xiv. Jahrgang
Marburg, Sonntag, 13. Juli 1879
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Die Ex-ed. d. Oberh. Zettaag.
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gilt die Annahme der Commissionsanträge für wahrscheinlich.
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lich Frankreich verlasse, und sie den Wunsch des Königs kannte, so war sie unter der Hand die thätigste Freundin von Maria's und Suffolk's Liebe. Sie hatte zu diesem Zweck die Oberhofmeisterin wieder zum Abendessen zu sich eingeladen, und dies schon am Tage vorher, damit Maria Zeit genug habe, ihre Vorkehrungen zu treffen; auch flatterte wirklich um die zwölfte Stunde des Mittags zur Freude Suffolk's, das weiße Band an dem Bogenfenster des Thurmes der Tournellen.
Als die Gräfin d'Aumont am Abend die Königin verlassen hatte, die Hoffräuleins und die übrige Dienerschaft entfernt waren, eilte Glifford in die Halle hinunter, während Maria in banger sehnsuchtsvoller Erwartung zum ersten Male ihr Bett verlassen und in ein anderes Gemach gegangen war, den Geliebten zu empfangen. In ihr wogten mancherlei Empfindungen, und so süß ihr der Augenblick auch war, wo sie die zerrissenen Bande wieder knüpfen, vielleicht auf ewig knüpfen sollte, so bitter war es ihr, btnt Geliebten ihre Pläne und Wünsche selbst mittheilen zu müssen.
Anna Boleyn hingegen saß, Suffolk erwartend, un- muthig in ihrem Zimmer. Tausendmal hatte sie es schon bereuet, ihre Einwilligung gegeben zu haben, eine düstere Ahnung, daß der heutige Tag und das ihr jo unangenehme Abenteuer traurig auf ihr Schicksal einwirkeu würde, verfolgte sie, ihr Herz klopfte laut, und mehr al« je dachte sie heute an ihre Heirnath.
Indessen brauchte Emmy nichts lange auf Suffolk zu warten, der sich nach damaliger Sitte von mehreren ihm leuchtenden Dienern, welche in des Admirals Livree gekleidet waren, begleiten ließ und jetzt durch das hohe Portal der Halle zuschritt. Die Wachen, ihn für Bonnivet, den Günst-
das er nicht lösen könne, zu stehen behauptete, zog sich der Abg. Dr. Lasker, der mehr elegisch als streitbar auftrat, wesentlich dadurch aus der Verlegenheit, daß er vorwiegend von den Eigenthümlichkeiten der Person des Herrn Reichskanzlers handelte und nebenher auch auf seine eigene Person gefällige Schlaglichter fallen ließ. Doch trotz alledem wird die wuchtige Kritik des Reichskanzler«, die an eine Absage gegenüber den Nationalliberalen streifte, im Lande ihren unverwischlichcn Eindruck machen, ebenso wie die Ausführungen der Abgg. v. Kardorff und v. Helldorff-Bedra, von denen auch letzterer insbesondere mit den Thorheiten des Liberalismus glücklich abrechnete, für sich selbst sprechen. Nicht minder kennzeichnete der Abg. Windthorst den klaren Zusammenhang der einfachen und nicht zu verdunkelnden Situation mit gewohntem Geschick."
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Meldung der „Politischen Correspondenz" auS Bukarest vom 11. d. MtS.: Die Regierung erklärte in der Commission und den Sekttonen der Kammer, daß sie nur eine solche Lösung der Judenfrage annehme, welche dem Berliner Vertrage entspreche; für jede andere Lösung lehne sie die Verantwortung vollständig ab. Trotzdem
Tagesbericht.
Der „Reichs-Anzeiger" publizirt die Ernennung des Geh. Oberregierungsrathes Starke zum Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern.
Das „Reichs-Gesetzblatt" veröffentlicht das Gesetz betr. die Verfassung und Verwaltung Elsaß - Lothringens, sowie das Gesetz betr. die Abänderung des ReichShauShaltS-EtatS und des LandeshaushaltS - Etats von Elsaß - Lothringen für 1878/79. ____________
Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt unsere gestrige Nachricht, nach welcher der Schluß des Reichstages ohne besondere Feierlichkeit im Reichstagsgebäude stattfindet. Die damit eintretende parlamentarische Pause wird kaum 3 Monate währen. Der Landtag ist gegen Ende October zu berufen; da daS Mandat der Abgeordneten kurz darauf Maust, so wird die formelle Auflösung des Abgeordnetenhauses etwa Ende September und die Neuwahlen gegen Mitte October erfolgen.
Das in dem zweiten Kriegsgericht gefällte Urtheil in Sachen des „Großen Kurfürsten" ist am 25. Juni mit einem Gutachten des königlichen General-Auditoriats dem königlichen Militärkabinet übergeben worden. Dasselbe soll, wie die" „Köln. Ztg." hört, allerdings strenger wie das erste, da« nur in einem Falle auf vier Wochen Stubenarrest erkannt hatte, ausgefallen sein, aber der Anklageschrift des Chefs der Admiralität und dem Gutachten des königl. General-Auditoriats zuwider, das sich gegen die Hauptangeklagten für eine zweijährige Festungshaft und damit verbundene Dienstentlaffung ausgesprochen hatte, rinen der Hauptangeklagtm ganz freigesprochen haben.
In einer kurzen Betrachtung über die „Niederlagen des Liberalismus" äußert die „Kreuz - Zeitung": „Der Abg. v. Bennigsen hatte die wenig beneidenSwerthe Auf- 8abe, gewissermaßen vom theoretischen und akademischen Standpunkte die Sackgaffe zu definiren, in welche der Nationalliberalismus zur Zeit sich verlaufen hat, und während der Abg. Befeler vor dem Räthsel der Sphinx,
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Die „National-Zeitung" schließt einen Artikel über die „Aera Falk" mit den Worten: „Daß der Kampf (mit der Centrumspartei) ein so langer und heftiger wurde, war wesentlich dadurch veranlaßt, daß der Feind sich in Festungen festgesetzt hatte, die wir selbst ihm freiwillig vor Jahren eingeräumt hatten. Die katholische Abtheilung des Kultusministeriums, die geistliche Schulaufsicht, die Bestimmungen der §§. 12 und 15 der Verfassungsurkunde waren berartige Festungen. Vielleicht hätten sich in unserer tausendjährigen Geschichte die Elemente zum Kampf zwischen Staat und Kirche noch immer so bereit gefunden, wenn man dem Gegner nicht so günstige Positionen bereitet hätte Der Kampf geht nun, das liegt zu Tage, zu Ende. Man hat von gegnerischer Seite das Feuern eingestellt und legt eine friedenssehnsüchtige Stimmung an den Tag, Daß ein Frieden geschloffen werden könnte, der alle streitigen Prinzipien zu unseren Gunsten und in unserem Sinne entscheiden würde, soweit gehen unsere Erwartungen und Hoffnungen nicht. Wir werden zuftieden sein, zu einem modus vivendi zu gelangen. Aber was wir erwarten und fordern ist, baß bem Gegner nicht von Neuem feste Puntte ausgeliefert werben, von benen aus er uns mit Erfolg bekämpfen kann. Der abgehenbe Minister hat in der Stellung des Staates zur Schule und zur Eheschließung Festungen zurückerobert, auf die der preußische Staat nie verzichten durste. Wir »orten ab, ob der neu eintretende Minister seine Thättgkeit damit beginnt, die dem Staat zurückerworbenen Rechte den ©egnern und Nebenbuhlern desselben auszuliefern."
Stg, Min ic.; mueoiT e in Stettin, Frankfurt a. M. re.
Moria.
Historische Novelle von A. v. T- (Fortsetzung.)
Anna erhob sich und setzte sich erwartungsvoll neben das Bett der Königin.
„Ich muß Suffolk sprechen," begann nun Maria. -Nicht allein meine Sehnsucht, auch manches Andere noch vstlangt es. Ich habe keine Mittel, ihn zu sehen, denn kein Gefangener in feinem Kerker kann strenger bewacht werden, als ich in meinem Gemach. Nur e i n Mittel kenn'
und das liegt in Deiner Hand."
„In meiner?" fragte Anna Boleyn erstaunt.
„Ja, Anna," fuhr die Königin fort. — „Erlaube, daß iich Suffolk in Dein Gemach schleiche."
„In mein Gemach?" rief das Fräulein erschrocken.
„Unb unter ber Verkleidung des Admirals," setzte die *öttigin hinzu.
Bei diesen Worten sprang Anna mit Heftigkeit auf. »Unter der Maske Bonnivets soll sich der Herzog von ^uffolk in mein Schlafgemach schleichen? Auf einem Wege er zu mir schleichen, der von tausend Spähern bewacht wird? So soll mein Ehre, mein guter Name geopfert, ich dem Hohne dieses HofeS preisgegeben werden?" „Wer denkt auch gleich das Schlimmste!" nahm Emmy "lifford bas Wort. „Dem Abmiral weicht Jeder aus läßt ihn ungehindert unb unbelauscht in bem Palast 8khn, wohin es ihm beliebt."
„Ein Mann soll bei nächtlicher Weile in mein Gemach kommen?" wicberholte Anna. „Großer Gott! Erführe oies ber König, mein Herr, bann —"
„Da meine Bitte Dich so sehr beunruhigt, Anna,"
Dentsches Reich.
Berlin, 11. Juli. Der Bunbesratb wirb demnächst den endgültigen Beschluß über die PrüfungS-Ord- nung für Aerzte fassen. Der bekannte Entwurf wird in keinem Punkte geändert werden, somit also auch die Frage, ob Abiturienten von Realschulen I. Ordnung zum Studium der Medicin zugelassen werden können, venieint werden. Ferner gelangt die Erhöhung der Studienzeit von 8 auf 9 Semester zur Einführung und es werden von biefer Neuerung nur biejenigen Studirenden nicht berührt werben, welche sich bei bem Inkrafttreten der Prüfungsordnung im 8. Studienfemester befinden. Weiterem Vernehmen nach ist keine Regierung für die Zulassung der Abiturienten von Realschulen I. Ordnung bez. den ihnen gleichstehenden Realgymnasien eingetreten, so daß nun alle weiteren Versuche der genannten. Anstalten als gescheitert betrachtet werden müssen. — Die „Magdeb. Ztg." schreibt: Während das Cultusministerium seit sieben Jahren zum ersten Male wieder sich in einer bedeutsamen Krisis befindet, verbreitet sich plötzlich die Nachricht, daß die Be- rathungen über die Medicinalreform daselbst ihren Abschluß gesunden hätten. Dieser Meldung gegenüber muß bemerkt »erben, baß nur bie erste Lesung des Entwurfes abgeschlossen und daß ein Stillstand eingetreten ist, nicht weil das Werk als vollendet gilt, sondern in Rücksicht auf Hindernisse, welche eine Weiterberathung auf unbestimmte Zeit ausschloffen. Das Haupthinderniß war die Frage wegen des Standesverhältnisies der Aerzte, die von Reichswegen geregelt werden muß, da ja bie Reichs-Gewerbeordnung darüber Bestimmungen trifft. Es ist deshalb eine Anfrage an den Reichskanzler ergangen, ob eine entsprechende Revision der einschlägigen Gesetzgebung zu erwarten sei; bis heute ist jedoch, wie leicht erklärlich, keine Antwort darauf erfolgt. Außerdem hängt die Weiterberathung der Reform davon ab, ob der neue Cultusminister überhaupt Neigung hat, den betretenen Weg weiter zu beschreiten. Der erste Entwurf hat übrigens durch die erste Lesung eine starke Verkürzung erfahren. Neben der Stellung des Cultus- minifters zu der Reform kommt auch in Betracht, daß die Vorlage der Genehmigung der Landesvertretung bedarf. Es kann also in keinem Falle, auch wenn bie Reform vollftänbig burchberathen wäre, von einer Einführung ber- selben in der ganzen Monarchie oder in einzelnen Landes- theilen gegenwärtig nicht die Rede sein.
Königsberg, 9. Juli. Zu der Ankunft des Kaiserpaares am 5. September werden, der Ostpr. Ztg. zufolge, die Straßen von dem Ostbahnhofe bis hinauf zum Schlosse festlich mit Ehrenpforten, Flaggen und Guirlanden geschmückt werden. Das Diner, welches die Stabt unb die
unterbrach sie die Königin schnell, „so denke. Du hättest sie nicht vernommen. Ich verlange Ihre Erfüllung nicht mehr von Dir, ich fühle, daß das Opfer, welches Du mir bringen solltest, für Dich zu groß ist und von üblen Folgen sein könnte, deshalb unterdrücke ich meinen Wunsch. Laß uns davon schweigen," setzte sie empfinvlich hinzu.
„Königin," bat bas Fräulein gerührt, „Ihr blicktet so hulbreich auf mich, Eure Liebe hat mir so ost wohlgethan, unb jetzt? — O seht nicht so finster auf Anna Boleyn; sie will ja gern Eurer Bitte willfahren unb sollt' es ihr auch ben schönsten Traum ihres Lebens kosten. Laßt ben Herzog kommen! Mein Bewußtsein sei mir ber Schild gegen ben Hohn dieses HofeS, gegen jede Beschuldigung, unb sollte ich einen Vertheibiger bei noch Jemand bedürfen, — nicht wahr, meine Gebieterin, daun vertheidigt Ihr meine Unschuld und laßt mich nicht ein Opfer meiner Treue an Euch werden!"
Die Königin zog sie an sich und küßte sie mit Herzlichkeit. „In keiner Lage des Lebens will ich dieses Opfer vergeffeu!" sprach sie, „unb bedarfst Du eines Vertheidigers, eines Fürsprechers, will ich eS sei», selbst da, wo die Vernunft eS mir verbieten würde."
Anna willigte nun in Alles ein, überließ ber Glifford die Anordnung, verbarg ihrm Widerwillen gegen baS nächtliche Abenteuer, aber ihre Thränen vermochte sie nicht zu unterbrüden.
12.
Die Herzogin von Angouleme, burch ihre Spione schon von Emmy Glifforbs Besuch bei bem Herzog unterrichtet, konnte leicht ben Zweck dieser heimlichen Wanderung er- rathen. Da es aus mancherlei Gründen ganz in ihrem Plane lag, baß die verwittwete Königin so bald als mög-
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte« sowied.Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; zß. Thienes in
Elberfeld: C. Schlotte in
Bremen.
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ßrtfirtlhtHrtrttt für das dritte Ouartal ImllUUUUUl auf die Oberhessische Zeitung 57 1 und deren Gratisbeilage wer
den von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) noch angenommen und soweit der Vorrath reicht die erschienenen Nummern nach-
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen Sß Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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