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.Marburg, Mittwoch, 20. August 1879.

XIV. Jahrgang

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Dazu bemerkt dieN. Pr. Ztg.

möib Juch uns wird die Berufung des Herrn Dr. Sydow an

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Ne und streckte ihr bittend seine Hand entgegen. Diese ch achtete seiner nicht, sondern betrat eilig das Haus,

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elegenheitm, soweit diese sich in dessen ausschließlicher rwaltung befinden, an Stelle des Ministers Hofmann ftragt wird; ferner die Ernennung des Unterstaats-

gebung großer Staaten die Rhetorik nur eine untergeord­nete Hülfswissenschaft der Politik ist, wenn sie auch in der Fraktion immer eine wirksame Waffe bleiben wirb, um Nebenbuhler mundtodt zu machen. Für die parlamen­tarischen Absttmmungen wird die zeitraubende Gabe der Beredtsamkeit mehr und mehr in demselben Maße im Preise sinken, als unsere politische Bildung sich hebt."

Der Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland und Ocherreich in Gastein wird von der englischen Presse eine immer wachsende Bedeutung beigelegt, welche nicht ohne Beziehungen stehe zu dem neuen Ministerwechsel in Oester­reich. Interessant sind einige hierher gehörige Mitthei­lungen des Wiener Correspondenten desStandard", die derselbe als vonunbestreitbarer Autorität" herrührend bezeichnet. Nach ihm werde die Zusammenkunft der beiden Monarchen von großem Einfluß auf deren Freundschaft sein. Die Beziehungen zwischen ihnen seien derart, daß sie jene ofterwähnten antideutschen Aspirationen nicht auf­kommen lassen würden, wenigstens so lange Franz Josef auf dem Throne sei. UeberdieS werde von dieser Zu­sammenkunft die klare und enffchiedene orientalische Politik Oesterreichs datiren, da eS nunmehr die Gewißheit habe, daß dieselbe von Deutschland gebilligt werde. Jene Politik werde für Oesterreich die starke und dauernde Festsetzung auf der Balkanhalbinsel sein. Andrassy's schwankender und zögernder Politik werde ein Ende gemacht werden und dies sei ein weiterer Grund, warum dessen Rücktritt als ein unwiderruflicher betrachtet werden müsse. Deutschland soll fest entschlossen sein, die Stärke Oesterreichs nach keiner Seite hin zu vermindern, so daß dieses seine Mis­sion im Osten Europa's erfüllen und der starke Freund und gute Alliirte Deutschlands sein könne. Der Kaiser Franz Josef sei schon lange vollkommen davon überzeugt gewesen, daß ein Verlaß auf Deutschland das beste Mittel sei, um der Ausdehnung des russischen Einfiuffes auf der Balkanhalbinsel entgegen zu treten. Deutschland werde be­müht fein, dessen Beziehungen zu Rumänien, Bulgarien, Serbien und Montenegro durch Handels- und Zollver- träze zu stärken, welche zu einer späteren Zeit sich zu einer wirklichen Allianz entwickeln könnten. Zwar feien viele Cisleithaner und fast ganz Ungarn diesen Plänen abgeneigt und da Graf Andrassy keine Miene gemacht habe, dieselben auszuführen, so werde er durch einen Mann ersetzt werden, der eher hierzu im Stande sei. Die soeben vollzogenen Veränderungen im cisleithanischen Cabinette seien als das erste Anzeichen dieser neuen Politik zu be­trachten. Schließlich habe die angeführte Autorität noch behauptet, daß, wenn beide Reiche, welche von der Nordsee bis zum Schwarzen Meere reichen, fest zusammen hielten, ohne sich in die volle staatliche Unabhängigkeit der be­treffenden Länder einzumischen, diese Allianz in der That

tärs Sydoiv zum Direktor der Hauptverwallung der aatsschuldeu mit dem Amtscharakter eines Präsidenten des wirklichen Geheimen Oberfinanzrathes Meinecke Unterstaatssekretär im Finanzministerium.

Der bisherige Unterstaatssekretär Dr. Sydow wird nach Ende dieser Woche erwarteten Rückkehr des Ministers ächst seinen Urlaub antreten und die Stelle eines Präst- en der Verwaltung der Staatsschulden erst am 1.

ks Geh. Finanzraths Merleker als Mitglied der Haupt- krwalttmg der Staatsschulden zu vollziehen. Dr. Sydow irt, wie es heißt, neben seinem neuen Amt noch den Ersitz in der wissenschaftlichen Deputation für das Medi- Lalwesen weiter führen."

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" ist der An- W, daß in den Erörterungen der Preffe über die all- Mge Zerbröckelung und Auflösung der nattonalliberalen artet einem Moment die verdiente Beachtung noch nicht s Theil geworden sei,der Thatsache nämlich, daß die »Gagfertigkeit der Lasker'schen Zunge, in Verbindung iit den übrigen rhetorischen Klops - Fechtern in der Eion, dem politisch begabteren, aber wenig zungen- chgen Element die Existenz in der Fraktion aus die

.......

ein geradezu unübersteigliches Hinderniß für alle feindlichen Angriffe bilden werde eine Behauptung, deren Berech­tigung wohl von Niemand in Zweifel gezogen werden kann.

kaum eine einzige des Dr. Lasker au die Seite stellen V: sorgfältig durchdachte, meisterhaft redigirte Reden.

feine harmonische Natur war im unvorberetteten pfe des Wortgefechts innerhalb der Fraktton dem Jm- sationstalent Laskers nicht gewachsen. Die Zahl Derer, mehr zu thun haben, als ihre Kräfte im unfruchtbaren ßedekampfe mit Herrn Lasker zu mesfen, ist mit den bis- gen Austritten aus der Fraktion nicht erschöpft; wir überzeugt, daß mehr als die Hälfte der jetzigen Frak- milglieder in kurzer Zeit noch zu der Erkenntniß en werden, daß in der Regierung und in der Gesetz-

1 eia ft Spitze der Hauptverwaltung der Staatsschulden als [23i Gehende Thatsache gemeldet. Das königliche Ober- tounal hielt dieser Tage eine Ferien - Plenarsitzung ab, W M die Vereidigung des bisherigen Unterstaatssekretärs 7g hn Kultusministerium Dr. Sydow als Direktor und die

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte- sowie d. Annoncen-Bureauk von @. L- Daube & Co. in Frankfurt a-N; Jägerffche Buchhandlung daselbst; Hernmnn'sche Buchhandl. daselbst; Jnvakidendank in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

DiePolit. Corresp." meldet aus Konstanttnopel: In der Note betreffend die Ernennung der Delegirten für die Verhandlungen mit Griechenland erinnert die Pforte an die identische Juni-Rote der Mächte, welche die Ernennung der Commiffäre zur Wiederaufnahme der Verhandlungen in Konstantinopel verlangt. In Gemäßheit der Anschau­ungen des Berliner Congresses von dem Wunsche zur Er­haltung guter nachbarlicher Beziehungen zu Griechenland beseelt, kam die Pforte diesem Verlangen nach. Sie wird den Commissären den Eröffnungstag der Verhandlungen bekannt geben. E« verlautet, die Pforte wolle den 21. August als Eröffnungstag bestimmen. Die Einwohner von Marmitza im Distrikte von Volo haben beschwerde­führend an mehrere Botschafter telegraphirt, daß die tür­kische Behörde die vom Sultan erlassene Steuer des Vor­jahres eintreibt, sie zu Frohnarbeiten zwingt und hundert ihrer dagegen opponirenden Mitbürger einftrferte. Sie bitten schließlich- um Abhülfe oder Ermöglichung der Aus­wanderung.

Mk d.Annoncen-Bureaux » M N- Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. , ' Henich in Frankfurt a.M.; : Lenstem & Vogler in

tzu«; fcggffurt 0- M., Berlin,

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlnftrtrteS SonntaaSblatt" durch die Expedition tKoL'sch- Buchdruckerer) bezogen 2, Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf». Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Abreffen werden 25 Pf,, berechnet.

tt, st-ff- in Berlin, Frank- q'kift lntt °. 2!. rc.

DerReichs-Anzeiger" pnblicirt die Verfügung, durch -t W «lche der UnterftaatSfeeretär im Reichsschatzamt, Scholz, ei- o^sti der Stellvertretung des Reichskanzlers in Reichsfinanz-

Ger verleidet hat. Herr v. Bennigsen hat Reden ge­lten, namentlich in Fragen der höheren Politik, denen

an!

Mopiei i.Fe«,

«gingen nimmt rmgegen: ^Sroeditton d.vlattes,

in welchem die Freunde wohnten, und Ramero flüsterte bleich und kaum int Stande, feine Aufregung zu verbergen:

Sie ist's! O, ich habe mich also nicht geirrt!"

iWelche wunderbare Aehnlichkeit!" dachte dagegen der Neger, dessen dunkle Züge Ueberraschung und Verdacht zu­gleich ausdrückten.Ich muß und will wissen wer sie ist!" Die Dame war indeß die Treppe hinaufgestiegen, und von kindlicher Neugier getrieben, welcher seiner Nachbarn durch den Besuch beglückt werden sollte, blickte Godeffroy durch das Schlüsselloch, während der schwarze Bettler aber­mals seinen Platz auf den Stufen der Treppe einnahm.

In diesem Augenblick vernahmen deutlich die Freunde ein leises Klopfen an ihrer Thür und der jüngere sagte heiter:

Eine unerwartete Ehre, Ramero, gilt sie Ihnen oder mir?"

Die Dame wünscht mich zu sprechen," lautete die kaum hörbare Antwort, nach welcher auch schon die Thür sich austhat , um der Genannten Eintritt zu gewähren, deren Züge ein dichter reichgestickter Schleier jedem Auge verbarg.

Jetzt ist die Reihe an Ihnen, Freund Ramero," flüsterte Godeffroy diesem ins Ohr.Die Gelegenheit ist günstig, ich räume Ihnen das Feld!" Und sich höflich vor der Dame verbeugend, verließ der Jüngling da« Zimmer.

Kaum hatte er die Thür geschlossen, als in Don Rodri- go's Zügen eine schreckliche Veränderung vorging. Der sonst so kühne selbstbewußte Ausdruck ^verschwand aus den­selben um der tiefften Demuih und Unterwürfigkeit Platz zu machen und sich tief vor der jetzt Entschleierten ver­beugend, fragte er fast mit bebender Stimme:Was ver- langt meine Gebieterin von mir?"

- . Dir Dame, welche soeben das Gemach betreten, war

Zur Kirche ist's doch offenbar zu spät," fuhr Godeffroy dem seines Gefährten Bemerkung entgangen,so wird einem unserer Hausgenossen die Ehre dieses Besuches Istdacht sein."

tti0 Eine tödtliche Blässe überzog Ramero'S Züge, als jetzt 13' \ Wagenschlag herabgelassen ward und eine anmuthige b.93. Gliche Gestalt ausstieg, welche einen prüfenden Blick nach ' Balkon hinauswarf

Der schwarze Bettler, welcher seit der MiethSwagm Diahren, regungslos wie in tiefem Schlaf auf den . ^fen der Kirchentreppe gesessen, näherte sich jetzt der

Deutsches «eich.

* Berlin, 18. August. Die Ernennung des Ober­verwaltungsgerichtsraths v. Goßler zum Unterstaatssekretär im Kultusministerium ist nunmehr Allerhöchst vollzogen. Im laufenden Staatshaushalt ist bezüglich der Zuschüffe für Gymnasien, Prvgymnasten rc. folgender Vermerk ein­getragen: die einzelnen Zuschüffe können während der Dauer der Bewilligungsperiode ohne Rücksicht auf den jedesmaligen Jahresbedarf voll an die Anstaltskassen bezahlt werden". Der Kultusminister hat jetzt die Grundsätze, auf denen bei Ausführung dieses Vermerks zu Werke gegangen werden soll, zur Kenntniß der betreffenden Behörden gebracht. Es ist wiederholt wahrgenommen, daß die Vorschriften des § 17 Abs. 1 des Betriebsreglements, nach welchem bei Ankunft des Zuges aus einer Station der Name derselben, die Dauer des für sie bestimmten Aufenthalts sowie der etwa stattzufindende Wagenwechsel auszurufen ist, seitens des Zugbegleitungspersonals vielfach unbeachtet gelaffen wird.. In einem Erlaß vom 2. August macht der Minister für öffentliche Arbeiten den Eisenbahndirektionen zur Pflicht, die in Rede siebende Vorschrift den betreffenden Dienststellen nochmals nachdrücklich einzuschärfen. In Bezug auf die Privatbahnen sieht den Königl. Eisenbahndirectionen die Controlle zu. Nach der im Reichseisenbahnamt aufge­stellten Nachweisung über die im Monat Juni b. I. auf den. deutschen Eisenbahnen erd. Bayerns vorgekommenen Unfälle waren im Ganzen zu verzeichnen 23 Entgleisungen, von mittlerer Größe, aber vollkommen ebenmäßiger Gestalt. Wohl hatte ihr Gesicht die Blüthe der Jugend verloren, eS war trotzdem jedoch von wunderbarer Schönheit und auf den ersten Blick erkannte man, daß ihre bleichen Wangen, wie der matte Glanz ihrer großen dunklen Augen, eher einer ungewöhnlichen Aufregung als dem Einfluß der Jahre zuzuschreiben sei.

Uebcrhaupt gehörte sie zu jenen Frauen, deren Alter kaum bestimmt anzugeben ist. Viele hielten sie für eine Dreißigerin, Besserunterrichtete dagegen behaupteten, sie habe das vierzigste Lebensjahr überschritten. Erwies sich die letzte Aussage <üs wahr, dann hatten ihre reizenden Züge unter der schweren Hand der Zeit wahrlick wenig gelitten!

®ine ganz besondere Eigentümlichkeit der schönen Er­scheinung, welche wir dem Leser vorgeführt, waren die lang­samen Bewegungen, jene Nachlässigkeit der Hattung und das bestimmte Sichgehenlaffen, das stets die Töchter der Tropenländer kennzeichnet.

Dabei war jede ihrer Bewegungen von der höchsten Anmuth, durchaus frei von aller Ziererei und ihre schönen, g artgeformten Glieder schienen instinktmäßig Ruhe und Stütze zu suchen.

Wer einmal Gelegenheit gehabt, die verführerischen Reize crevlischer Indolenz zu bewundern, weiß zugleich, daß unter dieser anscheinenden Ruhe oft die größte Energie schlummert. Jene Frauen, deren Leben in einer Art Traum zu ver­fließen scheint, sind, wenn durch Leidenschaften zur That- krast geweckt, der größten Anstrengung fähig und ihre zarten, weißen Hände, denen fast der Sammet zu hart, der Fächer zu schwer ist, ballen sich dann mit einer Gewalt, welcher kaum die Starken des starken Geschlechte- Wider­stand zu leisten vermögen

Der schwarze Bettler.

| Novelle von M. Dobson.

(Fortsetzung.)

Und dennoch hätte wahrscheinlich Godeffroy seines ftundes Ueberredungskunst nicht lange widerstanden, wäre $t in diesem Augenblick eine elegante Equipage, mit zwei 'nen, edlen Pferden bespannt, um die Kirche gebogen eben vor das Haus gefahren, wo im ernsten Gespräche beiden Freunde standen.

Die eintretende Dämmerung hüllte bereits alle Gegen- in ein unbestimmtes Licht, dennoch hatten sie Wagen > Pferde deutlich gesehen und Godeffroy, glücklich dem räch eine andere Wendung geben zu können: »Welch kostbare Thiere! wem nur mögen fie gehören ?" Statt aller Antwort zog Ramero hastig seine Lorgnette r, prüfte vermittels betreiben das Wappen am Wagen- g und flüsterte kaum hörbar: »Alincourt!"