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Marburg, Donnerstag, 31. Juli 1879

xiv. Jahrgang

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,ür die Monate August und September werden von allen Postanstalten

-Wr sich soeben im Reiche vollzogen, auch die Umkehr der reit Politik will. Auf die Beantwortung dieser Frage

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die praktische Wirkung der neuen Wirthschaftöpolitik sticht ohne Einfluß bleiben. Der Glaube, daß eine Aen- «ung derselbe» mit Nothwendigkeit auch eine Besserung ftr wtrthschaftlichen Lage herbeiführen müßte, hat während

getrunken, aber sie zeigten keine Spur von Erschöpfung. Damit schlossen die Feierlichkeiten des ersten Tages.

Am anderen Vormittag waren sämmtliche Bewohner des Zndianerlagers im höchsten Staate wieder auf dem Festplatze. Zuerst wurde ein Tanz aufgeführt, wobei alle Tänzer in die Sonne blickten. Dann traten Weiber mit großen Gefäßen voll Suppe, Fleisch und Brod in dm Kreis. Im Nu waren dir gewaltigen Massen dieser Spei­sen von Att und Jung verschlungen. Darauf schrittm zwölf Häupttinge, geführt vom Oberhäuptling Rothwolke, in die Mitte und gaben ein Zeichen.

Und jetzt begann im gewaltigen Sonnenbrand M Ehren der Sonne die entsetzliche Probe der Elf.

Zunächst mußten fünf von ihnen vortreten. Der „Me- dizinman" oder Zauberer oder Pfaffe machte jedem mit einem Messer zwei Löcher unter Haut und Sehum der Brust, rechts und links; durch diese zwei Löcher wurde einem jeden ein langer, von dem Pfahl herabhängmder starker Riemen gezogen und bann mit einem Knoten auf der Wunde befestigt. Jeder der Fünfe hatte an seinem Riemen um den Pfahl zu tanzm und zwar so, daß der Riemen auf8 straffste angespannt wurde; dabei hatte der Tänzer zu zerren und zu rütteln, bis der Riemen das Fleisch und die Sehnen seiner Brust zerschnitt und sie zer­riß und so endlich die Brust an beiden durchlöcherten Stel- i len von dem Riemen frei wurde. Der erste der Fünfe entging dieser gräßlichm Schinderei, nachdem er eine Zeit lang getanzt hatte, dadurch, daß seine Mutter sechs Pferde hergab, worauf mau ihn losließ. Der Zweite tanzte und zerrtt lange Zett, hatte aber nicht die Kraft oder nicht den Muth, sich ganz loszureißen und sank endlich in Ohn­macht ; die Weiber riefm ihm Hohnworte zu, die Mädchen schalten ihn „Weib", während er mtt einem letzten Zeichen von Bewußtsein den Kopf voll Scham in seine Decke

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Mu striktes SorrntagSblatt

angenommen.

Anfang August beginnt im erzählenden Theile der „Oberhessischen Zeitung" die höchst spannende

. „Das Land, bemerkt sie u. A, hat in der Wahl gnfeintr Vertreter die Frage zu beantworten, ob es den ent- ibenben Einfluß auf bie Gesetzgebung in die Hände der MMnscrvativen legen, ob es zu der wirthschaftlichen Umkehr,

daß durch das einstweilige Ruhen jeglicher Wahlagitation noch nichts versäumt ist. Nichts wäre aber verkehrter, als daraus, daß die Liberalen sich im Lande noch wenig regen, einen Schluß auf ihre etwaige Eutmuthigung oder auf die schlechten Aussichten ihrer Sache zu schließen. Die Zeit, in eine energische, wohlorganisirte Wahlbewegung ein­zutreten, wird sehr bald gekommen sein. Dieselbe auch zu einer erfolgreichen zu machen, wird allein von dem Eifer und der Thätigkeit der Parteigenossen abhängen." Es geht doch nichts über Täuschung und ein bischen Hetzen, sollte die „Nat.-Ztg." wirklich an das glauben, waö sie in dieser Beziehung schon geschrieben hat? andere glauben es nicht.

Die „Germania" tritt im Hinblick auf die Haltung deS Centrums in der Zollfrage für die Ausdehnung der Verwaltungsreform auf die westlichen Provinzen des Staat« rin, dje es, wie sie äußert, bloß dem „Mißtrauen des Herrn v. Sybel und den von ihm beeinflußten Staats­männern" zu danken haben, wenn sie bisher der Verwal­tungsreform entbehren. „Wir glauben, die Partei des Centrums hat jetzt den unwiderleglichen Beweis geliefert, daß sie, wie immer auch ihre religiös-kirchliche Anschauung von der herrschenden dissenttren mag, doch in politischer Hinsicht redlich und treu am gemeinen Besten mitarbeiten will und kann. Insofern hat das Verhalten des Cen­trums im Reichstage geradezu der Verweigerung der Ver­waltungsreform den letzten Schein des Rechts entzogen. Eher noch, wie in Betreff der grundlegenden Fragen des „Kul­turkampfes", dürfen wir also in dieser rein politischen Ange­legenheit auf eine freundlichere Haltung der Regierung hoffen.

Wir fordern nichts Unmögliches, und wenn wirklich rein sachliche Rücksichten die Herstellung einer Kreis- und Pro- vinzial-Ordnung für dir bisher »richt bedachten Provinzen für die nächste Session noch nicht gestatten, dann werden wir uns noch ein Jahr gedulden müffen. Aber das glauben wir wenigstens verlangen und erwarten zu dürfen, daß jenes Sybel'sche Mißtrauen, welches vor und nach dem 4. Dezember 1877 der eigentliche Grund der Zurücksetzung der westlichen Provinzen war, jetzt endlich ganz aus dem Spiele bleibt. Sobald das der Fall ist, dürfte bie Ver­einbarung über bie Grundlagen der Verwaltungsresorm eben so glatt und gut von Statten gehen, wie die Verein­barung über die Zoll- und Steuerreform."

. Der zum Generalkonsul für die Samoa- und Tonga- Inseln ernannte Kapitän zur See Zembsch, welcher nun­mehr die Reise angetreten, um sich auf seinen neuen Posten zu begeben, wendet sich zuerst zu kurzem Ausenthalt nach

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Derhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

’s- Geld. -

,.4 , Die „Nat.-Ztg." weist darauf hin, daß von dem Her- Lt.inl treten einer lebhaften Wahlbewegung zur Zeit noch miß zu spüren sei, ist aber der Ansicht, daß dieser Um- Md der liberalen Sache in keiner Weise Nachtheil bringen

taeiaen nimmt entgegen: H Expedition d.vlattet, WiedAnnoncen-Bureaux ö). Dietrich & Co. in B-ffei und Hannover; Th. Mrich in Frankfurt a.M.; A-efenftein & Vogler in Mfurt a- M., Berlin, Lriig, Eöln re.; Rudolf jäfe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

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— 9i Mge Abbildung eines männlichen Indianers herabhingen, v weitem abgestecklem Umkreis lagerten die Äoux, Groß K °»Mein, und a ch mehrere weiße Zuschauer waren zugegen.

, ^rchmittags drei Uhr begann die Feier damit, daß .. * gliche kleine Kinder dieses Sioux-Lager« in die Nähe ?üi 3' w gebracht wurden. Hier wurden jedem einzel- , ’ *mbe die Ohren aufgeschlitzt, unter gräßlichem Ge- der Kleinen und ihrer Mütter.

2$ Darauf erschienen zu Pferde in verschiedenen Abthei- 13 iwn .die jungen Krieger in höchstem Jndianerwichs. gl 7^ dieser angeblich entwaffneten Bursche hatte eine präch- g, £ Winchesterbüchse; sie legten allerlei Proben von ihrer ^n^Nlugswürdigen Raunst ab, wozu die alten Krieger •5, iy^ttber einen Höllenlärm mit ihren Tom-TomS auf- iSfeT1" Aber selbst dieser Lärm wurde noch übertäubt dem teuflischen KriegSgeheul der Sisux.

^.Ä>. ,toat inzwischen Abend geworden, und nun traten jungen Männer, die am anderen Tage ihre schreck- Probe bestehen sollten, hervor, mit gelber Farbe be- "E bis an die Hüften, und führten einen Tanz Pfahl auf. Seit achtundvierzig Stunden hatte Ihnen einen Bissen gegeffm oder einen Tropfen

— V der Mitte des großen Festplatzes erhob sich ein 124 * j Pfahl, von welchem ein in Stroh gewickeltes Stück

— 1* S?' das Bild eine« Büffels und eine abscheulich nn-

_ laugen Aufregung der Reichtagsverhandlungen »eite — ioi fcti{e des Volkes beherrscht. Jetzt, wo die Aufregung sich — ' dzt, und jedermann zu prüfen und zu berechnen in der au » b»zc ist, wem die neue Wirtschaftspolitik frommt und » xn sic schädigt, wird man erst erkennen, ob die erhoffte 8 Scherung wirklich erreicht ober überhaupt noch zu erhoffen » P. Jeder Tag fast bringt neue Belege dafür, welche Lasten ® kr großen Masse de« Volks durch die neuen Steuern und L Mzesetze auferlegt sind (?!) vergeblich wartet man dagegen - vrs die in Aussicht gestellten Kompensationen, und beginnt ' Zusehen, daß darauf am Ende gar nicht zu rechnen ist. ' Deß diese Thatsachen auf die Wahlbewegung nicht ohne i rivfluß bleiben können, liegt auf der Hand, so sehr auch 1 Yen die Verwerthung derselben im Wahlkampfe Setten« 1 Liberalen in konservativen Blättern protestirt wird, g derartige Betrachtungen leiten uns zu der Ueberzeugung,

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? *7* Erzählung: „Die Prinzessin von Zwei-Brücken," _ ’ _ der dann die Novelle: „Der schwarze Bettler"

Die Sxped. d. vberh. Zeitung.

Trsesbertcht.

_ 161 Der Sonnentan; der Sioux.

---* ' $ct einigen Tagen wurde auf der neuen Agentur der ftkntausend Sioux Rothwolke's, unter denen sich so man- — li stt furchtbarer Krieger befindet, welcher rinst bei Fort Germann oder in der Custerschlacht das Blut von Weißen ^ssen hat, das Fest de« Sonnentanzes in alter schreck-

"L ‘1! Weise abgehatten.

Erscheint täglich außer an den WerVagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (R o ch'fcke Buchdrucker-,) bezogen 31 Mark, durch dte Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf« (excl. BestellgebühL). - JnfettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.

Für m der Expedition zu ertbe,lende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

Sidney. Von dort wird derselbe auf der kaiserlichen Kor­vette „Bismarck" nach der Hauptstadt Tongatabu der Tonga- Inseln gehen und sich dem König Georg vorstellen. Von Tonga aus erfolgt bann die Uebersahrt nach Apia, wo der neu ernannte Verteter Deutschlands im Lause deS Oktobers eintreffen dürfte. Bald nach seiner Ankunft in der Haupt­stadt von Samoa gedenkt derselbe eine Rundreise durch seinen Amtsbezirk zu machen. Dem neu errichteten General­konsulat ist im Interesse deS Dienstes der Konsulatssekretär von Oertzen, bisher bei dem Generalkonsulat in Newyork, zugetheilt worden. .

Aus Berlin wird gemeldet, daß der rumänische Finanz­minister Stourdza nach Kissingeu gereist sei unb nach einigen Tagen wieber nach Berlin zurückkehrt.

Die „Polit. Corresp." melbet ans Belgrab: Die europäische Commission zur Bestimmung ber Grenzlinien zwischen Serbien unb ber Türkei beenbete ihre Arbeiten. Als geeignete Vertheidigungslinie gegen bie Einfälle ber Arnauten wurden Serbien zwölf Dörfer zwischen Vranja und Kurschumlja zugesprochen. Die Commission verbleibt in Belgrad bis zur Ratification.

Deutsches Reich.

ötrlitt, 29. Juli. Das Gesetzes- unb Verordnungs­blatt bringt bie lanbesherrliche Verordnung betreffend die Dienstverhältnisse der Gerichtsvollzieher und die Besorgung von Zustellungen: In allen Amtsgerichtsbezirken werden je ein oder mehrere Gerichtsvollzieher aufgestellt; ihre An­stellung (durch Urkunden im Sinne des Gesetze« vom 26. Mai 1876 unb Aufnahme in bie Wittwcnkasse für Ange­stellte) erfolgt durch das Justizministerium, das eine Warte­liste für Bewerber führt. Militärpersonen mit Civilver- sorgungsscheinen werden besonders berücksichtigt. Gerichts­vollzieher haben vor der Anstellung einen dreimonatlichen Vorbereitungsdienst bei einem Amtsgerichte durchzumachen und sind sowohl in der Gerichtsschreiberei wie bei einem Gerichtsvollzieher zu beschäftigen; sie haben auch, wenn nicht als Actuare ausgenommen, eine Prüfung vor einer Commission aus einem Mitgliedc de« Ministeriums, einem Richter und einem Gerichtsschreiber ober Gerichtsvollzieher hier zu bestehen, bereu Gegenstände Abfassung von Schrift­sätzen, Geschäftsrechnungen, Kenntniß der Dienstvorschriften einschließlich der Gebührenbestimmungen sind. Alsdann werden sie endgültig in die Warteliste ausgenommen. Jeder Gerichtsvollzieher hat eine Kaution von 1000 Mark zu stellen. Erreicht das Jahreseinkommen an Geschäftsgebühren nicht 1800 Mark, so kann das Justizministerium aus ber Staatskaffe bis zu jenem Betrage aufbessern; überschreitet

hüllte. Endlich wurde er fast wie tobt weggetragen. Der britte Tänzer tanzte unb zerrte eine halbe Stunde, bann riß er sich mit einem gewaltigen Ruck los; hoch spritzte sein Blut empor, er stieß ein Triumphgeschrei aus, sank aber gleich barauf in Ohnmacht unb würbe weggetragen, währenb man ihn als einen guten Krieger pries. Noch höher warb ber Vierte gepriesen, beim er riß sich nach längerem Tanze lo«, ohne das Bewußtsein oder die Kraft zum Stthen zu verlieren. Der Fünfte tanzte eine Stunde, beständig in die Sonne blickend, aber nicht kräftig genug zerrend, da faßte ihn sein Vater im Rücken unb half ihm zerren, aber vergeblich. Der Jüngling sank ohnmächtig hin, raffte sich mit Schaum vor bem Munbe wieder auf unb sank wieber zu Boden; man schüttelte kühle Erde auf ihn, er kam wieder zu sich, nahm nun seine letzte Kraft zusammen und riß sich los. Große Fetzen Haut und Fleisch hingen von seiner Brust, ein grauenvoller Anblick.

Die 6 Anderen wurden mit Messern gestochen unb zerfleischt, mit Dornen gestochen und auf andere Art ge­martert, ohne daß Einer von ihnen auch nur einen Seufzer ausstieß.

.Dann beschenkte man sich gegenseitig mit Pferden, schönen Kleidern u. s. w., unb unter fürchterlichem Kriegs­geheul ging ba8 Fest zu Ende.

Gleich darauf brach rin unerhört hefttge« Gewitter über das Indianer-Lager Herrin; Häuser, Hütten unb 900 Zelte wurden um- und theilwrise fortgeweht. Massen von Hagel prasselttn hiernieder, über 4000 Judianerpferde unb 500 Schlachtochsen ergriffen wie toll bie Flucht. Die Rothhäute hatten in ben nächsten Tagen alle Hände voll zu thun, um den Schaden auszubessern unb bie Thiere einzufangen. So vergingen ihnen bie blutdürstigen Ge­danken, die der Sonnentanz in ihnen zu wecken Pflegt.