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xiv. Jahrgang

Marburg, Freitag, 18. Juli 1879

1879.

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Tagesbericht.

Nach den vom „Reichs - Anzeiger" veröffentlichten Er­

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" Minister Friedenthal ist nach Tirol abgereist.

October d. I. werden sich einer Neuwahl zu unterziehen haben, soweit bis jetzt ersichtlich, Abg. Sarv (Gumbinnen- Insterburg), Abg. v. Grävenitz (Ost-Piegnitz), Abg. Thilo (Bitterfeld-Delitzsch), Abg. Dr. Bähr (Kassel), Abg. v. Forcade de Biaix (Daun-Prüm), v. Geß (Reutlingen- Tübingen), Bär (Offenburg), Kiefer (13. badischer Wahl­kreis), Görz (Worms). Ihr Mandat werden demnächst nicderlezen der Abg. Dr. Wehrenpfennig (Fritzlar-Ziegen­hain) und, wie verlautet, auch der schfver kranke Abg. v. Unruh (Magdeburg). Erledigt sind die Mandate für Ragnit-Pillkallen (Schmalz gestorben), Breslau (Stickwahl), Herzogthum Lauenburg (für Hammacher), 7. hannöverscher Wahlkreis (Dr. Nieder gestorben), 5. Wahlkreis der Ober­pfalz (Dr. Lindner gestorben). Ferner wird Abg. v. Putt- kamer (Fraustadt) nach seiner Ernennung zum Unter- staatssecretär für Justizwesen sein Mandat niederzulegen haben. ____________

Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Der alte Schlacht­ruf der Konfliktszeit: „Fort mit diesem Ministerium!" ertönt von Neuem und abermals mit der Zuspitzung gegen deu leitenden Staatsmann, mit dessen Namen die damalige wie die jetzige Politik charakterisier wurde. Diesmal folgen aber diesem Schlachtruf des Radikalismus auch Diejenigen, welche auf den Namen Bismarck gewählt sind. Nicht von uns ist die Parole: für oder wider Bisniarck als Schlacht­ruf für die nächsten Wahlen ausgcgebcn worden, sondern von Denen, die jetzt wieder den Kampf „gegen Bismarck" ausgenommen haben, „damit Deutschland zur Ruhe komme", wie der durch seine Friedfertigkeit und Ruhe liebende Natur bekannte Abg. Richter betonte." ......... Es ist leicht vvcherzusehen, daß auch bei den nächsten Wahlen eine große Anzahl von Kandidaten, um der Volks- Ueberzeugung zu huldigen, zu der Politik Bismarck sich bekennen werden, um hinterher, nachdem sie unter falscher Voraussetzung gewählt worden sind, sich durch das Fraktions- intcreffe in Die Opposition gegen Bismarck treiben zu lassen. Diesen unsicheren Kantonisten das Handwerk zu legen, wollen wir uns zur besonderen Aufgabe machen und werden wir uns die Mühe nicht verdrießen lassen, ihr parlamentarisches Verhalten in Reden und Abstimmungen mit ihren den Wählern gegebenen Zusicherungen zu ver­gleichen und dadurch die Wähler in den Stand zu setzen, künftig die Leute, denen sie ihr Vertrauen schenken sollen, schärfer zu beurtheilen. Nicht das Partei - Interesse soll uns zu solcher Achtsamkeit bestimmen, wir halten dieselbe geradezu für eine Pflicht der loyalen Presse."

Bei Berathung der Gewerbeordnungs-Novelle hat, wie bekannt, der Reichstag auf Antrag deö Herrn v. Kleist eine Bestimmung aufgenommen, nach welcher die Gewerbe­ordnung auf die Erziehung von Kindern gegen Entgelt das Opfer, Königin, welches Ihr mir bringt: ich werde es ewig erkennen."

„Beginnt, ehrwürdiger Herr," sprach er dann zu dem Geistlichen. „Bald ist es Mitternacht, und jeder versäumte Augenblick könnte Gefahr bringen."

„Königin von Frankreich!" begann jetzt der Priester, nachdem Suffolk und Maria Hand in Hand vor den Priester hingetreten waren, in Emmy's Augen bei diesem Anblicke eine Freudenthräne glänzte, und Anna's Kuiee von geheimer Furcht erschüttert wankten. „Königin von Frankreich! Wittwe Ludwigs des Zwölften, dieses Vaters seines Volkes! Ihr seid gesonnen, dem Glanze, der Herr­lichkeit königlicher Mackt zu entsagen, und einem Diener und Vasallen Eures königlichen Bruders die Hand als Eurem ehelichen Gemahl zu reichen. Habt Ihr auch wohl die Folgen dieses Schrittes bedacht,? Der Zorn zweier Kanige kann Euch treffen, der Hohn der Welt Euch in einen Kerker folgen, und diese Stunde das Haupt des Ge­liebten auf den Block legen. Was der Mensch zu opfern vermag, opfert Ihr, Maria von Lancaster! Was der Mensch zu bieten vermag, bietet Ihr, Charles, Herzog von Suffolk, für ein ungewisses Glück. Mit dem Ja, das Euer Muno in dieser feierlichen Stunde aussprickt, könnt Ihr Euch einem düstern Schicksale, einem schmählichen Tode weihen, und hofft dafür in dem vergänglichen Glücke der Liebe allein Ersatz. Ach! des Menschen Herz ist ein schwanken­des Rohr; jedes Lüftchen bewegt es, und der Sturm deö Schicksals beugt es spielend nieder. Ihr, Herzog von Suffolk, lohnt Eurem Wohlthäter mit Undank und werdet dem Könige von Frankreich wortbrüchig. Ihr hohe Frau, beleidigt durch diesen Schritt den Geist Eures edlen vor- storbenen Gemahls; ganz Frankreich wird Euch tadeln,

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte» sowied. Annoncen-Bureaux von G-L- Daube &60. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buckhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: E. Schlotte in Bremen.

2 j Bald trat durch eine geheime Thür ein alter Priester - 7l tt», welcher die Königin erfurchtsvoll begrüßte. „Wißt - 2i Ihr, ehrwürdiger Herr", redete sie ihn an, „weshalb Ihr - hierher beschicken seid? Seid Ihr von Allem unterrichtet?"

H , „Ich weiß es, Majestät!" erwiderte der We, „und ) 20 bereit, Eurem Befehle zu gehorchen."

« „Ich danke Euch," sagte Maria huldvoll, „und ersuche 4 *' Tuch, gleich nach vollbrachter helliger Handlung Paris zu 3 Zerlassen und nach England zu flüchten. Dort wird Euch vein Bruder schützen und ich werde Sorge für Euch Tagen."

„Ist Ew. Majestät so gewiß", fragte der Geistliche «it ruhigem Lächeln, „daß ich bei Eurem königlichen Bru- der mehr Schutz finden würde, als bei dem Könige, meinem Herrn? Was ich zu thun bereit bin, will ich vor Gott, Mithin auch vor meinem Monarchen verantworten, und wenigen Tage, welche mir der Herr noch gönnen wird, vöchte ich gern in meiner Heimath durchleben und in ^Inländischer Erde ruhen, denn sie allein dünkt dem müden Schläfer nicht schwer."

. „So nehmt dies zur Belohnung", sprach die Königin, ihm einen funkelnden Brillanten reichend

Der Priester nahm ihn, besah ihn aufmerksam, daun M er ihn der Königin zurück. »Der Ring, den Eure

4’0/ Missen des Reichshaushalts wurden in dem nut Ende ief '& Rärs abgelaufenen Etatsjahre 1878/79 am ordentlichen - - Ausgaben-Etat im Ganzen 6,995,471 Mark gespart, die - 18 ünnahmen dagegen biteben mit 13,253,293 Mark hinter 2 H tm Voranschläge zurück. Das im ordentlichen Haus- 2 Metal sich ergebende Deficit beträgt daher 6,257,821 M. - 12 Xe meisten Ausgabenersparnisse (ca. 7,412,000 Mark) 4 - gUIben in Folge billigerer Naturalienpreise bei der Reichs« - .!■ «rcsverwaltung erzielt. Von beit ordentlichen Einnahmen ?t lieben die Zölle und Verbrauchssteuern mit 14,792,288 M., 8 ie Wechselstempelsteuer mit 822,017 M., die Post- und 26 Aegrapheuverwaltung mit 1,568,509 M., die Reichs-

j Maria.

Historische Novelle von A. v. T-

~ j I (Fortsetzung.)

2 k ‘ Anna schüttelte zweifelnd und nackdenkend ihr Haupt, •/. °ls Emmy eintrat und ihrer Gebieterin leise etwas zu- - 1- flüsterte. Die Königin toinfte bejahend, die Glifford eut-

Srkckeint täalich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche ^bezogen durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf». i-k-l Bestellgebühr) - Jnsertionsgebühr für di- g-spalten- Zelle 10 Pf».

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf», berechnet.

Die Publicirung des Zolltarifgesetzes ist noch nicht er« chl, ein authentischer Text liegt also noch nicht vor; doch fl dieselbe in nächster Zeit zu erwarten. Was den An- »ngStermin der Zölle betrifft, so lassen wir unter Berück- I" ' ichtignng der letzten Beschlüsse des Reichstages nachstehende 2 . ^Heilung über das Inkrafttreten der einzelnen Positionen 21 1« neuen Tarifs folgen: Es werden schon erhoben laut - 10 er erlassenen Sperrverordnungen die Zölle für: Roheisen, 8 kucheisen und Eisenabfälle, Branntwein aller Art, auch 8 Ittac, Rum, Franzbranntwein, versetzte Branntweine, Essig, 9 Bein, Most, Eider und künstlich bereitete Getränke, Süd- 8 flüchte: getrocknete Datteln, Mandeln, Pomeranzen u. dgl., ° »Heu und gebrannten Kaffee, Kaffee-Surrogate, (ausge- 1 Kommen Cichorie), Thee, Petroleum (Erdöl) und andere ; Mineralöle, roh und gereinigt, Tabakblätter, unbearbeitete ' mb Stengel, Tabaksauccu, fabricirter Tabak, als Cigarren, i kizarelten rc. Mit der (bevorstehenden) Verkündigung deö 8 zolltarifgesetzes treten in Kraft die Zölle: für Eisen und , kisenfabrikate, Hopfen, Instrumente, Maschinen und Fahr- 6 enge, Fette (Schmalz von Schweinen und Gänsen, Stearin, S kmitiu, Paraffin, Wallrath, Wachs, Fischspeck, Fischthrau, * toteres Thierfett), Eier, Vieh, Bier, Meth, Hefe (auSge- K 1

- in «eisen nimmt tmgtgen - ? Wpedittou d.Blatte» _ » ^d Annoncen-Bureau

. Dietrich & Co. ii - s »Sel und Hannover; Th 9 « «mch in Frankfurt a.M. 91 a «jenftein L Bögler ii 2; m ftwkfurt a. M., - 1ö kipsiü' :c-t - 0 bfit in Berlin, .

v faxt a. M. rc.

5 für das dritte Quartal

ItiltUUufltU auf die Oberhessische Zeitung -' r v und deren Gratisbeilage wer« - e» von allen Postanstalten (auf dem Lande von 8 en Landpostboten) noch angenommen und soweit 8 er Vorrath reicht die erschienenen Nummern nach- l eliefert.

. Die Sxped. d. Oberh. Zeitung.

nommen Weinhefe), Bulter, auch künstliche, Fleisch, Wild, Geflügel, Fleischextract, Tafelbouillou, Fische, Südfrüchte (frische Apfelsinen, Citronen, Limonen, Pomeranzen, Gra­naten), Gewürze, Häringe, Honig, Cacao, ■- Bohnen und Schalen), Caviar und dessen Surrogate, Käse, Consiluren, eingemachte Früchte, Gemüse, Pilze, Seethiere, zubereitete Fische, zubereiteter Senf, Oliven, Kapern, Pasteten, ge­trocknetes Obst, Obstsäfte, Nüsse, Kastanien, gebrannte ober gemahlene Cichorien, Kraftmehl, Stärke, Sago, Muschel­oder Schalthiere, Reis, Salz, Syrup, Zucker. Am'l. October d. Js. treten in Kraft die Zölle auf: Anis, Koriander, Fenchel, Kümmel; Raps, Nübsaat und andere Erzeugnisse deö LaiidbaueS; Brennholz, Borke und Gerber­lohe, Bau- und Nutzholz, grobe Böttcher-, Drechsler-, Tischler- rc.-Waaren, Fourniere, hölzerne Möbel und Möbel- bestandtheile. Am 1. Januar 1880 werden (ausgenommen für Flachs und andere vegetabilische Spinnstoffe, mit Aus­nahme der Baumwolle, deren Verzollung erst am 1. Juli 1880, wenn überhaupt, beginnt) die Zölle für alle übrigen Gegenstände (also auch Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Buchweizen, Malz, Hülsenfrüchte) in Kraft treten.

Bei der Schluß - Abstimmung über den Zolltarif ver- theilten sich die Abgeordneten der einzelnen Staaten und Provinzen in sehr ungleichem Maße. Aus Ostpreußen (das 17 Abgeordnete zählt) stimmten 14 für, keiner gegen den Tarif, Westpreußen (13) 7 für, 5 gegen; Branden­burg (26) 13 für, 10 gegen; Pommern (14) 12 für,, 1 gegen; Pofen (12) 5 für, 6 gegen; Schlesien (35) 27 für, 6 gegen; Sachsen (20) 11 für, 7 gegen; Schleswig-Hol­stein (9) 2 für, 4 gegen; Hannover (19) 3 für, 10 gegen; Westfalen (17) 11 für, 2 gegen; Hessen-Nassau (14) 4 für, 7 gegen; Nheinprovinz (35) 30 für, 1 gegen; Hohen- zollern 1 für. — Aus Baiern stimmten 28 für, 11 gegen; Sachsen 12 für, 9 gegen; Württemberg 15 für, 2 gegen; Baden 5 für, 7 gegen; Hessen 1 für, 7 gegen; Mecklen­burg 2 für, 5 gegen; von den übrigen Abgeordneten stimmten 8 für, 17 gegen den Tarif.

Bis zum Beginne der nächsten ReichStagssesston wird eine Anzahl Neuwahlen stattfinden müssen. In Folge ihrer Ernennungen zu Ministern scheiben aus die Abgg. Dr. LuciuS (Erfurt) und v. Puttkamer (Löwenberg). Durch die bcvorstehenbe Ernennung des Herrn v. Seyde- witz zum Oberprästbenten von Schlesien wird das Mandat für Rothenburg - Hoherswerda, durch Ernennung des Re­gierungspräsidenten v. Bötticher zum Oberpräsidenten der Provinz Schleswig - Holstein das Mandat für Flensburg- Apenrade, durch Ernennung des Oberverwaltungsgerichts- Raths v. Goßler zum Unterstaatssecretär im Cultusmini- fterium dasjenige für Stallupönen-Goldap erledigt. In Folge chrer Beförderung in der Justizverwaltung zum 1.

Gnade mir als Belohnung bietet, ist von hohem Werthe", sprach er. „Nehmt ihn zurück, Majestät, ich bedarf keines Lohnes. Reicht mir ein kleines werthloses Andenken an Euch und diese feierliche Stunde und ich werd' es gerührt und dankbar annehmen und es treu bewahren."

Da zog die Königin einen Ring von ihrem Finger, einfach unb ohne Werth. „Nehmt ihn, lieber Herr!" bat sie, „und schließt mich in Euer Gebet."

„Das werd' ich", erwiderte der Geistliche, den Ring mit wohlgefallen betrachtend. „Verzeihe mir Eure Majestät", begann er nach kurzem Schweigen, „wenn ich, ehe ich zu der heiligen Handlung schreite, Euch ermahnen muß, mit reuigem Herzen Euch zu Gott zu wenden und Eure e>ünben zu beichten.

„Nur wen» Ihr von aller Schuld entfünbigt vor mir steht, kann ich einen dauernden Segen über Euch sprechen, und vielleicht den Entschluß, den die Sünde gebar, heiligen."

„Ihr irrt, Priester des Herrn," erwiderte Maria würdevoll. „Was ich Euch zu beichten hätte, sind nur menschliche Schwächen, die ich mit allen meinen Schwestern und Brüdern gemein habe; ich bin mir keiner Sünde be­wußt, mein Entschluß entsprang aus einer reinen Quelle, von keinem Vergehen getrübt, deshalb sprecht getrost den Segen über mich."

Indem sie die« sagte, öffnete sich die Thür, unb Emmy führte den Herzog von Snffolk herein. Nicht mit der stürmischen Gluth der Liebe, nicht mit dem Feuer auf- flammender Leidenschaft nahte er sich Maria; inniges, tiefes Gefühl sprach aus seinen Augen, als er vor sie trat, ihre Hand ergriff und sie an seine Lippen preßte. „Eure Liebe soll mich ganz beglücken," sagte er gerührt; „ich erkenne