irr. 191.
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Marburg, Sonnabend, 16. August 1879
xiv. Jahrgang
ligen nimmt tmgegen:
irSrpeditio« d.vlatte», M, d-Annoncen-Bureaux
fl Th, Dietrich & Co. in tjfri und Hannover; Th. .'L* »rnnfflirt n TO ■
o< : »liustein & Vogler in _l, Muri a M., Berlin, W-, Köln 2t.; Rudolf , M(e in Berlin, Frankfurt a. M- rc.
GttMche jritimii.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattet sowie d- Amwnten-Bureaux von L- Daube L Co. in Frankfurt a-M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; 8$. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-
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Erscheint täglich außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirkeS SonntagSblatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 2$ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (e$d. Bestellgebühr). — JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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! Tagesbericht.
- 8 Nachdem das Reichsgesetz betreffend den Verkehr mit 8 Khrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen p j em 14. Mai d. I. durch das Reichsgesetzblatt veröffent- o1 , <ht worden, haben die Minister des Kultus und deS 9 - Handels in einer gemeinsamen Verfügung vom 2. August - < e königlichen Regierungen veranlaßt, die ihnen unter- ’ | Ebenen Behörden zu einer strikten Ausführung dieses
। esetzes anzuweisen und auf die Errichtung der in diesem i? iWsetze gedachten öffentlichen Anstalten zur technischen Unter-
'Wchung der Rahrungs und Genußmittel hinzuwirken.
’ O/10f Ueber die Einweihung des neuen Gymnasiums zu ff. SMslin, bei welcher der neue Cultusminister Herr v. Putl- - H»er seine erste ministerielle Rede gehalten, gehen dem * lMöerl. Tagebl." Mittheilungen zu, die die erste Nachricht ' iMefeutlich berichtigen. Bei dem Actus selbst enthielt sich liWr Herr Cultusminister in seiner kurzen kernigen An- - Hrache jedes Hinweises aus seine politische Stellung und •\ Diente nur die Erwartung, daß die Schüler der neuen . .'Mldungsanstalt in der Vaterlandsliebe, in der Liebe zu ‘ ’iflSrtm Könige würden erzogen werden. Bei dem Festdiner
SWar der erste Toast selbstverständlich der des Herrn Mini- Ens auf den Kaiser. Rach einigen einleitenden Worten i>e der Redner: „Se. Majestät der Kaiser ist derjenige ■^Rann in Deutschland, der sich seiner Pflicht am meisten iHwmßt ist; Ihn sollen und müssen wir Alle uns, inö- -Hrsoudere aber die Schüler und Lehrer dieser Anstalt sich Atm Vorbild in der Pflichterfüllung nehmen. Obgleich ^Mneits so hochbetagt, daß er vollauf das Recht hätte, auf -77 Stitien Lorbeeren auszuruhen, wird der Kaiser auch jetzt -64 ivieder, weil er cs für seine Pflicht erachtet, die beschwerliche -2I Jinb anstrengende Reise in die östlichen Provinzen unter- ?"Mchmen, um dort eine große Heerschau abzuhalten. An 1 iJjfefem hohen Pflichtgefühl, das den erhabenen Monarchen z lÄnen Augenblick verläßt, möge die Jugend sich bilden." —
Diachdern die Versammlung begeisterungsvoll in das Hoch 3pif den Kaiser eingestimmt, erhob sich der Provinzial- Mhulrath Herr Wehrmann und sprach etwa Folgendes: XAnem Manne, der durch seine seltene Energie und seinen ! Mst unfehlbaren Scharfblick höchst Bedeutendes auf dem
Webiete des Schulwesens geleistet, sind wir zu ttefstem J&uife verpflichtet, dieser Mann ist der ehemalige CultuS- Wlwister Herr Dr. Falk." Rach einer Aufzählung der Ver- < ktufte Falk's um das Schulwesen fuhr der Redner fort: 1 ’ Koch auch dem neuen Herrn Cultusminister sind wir zu
7 Mastern Danke verpflichtet; — (hier folgte eine Auf- - Hlung der durch Herrn v. Puttkamer verfügten Geld- j ä Billigungen zu Schulzwcckcn verschiedenster Art, für
® reiche im Ganzen 28,000 Mark angewiesen sind) — also ’* * * * 8 * * * * * * * * * * * * s wch ihm gilt eö, unsere Dankbarkctt zu beweisen, Herr v.
Puttkamer lebe hoch!" — Hierauf ergriff Herr v Puttkamer das Wort zu folgender Rede, die allerdings nicht wörtlich niedergeschrieben werden konnte und daher im Ausdruck an einigen Ungenauigkeiten leiden mag: „Ich muß, auf die Worte meines Herrn Vorredners zurückkommend, ben Dank ablehnen. Richt ich, sondern Herr Dr. Falk hat alle jene Anordnungen bereits getroffen; ich hatte nichts weiter zu thun, als meinen Namen zu unterzeichnen. Ich schätze Herrn vr. Falk; er ist ein strebsamer, begabter Mann, aber ich muß es von vornherein bemerken, daß ich nicht auf dem Standpunkte meines Herrn Vorgängers im Amte stehe, daß ich nicht mit seinen politischen und nicht mit seinen religiösen Ansichten übereinstimme. Erwarten Sie von mir nicht zu viel! Mit demselben Pflichtgefühle, das unseren kaiserlichen Herrn beseelt, werde ich mein Amt verwalten und es niederlegen, wenn ich mit Denen, die mich dazu berufen, mit meinem Kaiser und dem Fürsten Bismarck, nicht mehr im Einvernehmen fein sollte."
Die „Politische Correspondenz" meldet aus Konstantinopel von gestern: Die Beziehungen des Sultans zu Khereddin Pascha nehmen wieder einen so vertraulichm Charakter an, daß der Wiedereintritt Khereddin Paschas in die Regierung nur als eine Frage der Zeit anzusehen ist. Es heißt, Savas Pascha, ein geborener Grieche und entschiedener Gegner der Abtretung Janinas an Griechenland, sei zum ottomanischen Delegirten für die Verhandlungen mit Griechenland designirt. — Anläßlich der sich häufenden Raubansällc und Einbrüche in Therapia und Bujukdere haben mehrere Botschafter die Pforte benachrichtigt, sie würden wegen der ungenügenden Polizeimaßnahmen genöthigt sein, Mannschaften ihrer Stationsschiffe zum Versehen der Polizeidienste auszuschiffen. — Seit drei Tagen ist im Spitale von Stambul kein neuer Cholerafall vorgekommen.
Deutsches Reich.
»* Beritt», 14. August. Wie man aus der gestrigm „Volks-Zeitung" vom 13. August ersteht, ist die Losung „Fort mit Bismarck", welche von der parlamentarischen Correspondenz der Fortschrittspartei herausgegeben werben, auch von bem Centralwahlcomits bet genannten Partei gutgeheißen. Außerbem erfährt man, daß die parlamen- tarifche Correspondenz das leitende Organ der Fortschrittspartei ist. Wenn nun also eine Partei diese Losung officiell decretirt, so kann dieselbe nicht mehr als das Erzeugniß einzelner Durchgänger behandelt werden. Die Losung trat in dieser Offenheit nicht einmal in der Confiiktszeit auf, weil die damalige Fortschrittspartei sich noch scheute, direkt an die Rechte der Krone zu greifen. Man sieht, wie sehr die „Provinzial-Correspondenz" im Rechte war, als sie die
Fortschrittspartei eine revolutionäre Partei nannte. Als erschwerende Umstände treten noch hinzu die vom Kaiser so oft ausgesprochene Willensmeinung, so lange er lebe nicht auf die Dienste des Fürsten BiSmarÄ zu verzichten, und der wahrlich nicht geringe Dank, welchen die deutsche Nation dem Kanzler schuldet. Man kann sagen, daß eine solche Losung unter ähnlichen Verhältnissen bei keinem anderen Volke von einer zurechnungsfähigen Partei angenommen worden ist und nirgends von der Gesammtheit der Nation geduldet worden wäre.
Hannover, 13. August. Mit dem 31. des verflossenen MonatS war die Frist zur Wiederbesetzung des bischöflichen Stuhles zu Osnabrück abgelaufen. Wie die „N. H. I." aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist auf Grund des § 8 des Gesetzes vom 20. Mai 1874, betreffend die Verwaltung erledigter katholischer Bisthümer, diese Frist von dem Herrn Minister der geistlichen Angelegenheiten bis zum 1. Januar 1880 verlängert worden. In dieser Entschließung der Staatsregierung dürfte man mit Recht ein Entgegenkommen erblicken gegenüber den kirchlichen Interessen der Diözese Osnabrück, in welcher bisher der kirchliche Friede erfreulicherweise erhalten geblieben ist.
Weimar, 13. August. Die thüringischen Staaten, die zusammen den Bezirk des Oberlandesgerichts Jena bilden, haben sich hinsWlich der Amtstracht der Richter dahin geeinigt, daß ntft'bie Mitglieder der Oberlandesund Landesgerichte, die Staatsanwälte, Gerichtsschreiber und Rechtsanwälte, die bei jenen funktioniren, Eilte besondere Tracht während der Verhandlungen anzulegen haben. Für die Verhandlungen bei den Amtsgerichten ist davon abgesehen worden. Das Weimarische Regierungsblatt publicirt heute die darauf bezügliche Verordnung Nach derselben entspricht die vorgeschriebene Amtstracht durchaus den für das preußische Gerichtspersonal getroffenen Bestimmungen. Anfang September tritt in Weimar ein Schwurgericht zusammen, zum letzten Male, da nach bem 1. Oktober die Schwurgerichte im Bezirke des Oberlandesgerichts Jena ständig in Gera für das nordöstliche, in Meiningen für das südwestliche Thüringen abgehalten werden.
Straßburg, 12. August. Hier tagt seit gestern die deutsche anthropologische Gesellschaft. Die Betheiligung ist zahlreich. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden, Professor Fraas, begrüßte Namen« der Stadt Herr v. Reichlin-Meldegg dieselbe. Ranke erstattete den Jahresbericht. H. v. Tröltsch legte die prähistorische Karte von Süddeutschland und der Schweiz vor, Much schilderte alte Kupferschmelzen in Noricum, Fraas die Ausgrabung zweier Tnmuli in Würtemberg, die reichen Goldschmuck enchielten. Ranke sprach über Steingeräthe in Baiern, Groß über Pfahlbaufunde in Locas und Neuchatel, Krause über deformirte Schädel von Mallikolo, Schaaffhausen über prähistorische Alterthürner im Rheinland, Mehlis über
Der schwarze Bettler*).
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1!
:) Nachdruck verboten
3 S SS
Novelle von M. Dobson.
1. Kapitel.
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Nach der Vesper.
Die Zeiger der Thurmuhr an der Kirche Saint Ger
win beß Pres zu Paris zeigten eines Sonntags Nach-
18 Ettags — es war im Monat August des Jahres 18..
8 auf die vierte Stunde, als zwei junge Männer rauchend plaudernd an bem Geländer des Balkons eines Hause«
Finten, welches sich in der nächsten Nähe der Kirche be- Offenbar erwarteten sie das Ende der Vesper und
1< fkabstchttgten die schönen Beterinnen das Gotteshaus ver-
Ä wtn $u Wen- ®n Blick genügte, die große Verschieden- der Physiognomien zu entdecken, obgleich Beide hübsch nennen waren, und eine gleiche, hochgewachsene Gestalt
Klaßen. Die Züge des Aelteren, er war von auffallend Mkler Gesichtsfarbe, zeigten ein Geprisch von Selbstbewußt- 260 Mi, Eitelkeit und Leichtsinn. Obgleich er sich mit starken
2*0 öchritten der Grenze zwischen Jugend und reiferem Alter
'A & nähern schien, war eß dennoch unmöglich anzugeben, ob
gy ? bestimmt schon das sünfunddreißigste Lebensjahr übrr-
i&si dritten. Seine Stirn zeigte noch keine Furchen; sein Haar
130 Knzte noch im tiefsten Schwarz, wenn es auch zu kraus 1401 um schön genannt zu werden; die dunklen Augen gelten lebhaft und feurig, suchten jedoch den Boden, so- iDii Md ein scharfer, forschender Blick ihnen begegnete. Sein
lioti Mvarzer Schnurrbart war sorgfältig gepflegt, konnte indetz
U Auge des aufmerksamen Beschauers den scharfen Zug
109-' verbergen, der zu beiden Seiten des Mundes hervor-
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trat, und den ein bitteres oft wiederholtes Lächeln zurück- gelasscn haben mußte. Dieser scharfe Zug jedoch, wie auch die dunklen Ringe, welche seine Augen umgaben, und sich in der gelblichen Färbung seiner Schläfe verloren, deuteten auf ein höheres, als das angegebene Alter. Er nannte sich Don Rodrigo Ramero, spanifcher Edelmann, rühmte sich einer echt andalusischen Familie, und trug bei jeder Gelegen- heit seinen Adelstolz zur Schau. Name wie Familie war aber lediglich seine Erfindung, denn in Wirklichkeit war er der Sohn einer Negerin und, eines Weißen und hieß schlechtweg Faval.
Sein Gefährde dagegen führte nur den einfachen Namen Godesiroy. Er war um viele Jahre jünger als Don Rodrigo Ramero, und bildete schon durch seine Helle frische Gesichtsfarbe einen auffallenden Gegensatz zu ihm. Dazu besaß er eine hohe, von lockigem Haar umwölbte Stirn und einen freien offenen Blick, der zwar oft eine Seltenheit bei seinen zweiundzwanzig Jahren, einen gedankenvollen, melancholischen Ausdruck hatte, und diesen Ausdruck auch seinen Gesichtszügen mittheilte.
In dem Augenblick, wo diese Erzählung beginnt, war der Platz, den sie von ihrem Balkon aus überblickten, mit Ausnahme eines alten Bettlers, welcher, auf seinen Stab gestützt, dastand, menschenleer. Dieser Bettler, der ebenfalls den Schluß des Gottesdienstes erwartete, wat ein Neger von hohem, kräfttgem Wuchs, und seine edlen, ebenholzschwarzen Gesichtszüge von reichem, schneeweißem Haar und Bart umgeben. Die Wucht des Alters hatte ihn nicht gebeugt, denn aufrecht stand er da, und ungeachtet der mehr als bürftigen Klcibung trugen Gestalt, wie GeflchtS- züge unverkennbar baß Gepräge eines edlen Stolzes.
Allgemein unter dem Namen: der schwarze Bettler bekannt, kam selten ein Wort über seine Lippen, nur die ausgestreckte Hand trug seine Sitte vor, wie er auch durch das Neigen seines greisen Hauptes für die Gabe dankte, die Niemand ihm versagte. Traf es sich, und dies geschah oft, daß eine liebliche Geberin ihm ein Geschenk reichte, so pflegte er wohl die Hand aus's Herz zu legen, und diese bezeichnende Bewegung durch ein freundliches Lächeln zu begleiten.
Während nun der Neger schweigend dastand, setzten die jungen Männer chre Unterhaltung fort, und Don Ramero seine abgebrannte Cigarre zur Erde werfend, sagte: „Wahrlich, Godeffroy, ich glaube, Sie sind verliebt! Sie find seit einiger Zeit so zerstreut!"
Der Angeredete erbebte, erzwang jedoch ein Lächeln und entgegnete: „Hegen Sie vielleicht ähnliche Empfindungen, Ramero?"
„Nein, mein Freund, obgleich nach meiner Ansicht heutzutage ein Jeder auf eine oder andere Weise verliebt ist. Sie aber sind sterblich, rasend in eine junge Dame verliebt!"
„Und wie sind Sie zu diesem Schluß gelangt?"
„Ah! Sie weifen also die Anklage nicht zurück? Nun, durch tausend verschiedene Anzeichen. Sie wissen wohl, wir Spanier sind scharfe Beobachter und ich besonders, ich bin ein ganzer Argus!"
„Und was haben Sie entdeckt?" fragte Godeffroy mit an gehaltenem Äthern.
Don Rodrigo stieß ein schallendes Gelächter aus und sagte nach einer Weile: „Jetzt bin ich meiner Sache gewiß und weiteres Fragen würde Grausamkeit sein!"
Daß schallende Gelächter indeß hatte die Aufmerksamkeit des schwarzen Bettlers erregt. @r blickte nach bem Balkon