Marburg, Sonnabend, 9. August 1879
r. 183
xiv. Mri-Ig
WctzkMc Jcitimj
■
60
Tagesbericht.
89}
90;
53*e
„ «/ , „Dir ist Unrecht geschehen, meine Tochter, schreiendes, — 1! Keres Unrecht," tröstete der Alte, „doch laß Dir vorerst
1!
).
21
131}
131}
) >0 l
94}
99} 101} 104}
99
99
st 18 rief. 99}
womöglich als Mehrheit in den Reichstag zu kommen. Sie mögen Farbe bekennen. Herr v. Forckenbeck mag an der Spitze des „thatkräftigen Bürgerthums" an die Wahlpforte pochen und Herr Lasker an der Spitze der Proletarier, denen er vorgeredet hat, daß ihnen der Tropfen Petroleum vertheuert werde, um die Last der Reichen zu erleichtern. Mögen die Herren ihre Fahnen entfalten, damit man die Loosung erkennen kann. Niemals war zweideutiges Versteckspielen weniger am Platze. Wir denken während der Wahlperiode unsere Schuldigkeit zu thun, daß solches Verstecken nicht gelinge.
Die Prinzessin von Awei-Brücke«.
Novelle von Rud. Wellnan.
(Fortsetzung.)
Die „Polit. Corresp." meldet: Der rumänische Minister des Auswärtigen Boerescu stattete gestern dem Grafen Andrassy einen längeren Besuch ab. Morgen reist Boerescu nach Berlin, von wo er am 15. d. in Paris einzutreffen gedenkt. — Dieselbe Korrespondenz meldet aus Konstanti- nopel: Gestern hat ein Ministerrath unter dem Vorsitze des Sultans stattgefunden, welcher die Frage der Recon- stituirung des CabinetS erörtert haben soll. ES heißt, Savfet Pascha werde das Präsidium, Aarifi Pascha daS Auswärtige, Sadyk Pascha die Finanzen und Server Pascha das vereinigte Bauten- und Handels-Ministerium übernehmen. ___________
Die neue Lücke, welche der Tod in der Familie des Königs von Spanien gerissen, gibt der „Times" Veranlassung zu einem Artikel über dir Lage der spanischen Monarchie, dessen Schluß wir die nachstehenden Bemerkungen entnehmen: In der Politik Spaniens sind Revolutionen und Revolten etwas so Gewöhnliches, daß fünf Jahre geordneter Regierung, gut, schlecht oder mittelmäßig, als Beweis eines entschiedenen und ermuthigenden Fortschritts betrachtet werden dürfen. Seit 1875 ist der Thron Alfonso's nicht ein einziges Mal ernsttich bedroht worden; Carlismus, Cantonalismus und die kubanische Rebellion versperren der monarchischen Regierung nicht länger die Wege. Polittsche Störungen — wir meinen damit nicht parlamentarische Conflikte und Streitigkeiten, sondern Jnttiguen, Verschwörungen und schließliche Appelle an die brutale Gewalt — sind vor Allem zu verwerfen. Es würde beklagenswerth sein, wenn das häusliche Unglück der königlichen Familie den Aberglauben des spanischen Volkes anregen und daffelbe bestimmen würde, an dem Geschick der Kinder Jsabella'S II. zu verzweifeln. Einer solchen unvernünftigen Panik entgegentteten zu wollen, würde fruchtlos fein. Die Regierung des Königs Alfonso kann sich nur der Hoffnung hingeben, daß diese Gefahr, wie so manche andere, allmählig verschwinde und stetig auf dem Wege der Ordnung, Freistnnigkeit und praktischer Arbeit fortschreite.
heran, die Jungfrau kehrte nicht zurück! — Da stieg die Herzensangst des kummervollen Vaters auf's Höchste, sein einziges, theuerstes Kleinod war in Gefahr, vielleicht schon --er wagte den Gedanken nicht auszusprechen, vielleicht schon ihres jungen Lebens beraubt. — Auf eine von Vater Weise bang durchwachte Nacht folgte er endlich der langersehnte Morgen. Welch Erwachen? Leer war daS Kämmerlein, leer das Bett, in welchem die Jungfran zu ruhen pflegte. Es war kein Traum, eS war nackte Wirklichkeit — Sabine war verschwnuden.
Nachdem Vater Weise sich einigermaßen gefaßt hatte, übergab er feinen Posten einem Nachbar und ritte sofort zum Abt Anselmus. Dieser empfing die Kunde von dem Verschwinden des Mägdleins mit anscheinend größter Bestürzung, und erörterte sehr weitschweifend, wie sie am gestrigen Vormittage, gleich nach beendigtem GotteSdimst in die menschenleeren Hallen des Kreuzganges, wo er sein Gebet verrichtet, zu ihm gekommen sei und um seinen Segen gebeten habe; diesen habe er ihr erthellt und darauf sei sie geschieden. Noch bemerkte er, wie er sie in der Ferne beobachtet, und falls ihn sein Auge nicht getäuscht, sei ein junger Fischer im sonntäglichen Anzuge zu chr gestoßen, mit welchem sie hinter den Domherrn-Häusern verschwunden sei. Er gab dem Vater der Jungfrau sein inniges Bedauern zu erkennen und rieth ihm, sofort bei dem hohen Rathe der Stadt Magdeburg Anzeige zu machen, vor Allem aber dahin zu wirken, daß ermittelt werde, wer der Begleiter Sabinens zuletzt gewesen. Hierauf begleitete er den Alten bis zur Thür und dieser ging mit tiefet Bekümmerniß von dannen.
Schon am nächsten Tage war Sebastian Reifgersten vor den hohen Rath der Stadt gefordert und auf Pflicht
Deutscher Reich.
öerlitt, 7. August. Ein besonderes Jntereffe nehmen mit Rücksicht auf die Einführung der Sätze des neuen Zolltarifs die vom Kaiserlich statistischen Amte herausgegebenen Nachweise der Waareneinfuhr im Juni und im 1. Halbjahr 1879 in Anspruch. Demnach hat die Einfuhr von Roh- und Brucheisen im Monat Juni gegenüber den Vormonaten und im Vergleich mit demselben Zeiträume des Vorjahres sehr bedeutend abgenommen. Immerhin bleibt noch bei Vergleichung der Einfuhr dieses Artikels im ersten Halbjahr des Jahres 1878 mit derjenigen im letztverflossenen Halbjahr noch ein Plus van mehr als 2l/i Millionen Gentner übrig, ein Beweis, daß es der Specu- tation gelungen ist, noch recht erhebliche Vorräthe vor Eintritt der Zollpflichtigkeit dieses Artikels in das deutsche Zollgebiet einzubringen. Von sonstigen Veränderungen gegen das Vorjahr möchte noch hervorzuheben sein, daß die schon fiüher hervorgehobene Abnahme der Gnfuhr von Stammholz auch in den Einfuhrzahlen vom Monat Juni d. I. wiederum hervortritt, dagegen hat die Einfuhr von Leinengarn und Leinenwaaren, Häuten, Fellen und Leder, so wie von einer Anzahl Colonialwaarrn und Matenal- waaren, wie insbesondere Kaffee, getrocknete Südfrüchte, getrocknetes Obst, Kaffeesurrogate, Tabak, Mehlfabrikate, Baumöl, Palmöl, Talg. Schmalz und Petroleum, wie schon in den Vormonaten, so auch wiederum im Juni im Vergleich mit den entsprechenden Zeiträumen des Vorjahres zum Theil recht erheblich zugenommen. — Im Reichsschatzamte ist jetzt — so wird officiöö berichtet, jener Theil des Waarenverzeichnisses ausgezogen worden, welcher die Gegenstände enthält, bezüglich bereit der neue Zolltarif bereits in Kraft getreten ist. Innerhalb der nächsten acht Tage wird die Broschüre zur Ausgabe gelangen und durch den Buchhandel käuflich sein. Der übrige Theil des Waarenverzeichniffes, also die mit dem 1. Oktober 1879, 1. Januar 1880 und später zur Verzollung gelangenden Maaren, deren Aufftellung noch keine so dringliche ist, wie die der oben genannten Gegenstände, wird noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, da das Material in überwältigender Fülle vorhanden ist. Schon die amtliche Fertigstellung des vorerwähnten BruchtheileS kaum einen Monat nach Annahme des Gesetzes machte starke Anstrengungen nöthig, und selbst an amtlicher Stelle vermag man heute noch keine bestimmte Auskunft über einzelne Gegenstände zu geben, welche etwa in dem weiteren Warenverzeichnisse Aufnahme finden werden. Aus dem Gesagten ist es daher erklärlich, daß jedes von anderer Seite aufgestellte Waaren- Verzeichniß, wie solche Aufstellungen bereits mehrfach angekündigt und empfohlen worden sind, von den Interessentin nur mit der äußersten Vorsicht ausgenommen werden darf. Solche Verzeichnisse können eben nur an der Hand des alten Waarenverzeichniffes angefertigt sein und bieten in
- 1 2 '4 i 113} 1 — 1 St. in
$5
3» '/' Ines.
Der „Berliner Börsen-Courier" antwottet, es handle gar nicht darum, zwischen Bismarck und irgend einem teeren zu wählen, sondern einfach um das „Fort mit marck." „Ist der Raum frei, so wird der würdige
73}
82} 91
chfolger schon gefunden werden." Wie sagten jene terischen Landsknechte, welche überlegten, wie sie ihren Herrn verricthen? Was brauchen wir einen Feld- tmann? Du und ich wir passen auf, ob der Feind mt; kommt er stark, lassen wir ihn gehen. Geht es nicht, so wählen wir den Spiegelberg zum Hauptmann;
t es sich mit dem nicht, bringen wir ihn um und iren es mit einem Andern." Ja, es probirt sich nur wenn es sich um ein Staatswesen wie das Deutsche ich handelt. Jndeß die „Berliner Zeitung" findet den m Trost in dem Worte Oxenstiern's: „Du weist
, Sohn, mit wie wenig Verstand die Welt regiert So, meint das Blatt, wird sich auch leicht ein ler finden, vielleicht gar in der Redaction der Inter Zeitung". Ist es nicht, als ob man eine blaue vntagsgesellschast über Politik debattiren hört? Wir Esche wären beneidenswerth unter den Völkern, wir von dieser Gesellschaft unsere Regierung zu fangen hätten.
Wenden wir uns nun zu den ernsthaften anständigen m. Die „Nat.-Ztg." will nichts davon wissen, die nson des Reichskanzlers in den Wahlkampf zu ziehen r sie ruft ihren Freunden zu, daß man nur an der ”e einer Mehrheit mit dem Reichskanzler verhandeln ftt. „Wenn wir ihn binden könnten, brauchten wir ihn zu tobten" sagten bie Kinder int Märchen von dem ksen. Also man will eine Mehrheit, die mit dem Reichs- ler verhanbelt! Was soll denn diese Mehrheit für ie Politik haben, welche nächsten Ziele? Um diesem en Antwortspiel einen ernsten Zusatz zu geben, sprechen
1-20 7-42 1—76
9-64 8-21
In 101} 101} 101)
und Gewissen zur Wahrheit ermahnt; da er die ausweichendsten Antworten auf die ihm vorgelegten verfänglichen Fragen gab, so erklärte man ihn einstimmig für den hartnäckigsten Läugner, und mit Bezug darauf, daß er wahrheitsgetreu erzählt, was vor dem Kirchgänge Sabinens zwischen ihm und ihr vorgefallen, schöpfte man Verdacht gegen ihn und trug darauf an, daß er in Haft genommen wurde, bis er sich eines Anderen besonnen.
Großes Aufsehen und Gerede hatte indessen daS plötzliche und seltsame Verschwinden Sabinens in der Stadt gemacht. Ueberall, wohin man kam, ward über das Schicksal der Pinnzessin von Zwei-Brücken gesprochen und man erging sich in den abenteuerlichsten, oft bizarresten Vermu- thungen darüber. Man beklagte den alten unglücklichen Vater und bedauerte vielseitig den vielleicht unschuldig leidenden Sebastian.
Die Meisten aber schüttelten bedenklich die Köpfe und meinten, es wäre das Verschwinden Sabinens ein wohlangelegter Plan, besten Ausführungen man nur Personen höheren Standes zumuthen könnte. — Auch dem Markgrafen und seiner Gemahlin war die Kunde von dem Verschwinden Sabinens zu Ohren gekommen und der Fürst ordnete auch seinerseits sofort die strengsten Maßregeln zu dem Wieder- aufftnben bet Prinzessin von Zwei-Brücken an, unb begab sich bann mit seinem Gefolge zurück nach Rathenow, wo er zur Zeit seinen Aufenthalt hatte. — Einer aber fehlte von seiner Begleitung, ob ihn ber Markgraf wohl vermißt? — Wir wisten es nicht! —
DeS anbern Tages warb Sebastian wieberum vor seine Richter geführt, er sah sehr leidend aus, ohne Zweifel die Folge einer schrecklich durchwachten Nacht. Heute ging man strenger mit ihm zu Werke, das peinliche Verfahren ward
15» Mädchen los und ging. O wäre sie nimmer gegangen!
9» k Die feierliche Weihe des Erzbischofs war längst vorüber! 13* Nachmittagsgottesdienst zu Ende, und Sabine war sn imme nicht zurückgekehrt. Dem Wen ward bange; i li»l Lva9te vorübergehende Bekannte und Nachbarn nach dem J' Meiden des Mädchens, doch konnte Keiner die rechte
9i Me gehen; die Einen hatten sie in der Nähe des AbtS ?e£mu§ im Krcuzgang des Doms gesehen, die Andern ___.2 Zeuge, wie sie in Begleitung eineS Fremden den
J. — Noch einmal blickte sie dem guten Vater in das 3, M Auge, noch einmal erfaßte sie seine dargereichte Hand drückte einen langen — langen Kuß auf seine Lippen; .war ihr heute so sonderbar zu Mnthe, so ganz unge- ^wlich beklommen um die Brust;'sie wollte gehen und 106 Me sich doch nicht trennen von dem ehrwürdigen silber- E ^gen Greis, und dem Stübchen, in welchem jeder Winkel i5t theueres Andenken barg. — Endlich riß sich das
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition 6. Blattet sowie d- Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
hingen nimmt emgegen: «Erpedttiou d.Blattes, Mjed-Annoncen-Bureaur „ L>. Dietrich & Co. in hffel und Hannover; Th. Mirich in Frankfurt a.M.; tafenftein & Vogler in Lgifnrt a M., Berlin, Ewig, Cöln re.; Rudolf ■eile in Berlin, Frankfurt a. M. re.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Auf unsere Frage i die „Weg mit Bismarck"-Rufer, wer an des Kanzlers 5ttüe treten soll, sind einige Antworten eingegangen. I® „Berliner Tageblatt" antoortet, es sei gar keine ütroort nöthig; einmal werde ja doch das Schicksal die rage beantworten müssen. Wie entschuldigte sich doch m Mörder vor Gericht? Er sagte, der Gemordete fce doch einmal sterben müssen; eine kleine Lebensverkürzung
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2} Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. kexcl. Bestellgebühr). — JnfertionSgebühr für di- gespaltene Zeile 10 Pf,.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
ICO! ...
103 « ie er, ber Mörder, nicht für so bös gehalten.
unsere Ueberzeugung aus: die Parole der nächsten hlen muß lauten: Schutz der nationalen Arbeit oder isgebung derselben. Daß die „Weg mit Bismarck!"- 4er ein Blauer-Montags-Klub sind, mag ihre Zahl ver- i tigern, ihre Stärke wird nicht gefährlich sein. Gefährlich k k sind die Leute, die sich gegen das Blaue-Montags- ® «schrei verwahren, um unter allerhand zweideutigen Masken
35} 1- Van genügen, daß ich morgenden Tags die Zunft zu- ~ • wnnenberufen werde, um diesen Fall zur Erörterung zu M 7! ''«gen. Aber geh' jetzt, mein Töchterlein," setzte er bittend — Ä tju, „und versäume den Kirchgang nicht, vielleicht bringst 33} 11 En in Deiner Brust ein versöhntes Herze heim?"
i« L^tt&tne rüstete sich und stand in kurzer Zeit im Sonn- ju Wchmuck dem Vater gegenüber, das Kettlein mit dem 8 Mfir, das Geschenk der Markgräfin Hedwig, auf der