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datsch" beschleichen; Neue über politische Gewissenlosigkeit und Volksverhetzung scheint jenes Witzblatt nicht zu kennen. Es tobt weiter gegen Bismarck — iu Wort und Bild. Wie es in der äußeren Politik sich anstrengt, Deutschland mit den auswärtigen Mächten zu verfeinden, und wie es im Kulturkampf durch sein religionsfeindliches Gebahren den Staat und die nichtultramontanen Kreise als der „Religion" feindlich gesinnt hinstellte, so scheint ihm in der inneren Politik eine neue Auflage der Konfliktsperiode willkommen zu sein mit einem neuen politischen Cancan der „Gesinnungstüchtigen".

mögen nimmt entgegen: teSrpedttion d.vlatte«, gie d-Annoncen-Bureaur gg Th. Dietrich & Co. in Hel und Hannover; Th. ^rich in Frankfurt a.Dt.; «ssnstein & Vogler in atrffurt a M., Berlin, gyig, CSln re.; Rudolf hfe in Berlin, Frank- v furt a. M. re.

Witz und Politik vertragm sich eigentlich wie Wasser 1 Del, wie ernste Arbeit und zwecklose Spielerei. Wer der Sorge und Arbeit Kapital für das Amüsement igt, wird fast immer fehlgreifen.

Ttge-bericht.

Der Justizminister hat an die AppellationSgerichtS- prästdenten eine Verfügung über die Vorbereitung der Referendare erlassen. Danach soll dieselbe, wie die „Voss. Ztg." meldet, einheitlich dahin geregelt werden, daß der Referendar während eines Jahres bei einem Amtsgerichte, sodann mindestens l</2 Jahre bei einem Landgerichte, ein­schließlich der Staatsanwaltschaft und weiter ein halbe« Jahr bei einem RechtSanwalte zu beschäftigen ist. (Da« wären im Ganzen nur drei Jahre, während man doch vier für den Vorbereitungsdienst festgehalten hat.) Der Justiz- ' Minister fährt dann fort: „Die Herren Präsidenten setze lch hiervon behufs der erforderlichen anderweiten Verthei- lung der in ihren Departements beschäftigten Referendare in Kenntmß. Dabei hebe ich hervor, daß nichts entgegen- stehen wird, nicht nur die gegenwärtig bei einem Appel­lationsgerichte bereits im Vorbereitungsdienste befindlichen Referendare ihren dort begonnenen Kursus vollenden zu lassen, sondern vorläufig über den ersten October Hinau­weiter Referendare bei den Appellations- beziehungsweise ObcrlandcSgerichten zuzulassen, da die im bisherigen Ver­fahren zu erledigenden Sachen genügenden Stoff zu ihrer Beschäftigung gewähren werden. Etwaigen Wünschen der zu einem Wechsel ihres Aufenthalts geuöthigten Referen­dare hinsichtlich des Orts ihrer künftigen Beschäftigung ist billige Rücksicht zu tragen. Soweit bei Bestimmung über einzelne Referendare wegen der demnächstigen anderweiten Abgrenzung der Gerichte die Interessen mehrerer Depar­tements berührt werden, veranlasse ich die betreffenden Herren Präsidenten sich mit einander ins Vernehmen zu setzen.* v.c .

Wie die „Köln. Ztg.* wissen will, wäre das theilwrise bestätigte Urtheil des Kriegsgerichts in Sachen des „Großen Kurfürsten" dem Commandeur des Gardecorps als Ge­richtsherrn zugezangen. Der Kaiser hätte daS Erkenntniß gegen den Hauptangeklagtut, das auf längere Festungshaft laute, ebenso die Freisprechung des CapitänS Kuehne und des Capitänlieutenants Klausa bestätigt, dagegen daS frei- sprechende Erkenntniß hinsichtlich des CapitänS Graf Monts verworfen und über Monts ein drittes Kriegsgericht an­geordnet. Eine offizielle Bestätigung dieser Nachrichten liegt nicht vor.

Die» „Nordd. Allzem. Ztg.* schreibt: Von den Nach- nchten, welche nach einem hiesigen Blatte der „Cvurrier d Italic" über die bevorstehende Reist deS päpstlichen Nun- ttuS Masella nach Kissingeu und die Veranlassung dieser Reise enthalten soll, ist in unterrichteten Kreisen absolut nichts bekannt. Im Gegentheil nimmt man Münchener Nachrichten zufolge an, daß Masella dieses Jahr nicht nach Ktsfingen geht und daß derselbe seinen Urlaub in Italien verbringt.

Die Arbeiter-Unruhen in Zabrze find in ihrer Veran- laffung immer noch nicht vollständig aufgeklärt, wenngleich aus den verschiedenen Berichten hervorgeht, daß sie ledig­lich wegen eingeführter Lohnkürzungen entstanden sind. Nur darin widersprechen sich die Nachrichten, aus welchen Gründen dieselben eingeführt worden sind. Wie rS scheint, ist durch verschiedene, gleichzeitig eingetretene Maßregeln der Lohn der Arbetter, die an und für sich schon am schlechtesten unter allen preußischen Kohlenbergarbeiteru bezahtt werden, zum Theil so sehr reducirt worden, daß die Saite von den ihnen ausgezahlten Beträgen nicht in der Lage waren, ihren Uuterhatt bi« zur nächsten Lohn­zahlung zu bestreiten. Seit längerer Zeit wird nämlich auf Königin-Luise-Grube nicht mehr voll gearbeitet, son­dern es werden die Arbeiter, um nicht einen Theil der­selben ganz zu entlassen, nur halb beschäftigt. Von diesem an und für sich kargen Lohn sollen den Arbeitern bei der letzten Löhnung die restirenden Steuern in Abzug gebracht worden sein, wodurch einzelne Bergleute nur noch weuigx

Zn einnnLeit- und Siegesgedicht feierte der „Kladdera­datsch" dann auch die Entlassung der drei Minister als eine von hoher Stelle längst gewünschte Säuberung de« Ministeriums von den bürgerlichen Elementen. Das Gedicht war überraschend klobig in der Form, während sonst die „Kladderadatsch"-Artikel nach der formellen Seite hin bestechend wirken. Diesmal hatte es aber das Witz­blatt nicht verschmäht, die abgehenden Minister mit verab­schiedeten Stallburschen auf gleiche Stufe zu stellen, die eülen Tritt vor den „Steiß" bekamen. Die« klassische Wort wurde mit Vorliebe auch von Heine poetisch ver- werchet. Aber über den Geschmack gewisser Dichter ist chen pflicht zu streiteii. Lassen wir also eine Kritik der yorm. Den Inhalt hatte mit Recht die „Nordd. Allg. Ztg." als einen „Unsinn" bezeichnet, wie er größer noch W geschrieben worden sei. Doch der „Kladderadatsch" beantwortete diese Kritik natürlich mit gewöhnlicher Ueber- legenheit. Denn die „Nordd. Allg. Ztg." zählt.ja erst recht zu jenen Blättern, die man nur zu nennen braucht, UM gegen sie einzunehmen, um bei gewissen Leuten al« Herr über sie sich aufzuspielen. Es gehört das zur poli-

Mache. Kürzlich bemerkten die „Fliegenden Blatter :

»Es giebt Leute, die uns in's Gesicht spucken, um einen Flecken darin abzuwischeu^ „Kladderadatsch" und die ihm verwandte einzig und allein „gestnnungstüchtige" Berliner Preßklique gehören nicht zu jenen edlen Seelen. Zwar im Spucken sind sie dem Schah von Persien über; doch wischen sie nichts wieder ab. Durch die Merkmale ihrer Thaten.im Gesicht des Gegners wissen sie diesen beim „gebildeten Publi- kum" zeittebens zu diskreditireu.

Das nebenbei. Zu seiner „Entschuldigung« bemerkte „Kladderadatsch", daß das Sonntags erscheinende Blatt schon Donnerstag zum Druck gelange, und daß bis dahin 3 Adlige al« Nachfolger der entlassenen Minister bezeichnet worden feien. Das „gebildete Publikum" ist vollständig befriedigt durch eine solch' ausgezeichnete Ausrede. Und «»wird weiter — gelacht.

'>' Zuerst behauptete „Kladderadatsch" in einer geradezu tollwüchigen Laune, nur.die bürgerlichen Namen der Minister seien als Grund zur Entlassung zu betrachten, während in anderen Artikeln desselben Blattes über dir politische. „Reaktion", welche endlich besiegelt sei, gelacht wird. Der bürgerliche Maybach, der bürgerliche Hofmann, zu denen 2 neue bürgerliche Minister treten, müssen jene „Rcaktimi" natürlich mitmachen. Ebenso andere bürgerliche Beamte in hohen Stellungen. Doch Logik darf man bei Possenreißern, denen der Zweck die Mittel heiligt, nicht fachen. Daß sich das foetschrittliche Berlin einen adligen Oberbürgermeister wählte, hinderte den „Kadderadatsch" nicht, Herrn von Forckenbeck als Führer des liberalen Bürgerlhums zu leiern. Früher wurde der fortschrittliche Herr v. Hoverbeck ebenfalls verherrlicht, obwohl er auf feine Freiherrmvürde großes Gewicht legte. Wenn'S paßt, drückt man das eine und das andere Auge zu. Wäre vor Jahresfrist der bürgerliche Camphause,i, der bürger- llche Achenbach und der bürgerliche Hofmann durch die Herren von Bennigsen, von Stauffenberg und von Forckenbeck ersetzt worden, so würden die Vertreter des „Bürgerlhums" in Berlin wahrscheinlich den Sieg de« freisinnigen Bürgerlhums gefeiert haben. Und wenn es den für die Ministerhank in Aussicht genommenen a dl ich en Herren gelungen wäre, den bürgerlichen Lochar Bücher oder Herrn Tiedemann sortzubeißen, so wäre der Triumph über den Sieg des „Bürgerlhums" und die „Freude in Israel" nicht minder groß gewesen.

Was ist nun Wahrheit?

Ist der adlige Name heutzutage nur noch Schall: warum sich alsdann darüber ereifern? Ist e« mehr: warum säubert sich das sog. „freisinnige Bürgerchum" nicht von dm adligen Elementen? Ein solcher Kreuzzug gegen den Aoel wäre eine ehrlichere That, als unfern Kaiser und Kanzler, die doch Beide bewiesen habm, daß sie die tüchtigen Männer da nchmen, n>o sie sie findm, der Geringschätzung des Bürger- zu beschuldigen.

.Weil die gesinnungsverwandte Berliner Press« drei Adlige al- Ministerkandidaten bezeichnete, deßhalb beschwert eS das „Kladderadatsch"-Gewissen nicht, daß sofort eine geradezu unerhörte Kränkung gegen die ersten Staatslenker n die Welt geschlmdert wird! Kein größerer Possen hätte dem „Kladderadatsch gespielt werden können, al« wenn die Herren Dr. Friedenthal und Dr. Falk wirklich nachträglich geadelt worden wären. — Ein Gefühl b«r BlKmage über die eigene Dummheit mag dm „Kladdera­

Anzeigen nimmt entgegen die Spedition d.vlatte« sowie b. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin: 88. Thiene« in Elberfeld; C. Schlotte in

X ;i,: Marburg, Mittwoch, 23. Juli 1879

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r. 170. *

Mür die Monate August und September p werden von allen Postanstalten

Df die . Vst.

»DßtrheMsche Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Zllu striktes Sonntagsblatt

«genommen.

Anfang August beginnt im erzählenden Theile fer „Oberhessischen Zeitung" die höchst spannende Wzählung: „Die Prinzessin von Zwei-Brücken,^ W dann die Novelle: „Der schwarze Bettlet Wen wird.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Kladderadatsch.

■' Dem „Düsseld. Anz." entnehmen wir seines beachtenr- tertheu Inhalts wegen den nachstehenden Artikel.

Es ist eine undankbare Aufgabe, über Leute sich zu itzern, die mit dem Schellenrock und der Pritsche einher- teingen. Klüger wäre es, ihnen wie einem Wespenschwarm U dem Wege zu gehen. Daher mag es denn kommen, W die politischen Witzblätter meist unbehelligt bleiben und gerügt thun dürfen, was sie wollen — mag das Vater- Bb auch darüber zu Grunde gehen.

‘ lieber den Geschmack des Publikums ist nicht zu strei- W weßhalb uns der „Witz" jener Berliner Witzblätter in auch heute weniger beschäftigen soll. Persönlich theilen M Goethe'« Ansicht: ‘*4>. .. ,

^in garstig Lied! Pfui! Ein pölitlsch Lied !):"

leidig Lied! Dantt Gott mit jedem Morgen, c Mß ihr nicht braucht für's röm'sche Reich zu forgen! ;;- . - »h halt' es wenigstens lür reichlichen Gewinn, , v «ß ich nicht Kaiser oder Kanzler bin-* .... .... :,r

el füt ? Politische Komiker hält un« fein Helles und scharfe« ^ache- vor, durch welches wir die Dinge vergrößert oder Pf tt Reinert, je nach dem gewolltm Effekt mehr konzentrirt

>r dezentralistrl, aber doch ohne gewallsame Verzerrung g2rl^u, sondern ein unreine«, nur Karrikaturen utvia. Mendes Glas. Dem Parteimann gefällt's, weil seül Zerrbilder wünscht. Dabei hört aber der Sp a ß auf. ----- nt dem Herzen wohllhuende Fröhlichkeit wird durch agtl W Futter für Bestien nicht erzeugt.

Die schon bemerkt, uns persönlich ist der „politische hmick ch" unsympachisch, während uns der echt deutsche Spaß, 1 tie „Fliegendm Blätter" treiben, ergötzt. Doch das Q keine Privatsache. Als Politiker aber dürfen wir und

’ Diesen Standpunkt des Vergnügungsmenschen dem poli-

Q Witz gegenüber nicht beschränken, sondern müssen ’ *9 anderen Preßorganen Front machen gegen die witzige

,litif, durch welche die vorhandenen Gegensätze nicht, '..er sein sollte, gemildert, sondern in höchst bedenklicher gesteigert »erben.

sturst Bismarck betonte in feiner letzten Rede, daß in ___, *Wand die Erregung durch eine unerhörte und Der» tffe* Preßagitation hervorgerufen und gesteigert »erben daß man sich nicht barüber wunbern bürfe, wenn Publikum unb bei bem Leser, die nichts wie t» ein= ^Hetzblatt lesen, falsche Ansichten' entstanden seien.

1879, ,^sir kennen Leute, die ihre ganze politische Weishett 'dem „Kladderadatsch" schöpfen. Sie ist auch danach, std den Hetzblättem der neuen Periode steht der ^derabatsch" nämlich in erster Linie. Er fuchtelt mit is» >• Arrozanz einer verletzten Großmacht in bet Luft um» 9021. 1 $a.® den „geistigen" Inhalt ber letzten Nummern noch

Meßbarer macht. Wer herüber eine unwillige Be- /an8 macht, wird im „Briefkasten", dieser Skandal- , £ des Deutschen Reiches, gemeuchelt. Der Uebermnth .berliner Preßbarone har einen gemeingefährlichen ' ^dkter angenommen. Und das deutsche Volk steht da- Die deutschen Universitäten haben so- ' „Kladderadatsch" zu ihrem Leiborgane gewählt.

tnfl Die Komik entsteht durch die Ausbeutung einer that- g(r Echen unb allgemein al« vorhanden erkannten Situation,

it. ' ier politische Mtze macht, muß seine Zuflucht gewöhnllch

-—- einer künstlichen Situation nehmen; es muß mit Hülfe * Parteiwesens erst eine Situation geschaffen werten.