XIV. Jahrgang
Marburg, Mittwoch, 9. Juli 1879.
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daß er nach Beendigung der Reichstagssession seinen Abschied nehmen werde. Wenn vr. Friedenthal diesen Termin kicht abwartetr, so bestimmte ihn offenbar dazu oer Rück- tritt Dr. FalkS. Sonstige Zwischenfälle konnten hierbei nicht mittoirfen, weil dieselben überhaupt nur als tendenziöse Erfindungen sensationSbedürftiger Correspondenten existiren. ______________
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Deutsches Reich.
Berlin, 7. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: es sei auffällig, daß eine „liberale Corrrspondeiq" bei Wiedergabe der vorgestrigen persönlichen Bemerkung des Herrn v. Kardorff die Anspielung auf das Kleeblatt Lasker- Richter-Bebel verschweigt. Dieselbe fährt dann fort: Offenbar hat die Correspoudenz geglaubt, dem Herrn Lasker einen Dienst zu erweisen, wozu ja ihre Redaktion stet« bereit gewesen ist. Für die Entwickelung der Parteiverhältnisse aber ist die sachliche Uebereinstimmung dieser drei Herren zu charakteristisch, als daß man sie todtschweigen dürste. Der Aufgabe, die Massen gegen den besitzenden Stand zu erbittern, widmet sich der Abg. Bebel fraktionS- und berufsmäßig. Hinsichtlich der politischen Stellung des Abg. Richter bleibt es eine Wahrheit, daß der Fortschritt mit mit den eingestandenen Grundsätzen der blauen Republlk in allen Ländern nichts weiter als ein Vorbereitungsstadium für die rothe und sozialistische ist. Der Abg. Lasker befindet sich seit Langen«, vielleicht ohne es selbst zu merken, auf dein' schiefen Hange, welcher bei Richter vorbeiführt und bei Bebel endet, und der Verdruß darüber, daß sich die parlamentarische Majorität gegen ihn kehrt, hat ihn ein gewaltiges Stück auf dieser schiefen Ebene vorwärts gebracht. Wenn man sieht, wie der Abg. Lasker dem armen Manne den Reichen zeigt, welcher sich auf Kosten
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grippig, Cöln ic.; Rudolf gtsffe in Berlin, Frankfurt s. M rc.
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kranken Gemahls, oder der eben nicht anziehende Umgang ihrer Oberbofmeisterin, der Gräfin d'Aumont. Je stärker jetzt der Abstand von jenen rauschenden Festen war, desto empfindlicher mußte es der Königin sein, die nun, sich selbst überlassen, Zeit und Muße hatte, über ihre Verhältnisse ernst nachzudenken, denn nur selten erlaubte es die Sitte, daß sie sich während der Krankheit des Königs öffentlich zeigen durfte. Geschah dies, dann beeiferte sich der Herzog von Angouleme, ihr den Hof zu machen und alles Mögliche zu ihrem Vergnügen anzuvrdnen, doch sah sie bei dergleichen Gelegenheit Suffolk nicht, und schon waren Wochen vergangen, ohne daß sie ihn erblickt, aber auch, ohne daß diese Zeit ihre nmrrwachte Sehnsucht gestillt hatte. Glücklicher konnte Anna'sein, die öfters mit Bonnivet bei Louise von Savoyen oder der Herzogin Claudia zusammen traf. Aber sic schien dieses Glück nicht zu achten; seit jenem Turnier hatte sie sich immer entfernter von ihm gehalten unv eine Begebenheit, die bei jeder andern Dame vielleicht Wohlwollen erweckt hätte, schien bei ihr gerade das Gegentheil bewirk zu haben.
Bonnivet war nämlich an dem letzten Tage des Turniers, wo dir Preise auSgethellt wurden, Anna in einem Zimmer des Palastes begegnet, als sie sich eben in die Gemächer der Königin begeben wollte. „Dame!" redete er sie an, den günsttgen Augenblick, wo er mtt ihr allein war, nicht unbenutzt vorüber gehen zu lasten. „Ihr habt mir erlaubt, Euer Ritter zu sein und Eure Farbe zu tragen, deshalb gebührt der Preis, den ich errang, nur Euch. Ihr begeistertet mich, und nur an Euch denkend, ward ich Sieger. Nehmt diesen Ring." Er beugte nach damaliger Sitte das Knie und überreichte ihr das Kleinod.
„Ritter," envirderte Anna, „behaltet ihn. Spart ihn
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zücken ihrer Herrin theilte, so waren nur wenige Augenblicke der Erinnerung und Charles Brandon geweiht. Machte fie sich auch zuweilen deshalb Vorwürfe, so beruhigte sie ihr Pflichtgefühl, das ihr so zu handeln befahl.
Aber Suffolk fühlte die« tief und schmerzlich; er glaubte Maria s Herz verloren zu haben, jedoch beurtheilte er fie zu streng. Durste sie ihn lieben, unb' liebte sie ihn noch wie in jenen Tagen zu Greenwich und Richmond, durste sie ihm öffentlich durch Wort oder Blick ihre Liebe kund chun? Dies bedachte der Gekränkte nicht, daß ein weibliches Herz selten ganz der Versuchung der Eitelkeit widersteht. Er mußte sie täglich sehm, täglich sie im strahlenden Glanze der Hoheit von einem sie anbetenden Hofe umgeben erblicken, und schweigend seinem schmerzlichen Gefühl hingegeben in der Ferne stehen, selbst sein Auge hüten, daß es sein Inneres nicht verrieth: sein Zustand war qualvoll. Richt einem theilnehmenden Herzen konnte er sich mittheilen, die einzige Vertraute seiner Liebe, Emmy Glyfford, war ihm zwar nahe, doch durch Hofsitte ganz von ihm getrennt. Anna, mit welcher er bei den Festen zuweilen sprach, flößte ihm kein Zutrauen ein; er glaubte ihr Herz ganz der Eitelkeit hingegeben und keiner wahren Theilnahme fähig.
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Die Feste waren beendet und Mariens sämmtliche Begleitung kehrte nach England zurück, nur der Herzog von Suffolk blieb als Gesandter in Paris. Der König, durch die rauschenden Feste zu sehr aus seiner ruhigen Lebms- weise herausgetreten, begann zn kränkeln, der ganze Hof fühlte eine Art Abspannung und so war die Königin Maria plötzlich aus einem Taumel von Vergnügungen in die Einsamkeit gebannt, wo ihr nichts blieb, als die Pflege des
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des Armen der Steuern entledigt, so erscheint die Haltung des Herrn Lasker in der Sozialisten-Debatte und bei jeder anderen Gelegenheit, wo die Regierung anarchische Bestrebungen bekämpft hat, in einem neuen Lichte. Sobald das Beifallsbedürfniß deS Herrn Lasker verletzt ist, zeigt er sich bereit, die staatliche Ordnung untergraben zu helfen, weil sie ihn, den berühmten Redner, nicht mehr auf daö Piedestal erhebt. Ist der Rede des Herrn Lasker finden sich Wendungen, die ebenso gut von Herrn Bebel herrühren könnten. „Wir leiten die Aera ein, wo die Erträgnisse aus den Bedürfnissen der großen Maste genommen werden, um die besitzenden Klasten von einer Steuer zu befreien." — „Sie nehmen die Mittel zu Ihrer Finanzreform von den untersten Erwerbsklasteu, und der agitatorische Theil Ihrer Reformpolitik besteht darin, daß Sie damit die besitzenden Klassen entlasten wollen." — „Der Grundzug der ganzen Reform hat den Beigeschmack, daß die Macht der Besitzenden zum Nachtheil der mindest Trag- fähigen angewendet wird" u. s. w. u. s. w. Nach diesen Proben versteht man das politische Gefühl, welches den Kanzler seit Jahren in Herrn Lasker, ebenso wie in der Sozialdemokratie, ein staatsfeindliches, die Revolution vorbereitendes Element erkennen ließ. Der Kanzler hat nur vorausgefehen, was Herr Lasker jetzt offen der ganzen Welt zeigt. Man kann das Kleeblatt ein vierblätteriges nennen, wenn man Herrn v. Forckeubeck und sein „that- kräftiges Bürgerthum" dazu rechnen will. Für die Wiederkehr des öffentlichen Vertrauens, für die Entwickelung unseres wirthschaftlichen Lebens, welches eines beruhigenden Blickes. in die Zukunft des eigenen Landes bedarf, ist es in der Thal eine traurige Aussicht, wenn Reichstags- Abgeordnete, welche zu den hervorragenden Größen der nationalliberalen Partei gehören, sich die Aufgabe stellen, den Haß der Klaffen gegeneinander zu schüren und den Besitzlosen gegen den Besitzenden zu erbittern.
Stuttgart, 7. Juli. Die „Württemb. Landesztg." dementirt offieiöS die Meldung verschiedener Blätter, wonach die Einberufung des württembergischen Landtags nach dem Schluffe des Reichstags auf die Intervention des Reichskanzlers zurückzuführen wäre. Zwischen dem Fürsten Bismarck und dem württembergischen Ministerpräsidenten v. Mittnacht habe hierüber keinerlei Verkehr stattgefunden. Eine Besprechung Herrn v. Mittnachts mit den Mitglie- bem der württembergischen Ständeversammlung Fürst v. Hohenlohe-Langenburg, v. Hölder und v. Schmid sei allein ausschlaggebend gewesen und keinerlei Einflußnahme vorgekommen.
München, 5. Juli. Das eben ausgegebene Amtsblatt des k. Staatsministeriums des Innern enthält folgende Entschließung: Dem k. Staatsministerium des Innern ist die Mittheilung zugegangen, daß die Dachschieferindustrie zu Lehesten im Herzogthum Meiningen, bei welcher zahl-
Meldungen der „Politischen Correspondenz". Ans Konstantinopel: Der Fürst von Bulgarien wurde vom Sultan persönlich empfangen und erschien bei der Ueber- gabe des Jnvestitur-BerathS in Militär-Uniform ohne Fez. Der Fürst speiste bei dem russischen Botschafter Lobanoff. Der Sultan schwankt zwischen der Ernennung Mahmud Nedim Pascha's zum Gouverneur und dessen abermaliger Verweisung nach Mitylene; keinesfalls bleibt Mahmud in Konstantinopel. Auffallende polizelliche Vorkehrungen werden mit dem Gerücht von einem Entweichungsversuche Murads in Verbindung gebracht. — Aus Cattaro: Der letzte Grenzconflikt ist ausgeglichen; die Türken zogen sich von dem montenegrinischen Gebiete zurück und ebenso kehrten die bewaffneten Bewohner von Zubei und Anttvari nach ihrer Heimath zurück. — Aus Belgrad: Wegen Abreise der türkischen Delegirten hat die internationale Grenzkommission bei Vranja von Neuem ihre Arbeiten füspendirt.
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Historische Novelle von A. v. T.
(Fortsetzung.)
Als der Herzog Suffolk vor ihr niederkniete, da» Schlachtschwert mit vergoldetem Kreuz au« ihrer Hand zu empfangen, bebte Maria'« Herz; sie mußte ihm Etwas sagen, und doch ward es ihr so schwer; fie fühlte ihr Er- rüthen, ihre Unruhe. „Herzog von Suffolk," sprach sie südlich Fassung gewinnend: „Nehmt dies Schwert mit hinüber in mein Vaterland, zieht es nur für meinen königlichen Stuber, Euren gnädigen Herrn, und bleibt so Eurer allen Verpflichtung getreu —."
„Nur für meinen König und meinen Schwur!" erwiderte der Herzog sich erhebend, und ohne sein Auge auf bie Königin zu richten, verließ er den Söller.
„Euch, edler Ritter," sprach jetzt Maria zu dem ihr nahenden Bonnivet, „reich' ich diesen Ring als Preis; vielleicht von höherem Werth, aber freilich nicht ein so sprechendes Zeichen der Tapferkeit wie Schwert und Helm; denkt, daß ich es nicht, daß es Eure Dame sei, welche diesen Ring Euch giebt, und dann wird er doppelten Werth für Euch haben."
Bonnivet warf einen bedeutungsvollen Blick auf Anna, welche hinter der Königin stehend, ihn nicht zu bemerken schien, und nur Augen für ihre Gebieterin hatte. — Die Atzenden Tage »ergingen wieder unter den glänzendsten Festen.
Maria, nicht sowohl von ihrer Pracht, al- von der Galanterie der Franzosen entzückt, dachte nur wenig an suffolk, und da jetzt oie sonst so geschäftige Emmy, Suf- solks warme Freundin, schwieg, Anna Boleyn das Ent-
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v 1 v und deren Gratisbeilage werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von dm Landpostboten) noch angenommen und soweit der Vorrath reicht die erschienenen Nummern nach- qeliefert.. ...
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Tagesbericht.
Der „Reichs - Anzeiger" veröffmtlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers betr. die vorläufige Einführung von Eingangszöllen aus Branntwein, Arak, Rum, Essig, Wein, Most, Südfrüchte, Kaffee, Thee und Petroleum. Der „Reichs - Anzeiger" veröffentlicht ferner die Genehmigung des Entlassungsgesuches des Finanzministers Hobrecht Md die Ernennung des Hnterstaatssecretärs Sitter zum Finanzminister.
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Der BuudeSrath hat sich in der vorgestern unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Sitzung über bie Stellung verstänbigt, welche bie Bundesregierungen gegenüber den Anträgen der Reichstagseommisstou zu dem Zolltarif-Gesetzentwurf eiunehmeu werden.
Abg. v. Varnbüler brachte im Reichstag einen Antrag ein, welcher dahin geht, daß bie Transitläger für Holz und Getreide nicht obligatorisch, sondern fakultativ sein sollen. Der Anttag schlägt ferner $u §. 7 des Tarif- Gesetzeö, (welcher Paragraph den Antrag Fränckenstein enthält) folgenden Zusatz vor: diese Bestimmung tritt am 1. April 1880 in Kraft. Soweit der Ertrag der Zölle unb Tabakssteuer für bie Zeit vom 1. October 1879 bis 31. März 1880 bie Summe von 52,651,815 Mark übersteigt, kommt ber Ueberschnß an den Matrikularbeiträgen der einzelnen Bundesstaaten nach dem Maßstabe der Bevölkerung in Abzug.
Die „Nordd. Allg. Ztg." hört, daß Hobrecht zum wirklichen Geheimenrath mit dem Prädikat „Excellenz" ernannt sei und dem Vernehmen nach m das Privatleben zurückzutreten beabsichtige.
Dasselbe Blatt schreibt: Hebet die Veranlassung des Rücktritts des Dr. Friedenthals verbreiteten demokratische Blätter noch immer die abgeschmacktesten Gerüchte. Nne chatsächliche Richtigstellung erscheint deßhalb nothwendig. I>r. Friedenthal gab bereits vor einem Jahre den Entschluß kund, nicht länger wie Dr. Fast im Amte zu verbleiben, und eröffnete darauf im Mai dem Reichskanzler,