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Marburg, Freitag, 1. August 1879
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führnng landwirthschaftlicher Maschinen, Erleichterung des Credits und für die östlichen Provinzen, die schnelle Bewaldung wüster und ertragloser Landstrecken. Als eines der wirkungsvollsten Mittel gegen die Auswanderung aber sieht Herr B. die Erleichterung der Ansiedelung und die Gewähr der Gründung einer eigenen Heimstätte an und beweist dies mit der Angabe, daß von dem platten Lande Mecklenburgs, wo es für die niederen Landleute bisher so schwer war, ein eigenes Heim und einen eigenen Heerd zu gründen, seit 1851 mehr als 120,000 Menschen ausgewandert sind. Er schlägt daher vor Allem die Wiedereinführung der Erbpacht vor, nämlich die Art der Verpachtung, die von selber vom Vater auf Sohn, Enkel rc. übergeht. Auch das Princip, welches manche gemeinnützige Baugesellschaften eingeführt haben, daß durch längere Zahlung des Pachtzinses allmählich die gepachteten Wohnräume oder Besitzungen in das Eigenthum des bisherigen Pächters übergehen, hätt der Verfasser für nützlich. Außerdem macht er noch allerhand kleine Vorschläge, wie der Landbevölkerung zu helfen sei, nämlich durch Errichtung von möglichst viel kleinen Sparkassen und durch längere Beurlaubung der Soldaten, die vom Lande stammen, zu den Erntearbeiten. Endlich will er den vielen Winkelagenten, welche in ihrem Vortheile die Landleute zum Auswandern bereden, das Handwerk gelegt wissen.
Diese wenigen Bemerkungen werden genügen, um auf die Wichtigkeit des Auswanderungswesens im Allgemeinen hinzuweisen und um es erklärlich erscheinen zu lassen, daß die Regierung fortgesetzt diesem Gegenstände ihre Aus- merkjamkeit widmet.
Die Prinzessin von Zwei-Brücken.*)
Novelle von Rud. Wellnau.
1.
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Hres lieblichen Angesichts gebräunt; rein, wie die zarte Pflanze in den erwärmenden Räumen des Gewächshauses, so war sie schuldlos und rein für den geheiligten kleinen Haushalt erzogen. Rur als später der alternde Vater von dem hohen Rache der Stadt mit. dem Posten eines Zoll- Einnehmers für die zwei Brücken betraut wurde, hatte sie Gelegenheit, dem Vater so recht ihre kindliche Liebe zu beweisen, indem sie, wenn er sein Mittagsschläfchen hielt, oder wenn er einmal in die Stadt gegangen seinen Verrichtungen nach, und auf dem Heimwege eine Kanne Braunes getrunken, seine Stelle während dieser Zeit pünktlich versah. Von dem «egen der Wasserfluth im Frühjahr etwas erhöht gebauten kleinen Hause des Vater Weise, welches von drei Setten Fenster hatte und eben Raum genug darbot, außer zwei Personen ein Paar Stühle und einen Tisch in sich aufzunehmen, führte eine schmale Treppe, aus Holzwerk < ^lnau .-4ut Gar mancher Wanderer, der die Brücke passirte und seinen UebergangSzoll entrichtete, hatte, wenn er in die Veilchen-Augen der lieblichen Sabine geblickt und ihre zarte weiße Hand den Tribut von ihm Epsing, gedacht: Wie mag doch dieser Engel den himmlischen Raumen entschwunden und hierher auf die arme Erde gekommen sein? Und wahrlich, ohne Zweifel, ein Engel war sie; ein unbeschreiblich zaubervolle« Lächeln spielte in ihren stets freundlichen Zügen und wenn die weichen me- lodilchen Töne ihrer schönen Stimme erklangen, schien dem Hörer ihre Sprache einer höheren Sphäre anzugehören. Wer m ihrer Nähe war, meinte in überirdischen Gefilden zu weilen und ein wohlthuendeS Gefühl und der Friede der Seligen überkam ihn. — Und fragst Du, geneigter Leser, liebe Lesen», wie sah es im Innern der Sabine aus ? — D, gewiß trug auf Erden kein- Jungfrau eine flecken-
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1879.
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♦ daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Tage-bericht.
„Provinzial - Korrespondenz" reproducirt mehrere Stellen aus den Artikeln der „Köln. Ztg." über unsere innere Lage, worin der Verfasser seine Meinung ausspricht über die Haltung, welche für die nationalliberale Partei m nächster Zeit geboten ist. Die „Prov.-Corresp." fügt hinzu: eö wäre zu erwarten, daß diese Aeußerungen eines der angesehendsten Parteiorgane, wenn irgend einem erheblichen Theile der Partei aus dem Sinne geschrieben, diesen Theil veranlaßten, sich zu einem solchen Programm zu bekennen, sich auf Grund desselben im Unterschied von der Partei LaSker-Forckenbeck zu constituiren und mit demselben an die politischen Aufgaben heranzutreten.
Die „Nordd. Allg. Ztg." hebt in einer Besprechung der rumänischen Frage hervor, daß, während die Großmächte selbst nichts unterlassen hätten, um ihre Achtung vor den Entscheidungen des Berliner Congresses an den Tag zu legen, die rumänische Regierung sich der princi- Piellen Unterwerfung unter den Willen Europas entziehen zu dürfen geglaubt und in dem jüngsten Circularschreiben
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Mstrreihe von Privaten bewohnt, welcher man den Namen ™ g' „Bombe" beigelegt hat. Zu den Zeiten aber, da unsere S T^hlmig spielt, war von jenen Häusern noch keine Rede; 11 aber hatte man auf dem Platze, wo jetzt die Citadelle «I f M- bereits ein bedeutendes Bollwerk zum Schutze der ift errichtet,, dessen Umfang jedoch in späteren Zeiten 1 tutend vergrößert, sowie seine Bauart verändert wurde, vdurch nach und nach die mächtige Schutzwehr die heuttge 'larelle entstand. — Ein abgeflachter, steiniger Strand, , - tn Zeilen des Hochwassers arg mitgenommen wurde, ltteckle sich fast bis zu dem Punkte, wo auf jenseitigem bas Kloster Berge seine Riesenmauern in die Lüfte nrpvrthürmle; der übrige Theil der Insel-Fläche war Waldig und den Bewohnern der Stadt war es an bestimmten J$en der Woche gestattet, nach vorher eingeholter Erlaub- 78 von der Bürgermeisterei, ihren Holzbedarf von dort zu »men. Auf diesen unfruchtbaren Boden aber hatten Mer sich angesiedelt, die im Verein mit ihren gegenüber
>)iienben Nachbarn, ebenfalls Fischer, ihr oft saures Hand- ti4*l Bifti und damals schon so zu sagen, eine Zunft
Serien und ihre kleinen Händel und selten vorkommenden 9t lei,iöfeiten unter sich schlichteten. — Zunächst der Brücke K® '———
Anzeigen nimmt entgegen: Mt Expedition d.Blattes, feste d.Annoncen-Bureaur «on Th. Dietrich & Co. in jtafiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Zaasenstein & Vogler in Arntfurt a. M., Berlin, Leipzig, CSln rc.; Rudolf Noffe in Berlin, Frankfurt e. SJt. re.
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geworden waren, nicht wieder Arbeit zu finden hoffen durften und nun nothgedrungen nach einer anderen Heimstätte sich umsahen, während die Bewohner der Jndustrie- bezrrke, namentlich aber die der größeren Städte, viel leichter Unterkommen und Arbeit fanden. Daß aber die Auswanderung, nachdem sie kurz nach Beendigung des Krieges ihren höchsten Grad erreicht hatte, nunmehr still- stand, das hatte seinen Grund darin, daß Handel und Industrie, angeregt dnrch den Milliardensegen, in Deutschland einen gewissen (wenn auch nicht nachhaltigen) Aufschwung nahmen, während in Amerika, wohin doch meistens bic Auswanderung ging, mehr nnd mehr Verkehrs- und Geldstockungen eintraten und die Geschäftslage eine schlechtere wurde. Daß nach Amerika aber der größte Sttom der Auswanderer gegangen, das weist Herr Bödicker ziffermäßig nach, indem er mitthcilt, daß z. B. aus der Provinz Hannover 96 Procent und aus den Regierungsbezirken Köslin und Stralsund sogar 99 Procent aller Ausgewanderten nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika gegangen sind.. Natürlich genug, die Ueberfahrt dahin ist die billigste, die schnellste, die bequemste und Jeder denkt, in dem Lande, wo schon Hunderttausend Deutsche hingegangen, werde er genug Landsleute antreffen, um Rath, Hülfe, Beistand und ein Fortkommen zu finden.
Was nun die Frage nach dem Schaden oder Nutzen dieser Auswanderung für das Vaterland betrifft, die je nach dem Standpunkt der Beurtheiler verschieden aufgefaßt werden kann, so stellt sich Hr. Bödiker auf die Seite Derer, welche dieselbe für schädlich halten; er will davon nichts wisssen, daß die Auswanderung anregend und befruchtend auf die heimische Produktion wirke nnd dem Mutterlande zu Gute komme; er hätt vielmehr dafür, daß uns einfach die Arbeitskräfte und Capitalien entzogen werden znm Schaden des Mntterlande«; denn ganz arme Leute, Faullenzer, Alte oder Krüppel gehen nicht fort, die bleiben im Lande oder ziehen höchstens in die großen Stätte und vermehren deren Proletariat; fortziehen meistens, wie Herr B. statistisch nachweist: Handwerker ans den kleinen Städten, kleine Grundbesitzer vom Lande, Handwerksgesellen und Gehülfen (seltener Fabrikarbeiter), ländliche Arbeiter und kleinstädtisches oder ländliches Gesinde. Kinder. Greise und Krüppel behalten wir.
Ein Mittel, zur Bekämpfung der Auswanderung steht Herr B. zunächst in der anzustrebenden Hebnng der Industrie, wozu er unter andern für bk östlichen Provinzen Staatsprämien oder Creditgewähruug vorfchlägt, dann in der Förderung des Handwerks durch Wiederbelebung der Innungen. Für die Landwirthschaft aber macht er eine ganze Reihe Vorschläge, als da sind: Entwickelung des Uuterichtswesens zur Vorbildung und Weiterbildung der Landwirthe, Organisation des landwirthschafttichen Vereinswesens mit staatlicher Unterstützung, Beförderung der Ein- aber, die schon damals ziemlich in der Richtung wie heute, und deren, durch ihre getherlte Bauart, eigentlich zwei waren, über die Elbe führte, stand das Häuschen des Fischermeisters Daniel Weise, geliebt und geachtet von den Bewohnern des dies- und jenseitigen Strandes. Es war ein Manu, an dem der Mehlthau des Zweifels seine Blüthen längst «b- streist, der einen streng gottesfürchtigen Wandel führte, und das Leben mit seinen Licht- und Schattensetten kennen gelernt hatte. Noch zu Lebzeiten seiner Gattin hatten die Wellen des Schicksals auch sein Gehöft bespült, sein altersgraues Haupthaar ganz zn Schnee gebleicht und eine Wett voll schöner Hoffnungen zn Grabe getragen. — Zwei Söhne nämlich, in den Jünglingsjahren, die ebenfalls da« Handwerk des Vaters trieben, waren auf einer nächtlichen Fahrt, ohnweit des Dorfes Fermersleben, mit ihrem Fahrzeug in eilte Brandung gerathen und hatten, da keine Hülfe vorhanden, den unvermeidlichen Tod in den Wellen gefunden. Seit dieser Zeit nun lagerten düstere Wolken auf seiner Stirne und das Leben hatte nur noch wenig Reiz für chn, doch wagte er nicht zu Hadem mit der ewig weisen Bestimmung des Welten-Regiments, das ja Alles stets zum Besten lenkte. War ihm doch ein theueres Kleinod noch geblieben, ein Juwel, ein Stern, der in dem Dunkel seiner Tage der Lichtpunkt war, von dem die warmen Strahlen inniger Kindesliebe ausgingen; es war dies fein liebes Töchterlein Sabine, die in der Fülle jugendlicher Frische und Aumuth die Furchen auf des Vaters Sttrn zu glätten verstand. — Sie war nicht, wie Töchter ihres Standes, mit zu den gewöhnlichen anstrengenden Arbeiten des Handwerks ihres Vaters verwandt, hatte nicht das Steuermder geführt, wodurch die zarte Haut ihrer Händchen verhärtet wäre, und nicht hatte die Sonne den feinen schneeigen Teint
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Die preußische Auswanderung.
Kürzlich hat der Landrath Bödiker in Gladbach eine Arbeit veröffentlicht, welche sich mit der preußischen Auswanderung seit dem Jahre 1844 beschäftigt. Der Verfasser hat jenes Jahr als das Anfangsjahr gewählt, weil seit diesem Jahre erst regelmäßige Aufnahmen über die Auswanderung gemacht worden sind, Die später (1871) auch auf Deutschland ausgedehnt wurden. Nach den von Herm B. aufgestellten Tabellen haben in den 33 Jahren von 1844 bis 1877 über 821,000 Personen das preußische Staatsgebiet verlassen; das waren aber nur die angemeldeten, während entschieden viel mehr Personen ans dem Lande gegangen sind. Eigenthümlicher Weise verlief die Auswanderung in einer Fluth, die vom Westen, vom Rheinlande, begann und immer mehr sich nach Osten zog und erst nach 1872 einer Ebbe wich. Im Jahre 1871 betrug die Auswanderungsziffer 33,600 Personen und 1872 sogar 65,000. Von da an fiel sie äußerst schnell und das Jahr 1877 wies nur noch eine Zahl von 18,400 Personen auf, eine Summe, toie_ ftc nur zu Anfang der Rechnungsperiode vorkam. -sonderbar war es, daß zu der großen Fluth der Auswanderung im Jahre 1872, dem Jahre nach dem großen deutsch-französischen Kriege, gerade die dünn bevölkerten und .vorzugsweise Ackerbau treibenden Bezirke Danzig, Marienwerder und Bromberg die größte Menge der Auswandernden lieferten, während die Judustriebezirke einen fast verschwindenden Satz dagegen stellten; aus Berlin, Arnsberg, Düsseldorf und Köln entschlossen sich kaum «000 Personen zur Auswanderung. Wahrscheinlich lag die Ursache darin, daß die durch den Krieg aus ihren gewohnten Verhältnissen herausgerissenen, nun einmal in Bewegung versetzten Landbewohner der östlichen Provinzen nicht mehr Lust hatten, in ihre heimischen, seßhaften, oft wohl einer Art von Sclaverei ähnlichen Verhältnisse, die chnen nur geringe Aussicht auf den Genuß der ihnen lieb- gewordenen Freiheit und Uugebundenheit gewährten, zu- ttickzukehren, daß sie auch wohl oft auf den Gütern, wo !»durch den wegen Mangels an Menschenkräften inzwischen nvthig gewordenen Maschinenbetrieb unnütz und überflüssig
~ ig .. $3enn man heut von der Strombrücke in Magdeburg, n •/, rie über ben Edstrom führt, rechts abbiegt, um sich nach — li sogenannten Rothen Horn zu begeben, so erblickt man — die mächtige Ci tadelte, und rechter Hand eine kleine
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