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«M|t. 189.

Marburg, Donnerstag, 14. August 1879

XIV. Jahrgang

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Anzeigen nimmt entgegen di« Expedition d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaux von ® • L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. . daselbst; Jnvalidendank in > Berlin; W- Thiene» in

Slberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagcn. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 24 Mart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exel. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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Tagesbericht.

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Die Prinzessin von Zwei-Brücken.

Novelle von Rud. Wellnau.

(Fortsetzung.) 8.

Hatte schon früher Sabinen's Schicksal großes Aufsehen Gerede in Magdeburg hervorgebracht, so war dies bei plötzlichen Wiedererscheinen um so mehr der Fall, man das letztere so wenig, wie ihr plötzliches Verschwin- sich zu enträthseln und in Einklang zu bringen ver­te. Das ganze Ereigniß ihrer Huldigung als „Prin- von Zwei-Brücken" und ihr geheimnißvolles Ver- inden tauchte wieder auf und von Neuem gab man tausenderlei Vermuthungen hin, von denen oft kaum die einigermaßen richtige war. Dazu kam ihr zwei- riges räthselhastes Abwesendsein und ihr gegenwärtiges rmuthetes Wiedererscheinen — dies Alles gab Stoff 'Menge, die wunderbarsten Geschichten und Märlein von

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; Die „Nordd. Allg. Ztg." reproducirt einen Artikel der 4 I EhneS" vom 2. d., welcher das Petersburger Blatt „Neue

' dt" veranlaßte, das russische Publikum gegen Deuffchland \ !d den Fürsten Bismarck aufuzhetzen, und bemerkt gegen- I kt einem Passus, worin cs heißt, daß beim Hervor­

10» Schon zwei Mal war sie vor Gericht gefordert und ti* Wte dort haarklein die Geschichte ihrer Entführung zu Protokoll gegeben. Jeder, auch der kleinste Umstand war 10i St unberührt geblieben, und die so oft belheuerte Un- gl Mld des Sebastian Reifgersten ward natürlich hierdurch das hellste Licht gestellt; man versuchte diesem für sein

Das im Reichsschatzamte aufgestellte theilweise Waaren- rzeichniß befindet sich bereits im Drucke und wird Ende "t j* eser Woche den Zollbehörden zugehen und unmittelbar 11 wach dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Daö I Kzeichniß hat eine größere Ausdehnung erhalten, als ur- ä mnglich beabsichtigt war. Es sind darin nicht nur die j hären enthalten, deren Verzollung bereits mit Erlaß des j arifgesetzes begonnen hat, sondern auch alle jene Artikel, II tren Zölle vom 1. Oktober d. I. ab zur Erhebung kom- ■ len. Dieses Verzeichniß genügt also bis zum 31. Dezem- t b. I. allen Bedürfnissen. Das weitere Waarenverzeich- B wird voraussichtlich nicht vor Ende September von der vmmifsion fertig gestellt werden können, dann soll es den lundcs-Regicrungen zugehen und wird nach der Beschluß- issung des Bundesraths darüber, etwa im Monat Septem- .'5”( >, zur Ausgabe gelangen. Mit demselben zu gleicher ij i( Bt erscheint auch der neue amtliche Zolltarif.

Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Notiz verschiedener Kittet, die Admiralität habe seiner Zeit über die Leistungs- higkeit Leutner's bei der Londoner Botschaft sehr ein- chende Erkundigungen eingezogen, sei unrichtig. Die Ver- litllung der Botschaft sei weder in dieser Richtung noch «Haupt bei dem Abschlüsse des Contractes zwischen der dmiralität und Leutner in Anspruch genommen, sondern K Verhandlungen direct mit den beiden Contrahenten

. it Reise nach Straßburg in Aussicht genommen, wo am ef. A ß. die Parade des XV. Armeekorps vor dem Kaiser - 11 Maden soll. Am 20. ist Corpsmanöver, am 22. und s J 1 Feldmauöver und am 24. soll die Rückreise nach . ji nlin, eventuell die Reise nach Metz stattfinden.

_ zu erzählen und als Novität de§ Tages von Mund zu 264 tagen, um gleichsam die seltsamsten Widersprüche in Urn-

M zu bringen. —

9» t Sabine vernahm, wie schwer der arme Sebastian 96 "tifgersten um sie habe leiden müffen, bemitleidete sie den 151 ^schuldigen Jüngling aus ausrichttgem Herzen; am schwer- 1^ ['n aber traf sie die erschütternde Nachricht von dem Tode i3» guten Vaters, und es fehlte wenig, daß die Schreckens-

Zn Bezug auf die getroffenen Anordnungen über die . dem 5. September in Königsberg beginnenden, sog. ^mgs-Revuen des I., II. und XV. Armeekorps wird • ohendes bekannt: Am 5. September findet die Parade l K I. Armeekorps statt, am 6. Corpsmanöver, am 8. und 1 Feldmanöver. Für den 10. September ist die Rück- jje nach Berlin festgesetzt, der am 11. die Reise nach I tettin folgt, woselbst am 12. Se. Majestät die Parade ■ s Ü. Armeekorps abnimmt. Am 13. und 14. folgt ® erpsmanöver, am 15 und 16. Feldmanöver. Für den ,T. September ist die Rückreise nach Berlin, und am 18.

treten eines bestimmten Gegensatzes zwischen Rußland und den Westmächten Deutschland unter dem Einflüsse Bis­marcks schließlich immer zu Gunsten des Westens entschieden habe: es bleibe nur die Annahme übrig, daß der Verfasser des „Times"-Artikels entweder keine Ahnung von den Congreßverhandlungen habe oder als Engländer es den Interessen Englands entsprechend finde, die Verstimmung der Panslavisten gegen Deutschland zu schüren und zwischen beiden Ländern zu Hetzen. Wenn russische Blätter Lügen verbreiten über Deutschlands Haltung auf dem Congresse, so sei dies erklärlich: es müsse ihnen daran liegen, Fehler und Mißgriffe der russischen Politik damit zu verdecken, daß sie die Schuld auf Fremde schieben. Das englische Blatt habe diese Entschuldigung nicht. Die Streitfragen zwischen Rußland und den Westmächten aus dem Congresse betrafen Datum, die Dobrudscha, die Kriegskosten, Sofia und überhaupt die bulgarische Grenze. In allen diesen Punkten neigte Deutschland die Schale zu Gunsten Ruß­lands. Ueberhaupt stellte Rußland auf dem Congresse keinen Antrag, welchen Deutschland nicht unterstützte. Rus­sischer als Rußland zu sein, war nicht die Aufgabe der deutschen Politik. Was Rußland nicht den Muth hatte zu fordern, darauf mußte es natürlich verzichten; die obigen Forderungen hat ihm nur Deutschland durchgcsetzt. Daß die deutsche Regierung hierbei auf Dankbarkeit und Anerkennung russtscherseits gerechnet, sei kaum anzunehmen. Wäre dies der Fall, so habe in diesem Punkte allerdings die deutsche Politik sich geirrt; dieselbe sei aber wohl überhaupt nicht nach Berechnung der Zukunft, sondern nach den In­tentionen des Kaisers nach Maßgabe der Freundschaft ge­führt, welche die Monarchen beider Länder bekanntlich ver­binde.

Deutsches Reich.

Berli«, 12. August. Der Nachricht von der Er­nennung des Herrn Hofpredigers Stöcker zum General- Superintendenten der Provinzen Ost- und Westpreußen gegenüber, bemerkt die Neue Preußische Zeitung heute, daß nach ihrer Kenntniß der betreffenden Angelegenheit diese so sicher austretende Mittheilung auf Jrrthum beruht und nicht den geringsten positiven Anhalt für sich hat. — In Bezug auf die Vorbereitungen zur Einführung der Kreisordnung in Posen, Schleswig-Holstein rc. wird Fol­gendes bekannt: Im März v. I. hat im Ministerium des Innern eine Besprechung über die Einführung einer neuen Kreis- und Provinzialordnung für Posen stattgefunden. Derselben folgten unmittelbar gleichartige Conferenzen, be­treffend Schleswig-Holstein und die übrigen einzelnen Landestheile, hinsichllich deren nach ihrer Eigenart und mit Berücksichtigung der in ihnen geltenden abweichenden Gesetzgebungen und verschiedenartig entwickelten communalen Zustände eine gesonderte legislatorische Behandlung für

unschuldiges Leiden einigermaßen Genugthuung zu geben, indem man ihm den durch den Tod des allen Weise er­ledigten Posten eines Brückenzoll-Einnehmers übertrug.

Noch hatte Sabine, die bei einer angesehenen Familie in der Stadt die gastlichste Aufnahme gefunden, über den harten und schmerzlichen Verlust ihres guten Vaters sich nur rheilweis erholt, als sie von einer bedeutenden Nerven- Krankheit befallen wurde. Die vielfach verbreiteten, von Unverständigen oder Böswilligen ost ganz widersinnigen Gerüchte über ihre zweijährige Entfernung von Magdeburg und damit in engster Verbindung stehenden unschuldig er­littenen Qualen des Sebastian wurden auf mancherlei Art erzählt und gedeutet und fanden immer wieder den Weg zu ihren Ohren. Sabinen's Nerven-System war auf daö heftigste angegriffen und erschüttert, Kummer und Gram nagten an ihrem Herzen, und der leiseste Windhauch drohte die zarte Hülle zu zerbrechen. Alle Trostesworte und freund­liche Ermunterungen der sie Umgebenden waren vergebens gesprochen, fast theilnahmlos starrte sie auf ihrem Schmer­zenslager vor sich hin und sprach, wenn die hitzigen Fieber- Anfälle sich einstellten, in den wlldesten Phantasieen. Ihr Zustand verschlimmerte sich von Tag zu Tag auf bedenk­liche Weise und man befürchtete in Kurzem ihre Auflösung, nach der sie in lichten Augenblicken sich so herzlich sehnte.

In einem solchen Augenblicke ließ sie an einem Nach­mittage eine vertraute Jugendfreundin zu sich berufen und bat diese unter dem Siegel freundschaftlicher Verschwiegen­heit Sebasttan Reifgersten zu einem Besuch an ihrem Krankenbette zu bewegen. Gern willigte die Freundin in den Wunsch, und schon am nächsten Tage erschien der Er­sehnte im Zimmer der Kranken. Bei seinem Eintritte hatte sie ihr mattes Auge auf ihn gerichtet und winkte ihm

erforderlich erachtet wird. Wie wir nun nachträglich er­fahren, haben sich auch auf das Resultat dieser Berathungen die jüngst im Ministerium des Innern über den Fortgang der Verwallungsreform stattgehabten Conferenzen erstreckt. Weiter wird bestätigt, daß die jüngsten Conferenzen auch die Frage der Organisation der höheren Verwaltungs­behörden, oder besser, der einheillichen Umgestaltung der Staatsbehörden für den gejammten Umfang der Monarchie, so wie die Frage wegen Revision der in den letzten Jahren ergangenen Verwaltungsgesetze zum Gegenstände gehabt haben. Was die letztere Frage betrifft, so haben thatsäch- lich die Behörden über die Resultate der Wirksamkeit der in den fünf östlichen Provinzen durchgeführten Organisation und über gewisse principielle Puntte bereits gutachtliche Aeußerungen abgeben müssen. Sehr wahrscheinlich werden die zunächst zu erwartenden Vorlagen der Revision der neuen Verwaltungsgesetze, die Organisatton der höheren Verwaltungsbehörden und die Einführung einer Kreis- und Provinzialordnung für Posen bezwecken.

Altova, 10. August. Es ist jedenfalls in Folge des erwähnten Gesuches der Hamburger Viehkommissionäre an den Senat, daß seitens der hiesigen Provinzial-Steuer- Direktion an diese Kommissionäre unterm 5. d. Mts. ein Schreiben ergangen ist, nach welchem das aus dem Zoll­vereinsgebiete an den bisherigen Hamburg-Altonaer Central- Viehmarkt (am Heiligengeistfelde) gebrachte Vieh innerhalb 4 Tage vom Tage des Marktes an, gleichviel ob verkauft oder nicht verkauft, zollfrei in das Zollvereinsgebiet zu­rückgebracht werden kann. Man hofft von dieser Erleich­terung eine neue Belebung des Hamburger Viehmarktes, dessen Fortdauer an dem bisherigen Platze bezweifelt wor­den ist. — Vor etwa 14 Tagen ist der hiesige „Verein deutscher Krieger von 1870/71" neu gegründet worden. In der am 6. d. M. gehaltenen Versammlung ergab sich, daß der Verein bereits 57 Mitglieder zählte, und daß noch einige Anmeldungen eingelaufen waren. Die neuen Ver­einsbestimmungen wurden mit unwesentlichen Aenderungen nach Vorschlag angenommen. Der Verein beschloß, die Sedanfeier offiziell im „Ottensener Parke" zu halten. Von den „Damen des Vereins" ist die Schenkung einer Fahne, welche wahrscheinlich dann zuerst in Anwendung kommt, versprochen worden. — Der hiesige Industrie-Verein hat nach Beschluß einer Generalversammlung aus seine Kosten 8 seiner Mitglieder zum Besuche der Berliner Gewerbe- Ausstellung entsandt. Dieselben haben Jeder über das von ihnen Wahrgenommene dem Verein Bericht zu er­statten.

Düsseldorf, 10. August. Dem heute hier versammelten „Technischen Verein für Eisenhüttenwesen" wurde mitge- theilt, daß der Vorstand beschlossen habe, in Gemeinschaft mit dem Verein deutscher Eisen- und Stahlindustriellen an daö Iron and Steel-Institut in London das Ersuchen zu

mit der abgemagerten Hand näher zu kommen. Dann sprach sie mit schwacher bewegter Stimme:

„Sebastian, ein unglückliches Opfer des Selbstbetrugs und der Verblendung liegt mit zerknirschtem, reuigem Herzen, aber dennoch rein und schuldlos, wie Du mich einst gekannt, vor Dir! Ich fühle, der Tag meines Heimganges zum Vater ist nicht mehr ferne; aber noch Eins lastet schwer auf meinem Herzen und würde die Stunde des Abschieds von dieser WAt mir unendlich schwer machen! Du hast viel gelitten um meinetwillen, ich habe Dir sehr wehe gethan, und doch — doch möchte ich so gern Deine Verzeihung mit hinüber nehmen in die Lichtgefilde jener Welt!"

Erschöpft hielt die Jungfrau einen Augenblick inne, eine Helle Thräne hing an der Wimper ihres Auges, sie reichte dem Jüngling die dürre Hand und fuhr dann fort:

„Sebastian, Freund und Genosse meiner Jugend, Du, den ich in meinem Herzen getragen in den schönsten Tagen meines Lebens, kannst Du einer.Verblendeten verzeihen?"

Sebastian aber verbarg seine Thränen, drückte voll Rührung die Hand Sabinens, legte seine Linke auf ihre mit Schweißperlen bedeckte Stirne und sprach im sanftesten Tone:

„Sabine, hätte ich geahnt, Gnade für die Dir ange- thane Unbill vor Deinen Augen gesunden zu haben, längst schon wäre ich gekommen, Dir die Wünsche und heimlichsten Grüße meines guten, für Dein Wohl besorgten Vaterö zu bringen. Wisse denn, aus meines Herzens tiefftem Grunde habe ich Dir verziehen, möchte mir auch das selige Gefühl zu Theil werden, auch Deine Verzeihung erlangt zu haben um in Frieden wieder von Dir scheiden zu können!"

(Schluß folgt.)