Nr. 160.
1879.
Marburg, Freitag, 11. Juli 1879
XIV. Jahrgang
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Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
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und deren Gratisbeilage wer- den von.allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) noch angenommen und soweit der Vorrath reicht die erschienenen Nummern nach-
^"Nur gemach, Herr Herzog," sagte der König lächelnd. • Bruder von England hat bei dieser Sache nichts 7un- Glaubt' ich Euren Worten nicht, so würde Franz ^ngvuleme gern vergessen, daß ihn eine Krone schmückt, 16 Guren Fehdehandschuh für sich und gegen Euch auf-
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Tagesbericht.
Die „Nordd. Allg. Ztg." wiederholt, daß Fürst Bismarck über die Erfatzvorschläge an den Kaiser für die ansscheidenden Minister sich mit fämmtlichen Ministern vorher verständigte. Die Behauptung mehrerer Zeitungen, Graf Eulenburg habe von Bitter's Berufung zum Finanzministerium erst als vollendete Thatsache Kenntniß erhalten, sei ebenso unrichtig wie die Behauptungen, Graf Eulenburg wolle seine Entlassung nehmen und es habe zwischen ihm und Bitter ein gespanntes Berhältniß bestanden. — Der „Reichs-Anzeiger" publicirt die Er- nenimng des bisherigen Ministers Hobrecht zum Wirklichen Geheimen Rath.
Die „Provinzial - Correspondenz" enthält einen Artikel über die Wirksamkeit des Finanzministers Hobrecht, welcher folgendermaßen schließt: Indem Minister Hobrecht für die unmittelbaren Zwecke der Finanzpolitik des Reichskanzlers sein volles Einverständniß zu erkennen gab, deutete er zugleich an, daß die letzten Ziele und Pläne des Kanzlers namentlich in Bezug auf die Umgestaltung und Aushebung der direkten Steuern in Preußen wohl weiter gingen als die {einigen, fügte aber alsbald hinzu, daß die- Fragen seien, um deren Lösung eS sich zur Zeit «och gar nicht handele, die für jetzt nur eine allgemeine grundsätzliche, aber keine praktische Bedeutung haben. Inzwischen scheint jedoch diese Verschiedenheit der Auffassungen für die .künftige Gestaltung der preußischen Finanzpolitik den Minister Hobrecht vorzugsweise dazu bestimmt zu haben, seinen Abschied zu erbitten.
Die „Rordd. Allg. Ztg." meldet: Gutem Vernehmen nach ist ^Aussicht vorhanden, daß die Herstellung einer direkten Lchicncnverbindung zwischen Berlin, Schwerin und Lübeck nunmehr von Seiten des Staates in Die Hand genommen wird. Die bezüglichen Einleitungen wurden getroffen und Schritte bei den beteiligten Regierungen Nchan.
Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Konstantinopel: Frankreich und England werden von dem Wortlaute des
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Mari«.
Historische Novelle von A. v. T.
(Fortsetzung.)
„Sire," sagte der Herzog mit bescheidenem aber festem 4-one. „Das Verhältniß aus früherer Zeit zu der Königin ®a3 gewesen sein, wie es wolle, so verstehe ich dennoch nicht, wie Ew. Majestät für sich besorgt sein konnte. Hätte auch das jugendliche Herz der Prinzessin von England ™lt Huld zu mir geneigt, was hätte das dem Herzog von «aloir, dem Thronerben Frankreichs schaden können?"
„Herzog von Suffolk", unterbrach ihn noch einmal der ^vnig mit Ungeduld. „Ich dächte, es müßte Euch leicht n>erdm mich zu verstehm.
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Anzeigen nimmt entgegen: Ne Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Tb- Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Aankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln k.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank» frrt c. T. rc.
Anzeigen nimmt entgegen dieExpeditzon d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
Rath Starke im Reichskanzleramt zum Nachfolger des Unterstaatssecretär Bitter ernannt worden, können wir bestätigen. Derselbe gehörte früher der Allgemeinen Verwaltung an und war, ehe er in das Reichskanzleramt eintrat, Oberpräsidial-Rath in Hannover.
München, 6. Juli. Das Königliche Bezirksgericht München l. d. I. hat 13 Studirende der Universitäten München und Jena des Vergehens des Zweikampfes, bez. Hülfeleistung dazu für schuldig erkannt und nachstehendes Urtheil erlassen: Mit 3 Monaten Festungshaft werden bestraft die Studirenden PH. Junker und I. Schmiedinger aus Allersweiler, A. Günzl aus Plötz (Pommern), E. Feder aus Ansbach, E. Behrends aus Waldenburg, A. Marschall aus München, Th. Hahn aus Tutum (Curland), O. Fromme! aus Auöburg, Xaver Siglitz aus Jena, F. X. Edenhofer aus Passau. Unter Einrechnung einer früher wegen Zweikampfs zuerkannten Strafe wird Jos. Daig aus Kronach mit 5 Monaten 15 Tagen, G. Ampach aus Leumnitz wegen gefährlicher Verwundung seines Gegners mit 3 Monaten 15 Tagen und wegen Begünstigung des Zweikampfs durch Lieferung des Paukapparats Fr. Schmidt aus München mit 1 Monat Festungshaft bestraft. Außerdem werden sämmtliche Betheiligte, mit Ausnahme des A. Marschall, der Vermögenslosigkeit nachweist, in die Kosten des Verfahrens und Vollzuges verurtheilt. Der confiscirte Paukapparat wurde an die Berechtigten herausgegeben.
Ausland.
Wie«, 9. Juli. Der steyerische Großgrundbesitz wählte 4 Liberale. Minister v. Stremayr wurde nicht ausgestellt.
Paris, 9. Juli. Die Regierung hat den Marschällen Mac Mahon, Canrobert und Leboeuf die Genehmigung zur Reise nach Chislehurst behufs Theilnahme an der Leichenfeier des Prinzen Napoleon versagt. — Die Depu- tirten Bernhard Lavergne, Brisson, Louis Blanc und Phi- lippoteaux haben in der Sitzung vom 18. X M. einen Antrag eingebracht, der eine wesentliche Verschärfung der disciplinaren Bestimmungen der Geschäftsordnung enthielt. Bisher mußte ein Abgeordneter, gegen den die Strafe der Censur mit zeitweiliger Ausschließung von den Sitzungen verhängt wurde, von den nächstfolgenden drei Sitzungen fernbleiben. Die Antragsteller schlagen vor, die Ausschließung als Folge dieses Grades der Censur auf 30 Sitzungen auszudehnen. Sollte aber die Censur mit Ausschließung ein zweites Mal den Deputirten treffen, so wollen die An- kagsteller, daß der Schuldige für die ganze Dauer der Session ausgeschlossen werde. Die Kommission, die mit der Bearbeitung des Antrages beschäftigt ist, hat aber Bedenken getragen, jene Bestimmungen in die Geschäftsordnung aufzunehmen und will sich mit einer Ausschließung von fünfzehn Sitzungen im ersten Fall und von 30 Sitzungen im Wiederholungsfall begnügen. Der Antrag enthält
So ernst die Unterredung begonnen hatte, so huldreich war der König, als er den Herzog entließ.
10.
Maria von Lancaster mußte jetzt, der am Französischen Hofe bestehenden Sitte nach, eine traurige Zeit durchleben. Sie durfte sechs Wochen lang ihr Belt nicht verlassen, die Fenster ihrer ganz schwarz ausgeschlagenen Gemächer waren fest verschlossen, so daß kein Tageslicht hinein bringen konnte und sie nur durch Kerzen erhellt wurden. Niemand als ihre Oberhofmeisterin und ihre Hoffräuleins durften zu ihr, und so war sie für Jeden, auch für die Damen des Hofes unsichtbar. Diesen Zustand noch unangenehmer für sie zu machen war ihr die Gräfin d'Aumont, welche nun ihr Bett neben dem ihrigen hatte aufschlagen lassen, und sie keinen Augenblick verließ, äußerst zuwider. Daß unter diesen Umständen ihr Geist sich in solcher Einsamkeit mehr mit ihrem ehemaligen Glück als mit ihrem verstorbenen Gemahl beschäftigte, war zu entschuldigen; sie war ganz sich und ihren Gedanken überlasten, denn selbst die Gelegenheit war ihr benommen, Emmy ihren Gram und ihre Hoffnungen zu vertrauen. So verstrichen Wochen, ohne daß Maria nur die mindeste Nachricht von Suffolk erhalten hatte. Jede Verbindung mit der Welt war ihr abgeschnitten, und nur die Briefe ihres königlichen Bruders gelangten zu ihr, der eben nicht in der besten Laune über den Tod Ludwigs XIL ihr nicht viel Tröstliches schrieb.
Schon in früherer Zeit hat Eine der Kammerfrauen der Herzogin von Angouleme sich Emmy Glifford genähert, und ihren Umgang gesucht. Emmy, vorsichtig und in diesem fremden Lande stets auf ihrer Hut, war ihr soviel als möglich ausgewichen, endlich aber, da sie in ihr ein gutes theilnehmendeS Wesen gefunden, hatte sie sich ihr ange-
„Verzeihen Ew. Majestät", sagte der Herzog stolz. 3 “'n , ">hne die Ehrfurcht, die ich Frankreichs König schuldig 3 ° I A ZU vergessen, zwingt mich meine Pflicht, die Ehre der Schwester meines König« gegen Männiglich zu vertheidigen, er es wagt, sie zu beschimpfen. 'Noch einmal versichere "» auf mein Ritterwort, daß Ew. Majestät teilte Ursache Wtc, wegen mir für die Thronfolge zu bangen. — Nach iqer feierlichen Erklärung hoffe ich, Sire, Ihr werdet Ittter nicht mehr den Ruf einer edlen Dame, die wie eine den Thron Frankreichs'bestieg, antasten, wo nicht, 1 mußte ich Euch im Namen meines Herrn den Fehdehandschuh bieten."
Sri ch-mt täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdrucker-,) bezogen 2% Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf« (excl B-st-llg-büh!). -ZnfettionSgebÜIw für die gespattene Zeile 10 Pf-
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Investitur-Fermans für den Vicekönig Tewfik ihr weiteres Vorgehen in der Frage der Aufhebung des Fermans von 1873 abhängig machen. Der Sultan bestätigte sämmtliche von Aleko Pascha ernannte Mitglieder des ostrumelischeu Directoriums, ausgenommen den mißliebigen Leiter des Justizwesens Kesakoff. Die Pforte beabsichtigt Schritte bei den Mächten wegen rascher Demolirung der Donau- feftungen zu thun. Aus Belgrad. Die Delegirten bei der Grenzregulirungs - Commission erhielten Weisung, im Sjune der serbischen Forderungen für eine bessere Defer- siv-Grenze Serbiens vorzusorgen.
Deutsches Reich.
** ©erlitt, 9. Juli. Manche Berechnungen scheinen durch die schnellen Abschlüsse der Ministerfragen gestört worden zu fein; mau hatte in gewissen Kreisen gehofft, aus den Personalfragen eine weitere politische Krisis hervorgehen zu sehen. Deshalb wohl tritt daö Bemühen hervor, neue Keime der Spaltung zu säen oder wenigstens als vorhanden vorzuspiegeln. In solchem Sinne wirb besonders wiederholt, der Unterstaatssecretär Bitter fei ohne vorheriges Wissen seines bisherigen Chefs, des Ministers des Innern, zum Finanz-Minister befignirt worben. Dem gegenüber können wir unsere neuliche Mittheilung auf bas Bestimmteste wieberholen, daß Fürst Bismarck sich vor jedem weiteren Schritt mit allen Mitgliedern des Staats- mitiisteriumS, also auch mit dem Gras Eulenburg, in vertrauliches Vernehmen und Einverständniß gesetzt bat. Graf Eulenburg hat weder in dieser noch einer anderen Beziehung einen Anlaß erhalten um, wie behauptet wirb, an seinen Rücktritt zu denken. Wenn ferner versichert wirb, daß wischen bem Minister des Innern und seinem bisherigen Unterstaatssecretär ein ungünstiges Verhältniß bestauben habe, so steht dies in Widerspruch mit der notorischen Thatsache. Mau wirb sich schon darein finden müssen, baß bie augenblicklichen Ministerfragen ihre Erledigung finden ohne eine weitere Krisis hervorgerufen zu haben und ohne bem Sensationsbebürfniß weitere Nahrung zu gewähren. — Die „Trib." macht heut gegenüber einer Notiz ber Wiener Pol. Corr, über das bevorstehende Verhältniß des bisherigen Ministers Friedenthal zum Reichstag bie Bemerkung, Dr. Friedenthal fei gar nicht Reichs- tagSabgeoroneter fonbern nur Mitglied oes Buildesralhs und alS solcher im Reichstag erschienen; sein ReichstagS- manbat habe jetzt Graf Wilhelm Bismarck. Das ist aber ein Jrrthum. Dr. Friedenthal war niemals Mitglied deS Bunbesraths, wohl aber bis jetzt ReichStagsabgeordneter. — Die heut im Reichstag von Dr. Friedenthal in seinem und beS Ministers Falks Namen abgegebene Erklärung, baß ihre Abschiedsgesuche in gar keinem Zusammenhang mit bem Franckenftein'schen Antrag stehen, bestätigt unsere hierüber gemachte Mitthelung. — Daß ber Geh. Ob.-Reg.-
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nehmen. Aber baS sei fern von mir, daß ich irgend einen Zweifel in Eure Worte oder in die Achtung vor ber Königin setze. Doch nun rebtn wir von bem Vergangenen nichts Weiteres, nur noch von ber Zukunft. Ich hoffe, Herr Herzog," fuhr er fort, „Ihr werbet auch künftighin Euer Betragen gegen bie berwittwete Königin so einzurichten wissen, baß weder der König von England noch ber von Frankreich Etwas baran tadeln kann. Die Wittwe Ludwigs XII. gehört auch Frankreich an; so lange sie auf Französischem Boden weilt, habe ich ein Recht, über ihr Schicksal zu entscheiden, und um Alles in ber Welt wünschte ich nicht, baß irgenb Etwas vorfiele, woraus ber König, Euer Herr, Unzufriedenheit gegen uns schöpfen könnte. Nach bem, was Ihr mir gesagt, wirb es Euch leicht werben, meinen Wunsch M erfüllen. Einem so besonnenen Manne, wie Ihr, wirb es nicht schwer sein Wort zu geben, keinen Schritt in Bezug ber oerwittweten Königin zu thun, ber seinem König unb dadurch auch mir unangenehm sein könnte."
„Daß bies nicht geschehen wirb, Sire, barauf geb’ ich Euch mein Wort unb will Eure Gnade verlieren, wenn ich eS breche," erwieberte Suffolk.
„Versprecht nicht zu viel, Herzog!" sagte ber König scherzend. „Doch wer so fest auf feine Grundsätze baut, wie^Jhr, der kann das Ohnmögliche versprechen, und ist dennoch sicher, daß er eS halten wirb. Uebrigens, Herzog von Suffolk, nehmt die Versicherung, daß ich Euch persönlich wohl will; Ihr seid ein galanter, ein tapferer Ritter, habt Euch mir so ehrenwerth gezeigt, daß ich Euch hochschätzen muß. Kann ich dereinst Etwas für Euch zur Erreichung Eurer Wünsche thun, so seio überzeugt, ich werde es mit Freuden, muß ich aber gegen sie handeln, so geschieht es nur aus Rücksichten für Euren Herrn."