Marburg, Sonntag, 17. August 1879
XIV. Jahrgang
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hingen nimmt entgegen: » Expedition b.Blatte!, «e d-Annoncen-Bureaur w Th, Dietrich & Co. in M und Hannover; Th. «trich in Frankfurt a.M.; ufenftein & Vogler in «gtfurt a M., Berlin, jpzig, Cöln re.; Rudolf W in Berlin, Frankfurt a. M- re.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d-Annoneen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'fche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen-
Erscheint täglich außer au den Werktagen nach Sonn- and Feiertagen. Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrtrteS SouutagSblatt" durch die Expedition (Koch^che Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejtl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfß.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
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- II ausgebrachten Toast anschlotz, worin gleichzeitig der 02,'j erbten fte deö Ministers Falk rühmend Erwähnung ge-
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Weit über den Balkon gebeugt, Alle» um sich her ver- o . End blickte Godeffroy auf die Kirchengängerinnen nieder, 52 er mit forschendem Blick prüfte, als plötzlich Ramero 'N zuflüsterte:
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Der schwarze Bettler.
Novelle von M. Dobson.
ftgespresse gebrachten Versionen über die vom Cultus- iiiüster v. Puttkamer bei dem Festmahl gelegentlich der inweihung des neuen Gymnastalgebäudes in Cöslin ge- men Aeußerungen sind wir ermächtigt, nachstehend deren treuen Wortlaut wiederzugeben, wobei wir vorausschicken, »ß die gesprochene Rede des Ministers sich an einen auf
„Haben Sie sie gesehen?
.. „Sie? wen meinen Sie?" fragte ganz verwirrt der Engere Mann.
„O, jetzt nur keine Zurückhaltung mehr!" antwortete
Ein Jeder fast, der die Kirche verließ, legte eine mehr minder reiche Gabe hinein, da der Neger Allen wohl Normt war.
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Der „Reichsanzeiger" schreibt: Gegenüber den in der
Ramero. „Ich weiß, daß sie in der Kirche war, Nn — da kommt sie!"
In diesem Augenblick erschien unter dem Portal ein Enstes Mädchen von ungewöhnlicher Schönheit, welche« Nach aber geschmackvoll gekleidet, auf den ersten Blick die Aristokratie verrietb, und von einer ernstm, älteren Dame, ^itr Erzieherin oder Gesellschafterin, begleitet war.
... Auch sie gab im Vorübergehen dem Bettler ein Geld- dieser dankte mit freundlichem Lächeln, di« Hand auf« legend, zugleich gezwungen einer anderen Geberin Nr Aufmerksamkeit zuzuwenden, indeß das junge Mädchen Neu Blick nach dem Balkon warf, diesen tieferröthend aber darauf abwandte.
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Hetzen war. Der Wortlaut der beiden Stellen, um welche i sich handelt, war folgender: Mit besonderer Freude und tzamgthuung habe ich die von dem Vorredner dem Verdienste meines Amtsvorgängers gezollte Anerkennung ver- leinmen. Ich freue mich dieser Anerkennung um so mehr _ ls ich mich ihr nur durchaus anschließen kann, wenngleich - Y, wie ch offen bekenne, nicht in allen wesentlichen Be- - rhungen den kirchlichen und politischen Standpunkt meines 7:, Imtsvorgängers theile. Ich kann aus eigener Erfahrung LP, stunden, mit welcher bewundernswürdigen Energie und
- In Bezug auf die häufige Pensionirung von Admiralen - nab hohen See-Offizieren macht die „AugSb. Allg. Ztg." " ckgentlich der in Aussicht stehenden Pensionirung des lbmiral Bätsch folgende sehr beherzigenSwerthe Bemer- Ngen: „Der Admiral ist noch ein kräftiger und an
- Körper wie Geist sehr rüstiger Mann, der seinem Vater- kib und dessen Flotte noch lange Jahre die besten Dienste lasten kann und soll, nicht aber seine Zeit in erzwungenem Müßiggang vergeuden darf. Wohin soll es auch führen,
(Fortsetzung.)
Godeffroy wollte fortfahren, allein in dem Augenblick ®ntben die Kirchthüren geöffnet, der umliegende Platz füllte i"*'1 dch mit der andächtigen Menge und die Ernte de« schwarzen J Mittlers begann, der unbeweglich mit auSgestrrckter Hand Wand.
Sti tzätigkeit Minister Falk während seiner siebenjährigen mtsführung sich die Pflege und Förderung des gesammten Schulwesens, des höheren wie niederen hat angelegen sein • assen. Dafür gebührt ihm der Dank des Landes, auch üer derer, welche ihm auf seinem Wege nicht immer mit Mgem Einverständniß haben folgen können. Was meine ligene ministerielle Stellung betrifft, so bemerke ich, daß, denn ich meiner persönlichen Neigung hätte folgen dürfen, 1 fj ich es entschieden vorgezogen haben würde, in der Stellung 9 -« M Oberpräsident an der Spitze der schönsten Provinz des 2 Htztgates zu verbleiben, in einer Stellung, welche mir volle Befriedigung und fruchtbare die ganze Manneskraft aus- , I, füllende Beschäftigung gab. Ich habe aber nicht geglaubt - 108 vom Kaiser im Einverständniß mit dem Fürsten Bis- - mck mir übertragene BertrauenSmandat abzulehnen, und — derbe mich bemühen, dieses Verttauen auch in meiner " »enen Stellung zu rechtfertigen. Sollte ich aber bei der 84$ Führung meines Amtes gemäß meiner Ueberzeugung den 84 in mich gesetzten Erwartungen der obersten Staatsleitung - »icht entsprechen, so würde ich jederzeit bereit sein, vom 2 Botte zurückzutreten. -
und welche vollständig nutzlosen pecuniären Ausgaben erwachsen der ohnehin schon zu stark in Anspruch genommenen Kaffe des deutschen Reiches, wenn alljährlich mehrere noch junge kräftige Admirale pensionirt werden, wie dies m den letzten Monaten bereits mit dem Viceadmiral Henk und dem Contreadmiral Werner geschehen ist? Deutschland bringt gern ,die nicht geringen Opfer an Geld wie Menschen, die für ein kriegstüchtiges Gedeihen seiner jungen Kriegsflotte nun einmal unumgänglich erforderlich sind; aber wir haben auch ein vollgültiges Recht, mit aller Entschiedenheit zu verlangen, daß in Allem und Jedem dabei eine vernünftige Sparsamkeit beobachtet und besonders auch durch unnütze Pensionirungen kein Geld vergeudet werde." — Admiral Bätsch verbüßt dermalen seine Strafe in Fried- richsort bei Kiel.
Zur Münzreformfrage schreibt man der „Volks-Ztg.": Noch immer ist seitens der Regierung über ihre Stellung zur Münzfrage keine Erklärung erfolgt. Es verlautet, daß Herr v. Dechend, der Präsident der Reichsbank, bekannt als Gegner der neuen Münzreform, im Verein mit angesehenen Banquiers auf allmähliche Rückkehr zur Doppel währ hinarbeitet. Herr v. Dechend scheint sich hierin der Zustimmung des Reichskanzlers zu erfreuen. Was zunächst auf dem Verwaltungswege zur Behinderung der Ausführung der Münzreform geschehen kann, ist von diesem Einfluß zu erwarten. Hiermit hängt es denn auch zusammen, daß nicht nur die Einziehung der Thaler gänzlich sistirt ist, sondern daß seit einigen Wochen auch der tägliche Umlauf dieser Silbermünzsorte durch massenhafte Auszahlungen derselben au« den Reichsbankkassen sich merklich vermehrt hat. Die Absicht, das Publikum wieder allmählich an dieses Cirkulationsmittel zu gewöhnen, ist dabei unverkennbar. Jedenfalls wird die Münzfrage den BundeSrath in seiner nächsten Test'on beschäftigen.
Die Namen der Mitglieder des neuen österreichischen Ministeriums hat bereits der Telegraph übermittelt. Der „Tagesbote" schreibt, daß er aus bewährter Quelle die Nachricht erhalte, es handle sich jetzt nicht um die Bildung eines definittven, sondern wieder nur um ein provisorisches Cabinet, um ein Ministerium ad hoc Das neue Ministerium hätte nur dafür zu sorgen, daß das Budget und das Wehrgesetz votirt werde. Durch das neue Ministerium erhalte die liberale Partei eine Galgenfrist, ehe es zum ersten Principienkampfe komme. Die Auflösung des Abgeordnetenhauses werde nothwendig erfolgen, sobald die „Strohmänner" ihren Platz verlassen. — Das zurückgetretene Ministerium Stremayr - Taaffe war das neunte seit der Einführung der Februar - Verfaffung. Das Ministerium Schmerling war vom 4. Februar 1861 bis 27. Juli 1865, das Ministerium Belcredi vom 27. Juli 1865 bis 7.
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„Sie liebt ihn!" flüsterte Ramero.
Unwillkürlich stieß in diesem Augenblick Godeffroy einen unten vernehmbaren Seufzer aus, und sofort blickte auch die Erzieherin, Mrs. Anderson, in die Höhe, allein sie gewahrte nur das schwarze Gewölk, welches sich drohend über ihrem Haupte zusammenzog und schon einige schwere Tropfen herniedersandte.
Bei dieser unerwarteten Entdeckung verriethen ihre strengen Züge einige Besorgniß, welche bald schwand, als sie am entgegengesetzten Ende des Platze« einen Mttth- wagen bemertte, welchen herbeizuholen sie sich eilig aufmachte.
„Also heute wie immer!" dachte Ramero, der bisher ein aufmerksamer Beobachter gewesen. „Während Fräulein von Alincourt mit ihrer Gesellschafterin die Kirche besucht, fährt die Marquise, ihre Stiefmutter im Bois de Boulogue spazieren und Herr Leonhard de Neuville benutzt nnterdeß den Wagen seines Stiefvaters. Demzufolge müssen der Marquis und seine Tochter sich eines Miethswagen bedienen, wenn sie es nicht vorziehen zu Fuß zu gehen."
Und dem war wirklich so, kenn Fräulein von Alincourt harrte unter dem Kirchenportal Mrs. Andersons Rückkehr, die erst nach großer Anstrengung den Wagen erlangen konnte da der Führer eingeschlafen war.
„Godeffroy", sagte sich hastig vom Balkon entfernenb Ramero, „der Augenblick ist günstig, benutzen sie diese Gelegenheit!"
Unterdeß hatten sich die Kirchgänger zerstreut, nur der schwarze Bettler und die junge Aristokratin «eilten noch auf dem Platz, und Letzterer zugewandt flüsterte Godeffroy: „Blanche!"
DaS junge Mädchen erhob die Augen, und sich durch
Februar 1867, die Beust'sche Interims-Regierung vom 7. Februar bis 30. December 1867, das Bürgerministerium vom 30. December 1867 bis 4. April 1870 (unter drei verschiedenen Präsidenten: Fürst Carl Auersperg, Graf Taaffe und Ritter v. Hasner), das Ministerium Potocki vom 12. April 1870 bis 4. Februar? 1871, das Ministerium Hohenwart vom 6. Februar bis 30. Oktober 1871, die Interims-Regierung Holzgethan vom 30. Oktober bis 25. November 1871, das Ministerium Auersperg endlich vom letztgenannten Tage bis zum 15. Februar d. I., mithin sieben Jahre und fast drei Monate Im Amte. Dr. Stremeyr führte den Vorsitz im Ministerium vom 15. Februar bis 10. August d. I.
Deutsche» Reich.
•* Berlin, 15. August. Wie wir kürzlich mitge- theilt, sollen die Vorbereitungen für die Wahlen zum Abgeordnetenhause unverweilt in Angriff genommen werden. Es haben sich nun, wie wir hören, an diese Anordnungen weitere Erwägungen in Betreff bestimmter Termine für die Wahlen angeschloffen. In Verbindung hiermit wird alsdann auch die Frage des Termins für die Berufung der Generalsynode sich lösen lasten, so daß bezüglich derselben die getroffenen Bestimmungen veröffentlicht werden können. — Die Mittheilung des Börsenkourier, daß man entschlossen sei, dem nächsten Reichstag eine Vorlage bett, die Revision der Aktiengesetzgebung vorzulegen, ist durchaus unrichtig. Abgesehen davon, daß keine Thatsachen vorliegen, welche eine Herbstsession des Reichstags in Aussicht nehmen lassen, ist auch in Bezug auf die Vorlegung eines revi- dirten Actiengesetzes gar kein Beschluß gefaßt. ES ist dieses Gesetz bekanntlich im Reichsjustizamt in Vorbereitung begriffen, die schwierige Materie ist aber eine so umfangreiche, daß zur Zeit die Arbeit sich noch in einem Stadium befindet, welches nicht gestattet, eine bestimmte Zeitangabe der Fertigstellung zu machen. — Nachdem durch Anordnung des Reichskanzlers der Eingangszoll für Pettolenm und andere Mineralöle um 6 M. für 100 Kilo in vorläufige Geltung gesetzt worden ist, bestimmt eine Cirkular- verfügnng des Finanzministers auf Grund der Vorschrift in §. 13 Absatz 2 des Regulativs für Privatlager, daß für die bezeichnete Waare Privattransitlager ohne amttichen Verschluß zuznlaffen sind. — Das kaiserl. statistische Amt hat soeben Band XXXV. Abth. 1 und 2 der Statistik des deutschen Reichs ausgegeben. Dieser Band enthält die Ergebnisse der deutschen Gewerbezölle von 1875. Wenn man erwägt, das diese beiden Theile 1338 große Quartseiten umfassen, so wird man die Gründlichkeit dieser den Gewerbebetrieb im deutschen Reich behandelnden statistischen Aufstellung ermessen können. In demselben wird eine Nachweisung der am 1. December 1875 im deutschen Reiche gezählten Gewerbebetriebe mtt mehr als 5 Gehülfen nach
einen schnellen Blick überzeugend, daß nur der Bettler in ihrer Nähe weilte, sagt? sie gleichfalls flüsternd: „Kommen Sie diesen Abend!"
Leider rollte gerade jetzt der Wagen heran, und trotz aller Anstrengung vermochte Godeffroy nicht die Worte zu verstehen, die Blanche nicht wiederholen konnte, da die Erzieherin bereits an ihrer Seite war. Beide Damen be- stiegen das bescheidene Fuhrwerk, und entschwanden gleich darauf seinen Blicken, indeß er voll Verdruß rief: „Könnte ich erfahren, was sie gesagt!"
„Kommen Sie diesen Abend!" lautete die tiefe Stimme des Bettlers.
„Dank! tausend Dank!" entgegnete ihm Godeffroy.
„Wem aber diesen herzlichen Dank?" fragte zurückkehrend Ramero, indem er zugleich gewahrte, daß ein glückseliges Lächeln den traurigen @mft aus den schönen Zügen seines Gesährten verscheucht hatte.
„Ach! ich dachte wohl laut," erwiderte dieser mit einiger Befangenheit. „Doch, mein Freund, ich kann Ihnen, wie ich versprochen, diesen Abend nicht widmen, eine Einladung nach dem Hotel Alincourt, die ich bereits vor einigen Tagen angenommen —"
„Ah! Wirklich?" unterbrach ihn Rodrigo im Ton eines älteren Beschützers. „Armer Jüngling, suchen Sie doch nicht nur Ihre Gedanken zu verbergen! Ich kenne alle Ihre Gcheimnisse und vielleicht besser als Sie selbst. Sie lieben eine Dame, deren Rang Sie Ihnen unerreichbar macht!"
Abermals umwölkte sich Godeffroy's Stirn und daS Lächeln schwand von seinen Lippen.
„Eine solche Liebe ist Kühnheit!" fuhr der Mulatte fort.
„Wahnsinn 1" fügte der junge Mann hinzu.