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Marburg, Dienstag, 5. August 1879
XIV Jahrgang
können (in dieser Sache standen früher die National- Liberalen und die meisten Conservativen zusammen und zwar auf Seiten der Regierung) und eben so wenig die vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten ausgearbeiteten Vorlagen über Stromregulirungen, eine Uferordnung und die Rechte der Uferbesttzer, so gehören doch gewiß zu diesem Prüfstein die in Aussicht gestellten Vorlagen in Beziehung auf Reorganisation der inneren Verwaltung, die Veränderung der Einrichtung der Bezirksregierungen zum Zweck der Accomodation an die durch die Provinzial-Ordnung geschaffenen Selbstverwaltungsorgane und die Bestimmung der Grenzen zwischen den ordentlichen und den Verwaltungsgerichten. Endlich soll, wie man hört, dem Landtage die Vorlage einer Novelle zur Städteordnung und eine über Communal-Besteuerung gemacht werden. — Alles Gegenstände, die sich vom conservativen Gesichtspunkte angesehen ander« ausnehmen und anders zu behandeln sein dürften, als vom liberalen. Zu all diesem Material wird sich aber noch genug finden, was die ganze Kraft gewiegter und redlicher Männer in Anspruch nimmt und welches von solcher Beschaffenheit ist, daß es hochwichtig erscheinen dürfte, dasselbe nicht im Sinne liberalistischer Grundsätze behandeln und feststellen zu lasten. Die Conservativen haben in ihren Reihen eine ganze Anzahl beteutender und redegewandter Männer, aber lange nicht genug, um gegen die Menge der parlamentarisch geschulten Redner der Liberalen, besonder- rer Fortschrittspartei, aufzukommen; vor Allem muß daher ihr Bestreben dahin gehen, für die nächsten Wahlen solche Männer aufzusuchen und hcranzu- ziehen, die wie Herz und Sinn für die cvnservative Sache, so auch die nothwendige rednerische Rüstung haben, und das ist im gegenwärtigen Augenblicke ganz besonders nöthig, um die cvnservative Strömung zu verstärken, die nun einmal durch das Land geht und ihre Quelle darin hat, daß man überall eingesehen, wie die vom Liberalismus aufgestellten Grundsätze, die sich auf die angebliche Güte der Menschennatur und die Lehre von der freien Entfaltung aller Kräfte und dem unbeschränkten Grhenlasten aller Dinge stützen, nur Schaden an den inneren und äußeru Gütern des Volkes angerichtet haben. Freilich geben sich jetzt die Liberalen alle Mühe, diese cvnservative Strömung zu dämpfen, indem sie dem Volke die Nachtheilr ungeheuer groß ausmalrn, welche dasselbe durch die mit Hülfe der Conservativen im Reichstage zu Stande gekommenen Wirthschaftsgesetze erleiden müsse; indcß dies wird ihnen hoffentlich nur auf eine Weile gelingen, die Wahrheit bricht doch durch und behält den Sieg. Also Muth und vor allen Dingen und zunächst Umschau im Lande nach wirklich conservativen Männern für den nächsten Landtag!
Tugesbericht.
Das ReichSgesetzblatt publicirt eine kaiserliche Verord-
frau eine drei Ellen lange, mit Bändern aller Art geschmückte Standarte, an deren oberen Ende ein aus Silberfäden fein gewobenes und in der Sonne prächtig plitzend und funkelnde« Fischernetz befestigt war, in welchem sich ein von Künstlerhand gefertigter Fisch, der zugleich die Gestalt eines Pfeiles hatte, befand, und auf dessen einer Seite die Worte: „Dem tapferen Krieger Otto IV.," auf der andern aber „Die Fischer-Jungfrauen Magdeburgs" angebracht worden waren.
Noch einmal war der Bruder des Markgrafen Erzbischof Ehrich, durch die Straßen der Stadt gefahren, um Einsicht von den veranstalteten Festlichkeiten zu nehmen, und seine Theilnahme an der Freude der Bürger erkennen zu geben. Er hatte sich längere Zeit mit einem großen Theile der Geistlichkeit, die sich am Brückenthore aufgestellt hatte, angelegentlich unterhalten und war dann wieder mit freudestrahlendem Gesicht der Bischofsburg zu gefahren, um daselbst seinen Brnder und dessen Gemahlin zu empfangen.
Endlich verkündete das Geläute aller Glocken, in da« zugleich die Messtnghörner der Musikchöre sämmtlicher Gewerke einstimmten, da« Herannahen des hohen erlauchten Paares. Der hohe Rath, die Herren von der Bürgermeisterei und Stadt-Aeltesten, alle zu Pferde, sprengten im Galopp zu dem Thore hinaus, und besorgt wichen die dichten Masten des Volkes, um nicht von den Hufen der Rosse zertreten zu werden.
Eine Stunde des Hoffen« und Harren« war vergangen. Reiter und prächtige, mit festlich geputzten Herrschaften an- gefüllte Wagen fuhren und ritten noch immer dem Markgrafen entgegen. Dichtgedrängte Meilschenmassen durchwogten die Straßen und die Stadt-Soldaten hatten vollauf zu chun, um Ruhe und Ordnung zu erhalten. Die Fenster
nung, wonach das Gesetz betreffend die Verfassung und Verwaltung von Elsaß-Lothringen am 1. Oktober in Kraft tritt, ferner eine kaiserliche Verordnung, worin die dem zum kaiserlichen Statthalter von Elsaß-Lothringen ernannten General-Feldmarschall v. Manteuffel übertragenen Befug- nstse aufgezählt werden. Zu den Befugnissen des Statthalters gehören u. A. die Anordnung der Wahlen zu den Bezirkstagen, sowie deren Eröffnung und Schließung, die Suspension oder Vernichtung der Beschlüsse von Bezirkstagen und Kreistagen, die Feststellung des Haushaltsetats der Bezirke, die Auflösung der Kreistage und Gemeinderäthe, die Genehmigung zur Aufnahme von Anleihen seitens der Bezirke und Gemeinden zur Errichtung gemeinnütziger Anstalten und Gesellschaften, zur Abgrenzung der Kreis-, Gemeinde- und Pfarrei-Bezirke, die Befugniß zum Erlaß von richterlichen oder administrativen Geldstrafen, zur Erthei- lung von Rehabilitionen, zum Erlaß von Steuern und Gefällen, zur Ernennung und Abberufung von Bürgermeistern und Beigeordneten, zur Genehmigung der von den katholischen Bischöfen vorgcnommenen Ernennungen zu geistlichen Aemtern, die Bestätigung der Ernennung und Abberufung protestantischer Pfarrer, die Bestätigung von Wahlen zu anderen geistlichen Aemtern, sowie auch zu Aemtern des israelitischen Kultus.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bemertt, daß „die nur auf die Abwehr sich beschränkende Erwiderung, welche die Post vor einigen Tagen den fortschrittlichen Schimpfereien zu Theil werden ließ", vielleicht in verschiedenen Kreisen den Eindruck Hervorrufen könnte, al« lege der Kanzler persönlich ein so großes Gewicht auf seine Stellung, daß er einen Wechsel in derselben schmerzlich empfinden würde. Sie glaube aber int Gegentheil, daß der Reichskanzler selbst eine Ablösung von seinem Posten mit aufrichtigstem Dank begrüßen würde. Aber wo und wer sei der Mann, den die in der Kotrrie Lasker- Richter-Stauffenberg-Forckenbcck repräsenttrte Fortschrittspartei an des Kanzlers Stelle setzen wolle? Bis jetzt fei der einzige positive Zug in dem Verhalten der Fort- schritlspattei die Verneinung. Das genannte Blatt fährt dann fort: „Drängt diese Partei sich nun aber mit einem so konkreten Verlangen an Kaiser und Volk, wie es der Ruf ist: Fort mit diesem Reichskanzler! so würde sie eine wahrhaft verbrecherische Frivolität bekunden, wenn sie nicht wenigstens diesmal wüßte und offen auszusprechen den Muth hätte, wer und was an die Stelle Dessen gesetzt werden soll, dem der Kampfruf der gesammten Fortschrittspartei im Reiche, von Lasker, Forckenbeck und Stauffenberg an bis Richter hin gllt. Also heraus mit der Sprache, Ihr Herren vom linken Flügel: Wie heißt der Mann, der an des Kanzlers Stelle treten soll?"
der Häuser waren theilweis ausgehoben und dichtgedrängt schaute Kopf an Kopf hernieder auf das fröhliche Getümmel; ja man hatte sogar an verschiedenen Häusern die Dächer abgedeckt, um Platz für die neugierige, schaulustige Menge zu haben. —
Da endlich erreichte der Zug die Thore der Stadt. Voran ritten die Herren des hohen Raths, der Bürgermeisterei und die Stadt-Aeltesten; daim folgten mehrere Lehens-Ritter und Vasallen mit ihren Reisigen, Knappen und Dienerttosten, dann der Wagm der Markgräfin Hedwig, ihr zur linken Seite, die Kammerftan, Freifrau von Steinmetz. An der rechten Seite des Wagens ritt auf muthigem stolzem Andalusier der Markgraf Otto IV. an seiner Seite auf hohem Berberrosse erblickte man Prinz Konrad, den anderen Bruder des Markgrafen, an welchen sich von Zeit zu Zeit die Markgräfin mit Fragen wandte. Hinter dem Wagett ritt der Marschall Konrad von Raven, der verttante Schenk des Markgrafen, in wahrhaft prächtigem, ritterlichem Kostüm, das seine schöne, jugendkräfttge Gestalt auf das Vortheilhasteste hob und erscheinen liefe; Ritter Johann von Buch, Ritter Berthold, der Hofjägermeister Heinemann und eine zahllose Menge anderer Grafen und Ritter, zum Theil in den kostbarsten Trachten, und die goldenen und silbernen Rüstungen der Geharnischten glänzten und blitzten im Sonnenstrahl, dafe man oft die Augen abwenden mufete von dem hellen Gefunkel, um nicht Gefahr zu laufen, geblendet zu werden. Dann folgten die übrigen Wagen der Markgräfin mit ihren Hoffräulein und Evel- damen, und den Schluß bildete die übrige Dienerschaft des hohen fürstlichen Paares, sowie des Prinzen Konrad.
Der Vortrapp des Zuge« war bereit« in der Stadt »«gelangt, und der Wagen der Markgräfin hatte die Ehren-
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Zur Wahlbeweguuß.
XUJ chulösen und bald darauf die Urwahlen, so wie die Ab- ndrui Mnetenwahlen vornehmen zu lassen. Trotzdem dies be-
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ittpellationen und solche wichtige Dinge, die oft der
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kung, ob liberal, ob conservativ, prüfen läßt. Wenn ch dazu nicht die erwarteten Vorlagen wegen Ankaufs !iger Privatbahnen durch den Staat gerechnet werden
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--- rgenblick gebiert und die von höchster Wichtigkeit für i ver «6 Vvlkswohl sein können. Ferner aber ist, so weit bis itM hl die Kunde reicht, auch schon genug Material für [21 ® Landtag in sicherer Aussicht, an welchem fich die Ge-
Die Regierung hat beschlossen, dm preufeischm Laudig, dessen Legislaturperiode eigentlich erst am 27. October i Ende, aus Nützlichkeitsgründen schon im September
Die Prinzessin von Zwei-Brücke«.
Novelle von Rud. Wellnau.
(Fortsetzung.)
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:. in« tr nächsten Session nur wenig Arbeit haben werde, da [211 i dem preußischen Ministerium sich eben erst mehrfache TSL Wanderungen vollzogen haben und man annimmt, dafe
ir Personen zu suchen, welche der Bewältigung dieser «gaben gewachsen sind oder das rechte Verständnife da- ver i haben. Bis jetzt heifet es zwar, dafe der Landtag in
r neuen Minister sich erst in ihre Ressorts einarbeiten |Q btzten; inbefe darf dies Niemanden verführm, den neuen v kchlcn eine geringere Wichtigkeit beizulegen; denn ein- la« II wird ja nicht für ein Jahr, fonbern für brei Jahre
»ählt unb zweitens finb es nicht bie Vorlagen, bie vom Yierungstische herrühren, allein, was bie Thätigkeit ber bgeordneten bestimmt, sonbent es finb noch andere Dinge, il denen letztere sich zu befassen haben, wie Petitionen ld Beschwerden über bie verschiedensten Sachen aus dem Kats- dem kirchlichen, bürgerlichen und Communal-Leben.
enstein & Vogler in a- M., Berlin, ig, Mn ic.; Rudolf t i, Berlin, Frankfurt a. M. re.
)76, Sämmtliche Gewerke waren durch ihre Altmeister anf- äeM Edwert, sich in den Straßen, die der Zug pafferen mußte, derartig aufzustellen; an der Spitze die Fahnen, Stan- jB6l Btoi ober sonstigen Embleme ber Zunft. Die Schulkinder [21 ihren Lehrern unb Lehrerinnen sollt.« vor ber Bischofs- -j( te8 den Zug in Empfang nehmen. Auf Veranlassung e hohen Bürgermeisterei war eine allgemeine Illumination "geordnet, die Abmds ftattfenben sollte. Die Häuser der waren bekränzt unb mit Inschrift sinniger Art ver- hauptsächlich zeichnetm sich diejmigen aus, in welchm ; lrsvnen höheren Standes wohnten. An verschiedmen Ortm urb» i den Straßen hatte man Ehrmpfortm errichtet. Auf zwei Btücken aber, bie zur Stadt führten, hatte bie ycherzunft, bie damals die stärkste in Magdeburg war, Rf Ehrenpforte erbaut, welche die'besondere Aufmerksam- $ des Markgrafen und seines ganzen Hofe« in Anspruch An. Zu beiden ©eiten der Brücken hatten sich die Fischer Jüngeren in der vorderen Front ausgestellt. Unter der
welchem auf Pergament ein vom Stab-Syndikus Meier toittd ^nßtes geschriebenes Gedicht ruhete, bestimmt für die Ge- —*** Otto’«; in ihrer linken Hand aber trug die Jung-
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerstche Buchhandlung daselbst;
Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. Thiene« m Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.
,ür die Monate August und September werden von allen Postanstalten Beftel««gew die
Merhessische Zeitung
mit deren Gratisbeilage
Muftrirtes Sonntagsblatt
«genommen.
Die Exped. d. Oberh. Zeit««g.
taflaen nimmt tmgegen: trsrpeditio» b.Blatte«, „ird.Anaoncen'Bureaux roi~s n Th. Dietrich & Co. in , ksiel und Hannover; Th. ItiUtetetrnA in Frankfurt a.M.;
^Pforte aber harrten in weißen Kleidern bie Fischer- [2^bsrauen ber Ankunft de« hohen Paare«. In ihrer __' e batten sie ebenfalls im weißen Gewände, eine Schwester, 879. ,f schönste unter allen, der man es ansah. dafe ihr heute ^gewichtiges Geschäft übertragen worden war. Auf ihrer -jji \i Hten Hand trug dieselbe ein rosa seidene« Kiffen, verziert !U> 8* 7* geschmückt mit künstlichen Blumen unb Guirlanden,
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrlrteS SonntagSvlatt" durch die Expedition (K och'schr Buchdruckerei) bezogen U Mark, durch die Postämter de« Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».
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mnt ist unb Jeder weife, bafe es nur noch wenig Wochen is zu ben Neuwahlen ftnb, hört man doch bis jetzt gar llhfl' «itg von Vorbereitungen zu benfelben. Weder Conser- . «äve noch Liberale rüsten sich und eS scheint fast, als 50 $ «dürfe man, nachdem ber Reichstag gegangen unb gar
»übe Fluchen erregter Volksstimmung zurückgelassen, erst ine lauge en Zeit ber Sammlung, unb als ob man erst r W Melle Mittheilungen barüber abwarten wolle, welche fcci nfzaben beut neuen Sanbtage bevorstehen, um demgemäß ei*.