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«Marburg, Sonntag, 10. August 1879

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Die betrübenden Nachrichten von unserer Marine mehren sich schnell. Schon wieder ist ein Unglück zu ver­zeichnen, das nicht einem bloßen Zufall zuzuschreiben. Das Unglück hat sich auf der auf der Heimreise nach Deutsch­land befindlichen Corvette „Freya" zugetragen. Dieselbe hatte erst wenige Tage Batavia verlassen und benutzte das günstige Wetter, um den Kessel reinigen zu lassen. Während der Nacht war indessen das Wetter umgeschlagen, die „Freya" brauchte Dampf, und ohne daß daran gedacht wurde, daß der Kessel noch nicht genug Wasser habe, erfolgte der Be­fehl zum Anheizen. Ob nun seitens des Kommandos oder seitens des Maschinenpersonals der verhängnißvolle Fehler

die Kollegial-Berfassung derselben aufgehoben werden soll. Unter den Directionen selbst sollen kleinere Behörden mit dem Titel „Eisenbahnämter" eingerichtet werden, denen neben den rein technischen Aufgaben insbesondere das ein­gehende Studium der lokalen Verkehrs- und Industrie- Verhältnisse obliegt. Dem Verkehrsdirector als Chef der nächsthöheren Verwaltungsinstanz soll sodann die Aufgabe zufallen, den technischen Verkehr seines Bezirks zu leiten, über Beschwerden und Reclamationen zu entscheiden und hinsichtlich der Bedürfnisse des Lokalverkehrs nach den Beobachtungen und Berichten der Eisenbahnämter, sowie hinsichtlich der Tarifsragen Anträge bei der Centralbehörde zu stellen. Dem Minister selbst als Chef des gesammten Eisenbahnwesens bleiben die höheren politischen Arbeiten, also besonders der Verkehr mit dem Staatsministerium, den Landesbehörden und mit den außerpreußischen angrenzen­den Verwaltungen, sowie die Entscheidung in den höheren Personalfragen u. dgl.

In dem soeben ausgegebenen Bericht der Handels­kammer zu Düsseldorf heißt e« zum Schluß des allgemeinen Ueberblicks wörtlich wie folgt: „Angesichts der übermäßigm Anspannung der Steuerkraft des Landes für die Ansprüche von Staat und Gemeinde durch die direkte Besteuerung, wovon vorzugsweise der Handels- und Gewerbestand em­pfindlich berührt wird, haben die Reformpläne, wie ste der große Staatsmann in der Sitzung des Reichstages vom 2. Mai bei Vorlage des Zolltarifs entwickelt hat, un- große Befriedigung gewährt, well wir auf Grund der aus dem Leben geschöpften Erfahrungen deren Richttgkeit in ihren Grundlagen anerkennen müssen. Möchten diese ge­sunden Prinzipien sich immer mehr Bahn brechen und namentlich den bei der Entwickelung unserer Finanz- und Steuergesetzgebung hauptsächlich thätigm Männern als

begangen wurde, ist uns noch nicht bekannt, genug plötzlich wurde der Deckel des Mannsloches vom Kessel mit furcht­barer Gewalt losgesprengt und der Maschinenraum gänz­lich mit dem überhitzten Dampfe angefüllt. Vier Mann sanden hier sofort ihren Tod durch Verbrühen, während noch eine Anzahl anderer mehr oder weniger verletzt wurde. Die „Freya" hat sich nach der Katastrophe zurück nach Batavia begeben, von wo die Meldung nach Berlin gelangte. Commandant des Schiffes ist Corvetten-Capitän v. Nostiz. — Ein anderer Unfall wird aus Christiania, 3. August, gemeldet. Darnach verließ am 2. Abends der Avisodampfer „Falke" den dortigen Hafen, um sich nach dem Sognefjord zu begeben und den Prinzen Friedrich Carl bei Laerdalsören anftnnehmen und stieß beim Digerhoveder Leuchtfeuer mit einer unbeladenen norwegischen Jacht von 9 Last zusammen, welche wrack wurde. Die Besatzung der Jacht wurde vom Dampfer „Falke" ausgenommen, der während der Nacht an der Stelle ankerte und einen Lootsen von Christiania an Bord hatte. Der Zusammenstoß soll dadurch herbeigeführt sein, daß der „Falke" in so schneller Fahrt ging, daß die Wendung des Schiffes nicht rasch genug ausgeführt werden konnte.

Das Artillerie-Schulschiff „Renown", auf welchem kürz­lich das Unglück mit der geplatzten Kanone passirte, ist nach erfolgter Reparatur unter Commando deö Kapitän zur See, Grafen v. Hacke, am 5. d. M. Vormittags nach Schilling-Rhede gedampft, um dort Versuche zur Hebung des verlorenen Vordertheils des gesprungenen 24-Centtmeter- GeschützcS anzustellen. Der „Renown" hat die tüchtigsten Taucher mit den besten Taucherapparaten an Bord ge­nommen, da der über Bord geflogene Rohrtheil in ganz beträchtlicher Tiefe liegt.

Noch eine Trauerbotschaft ist von der Marine zu be­richten: Der Capitän-Lieutenant zur See, Jeschke, ist fern von der Heimath, mitten in der Erfüllung seiner BerufS- pflichten einem jähen Tode erlegen. Derselbe commandirte das Kanonenboot „Nautilus" und war, aus der Südsee nach Deutschland zurückkehrend, bis in das rothe Meer gelangt, als er der dort herrschenden Gluthhitze zum Opfer sie). Ein Hitzschlag hat seinem Leben ein vorzeitiges Ende gemacht. ____________

Der Bundesrath wird, wie es heißt, frühestens im n Drittel des nächsten Monats wieder versammelt und ein ansehnliches Arbeitspensum vorfinden, worunter «ch der bekannte Eisenbahntarif, welch' letzterer schon bei äitr Vorankündigung das beteiligte Ausland in Harnisch

inen nimmt rmgegen: edittoud.vlatte», itdÄnnoncen-Bureauk xh. Dietrich & Co. in und Hannover; Th.

ßischcn Handelsministerium vertauschte, aus welcher er n in die eines Ministers aufrückte.

u,urt o M., Berlin, sig, Mn ic.; Rudolf e in Berlin, Frank­furt a. Dl. re.

mrls zu Gunsten Sebastian'S angenommen und als Be­weis seiner Unschuld gedeutet wurde. Ein allgemeiner Freudenruf erschallte von der umstehenden Menge, die sich jubelnd herandrängte, den Unglücklichen seiner Bande frei zu machen und ihn in ihre Mitte zu nehmen. Die Raths- herren sahen einander bestürzt an und betrachteten mit mitleidigen Blicken das unschuldige Opfer ihrer Verblen­dung. Endlich erfolgte das Wort der Freisprechung Se- bastian's von Sabinen'S Raub oder Mord, und im Triumpf ward derselbe von der versammelten Menge in die Behau­sung seines vor Freude und Entzücken trunkenen Vaters geführt. Hier empfing er mit tiefer Bekümmeruiß die Kunde von dem bereits erfolgten Ableben des alten Daniel Weife, der vor Kummer und Gram über den Verlust seines Kindes das Zeitliche gesegnet hatte.

5.

Nördlich von Halberstadt, etwa zweihundert Schritte von der Stadt, an der Holtemme, liegt das von einem Bischof in frühester Zeit zu bauen angefangene und durch Bischof Burchard zu Halberstadt vollendete und nach ihm benannte Burchardi-Kloster, für Nonnen erbaut und einge­richtet, später jedoch in ein Mönchs-Kloster umgewandelt. Zu der Zeit, von der wir erzählen, war e-, obgleich die inneren Räume noch thellweis unvollendet waren, bereits von Nonnen bezogen worden, an deren Spitze die Priorin Claudia, eine wegen ihren frommen Sitten in hohem An­sehen stehende Dame, sich befand.

In den frühesten Stunden eines heiteren Junimorgens hörte man, daß in dem Gemache der Priorin Claudia, die wahrfcheinlich etwas zu früh aus ihrem Schlummer geweckt worden, ein äußerst lebhaftes Gespräch geführt wurde. — Ein stattlicher Herr, hoch in den zwanziger Jahren, ging

Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel vom heutigen. Der Sultan hat das Gesuch des ehemaligen Khediv« Ismael Pascha, in Konstantinopel seinen Aufent­halt zu nehmen oder nach Egypten zurückkehren zu dürfen, zu­rückgewiesen. — Die Pforte hat die von Serbien anläßlich des Arnauten-Einfalls erhobenen Entschädigungsansprüche abgelehnt mit dem Hinweis, daß sie diesbezüglich eine De­pesche an ihre Vertreter bei den fremden Mächten gerich­tet habe.

Alsdann können wir der Zukunft ruhig entgegensehen: Handel und Industrie werden, frisch belebt, die sozicllen Verhältniffe allmälig einer Besserung entgegen führen, Deutschlands Wohlstand heben und so dessen innere Kraft und Unabhängigkeit erhöhen."

das hervorbrechende Sonnenlicht. Mit Blitzesschnelle hatte sich das Gerücht: Sebastian Reifgersten werde heute durch ein Gottesurthett entweder gerichtet oder seiner Haft ent­lassen, in der Stadt verbreitet. Eine zahllose Volksmenge hatte bereits seit frühester Morgenstunde auf dem Markt­platze der Stadt sich eingefunden und harrte in banger Er-> Wartung der Dinge, die da kommen sollten.

Endlich ertönte das Arme-Sünderglöcklein vom niederen Thurme des Rathhauses, und umgeben von Schergen und Dienern des Gerichts, gefesselt an Händen und Füßen er­schien der längst erwartete Sebastian und wurde langsam aus dem Gehöfte des RathsgesängnisseS nach dem Markt­platze geführt- In der Mitte desselben war ein etwas er­höhtes Bretter-Gerüst erbaut, auf dem die Rathsherreu und richterlichen Personen sich versammelt hatten und vor welche der Unglückliche jetzt gestellt ward. Aller Augen waren voller Thränen beim Anblick der Leidensgestalt, die abge­härmt und abgemagert, ein schauerliches Entsetzen erregen­des Aussehen darbot. Sebastian starrte stumpfsinnig vor sich nieder, nur auf Augenblicke richtete er seine tiefliegen­den, halbgebrochenen Augen zum Himmel empor, gleichsam, als wolle er von dort sich Kraft und Stärke erflehen. Jetzt ward ihm nun qoch einmal der Beschluß des hohen Raths kund gethan und er ernstlich zum Geständniß der Wahrhett ermahnt. Mit matter, aber vernehmlicher Sttmme, er­widerte er: daß er nur einen Zeugen seiner Unschuld, den allmächttgen, allwissenden Gott, und einen Fürsprecher, den Herrn Jesum Christum habe! In dem Augenblicke, als Sebastian diese Worte gesprochen, erhob sich ein entsetzlicher Sturm und der Wirbelwind erfaßte einen Flug weißer Tauben, die er mit Gewalt zu den Füßen der Rathsherren niederschleuderte, was sofort für eine Aeußerung des Him-

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Es war ein rauher Novembertag, die ganze Nacht hatte j3»*5. unausgesetzt geregnet und der Windsturm hatte die Äegel von den Dächern auf die Straßen geworfen. Erst . U dem Grauen des Tages klärte sich der Himmel auf, wüthete der Sturm noch mit verstärkter Gewalt fort flüchtige düstere Wolken verdrängten auf Augenblicke

(•n an so weniger zu denken, als der Geheime Oberregierungs- ich Körte die laufenden Geschäfte in durchaus befriedigeu- . ly8 « Weise führt. Das Amt hatte bisher zwei Präsidenten: Herrn Scheel, der sehr bald abdankte, und Herrn Maybach, auch nach verhältnißmäßig kurzer Zeit das genannte

Erscheint täglich außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition («och'fche Buchdruckerei) bezogen 2; Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

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Die in Betreff der Regierungs-Collegien bevorstehende ieuerung soll sich, wie man hört, hauptsächlich darauf be- '' n, daß den Regierungschefpräsidenten eine größere Machtvollkommenheit, als sie bisher in der Collegialver- Woh« schung besitzen, eingeräumt werden soll. Der Vortheil m UÄ 6tr letzteren würde dadurch also wesentlich beschränkt wer- ta und die Mitglieder der Collegien dadurch mehr der te Stellung der Ministerialräthe genähert werden, welche ersteiga ttr eine berathende, keine entscheidende Stimme haben.

Anzeigen nimmt entgegen die Spedition d. Blattes s omie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendanl in

Berlin; iß. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen-

121! oftmals den Tod gewünscht, ja seine Peiniger um L -J Melden gebeten, immer aber hatte er zur Antwort er- Wen, er solle mit seinem Geheimniß der Wahrheit näher Mn. Sebastian'S jammervolle Gestalt, sein leidender, LlUf Wender, Mitleid erregender Blick und vor Allem die be- scher' pichen Betheuerungen seiner Unschuld, trotz Folter und soglei Eefängniß, mochte endlich seine Richter in chrem Glauben seine Schuld wankend gemacht haben, und es ward be- M Ruit, in einer Rathssitzung einen Endbeschluß zu fassest. —$ Der gefaßte Beschluß der Rathsherren und richterlichen 1 tn । fronen war für Sebastian nicht ungünstig und dem B°nj. Rfle jener Zeit angemessen ausgefallen. Er sollte durch roll Gottesurtheil gerichtet werden, auf welches entweder M gänzliche Freisprache oder — sein Tod erfolgte. Er »tyst1 Ad Tags darauf in Kenntniß gesetzt; doch behielt man ■ zu o M vor, die Art und Weise, wie es geschehen sollte, ihm [2s R am Tage und auf dem Platze der Ausführung mit= Reiten.

Die Prinzessin von Awei-Vrückeu.

Novelle von Rud. Wellnau.

(Fottsetzung.)

ringt- Sieben Leidensmonate waren unter von Zeit zu Zeit Wenexten Qualen langsam für Sebastian Reifgersten yer- ^ichm; in den Stunden fürchterlichen Schmerzes, verur- Rt durch alle nur erdenklichen Qualen jener Zeit, hatte

Hinsichüich der Umblldung der preußischen Staatseism- »-Verwaltung, welche nunmehr definitiv zur Ausführung en soll, hat das Ministerium sür öffentliche Arbeiten keinen vollständigen auf alle Details eingehenden tourf, sondern nur eine Skizze ausgearbeitet, welche in eineinen Grundzügen den künftigen Orgauisationsplan mittÄvsrlegt. Nach dem aufgestellten Plane sollen ,im Ganzen F. » schs Eisenbahn-Direktionen eingerichtet werden, nämlich zu n, wtz Sttlin, Breslau, Bromberg, Hannover, Kassel und Elber- fdb. Indessen legt das Ministerium keinen Werch darauf in K Mi die Directionen unbedingt gerade an den genannten [21! Ehrten ihren Sitz finden. Die Organifation der neu einzu- Wenden Directionen wird sich dadurch von den gleichge-

allcrlei Vorkehrungen zuwege gebracht hat, welche dm en uttdLMport, so weit er bisher über und durch Deutschland RädcheuMmgen ist, von dort, wenn auch auf Umwegen abzu- bNMen suchen. Man denke nur an russisches Getreide, das inen Weg nach England künftig über Odessa nehmen Auch das Reichs - Eisenbahngesetz kommt entschieden «bet zur Erörterung, und es wird sich zunächst zu zeigen n, welche Stellung die „verbündeten Regierungen" zu Vorlage einnehmen werden. Früher war der Wider­nd bekanntlich sehr groß und gewaltig, doch hat sich in- Afchen manches geändert. An die Besetzung des lange WMisten Präsidiums des Reichs-Eisenbahnamts ist vorab

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