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Marburg, Dienstag, 15. Juli 1879

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XIV. Jahrgang

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Die Exped. Oberh. Zeitung.

Der deutsche Reichstag

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für das dritte Cnirtnl auf die Oberhessische Zeitung und deren Gratisbeilage wer-

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ondern auch in das ganze deutsche Volk geworfen hatten, ks wird zunächst eine Zeit der Ruhe und Sammlung iiilreleu. Mau wird auf der einen Seite sich bemühen, ich mit den Thatsachen auseinanderzusetzen und aus den tim einmal geschaffenen Verhältnissen das Beste Heraus­

gierungen in bewußter Weise in conservattve Bahnen ein­lenkten, indem sie dem liberalen Pnncip des Manchester- thumch dem liberalen FreihandclSwesen und den dem Man- chesterthum und dem Freihandelssystem huldigenden Parteien der Demokraten, sowohl in Glacs- wie in Faust-Hand­schuhen, ernstlich den Rücken gekehrt haben, daß Reichs­kanzler wie Regierungen der im Volke immer mehr er­starkenden conservativen Strömung nothwendig folgen mußten und gefolgt sind, daß endlich dieser Strömung sogar drei preußische Minister weichen mußten. Ja wahrlich, das ist für die Conservattven so wichtig, daß dagegen eigentlich das Zustandekommen der Zollgesetze wenig zu bedeuten hat. Vor allm Dingen ist es für uns werthvoll, daß die Aera Falk abgeschlossen zu sein scheint. Niemand wird es be- bestreiten wollen, daß der Minister Falk vielfache Verdienste, namentlich um die äußeren Verhältnisse der Lehrer und vieler wissenschaftlicher und höherer Lehrinstitute, hat — gewiß aber auch ist, daß diese Verdienste erheblich in den Hintergrund gedrängt sind durch das, was er der christ­lichen Kirche und der christlichen Volksschule angethan. Abgesehen von den Kirchengesetzen, die theilweise der evan­gelischen Kirche mehr als der katholischen Kirche geschadet haben (man denke nur an die theologischen Prüfungen, die viele evangelische Studirende abschreckten, sich der Theologie zu widmen), brauchen wir nur an die obligatorische Civil- Ehe und die confesstonslose oder Simultanschule zu erinnern, um die Wirksamkett des Minister« in anderem Lichte er­scheinen zu lassen. Sein Wille war sicher rein und gut — Niemand hat ein Recht, daran zu zweifeln — aber seine Arbeit war nicht jeder Zeit für die christliche Kirche und die christliche Schule, noch für das christliche Leben eine segensvolle. Wünschen wir denn, daß sein Nachfolger da« wieder gut machen möge, wa« er verfehlt hat. Es wird demselben ja bald dazu die Gelegenheit geboten wer­den, und zwar, wenn nicht früher, dann doch in dem nächsten preußischen Landtage, der bereits in der zweiten Hälfte des Oktober einbcrusen werden soll. Es hat sich nämlich das preußische Staatsministerium in den letzten Tagen dahin schlüssig gemacht, daß im September die Auflösung des alten Landtages erfolgen soll, damit die Neuwahlen in der ersten Hälfte des October« vollzogen werden können, und der Landtag, wenn er in der zweiten Hälfte diese« OctoberS zusammentritt, genug Zeit hat, vor Neujahr alles ihm gelieferte Material gehörig zu be­arbeiten und die Budgetverhandlungen derart zu Ende ju führen, daß er nicht wieder die Verhandlungen des für die ersten Monate des folgenden Jahres einzuberufenden Reichstages kreuzt und stört. Diejenigen daher, deren ernstlicher Wille es ist, unsere Regierung in Wirklichkeit und nicht in verklausulirtem Scheine zu stützen und weiter zu kräftigen, werden sich in der bevorstehenden Zeit der parlamentarischen Ruhe fest an einander zu schließen haben,

ib un )en von allen Postanstalten (auf dem Lande von be »en Landpostboten) noch angenommen und soweit &er Vorrath reicht die erschienenen Nummern nach-

leigtn nimmt entgegen; Expedition d.vlatte»,

Maria.

Historisch« Novelle von A. v. T- (Fortsetzung.)

„Was sollen wir thur, mein Geliebter, um dem drohen-

gekränkt müßte er mir zürnen, und auch Euch, Maria, würde er seine Liebe entziehen. — Nein! nein! das Glück ist zu groß, ich vermag kaum den Gedanken zu fassen. —"

„Und zögert dennoch mit dem Entschluß?" unterbrach ihn Emmy.

„Nein, gute Glifford," fuhr er fort. „Wer könnte zögern, das Herrlichste der Erde zu erfaffen und sein zu nennen, wenn es ihm vom Schicksal geboten wird. — Aber eine ernste Rücksicht verbietet mir, die Hand darnach zu strecken. Nicht die Furcht vor dem Blutgerüst, auf das mich des Königs Zorn führen könnte, würde mich schreckm! — Was ist das Leben gegen den Besitz eines solchen Engel«. — Aber sie, die Alle«, Alles mir opferte, sie in mein finsteres Geschick zu verflechten, das wag' ich nicht. Heinrich der Achte liebt Euch, Maria, liebt mich; aber wir beide kennen seinen Jähzorn, seinen unerschütterlichen Willen. — Ihr würdet mich aus dem Fenster des Towers, .der ewig für Euch verschlossen blieb, bluten sehen, mein Tod würde ihn nicht versöhnen, und ich hätte Euch unglücklich gemacht."

„Denkt nicht an mich, Suffolk," unterbrach ihn Maria. „Euer Schicksal muß ja auch das meinige sein, im Glück wie im Unglück."

„Und," nahm Emmy daS Wort, — „knüpft hier in Frankreichs Hauptstadt der priesterliche Segen unauflösbar Euren Bund, so könnt Ihr dem ersten aufwallenden Zorn des Königs ausweichen, und im schlimmsten Falle Euch dahin zurückziehen, wo sein Arm Euch nicht ereilen kann."

„Gute Glifford," erwiederte Suffolk, „das verbietet mir mein, dem König von Frankreich gegebenes Wort. Ich mußte ihm geloben auf französischem Boden keinen Schritt in Betreff der verwittweten Königin zu thun, der ihm oder

- ende Hoffnung auf durch jene Gesetze plötzlich wachsende oldene Früchte. Zudem ist, was wohl zu beachten, nicht üt der Herausgabe der Gesetze Alles fertig, sondern es »erben die Meisten Zeit haben, sich einzurichten auf die «uen Verhältnisse ; die Regierung wird vielfach noch um- »ngreiche Vorbereitungen machen müffen, um auf dem Gebiete des Zoll- und Steuerwesens Alles in ordnungs­mäßigen Gang zu bringen. Doch das braucht unsere - rvrge nicht zu sein, da wir ja viele gute, geschulte und, »S die Hauptsache ist, auch gewiffeichafte deutsche Beamte 4ben. Unsere Sorge muß vielmehr dahin gehen, daß wir Ns die neuen Verhältnisse so zurecht legen, damit wir uch wirklichen Gewinn davon haben.

Was nun aber für uns mehr werth ist, als das end- che Zustandekommen der neuen WirthschaftSgesctze nach

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, eigen. „Was wäre wahrer Liebe zu groß, um es nicht _ , 6 überwinden, welche Höhe zu steil, sie nicht erklimmen

11 können — Maria von Lancaster, die Wittwe Ludwigs Zwölften; die Geliebte des Herzogs von Suffolk, ist

“n s chweigen, welche die schwierigen Finanz- und Zollfragen, )er ai lie dem Reichstage zur Berrthung und Entscheidung vor- flegt waren, nicht nur in die Reihen der Abgeordneten,

£ x taute d.Annoncen-Bureaux Bate( Nn Th, Dietrich & Co. in r, de Hel und Hannover; Th. 19ty dietrich in Frankfurt a.M.;

«asenstein & Vogler in rankfurt c- M., Berlin, tipjig, Cöln ic.; Rudolf

tiSnt kj am Sonnabend Nachmittag geschlossen worden und wird io " tut diesem Schluß hoffentlich die große Unruhe, die sich eres Beginn seiner letzten Session des ganzen Landes be-

[19 nächtigt hat, aufhören und die Kämpfe werden vorläufig

LO* mmEt noch für die Fürsten Europas ein wünschen«- ^tther Preis, durch welchen Englands König sich Frmnde brb Bundesgenossen werben kann. Die Herzogin von iPJ ^olk aber entgeht allen Bewerbungen, und liegt in der v Schale der Staatskunst ohne Gewicht."

„Ha!" rief Suffolk wie aus einem Traume er- itteri kchenb aus.

„Wird es klar vor Eurem Auge, Charles Brandon, üsterEmmy fort, „schwindelt Euch nicht mehr vor der " ^he, auf die ich Euch führte?"

. „Und was sagt Maria von Lancaster?" sprach der 0 ^og sich zu ihr wendend, cie mit der Gluth der innig- 4 Liebe auf ihn blickte. — Statt Antwort sank sie er-

W in seine Arme.

I . „Und was würde Euer königlicher Bruder, mein Freund, Wohlihäter sagen?" fuhr der Herzog fort. „Tief

g| Mer langen Zeit der Unruhe und Befürchtungen, die ----■ rauchcm Geschäftszweige großen Schaden gethan und leider g 1 viele Volkskreise Verbitterung gebracht hat, das ist die 9 Hatsache, daß dies Zustandekommen geschehen ist und nur uati! efchehen konnte mit Hülfe der conservativen Parteien, daß [11 ns geschehen ist, indem der Reichskanzler und die Re-

Anzeigcn nimmt entgegen die Expedition d.vlatte« sowie b. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube <fc Co. in Frankfurt a. M; Jägedsche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

,, en Ungewitter zu entgehen?" fuhr sie fort. „Sprecht, 45« ruffvlk, beruhigt Eure Maria."

1 „Wo fand' ich Rettung, wo fänd' ich Trost!" rief er i erzwcifeliid.

[19 „Kleinmüthiger!" nahm Emmy Glifford das Wort, »StU * Le sah, daß ihre Gebieterin eS nicht über sich ver­achte, ihm den einzigen ihnen bleibenden Ausweg zu

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JIl«ftrtrteS SonutaaSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter de« Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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ttzmij uziehen, und auf der andern Seite, wo man sich des durch des «s Zusammenwirken der Regierung und der conservativen welMuteien zu Stande Gebrachten freut, wird man danach ch. rächten, dasselbe möglichst gut zu verwerthen. Ueberall n Hai bet wird man sicherlich wahrnehmen, daß die bange Furcht steil ,w durch die neu geschaffenen Gesetze entstehenden Ruinen tt licht minder unbegründet gewesen ist, als eie ausschwei-

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um sich zu stärken zu neuer frischer Arbeit hinsichtlich der Neuwahlen.

Tagesbericht.

Der Bundesrath hielt gestern, Sonntag Mittag um 1 Uhr unter Vorsitz des Präsidenten des Reichskanzleramts, Herrn Staatsminister Hoffmann, eine Sitzung, deren Hauptgegen­stand die letzten Beschlüsse des Reichstags über die Zoll­reform bildeten. Die Beschlüsse sind mit großer Majorität angenommen worden. Außer einer Anzahl weniger be­deutender Gegenstände ist auch ein Antrag wegen zweijäh­riger Etatsperioden eingebracht worden.

Der Reichskanzler begiebt sich, der Tribüne zufolge, am 15. d. zu mehrwöchentlicher Kur nach Kissingen. Ueber seinen weiteren Aufenthalt für den Sommer ist eine Be­stimmung noch nicht getroffen. Auch der Reichskanzleramt»- Prästdent Hofmann begiebt sich Ende der Woche auf Ur­laub. Der Bundesrath wird sich unmittelbar nach dem Schluß des Reichstages vertagen.

Die Ordres betreffend die Entlassung der Herren Mi­nister Dr. Falk und Dr. Friedenthal, sowie die Berufung des Herrn Oberpräsidenten v. Puttkammer zum Kultus­minister und des Herrn Dr. Lucius zum Landwirthfchasts- minister liegen, nunmehr zur Allerhöchsten Vollziehung vor und dürften in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Wie die Post vernimmt, ist von der Besetzung des schlesischen Ober-PräsidiumS durch Herrn von Hagemeister Abstand genommen, dagegen die Ernennung des Herrn v. Seydewitz, ersten Präsidenten des Reichstags, als sicher anzusehen. Herr v. Seydewitz ist seit Jnkraftreten der Provinzial-Ordnung Vorsitzender des Provinzial-AuSschuffes der Provinz Schlesien und hat in dieser Stelle so ausge­zeichnete Verwaltungstalente gezeigt, auch eine so genaue Kenntniß aller Verhältnisse Schlesiens gewonnen, daß die Provinz es mit allgemeiner Freude begrüßen würde, wenn dieser hochgeachtete Mann die Stelle des obersten Beamten annähme, welche ihm bereits vor Jahren zugänglich ge­wesen ist. _____________

Die „Polit. Correfp." verzeichnet ein in Konstantinopel verbreitetes Gerücht, daß die Pforte geneigt sei, dem Khe- dive Tewfik die in dem Ferman von 1873 enthaltenen Privilegien mit Ausschluß der modificirten Thronfolgeord­nung wieder anzuerkennen. Die bezügliche Nottfikation an die Botschafter stehe in naher Aussicht.

Deutsche» Reich.

Berlin, 12. Juli. Auf das Entlassungsgesuch des Kultusministers Dr. Falk ist, der „National-Zeitung" zu-

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meinem Herrn unangenehm sein könnte. Mein Wort darf ich nicht brechen."

„Ich verkenne Euch, Mylord," unterbrach ihn Emmy. „Konntet Ihr Euch unbedachter Weise Fesseln anlegen lassen, warum sie nicht muthig zerreißen? Ist Euch das Glück, welches sich Euch darbietet, bon so geringem Werth, um nicht Alles dafür zu opfern?"

„Auch meine Ehre?" fragte der Herzog unmuthig. Emmy schwieg. Die Königin, welche das Peinliche seiner Lage wohl besser erkannte, als ihre eifrige Dienerin, suchte ihn zu beruhigen. Ohne ihm Vorwürfe über seine Be­denklichkeiten zu machen, liebkoste sie ihn und versuchte, den Unmuch zu verscheuchen, den Emmy's heftige Worte in ihm aufgeregt hatten. Suffolk, sich ganz seinem Glück hingehend, vergaß in ihren Armen bald Heinrich den Achten, seinen Zorn und alle Folgen, die sie treffen konnten, und würde schon jetzt mit freudigem Muthe in seinen Himmel einzu­gehen beschlossen haben, wenn ihn nicht sein heilig gegebene« Wort noch gebunden hätte.

Aber unter dem Tändeln der Liebe schwand die Zeit noch schneller, als bei dem zagenden Blick in die Zukunft, und Emmy, die heute mit ihrem Schützling nicht so ganz zufrieden war, mußte zur Trennung mahnen, da die Stunde, wo die Oberhofmeisterin von der Herzogin von Angouleme zurückzukehren pflegte, nicht mehr fern war. Ohne einen festen Enffchluß gefaßt zu haben, mußten sich die Liebenden trennen, und Suffolk kehrte wieder nach Anna'S Zimmer zurück, um sich eiligst auf dem nämlichen Wege, auf welchem er gekommen war, zu entfernen.

13.

Eben als Suffolk das Zimmer der Königin verlasien, war die Gräfin d'Aumont von der Herzogin von Lngpw-