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Sr. 172.

Marburg, Freitag, 25. Juli 1879

XIV. LlhkMg

gingen nimmt entgegen: w Expedition d.vlattes, »mie d.Annoncen-Bureaux ;58 Th, Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Acatenfan & Vogler in Ä-nkfurt a. M., Berlin. a,mng, Cöln jc.; Rudolf ägfle in Berlin, Frank- furt a. M. rc.

ObkchkUchc ZntW.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes s owie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Abreffen werden 25 Pfg. berechnet.

' ^ür die Monate August und September || u werden von allen Postanstalten Bestellungen

folgen wird.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

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Psg- Pfg.

für ren- isen

tenb, Tollwuth, Rotz der Pferde, Esel, Maulthiere und Maulesel, Lungenseuche des Rindviehs, Pockenseuche der rchafe, Beschälseuche der Pferde, und Bläschenausschlag a Pferde und des Rindviehs, Räude der Pferde, Esel, Maulthiere, Maulesel und der Schafe, ferner besondere Anschriften für Schlachtviehhöfe und öffentliche Schlacht-

Tsge-bericht.

DerReichsanzeiger" publicirt die Ernennung des Mengen DirectorS im Reichskanzleramt Michaelis zum Vorsitzenden der Verwaltung des Reichsinvalidenfond«.

DiePoft" schreibt: die Conferenzen im Ministerium des Innern bezüglich der Aenderungen in der Provinzial- Vrrwaltung wurden am Sonnabend beendigt. Hierbei wurde namentlich die Umbildung der staatlichen Provinzial- Zerwaltungen und die Revision des Competenzgesetzes ins Auge gefaßt. E« habe sich gezeigt, daß die Grenze zwischen itr Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte und der Ver- »rltungsgerichte nicht bestimmt gezogen ist. Rach dieser iichtung soll Abhülfe geschafft werden.

Während der letzten Session des Reichstages hat eine om Bundesrat!) berufene Commission den ihr »orgelegten Ksetzentwurf, betreffend die Abwehr und Unterdrückung wt Viehseuchen, durchberathen. Der Gesetzentwurf wird

'ü i der nächsten Session dem Reichstage zugehen, er ent- alt 68 Paragraphen und behandelt die Abwehr der Ein- hleppung aus dem Auslande (durch Einfuhr und Ver- chrsbeschränkungen und Viehrevisionen), sodann zur Unter- rückung der Viehseuchen im Jnlande: a. die Anzeige- stcht, b. die Ermitttelung der Seucheausbrüche, c. die Hutzmaßregcln gegen Seuchengefahr. Ferner enthält er ffvndere Vorschriften für einzelne Viehseuchen, als Milz­

aus die

Mrhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Jllustrirtes SonntagSblatt

angenommen.

Anfang August beginnt im erzählenden Theile derOberhessischen Zeitung" die höchst spannende Erzählung:Die Prinzessin von Zwei-Brücken," der dann die Novelle:Der schwarze Bettler"

Kirchliche Trauung und Civilehe.

(Ein Vortrag.)

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(Fortsetzung.)

Ein anderer Grundsatz über die Eheschließung tritt

r. Die Oeffentlichkeit bei der Eheschließung ist ein alt- 1 Omanischer Gebrauch, ich gedenke nur des Taciteischen nf/ Mersunt parentes et propinqui, und der Bestimmung u dem Gesetzbuch der falischen Franken, daß die Ehe an

.« Gerichtsstätte vor dem zur Volksversammlung, zur «rathung der wichtigsten Angelegenheiten zusammenge- lnU>. wvnnenen Volke, stattsinden solle; auch in den mittel- Blitt- Gedichten wird sehr häufig der Ring von Ver-

l.yj^ibtcn, Freunden und Gemeindegencssen erwähnt, in dem

Eingehung der Ehe statt hat, z. B.:

5 L Audrun:do hiez man Ortrunen zuo dem siege gan __> k und ouch frouwen Hilburg bin maget wolgetan."

. hier entgegen, das Prinzip der Publicität.Da nach Äerem deutschen Rechte der außerehlich Geborene anrüchig, b ^Achtlos war, und ferner dem Ehlichen, falls seine Ellern DIvürnber nicht ebenbürtig waren, nur die Rechte deS Ge- ^ifulgeren seiner Eltern zukamen, ferner mit Rücksicht auf sonstige Verhältnis der deutschen Familie zur Gemeinde, Inner es für die letztere vom höchsten Interesse, Kunde von )ba< Eheschließungen zu haben. Deßhalb forderte man, i M die Ehe öffentlich vor der Gemeinde abgeschlossen werde, ,j, Mitwirkung der Kirche ward nicht verlangt.

eben L Das jütische Landrecht aus dem 14. Jahrhundert be- [j Mrmt noch:

Wan ein man von vidderschaft uemen wil ein wyf, sie zusamen geven ein lehhe vor den luyden offen-

häuser, Entschädigung für gctödtete Thiere, sowie Straf- Vorschriften. _____________

Ueber hochstehende militärische Persönlichkeiten bringt dasBerl. Tageblatt" mehrere Mittheilungen, die mit dem Ansprüche aus Glaubwürdigkeit auftreten: Das Blatt schreibt: AuS zuverlässiger Quelle geht unS folgende Nachricht zu, die vermuthlich mit dem Gerüchte von dem Rücktritt de« Feldmarschalls Moltke im Zusammenhang steht. Früher war nämlich demselben der General Graf Wartensleben, jetzt Commandant von Berlin, als Adlatus beigegeben, und ist es bis jetzt nicht gelungen, ein Nach­folger für denselben zu finden. Je nothwendiger jedoch ein solcher bei der Fülle der Geschäfte geworden ist, desto lauter wurde auch das Verlangen nach Ernennung eines solchen. In neuerer Zeit nun ist wieder davon die Rede gewesen, auf diesen wichtigen Posten den General von Verdy, den berühmten Militärschriftsteller, jetzt Brigade-Commandeur in Straßburg, oder den General Bronsari von Schellen­dorf, jetzt Commandant von Potsdam, zu berufen. Die Entscheidung dürfte immerhin noch auf sich warten lassen. Dagegen steht fest, daß der Feldmarschall Graf Moltke unter allen Umständen bis nach der endgültigen Feststel­lung des deutschen HeereSbudgets zu bleiben gewillt ist, um in den heißen, dann zu erwartenden Debatten sein gewichtiges Wort in die Wagschale zu werfen. Gleich­zeitig können wir mittheilen, daß es so gut wie feststeht, daß der Minister Stosch abgeht und zwar nach den Herbst- manövern, da nach denselben der commandirende General von Fransccky, den Abschied nehmen wird und alsdann durch Herrn von Stosch im Commando ersetzt werden soll. Das Marine-Ministerium übernimmt Generallieutenant von VoigtS-Rhetz, der jetzige Director des Allgemeinen Kriegs-Departements. Derselbe hat bereits vor einiger Zeit seine Wohnung gekündigt.

Laut der im Ministerium gemachten Zusammenstellung wirkten an den 9 preußischen Landesuniversitäten, der Aka­demie in Münster und dem Lyceum in BraunSberg wäh­rend des letzten Winterhalbjahres 940 Docenten, wovon 82 an den evangelisch-theologischen, 25 an den katholisch­theologischen (in Breslau, Münster, Braunsberg und Bonn), 92 an den juristischen, 264 an den medizinischen, 477 an den philosophischen Fakultäten. Die Zahl der ordentlichen Professoren betrug 468, der Ehrenprofessoren 7 (nämlich 4 in Berlin, 2 in Breslau und 1 in Göttingen), der außer­ordentlichen Professoren * 219, der Privatdocenten 246; außerdem noch 13 Lectoren und 37 Lehrer für Unterricht in Stenographie, Musik, Turnen, Fechten, Reiten u. s. w. Die meisten Lehrer, 210, hatte Berlin, dann Göttingen 115, Breslau 102, Bonn 99, Halle 96, Königsberg 85, Marburg 70, Kiel 64, Greifswald 59, Münster 30,

Vor irgend einem Gemeindegenossen, der der Gebräuche kundig des Geschäftes eines Fürsprechers wartete, und daS Brautpaar nach seiner Absicht die Ehe einzugehen beftagte, überhaupt die Mittelsperson der ganzen Ceremonie abgab, ward nach dem Brauch, wie er bis ins 13. Jahrhundert herrschte, im Volke meist die Ehe abgeschlossen, so finden wir eine genaue Beschreibung in den Beiträgen zur Ge­schichte der Stadt Köln, so haben wir die Belege im Nibelungen- und Kudrunlied. Sehr interessant ist die Be­schreibung von der mittelalterlichen Eingehung einer Ehe in dem wenig bekannten Gedichte Meier Helenbrecht, so daß ich mir nicht versagen kann, sie hier mitzutheilen. Das Fragment schildert die Verhcirathung eines Mannes namens Lemberslind mit seiner Braut Gotelinde folgmder- maßen: ich gebe die Worte neuhochdeutsch.

Auf stand ein aller Mann der wohl die Bräuche kann und auch die Worte weiß stellt mitten sie inn Kreis und sprach zu Lemberslinde wollt ihr Gotelinde zur Ehe nehmen? sprechet ja. Gerne, sprach der Jüngling da. Dasselbe ftagt er zu der Stund: Gerne, sprach de« Jünglings Mund. Zum dritten Male er so fragt: Nehmt ihr sie gern der Jüngling sagt: So ich habe Seel und Leib' ich nehme gerne dieses Weib.

Darauf zu Gotelinde:

Wollt ihr Lemberslinde gern heirathen, saget ja,?

Braunsberg 10. Münster hat nur eine katholisch-theo­logische und eine philosophische, BraunSberg nur eine ka­tholisch-theologische Fakultät. Letztere zählte aber nur 18 Studirende, so daß auf einen Studenten beinahe zwei Lehrer kamen. In Münster kam 1 Lehrer auf beinahe 9 Studirende. Im ganzen Staate kam im Durchschnitt ein Universitätslehrer auf etwa« über 12 an den Vor­lesungen Theilnehmende.

Ueber den sozialdemokratischen Wahlsieg in Breslau sagt dieProvinzial-Correspondenz":Somit ist wieder ein Socialdemokrat Abgeordneter zum Reichstag für den Ostbezirk der Stadt Breslau. Es springt in die Augen, daß eine große Zahl der am 8. Juli für Hager abgegebe­nen Stimmen am 18. auf den Socialdemokraten überge­gangen sein muß, da das Wachsen der Stimmen für den­selben aus dem alleinigen Hinzutritt ganz neuer Elemente nicht wohl zu erklären ist. Was folgert aus dieser That- sache, das bisher führende Blatt der nationalliberalen Partei? Es will folgern, daß die eben beschlossenen Zölle auf land- wirthschaftliche Erzeugnisse die Reihen der Sozialdemokratie vermehrt haben, noch ehe die ersteren ins Leben getreten sind oder irgend eine Wirkung gethan haben können. Ein solches Verfahren bedarf keiner Kennzeichnung. Es ist darin nichts zu erblicken, als das Bestreben, eine den ver­meintlichen Parteiinteressen unwillkommene, Maßregel für jedes widrige Vorkommniß von nun an verantwortlich zu machen. Daß ein solches Bestreben Erfolg haben könne, ist wohl nicht zu befürchten. Wohl aber wird die Lehre nicht vergebens sein, die in Wahrheit «US dem Breslauer Vorgang zu schöpfen ist: daß nämlich der Sozialdemokratie gegenüber, welche immer vollständiger der Sammelpunkt aller mit keiner Geschäftsordnung zu versöhnenden Elemente wird, nach wie vor die nachdrücklichste Unterstützung der Regierung durch alle staatserhaltenden Elemente geboten ist."

Meldung derPolit. Corresp." aus Konstantinopel vom 22. d.: Die Botschafter England« und Frankreichs erklärten der Pforte, daß sie mit der halbamllichen Mit­theilung des egyptischen Investitur-Ferman« keineSweg« zu­frieden seien, sondern die Forderung der amtlichen Mit­theilung auftcchterhalten. Beide Botschafter sollen der Pforte vertraulich zu verstehen gegeben haben, daß sie den Text des mitgetheilten Fermans als unannehmbar betrachten, da derselbe dem neuen Vicekönig nicht alle Privilegien ein» räumt, welche Ismail Pascha besessen. Es verlautet, der Sultan sei entschlossen, OSman und Kadri Pascha zu entlassen.

Die gestrigen Meldungen derNeuen Freien Presse", daß in Serajewo und Südbosnien entste Vorbereitungen zum Einmarsch in Novibazar getroffen werden, daß be­deutende VerpflcgungStranSporte von Serajewo nach den

Gerne, sprach das Mädchen da.

Nehmt ihr ihn gern? sprach wieder er, gerne Herr, gebt mir ihn her, zum dritten Male wollt ihr'n?

gerne Herr, nun gebt mir'n. Da gab er Lemberslinde zum Manne Gotelinde und gab Gotelinde zum Weib an Lemberslinde. Sie sangen alle d'rauf am Ort, er trat ihr auf den Fuß sofort.

Die« auf den Fuß treten ist da« Symbol der Besitz­ergreifung.

Man hat von verschiedenen Seiten auf diese altdeut­schen Fürsprecher Bezug genommen, und dann mit einem gewissen Triumph behauptet, man habe in der jetzigen Civilehe die echte altdeutsche Form der Eheschließung wieder­hergestellt, darnach wäre dieser Fürsprecher also der Ahne unsere« Standesbeamten. Hierin irrt man. Der Für­sprecher war eine beliebige Privatperson, welche der Ge­bräuche kundig war; er war übrigen« nicht einmal zum Abschluß der Ehe nothwendig DaS Wesentliche war, daß die Brautleute den Willen die Ehe zu schließen vor der Volksgemeinde manifestirten. Ein Vergleich zwischen dieser Eheschließung und der heuttgen Civilche ist nur so mög­lich, daß man sagt, der Standesbeamte mit den Ehezeugen repräsentiert die Volksgemeinde bezw. heute den bei der Kenntniß von dem Abschluß der Ehe interessirten Staat, und doch dürfte der Vergleich noch immer kühn bleiben.

Die Kirche suchte immer darauf hinzuwirken, daß der Ehe ein kirchliches Aufgebot vorangehe, damit nicht eine Ehe geschlossen würde, die nach kirchlichen Satzungen, etwa