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Mr. 17S.

Marburg, Dienstag, 29. Juli 1879

XIV. ZlhkMg

in»eigen nimmt tmgegen: »«Srvedition d.vlattes, tarne dAnnoncen-Bureaux 501t LH. Dietrich <L Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.;

.Weitstem & Bögler in Wfurt a- M., Berlin, getpjig, Cöln re.; Rudolf ffinfle in Berlin, Frank- furt a. M. ic

WMW ZkitilW.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie b. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendaick in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

b«ohi. ££Ä fürsnb?f Quartal Mlt der wöchentlichen Betlag» „JIluftrirteS Sonntagsblatt" durch di- Expedition (Koch'sche

Buchdruckere») bezogen Wurf, bu«^ bte Postämter des Deutschen Reiche« 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsettionSgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Ma.

o“r m bet Expedltron zu ertheüende Auskunft unb Annahme von Adressen werben 25 Pfg. berechnet.

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btt Fabrikbesitzer als die Urheber all ihrer Leiden hetzte,

+00< so Hetzen jetzt liberale Blätter die Industrie- und

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»ilsgegangen ist. ES ist drßhalb die schreiendste Unge- itigfeit, den Grundbesitzern vorzuwersen, sie seien an der igsrung der Preise des Grundbesitzes und seiner Be­ug mit Capital schuld, und ihnen zuzunmthcn, die Lache einfach dadurch wieder in Ordnung zu bringen, daß den Werth des Grundbesitzes lediglich nach der Rente stlben bemessen. Denke man sich einen Grundbesitzer, scher ein auf 100,000 Mark taxirteS Grundstück besitzt, M dem eine Hypothek von 60,000 Mark zu 5pCt. lastet, Tie wirkliche Rente beträgt 3pCt., die Zinsen für diese 60,000 Mark Hypothekenschulden betragen also gerade so bW, wie die ganze Rente dcS Gutes, nämlich 3000 Mk.

Besitzer ist demnach völlig vermögenslos. Wie viele .Grundbesitzer aber giebt es, deren Grundbesitz noch höher löstet ist und dessen Rente kaum 3pCt. beträgt! Die-

M; [2113 runger :n unb ündlich

Der Pamrma-Saual.

Die Absicht, die Landenge von Panama (Mittelamerika) durchstechen und eine Wasserstraße zwischen dem atlan- nnd dem großen Ocean herzustellen, ist durchaus t.neuesten Datums, wenngleich diese Idee niemals ihrer führung so nahe schien als jetzt. Herr von Leffeps, ^. Erbauer des Suezkanals, überraschte kürzlich durch eine ede die Welt mit der Eröffnung, daß in etwa 10 der Kanal durch den Isthmus von Panama fertig

werde und daß er demnächst zur Finanziirung deS es schreiten würde. Ein Leffeps darf so zuversichtlich kchen; einem Leffeps glaubt man auch, denn er hat den älg für sich; der Suezkanal ist ein beredtes Zeichen Energie; was bis dahin für unmöglich gehalten c, (nicht die Erbauung des Suezkanals an sich, son- [ das Verhüten der Wiederversandung dieser Wasser- e), ihm ist es geglückt, und' hatte er in Aegypten den Wüstensand siegreich gekämpft, so traut man '?uch zu, daß er im Kampfe gegen die Felsen der T die zu du chbrechen sind, Sieger bleiben würde.

ihm beim Baue des Suezkanals der ägyptische ^öuiz viele Tausende armer Fellahs zur Verfügung, r*» Tausende von diesen bei der harten Arbeit ihren m s« — die moderne Civilisation siegte, btt Suezkanal g*®nb! Und beim Panama-Kanal werten Tausende chine- Kulis beschäftigt werden und Tausende von ihnen itrt-1* "ym den erhofften neuen Sieg der Civilisation mit 8'd 8°' ja®1 Leben bezahlen — aber an der Thatsache wirt da- nichts geändert, der Panama-Kanal, der die beiden --•" ^En Weltmeere einander näher bringt, wirt entstehen.

würden sich durch eine solche Manipulatton also st bankerott machen. Selbstverständlich würden die liÄ ber Hypothekenbanken bei einer solchen Herab- r. i)cr Güterwerthe alsbald ihre Hypotheken kündigen: nthällzsir F^ge würde dann ein ungeheurer Krach, ein Zu- ttschtrWnmeubmch des Grundbesitzes sein, von dem natürlich nd ift j^bet nur die Geldhändler profitiren würden. Dieser

Stadtbevölkerung gegen die Grundbesitzer und die Korn- zölle als die Ursachen theurer Lebensmittel — während es j* . doch eine offen vor Augen liegende Thalsache ist, daß die I F ganze Gründerei und die Herabdrückung des Geldwerthes, ' * «durch die Steigerung aller Preise bewirkt wurde, von j der Börse oder dem Geldhandel, der daS gründende Groß- ___! kapital durch Aktien und Hypotheken erst geschaffen hat,

&ür die Monate 31 u g u ft und September 0 werden von allen Postanstalten Bestellungen auf die

Dberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

ZllustrirteS SonntagSblatt

angenommen.

Anfang August beginnt im erzählenden Theile der „Oberhessischen Zeitung" die höchst spannende Erzählung: „Die Prinzessin von Zwei-Brücken," der dann die Novelle: „Der schwarze Bettler" folgen wird.

Die Exped. tz. Oberh. Zeitung.

Die Laudwirthschast und die liberale Presse.

Wie die socialdemvkrattsche Presse die Arbeiter gegen

ehlt FlB 6.

1879 len

Rath der „Nat.-Ztg." zur Herabtaxirung des Grundbesitzes kommt also dem Rath zum Selbstmord für einen Unglück­lichen gleich. Ja, wenn gleichzeitig auch in Handel und Industrie der Werth des Geldes in eben dem Maße stiege und der Zinsfuß in eben dem Maße sich verminderte, als der Grundbesitzer den Geldwerth seines Grundbesitzes herab- taxirte, dann ließe man sich einen solchen Vorschlag ge­fallen. Aber der Laudwirthschast jetzt eine solche Maßregel zumuthen, während der Geldwerth auf der bisherigen nied­rigen Stuft bleibt, heißt ihr Selbstvernichtung zumuthen.

Auch wir sind der Ansicht, daß die landwirthschaftlichen Zölle allein der Landwirthschaft nicht helfen; aber immer- hin ist dieselbe berechtigt zu verlangen, daß ihr die Existenz­fähigkeit durch Schutz vor der übermächtigen Concurrenz des Auslandes bewahrt werde. Und das soll durch die Korn- und Viehzölle erreicht werden. Dies Ziel wirt, das glauben auch wir, dadurch nicht vollständig erreicht; ge­holfen wird der Laudwirthschast wie den Gewerben erst durch eine gründliche Reform des Geldhandels. Aber die liberale Presse will von einer solchen Reform noch weniger wissen, als von den Korn- und Viehzöllen. Diese Presse kennt nichts anderes, als ihr Gehenlassen und wenn's mit dieser modernen Art Faustrecht nicht mehr geht, weil der übermächtige Geldhandel die Produktion allzusehr belastet und ausgedehnt hat — dann hält dieselbe liberale Presse für die bedrängten Gewerbe und Landwirthschaft den Vor­wurf der Ueberspekulation und Ueberproduktion — und den guten Rath bereit, den Werth ihrer Besitzungen nach deren Rente herabzutaxiren. Der Geldhandel wirt überall sorgfälttg als das Rühr mich nicht an im Hintergrund gehalten. Wann wirt dieser Bann endlich gebrochen werden und die starke Hand sich finden, welche mit festem Griff in das Nest des Geldhandels greift? Davon hängt Alles ab.

Tngerßericht.

Die AuSdehnnng der Selbstverwaltung auf die west­lichen und die neuen Provinzen der Monarchie, welche zwar vielfach im Ministerium des Innern erwogm worden ift und einen Hauptverhandlungs-Gegenstand in den neuerlich abgehaltenen Konferenzen bildete, wird auch in der bevorstehenden Landtagssessivn aller Wahrscheinlich­keit nach nicht abgeschlossen werden können. Die meisten Chancen auf Einführung der Selbstverwaltung haben die Provinzen Hannover und Schleswig-Holstein.

Das Gesetz, betreffend die Besteuerung des Tabaks, welches unter dem 16. Juli Allerhöchst vollzogen worden, ist in Nr. 172 des „Deutschen Reichs-Anzeigers" veröffent­licht. Dasselbe ist nicht nur für die Tabakhändler, sondern auch für die Pflanzer und die Fabrikanten von höchster Wich­tigkeit; denn es enthält Vorschriften über folgende Capitel:

! ■ ■ — ■ ------------_________—

Alle handeltreibenden Nationen, d. h. die ganze civili- sitte Welt, hat ein lebhaftes Interesse an dem Zustande­kommen jenes mächtigen Kanals. Aber wie der Telegraph geschäfttg war, die Kunde von dem oben erwähnten Aus­spruche Leffeps nach allen Richtungen der Windrose zu tragen, so war er dieser Tage flink bei der Hand, eine andere Meldung zu verbreiten, die wie ein kalter Wasser­strahl wirkte. Der nordamerikanische Senator General Burnside hatte im Senat eine Resolution eingebracht, nach welcher der „Versuch der europäischen Mächte, unter ihrer Protection und Herrschaft einen Kanal durch die Landenge von Panama herzustellen als eine Bekundung feindlicher Gesinnungen gegen die Vereinigten Staaten aufgefaßt werten müsse".

Gewiß ist manchem unserer Leser vom mexikanischen Kriege her noch der Ausdruck „Monroe-Toctrin" in Er­innerung, der damals eine so große Rolle spielte und der auch bei der Panama-Frage wieder zur Bedeutung gelangt. Ein amerikanischer Polittker, James Monroe, hatte näm­lich den Satz aufgestellt, daß „jeder Versuch der europäi­schen Mächte,'die früheren spanischen Colonien m Amerika wieder unter die Herrschaft des Mutterlandes zurückzuführen, als ein Act der Unfreundlichkeit gegen die Vereinigten Staaten aufgefaßt «erben müsse".

Da nun Senator Burnsibe, ein aus bem Sonder- bundskriege bekannter General, ein Mitglieb bet sich augen­blicklich in Amerika am Ruber befindlichen republikanischen Partei ist- so dürfte er seine Resolution kaum eingebracht haben, ohne vorher Rücksprache mit feinen [Parteifreunden unb bem Präsidenten Hayes genommen unb sich beten Unterstützung versichert zu haben. Trifft diese Voraus­setzung aber zu, so ist die Annahme jener Resolutton un-

Eingangsabgabe. Besteuerung des innländischen Tabaks. A. Gewichtssteuer. Anmeldung der Tabakpflanzen. Haf­tung des Tabakpflanzers für die Vorführung des Tabaks zur Verwiegung. Ermittelung der Blätterzahl oder Gewichts­menge. Besuch der Trockenräume. Veräußerung des Tabaks vor der Verwiegung. Zeit und Verfahren der Verwiegung, sowie Feststellung der Steuer. Haftung für Entrichtung derselben. Creditirung. Einziehung der Steuer für der Verwiegung entzogenen Tabak. Vorschriften für den Tabakbau. B. Besteuerung nach dem Flächenraum. (Die Steuer beträgt für 1 Quadratmeter der mit Tabak bepflanzten Grundfläche jährlich für 1880: 2 Pf., für 1881: 3 Pf., für 1882 und weiter 4,5 Pf.) Verwen­dung von Tabaksurrogaten. Verjährung der Abgabe. Vergütung der Abgaben bei Versendung in das Ausland. Strafbestimmungen über Defraudation und Ordnungs­strafen. ________

Die „Pol. Corresp." meldet: In Nordalbanien brach am 20. Juli ein blutiger Conflict zwischen Muselmannen und Fandesen in Folge der straflosen Ermordung eines bosnischen Flüchtlings durch einen Muselmann aus. Am 22. d. plünderten die Fandesen das Dorf Raica. Die Kirche in Diakova mußte gesperrt werden, ein Thell des Klerus flüchtete. Für die nächstfolgenden Tage war ein Angriff der Malifforen auf die Fandesen und die Bedro­hung des Hospiziums von Zambi signalisirt. Die Pforte traf bereit« energische Anstalten zur Bewältigung der Un­ruhen durch entsprechende Befehle an Naziff Pascha, Vali von Kossowo, und Mukhtar Pascha, Gouverneur von Monastir. Letzterer entsendet einen Special-Commissär zur Untersuchung der Vorgänge und zur Verhinderung weiterer Ruhestörungen. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Konstantinopel: Die Großvezierkrifis ist durch An­nahme der Forderungen Khereddins seitens des Sultans endgültig gelöst. Eingreifende Veränderungen im Cabinete werden als unmittelbar bevorstehend erachtet. Fremy soll nunmehr beauftragt sein, den Plan der Münzreform auf der Gnindlage der Rückziehung schlechter Geldsorten und des Anschlusses an die lateinische Münzconvention vorzu­bereiten. Fremy ist behufs der erforderlichen Studien, deren Ergebniß er innerhalb Monatsfrist vorlegen soll, nach Paris abgereist.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Juli. Bei der Ausführung deS neuen Zolltarifs sind nach dem Beschlüsse des BundeSraths bis auf Weiteres bei Berechnung des Nettogewichtes von folgen­den Gegenständen für Tara zu vergüten: Grobe und feine Eifenwaaren, Instrumenten und Maschinen, Lichte, Mate­rial- io. Maaren, so weit schon bisher deren Verzollung nach dem Nettogewichte erfolgte, feine Holzwaaren, gepol- r~ ।

zweifelhaft unb mit ihr kann man getrost bas Kanalproject als gescheitert ansehen.

Jene „Doctrin" drang damals durch, — die europäi­schen Mächte standen von ihrem Vorhaben ab. Vor dieser „Doctrin" mußte selbst die verschmitzte Politik des brüten Napoleon die Segel streichen, denn Nordamerika erklärte, daß es niemals ein Kaiserthum des Erzherzogs Maximllian in Mexiko anerkennen würde und der Nachfolger deS er- morbeten Lincoln, ber Präsident Johnson, forderte sogar von Frankreich die Festsetzung eines bestimmten Termins, innerhalb welches es seine Truppen aus Mexiko zurück- ziehe. Napoleon mußte dem Ansinnen Nordamerikas Folge geben und von diesem Zeitpunkt an batirt bas Erbleichen des napoleonibischen SternS.

So hat sich die „Monroe-Doctrin", nach welcher die Vereinigten Staaten eine gewisse politische Oberaufsicht über alle Vorgänge in Nord- unb Mittelamerika bean­spruchten, zu einem festen Prinzip herauSgebildet, daS in bem vorliegenben Fall zum ersten Male Wirkungen äußert, die sich den Culturaufgaben ber Neuzeit aus politischen Gründen feindlich gegenüberstellen. Denn wenn, woran kaum zu zweifeln ist, bie Resolution Burnsibe's im Senat Annahme finbet, so ist bie Idee Leffeps, einstweilen wenig­stens, gefallen. Die europäischen Mächte werden es sicher­lich nicht auf einen Krieg mit Nordamerika ankommen lassen, der nur ben Erfolg haben könnte, bie Macht der Vereinigten Staaten zu stärken. Längst haben diese ihre Augen begehrlich auf Mexico unb Cuba gerichtet unb wenn es ja zum Kampfe käme, so würben diese beiden Länder für Nordamerika sicherlich ber Siegespreis sein.