsabgeordneten rbürgermeister Miquvl in Osnabrück und dem Reichs- -Abgeordneten Senator Römer in Hildesheim Eröff- gen gemacht. Der Artikel konstatirte hieraus die That- irche, „daß dies Verhalten von Mann zu Mann" es Haupt- kl Wich gewesen ist, was Herr v. Bmnigseu's Verzicht auf * Wiederwahl ins Abgeordnetenhaus, d. h. auf die nächste ® weitere Gelegenheit zu parlamentarischem Wirken bestimmt A At Es wird deshalb, folgerte die Magdeb. Ztg., nach 7t feer eigenen Anschauung vollkommen richtig in die Reihe Rer kostbaren Kräfte gestellt, welchen die Aktion deS Reichskanzlers das Zusammenwirken mit ihm zu national- 8) Ntischen Zwecken verleidet hat." Selbstredend wurde - Insinuation von allen oppositionellen Blättern abge- üuckt als ein Beweis dafür, daß Fürst Bismarck an
1 - n it. in
179
* Tagesbericht.
7i Der „Reichsanzeiger publizirt die Ernennung deS Ober-
8i MaltnngS-Gerichtsraths v. Goßler zum Unterstaatsseeretär
8: Director im Cultusministerium.
II
»Ich habe zweimal an Dich geschrieben," sprach endlich 18 * Marquise, „ich an Dich — zwei Mal! weshalb erhielt
keine Antwort?"
. 1*
3 *»
26^
Novelle von M. Dobson.
(Fottsetzung.)
! 7Ü Äf.
„Ich wage nicht zu antworten!"
> -5T „Du wagtest' nicht? Aus welchem Grunde? Wolltest Du 9-ich etwa meinen Befehlen entziehen?"
„Nein, Herrin, denn ich habe Ihre Befehle erfüllt!"
|6( • „Du bist ein guter Diener, Faval," sagte darauf die gn, ^Mne mit jener lieblichen Stimme, die allen Creollnneu z strich ist. „So sage mir kenn, was hast Du ausgeführt:" tW „Ich habe mir die Freundschaft jenes Jünglings er- *»tt>en feit einem Monat fast sind wir unzertrennlich!" . „Das freut mich zu hören! Ich habe also Deiner Ge- Hicklichkeü nicht zu viel zugemuthet. Aber weiter!"
y—. „Mr ist seine ganze Geschichte bekannt und alle seine .fld ^cheimnisse hat er mir anvertraut."
9** „Um so besser! Und —"
„Gebieterin!" rief jetzt der Mulatte in flehendem Tone, ’Xj ^vdessroy liebt mich — es ist lange lange Zeit her, daß #manb mich geliebt — ich beschwöre Sie, haben Sie 139-1 Mitleid mit ihm! — Ach fügen Sie ihm kein Leid zu!"
„Armer Favel!" sagte mit höhnischem Lächeln die Mrquise, ihr schönes Haupt gegen die Lehne deS Sessels Rfeenb. Bei diesem Lächeln, das Wuth und Rachedurst gli * seinem Herzen wachrief, knirschte ihr Gefährte, der sich lOi- w zu beherrschen vermochte, mit den Zähnen und nur JB* 5,1 großer Anstrengung erlangte er seme Ruhe wieder.
„Don Rdrigv'de Ramero", fuhr Frau von Alincourt
allem Schuld sei, und zu dem — wenn auch nicht immer ausgesprochenen Zweck, alle Liberalen gegen den Kanzler aufzubringen und einen systematischen Kampf gegen ihn in Scene zu setzen. Jetzt nun bringt der Hannv. Courier mit Bezug auf jenen Artikel folgende, wie anzunehmen ist, autorisirte Erklärung: „Wir haben Grund zu glauben, daß derartige Aeußerungen von Herrn von Bennigsen nicht gemacht und von den erwähnten Freunden nicht mit- getheilt sind, und halten es für müßig, den Beweggründen des Herrn von Bennigsen durch allerlei Muthmaßungen nachzuspüren, so lange er selbst darüber keine authentischen Erklärungen giebt."
Die englische Presse beginnt jetzt, nach Schluß der Parlamentssession, die Chancen der liberalen Partei bei den Neuwahlen zu erörtern und kommt int Allgemeinen zu dem Resultate, daß die öffentliche Meinung dem jetzigen Cabinette zur Seite stehe, weil es die Würde und die Integrität des Reiches nach Außen hin hochgehalten habe. Erst wenn die Opposition beweise, daß dies nicht der Fall sei, habe sie ihre Gegner bedeutend geschädigt. „Der Zusammenbruch der afghanischen Debatte in der letzten Sitzung der Session" — schreibt der „Observer" — .besitzt eine Bedeutung, welche die Opposition sich zu Herzen nehmen sollte. Die auswärtige Polittk Englands beherrscht noch immer in erster Linie das öffentliche Interesse. Unzweifelhaft haben viele Ursachen zu der gesetzgebischen Unfrucht- barkett der Session beigetragen; allein die hauptsächlichste war die allgemeine Heberzeugung, daß die auswärtigen Angelegenheiten Englands für den Augenblick von größerer Bedeutung sirck, als irgend eine Frage der inneren Reformen." ___
Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Die Boffchafter der Mächte beantworteten durch eine Collectiv- mitthellung die Anzeige der Pforte über die Erneuung der Commissäre für die griechifchen Verhandlungen dahin, daß sie, nachdem die Ernennung der Commissäre um drei Monate verzögert worden sei, nunmehr die Anzeige des Eröffnungstages der Verhandlungen innerhalb 48 Stunden gewärtigten.
Deutsches Brich.
Brrlta, 19. Aug. In Bezug auf die Kösliner Rede des Kultusministers v. Putckamer wird der „Kreuz-Ztg." aus Köslin mitgethcilt: An und für sich war es wohl nicht besonders tactvoll, daß bei der gedachten Feier in Gegenwart des zeittgen Herrn Kultusministers seines AmtS- vorgängers in einer Weise Erwähnung geschehen ist, wie dies der Herr Provinzial-Schulrath Dr. Wehrmann gethan. Hebet einen Amtsvorgänger in Gegenwart seines Nachfolgers 'xm öffentlicher Stelle zu sprechen, ist überhaupt
mit eisiger Kälte fort, „haben Sie mir weiter nichts zu sagen?"
„Er ist noch zu jung", stammelte der Mulatte.
„Dies Mitleid fängt an, mich zu langweilen", sagte die Dame anscheinend ein Gähnen nnterdrückend. „Zur Sache jetzt! Ich ertheile Dir einen Befehl, dieser ist nur zur Hälfte vollführt; weißt Du auch, daß dies Dir sehr gefährlich werden kann?"
„Ich weiß, daß ich in ihrer Macht bin , Gebieterin; weiß, daß mein wahnsinniger Stolz, wie meine lächerliche Eitelkeit mich zu Ihrem Sclaven gemacht haben, obgleich wir hier im Lande der Freiheit sind. — O! verwünscht sei der Tag, der mich meine Abstammung vergessen, mich einen edlen Namen annehmen ließ in der leeren Hoffnung, ein wenig Neid zu erregen, nachdem ich der Gegenstand so tiefen Mitleids gewesen! — Aber damals glaubte ich, daß in Europa der Mulatte ein ebenso verachtetes, ausgestoßenes Wesen sei, wie in seinem verfluchten Lande! — Ich täuschte mich, und obgleich Sie meinen Jrtthum kannten, ließen Sie mich jenen unglücklichen Betrug begehen, anstatt mich über die Verhältnisse aufzuklären. — Sie thaten dies nicht ohne Grund, denn meine Thorheit lieferte Ihnen den Sclaven zurück, den Sie bereits verloren — jenen Sclaven, den jetzt die Gesetze der Gesellschaft nicht schützen werden!"
„Du bist in der That beredt, Faval!" sagte mit unerschütterlicher Ruhe die Marquise.
„Faval! immer noch Faval!" rief außer sich der Mulatte. „Vergessen Sie, Frau Marquise, daß Ihre Macht zu Ende ist, so bald ich jenen mir so verhaßten Namen wieder angenommen?"
„Nein, sicherlich nicht, Don Rodrigo be Ramero, ich
mißlich. Bei einem Manne, wie dem Herrn Minister v. Puttkamer ließ sich von vorn herein annehmen, daß er, zumal die Feierlichkeit gar kein Boden war, sich in politischen Expectorationen zu ergeheu ober ein politisches Glaubens- bekenntniß abzulegen, keineswegs bie Absicht hatte, Andeutungen über die AmtSthätigkeit des Herrn Fall ober gar über seine Stellung zu ber bisherigen Leitung be« Kultusministeriums zu geben. Um aber noch jebem Mißgriff bei dem Toastiren in dieser Beziehung vorzubeugen, hatte ber Herr Kultusminister vor bem Diner noch auS- brücklich gebeten, Toaste politischen Inhaltes zu unterlassen. Erst durch bie Provocation seitens be« Herrn Dr. Wehr- mann würbe ber Herr Minister zu jener in echt feinem Tact gehaltenen Erwiderung veranlaßt oder vielmehr gleichsam gezwungen. Wie bie Sache sich nun einmal gestaltet hatte, konnte ber Herr Minister nicht umhin, bei jener Erwiderung auf den Wehrmannschen Toast nunmehr seine Stellung zur politischen und religiösen Richtung seine« Amtsvorgängers zu manifestiren. Daß die Art und Weife dieser Manifestation nicht ander«, wie geschehen, ausfallen konnte, kann bei dem polittschen und kirchlichen Standpunkte de« Herrn v. Putckamer kein Wunder nehmen. Daß dieser Standpunkt den liberalen Organen nicht genehm ist, darf ebenso nicht Wunder nehmen. Immerhin hätten aber bie liberalen Blätter so viel Tact besitzen müssen, bie offene Weise, in ber Herr v. Putckamer sein Scheiben von den Bahnen seines AmtsvorgängerS betonte und nach obigem betonen mußte, dem Herrn Minister nicht zum Vorwurf zu machen. — In Bezug auf die Verhandlung mit dem Vatikan wird der „Magdeb Ztg." geschrieben: Nach einem hierher gelangten Schreiben soll der Reichskanzler einem Mitgliede des Centrums gegenüber sich dahin ausgesprochen haben, daß ihm bislang von Rom aus keine annehmbaren Proposittonen gemacht worden seien. Wir i nb der Ansicht, daß all diesen Mittheilungen über den Stand der Verhandlungen mit Rom wenig Glauben beizumessen ist. Wir können nicht glauben, daß da« Centrum die Stellung zu ber Regierung eingenommen hat, wenn noch gar nichts zwischen Berlin unb Rom abgemacht wäre. Wenn bie Lanbtagswahlen vorüber stnb, wirb man vielleicht mehr darüber erfahren.
Königsberg i. Pr., 15. August. Dieser Tage hielt die Polizei einen hier durchreisenden Arbeiter Dökner, einen Sozialdemokraten, an, bei welchem ein Koffer beschlagnahmt wurde, in welchem sich sozialdemokratische Schriften befanden. Auf Befragen deS Juhastirten, waS er mit all den Schriften zu thun beabstchttge, gab D. zur Antwort, er führe dieselben zu seinem Vergnügen mit sich.
Breslau, 18. August. Zur Designirung de« neuen Oberpräsidenten von Schlesien wird der „Schles. Ztg." au« Görlitz Nachstehendes berichtet: Die Zeitungen unserer Provinz und viele andere deuffche Blätter brachten dieser
bedarf Ihrer zu sehr, um einen solchen Verlust herbeizuführen. Aber ich bitte, fahren Sie doch fort!“
Der Mulatte erbebte bei dem kalten Hohn dieser Worte, dennoch fuhr er ruhig fort:
„Ich ward auf ihrer Plantage geboren, Herrin, imb mißachtete die Freiheit, als ich sie erhielt, indem ich sie für einen leeren Namen hingab, der mich in noch engere schrecklichere Banden schlug. Dennoch vermögen auch Sklaven ihre Fesseln zu zerbrechen und daher hüten Sie sich!“
„Soll dies vielleicht eine Drohung fein?"
„Befehlen Sie mir etwas Ausführbares zu vollziehen," entgegnete dreist Ramero, „doch Godeffroy's Untergang will ich nicht!"
„Du willst nicht?" wiederholte langsam Frau v. Alin- court, während ihre Augen in selffamem Feuer leuchteten.
„Barmherzigkeit!“ rief Don Rodrigo, unfähig diesen Blick zu ertragen, „Barmherzigkeit, Gebieterin! — Er zählt kaum zwei, und zwanzig Jahre — sein Herz ist großmüthig und unverdorben —"
„Genug!" unterbrach gebieterisch die Marquise. „Mr scheint ganz einfach, daß Sie meine Geduld auf die Probe stellen wollen, Herr von Ramero! — Vorhin gar drohten Sie mir und erklärten, meine Befehle nicht vollziehen zu wollen! — ES übersteigt in der Thal, alle Grenzen!"
„Gebieterin!"
„Keine Unterbrechungen!"
Die Marquise erhob sich, die Fußbank weit von sich schleudernd unb staub aufrecht, ja droherch vor ihrem Gefährten, welcher bleich und zitternd zurÜÄvich.
„Du bist Mulatte?" rief sie mit niederschmetternder Verachtung. „Wie kann es auch anders sein, da Negerblut in Deinen Adern rollt und Deine einzige Aehnlichkeit mit