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187.

Marburg, Dienstag, 8. Juli 1879

xiv. Jahrgang

[1927

brand, larburg iche ttitb bis 11. -Erped. [1928

[233 cmkfurt.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», jggne d-Ännoncen-Bureaux Son Tb- Dietrich & Co. in Gaffel und Hannover; Tb. Dietrich i" Franiurt a.M.; Haasrn^-in & Vogler in Lrnikfurt a- M., Berlin. Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Kosse in Berlin, Arant- furt a. M. rc.

(OlinlitlMdir jtituug.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Franlsurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Kuchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; SB. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf,, sexcl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,., Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und ill.inchme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.

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KMilUgkll auf die Oberhessische Zeitung und deren Gratisbeilage wer­den von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) noch angenommen und soweit der Vorrath reicht die erschienenen Nummern nach- gelicfert.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Zur -olitischeu Lage.

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»nm stechen Körpers bei dem Anblicke seiner jungen Gemahlin 'vll vergessen zu haben, die heute den Hofieuten weniger leb- i He» in sein schien, als am vergangenen Tage.

1 und Noch vor der Tafel stellte die Gräfin von Angouleme

Herrn l Königin den ihr von dem König bestimmten Hofstaat

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Am anderen Morgen fand Emmy Glifford die Königin Ächt heiterer; sie schien zerstreut, und als die Großen des Französischen Reichs und die von England sich nahten, ihr Äs Königin ,den ersten Morgengrutz zu bringen, bemerkte Anna Boleyn, wie sie Suffolk's Anblick absichtlich vermied, und als sie zufällig seinem Blicke begegnete, hoch erröthend und verlegen ihr schönes Auge niederfchlug, Der König benahm sich liebevoll und zärtlich gegen sie, sprach zutrau­lich mit dem Herzog von Valois und seiner Tochter und schien alle Sorgen des Reichs und alle Schmerzen seines

, Am andern Tage traf die Königin, von ihrem neuen Erfolge umgeben, in Amiens ein, wo Fest auf Fest zu shrem Empfange folgte, und das leicht erregte Französische ^olk die Gemahlin seines allgemein geliebten Königs mit oen lebhaftesten Freudenbezeigungen empfing. So lange

bor. Statt der freundlichen Herzogin von NorfoÜ über­nahm die alte Gräfin d'Aumont dir Stelle einer Oberhof-

Die Ministerkrisis ist, wie bereits gemeldet, zum Ab­schluß gelangt. Die Ernennung des Herrn Bitter zum Finanzminister steht unmittelbar bevor, dagegen wird die Ernennung der beiden anderen Minister erst nach dem Schluß des Reichstags erfolgen. Wenn also, wie Manche mnrhmen, die Minister durch ihren gleichzeitigen Rücktritt in der gegenwärtigen politischen Lage einen Druck auf den Reichskanzler ausüben wollten, so wäre das als mißlungen zu betrachten.

Die Liberalen sind von der gegenwärsigen Ministerwahl wenig erbaut; denn damit wird der Schwerpunkt der Reichsregierung offenbar auf die conscrvative Seite verlegt. Dem Reichskanzler blieb aber auch etwas Anderes gar nicht übrig. Die Liberalen machten all seinen Reform- Vorschlägen Opposition und doch ist die Reform der in der liberalen Aera geschaffenen Einrichtungen dringend ge­boten, wenn wir endlich aus den Nothständen, welche auf allen Gebieten eingetreten sind, herauskommcn wollen. Die Liberalen thun so, als sei daS Reich nur mit Hülfe des Liberalismus zu erhalten. Allein ein Hinblick auf diese Rothstände zeigt, daß daS eine Ueberschätzung ist. Was soll bann werden, wenn wir noch so zehn Jahre fortwirth- schaften an der Hand der liberalen laisser feire? Jeder verständige und vorurtheilsfreie Mann sieht ein, daß an eine Besserung gar nicht zu denken ist, wenn wir die ver­derblichen liberalen Grundsätze nicht beseitigen. Hoffen wir, daß das deutsche Volk mehr Vertrauen zu seinem Reichskanzler als zu den Herren Bamberger und LaSker haben wird! Die Lage ist jetzt ähnlich wie vor 1866. Da schrien die Liberalen auch: Diesem Ministerium Bis­marck keinen Groschen mehr! Aber der Erfolg hat ge­zeigt, wer Recht hatte. Der Erfolg wird lehren, daß auch diesmal die Wahrheit nicht auf Seiten der liberalen Op­position, sondern auf Seiten des Reichskanzlers liegt.

An dem Zustandekommen des Zolltarifs ist nicht mehr zu zweifeln, nachdem das Verständniß zwischen den Conser- vativen und dem Centrum über die Finanzzölle und die constitutionellen Garantien zu Stande gekommen ist. DaS Zentrum hat sich bereit erklärt, für den Kaffeezoll von 40

Historische Novelle von A. v. T. (Fortsetzung.) 6.

, Meisterin, und die Fräuleins, zwar unter den schönsten Damen rung 1 des Hofes und aus den edelsten Familien gewählt, waren Ächt im Stande, Anna von Boleyn zu verdunkeln, die alle an Schönheit überstrahlte.

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Mari (statt 42, wie die Regierungsvorlage wollte), 6 Mark für Petroleum, 85 Mark für ausländischen und 45 Mark für inländischen Tabak zu stimmen. Die Höhe der Reichseinnahmen, über welche hinaus die Ueberschüsse an die Einzelstaaten abgeliefert werden sollen, wurde von 108 Millionen auf 130 Millionen Mark erhöht. Diese Ueber­schüsse sollen nach dem Anträge v. Franckenstein an die Einzelstaaten abgeliefert werden, die Matricularbeiträge bleiben bestehen; ihre bisherige Härte, welche darin lag, daß sie nach der Kopfzahl der Bevölkerung ausgeschlagen wurde, wird aber dadurch aufgehoben, daß nun auch diese Ueberschüffe nach der Kopfzahl vertheilt werden. Der liberale Antrag Bennigsen wollte bekanntlich die Matri- mlarbeiträge aufheben, den Kaffeezoll und die Salzsteuer jährlich von der Neubewilligung des Reichstags abhängig machen. Dieser Antrag hätte also das Reich jährlich mit 80 Millionen von der immerhin fraglichen Bewilligung des Reichstags abhängig und den Kaffee zu einem Specu- lationsartikel gemacht. Es liegt auf der Hand, daß der Antrag Franckenstein, welcher die bisherige Einrichtung der Matricularbeiträge bestehen läßt, für die Stabilität deS Reiches viel besser ist, als dieser Antrag Bennigsen. Darum haben der Reichskanzler und die Conservativen dem ersteren auch zugestimmt. In der nativnalliberalen Partei sinv über all diese Fragen große Streitigkeiten auSgcbrochen, und sie ist eigentlich in drei Parteien ge­spalten, die Linke mit Lasker und Bamberger an der Spitze, die Rechte mit Völk und v. Treitschke, und die mittlere mit Bennigsen an der Spitze. Neuerdings scheint es, daß die linke und mittlere Seite sich wieder vereinigen werden und daß die rechte Seite mit etwa 30 Mitgliedern sich von der Fraction loslösen wird. Ob sie sich an die Freiconservativen anschließen wird, steht noch dahin.

Tageo-ericht.

Die Brausteuer-Commission des Reichstages, welche in der ersten Lesung den Satz für ungebrochenes Malz auf 2 M. per Hectoliter festgesetzt hatte, erhöhte in der zweiten Lesung auf den Antrag FeustelS den Zoll auf 3 Mark, schlug also den Mittelweg ein, da die Vorlage 4 Mark gefordert hatte.

lieber die schließliche Stellung der Centrumspartei zu bett Zoll- und L-teuervorlagen schreibt dieGermania": Wie wir erfahren, wird die Centrumsfraktion, wenn die bisherigen Vereinbarungen in der Spezialberathung des Plenums aufrecht erhalten werden, wie zu erwarten steht, bei der Schlußberathung geschlossen für die Zoll- und Steuervorlagen stimmen."

Au« dem Schooße der nationalliberalen Fraktion bringen die fortschrittlichen Blätter folgende Mittheilungen vom

das Geräusch der Feste dauerte, vergaß die Königin ihren stillen Schmerz; wenn sie aber in ihr Gemach zurückgekehrt war, wo sie so gern sich gegen Anna und die treue Glifford ausgesprochen hätte, hinderte die Gräfin d'Aumont jede Mitthellung, denn sie verließ sie keinen Augenblick, selbst als der König von Amiens nach St. Denis vorausgezangen war, um dar Nöthige zur feierlichen Krönung seiner Ge­mahlin vorzubereiten, ließ die Gräfin ihr Bett neben daS ihrer Gebieterin aufschlagen und enffchuldigte die« mit der Etikette, und mit der, von der Königin selbst geäußerten, Furchtsamkeit. Erst in Clermont, wo sie auf ihrem Zuge nach Paris übernachtete, hatte die Köitigin endlich den Muth, der lästigen Aufseherin den Befehl zu geben, sie wenigstens eine Stunde allein zu lassen. Die Gräfin d'Aumont mußte gehorchen, und die Monarchin, welche wohl daS in sie gesetzte Mißtrauen bemerkte, und leicht die Quelle errieth, aus welcher es entsprang, fühlte sich nun frei, ihr Herz an dem Busen ihrer Freundinnen auSschüttm zu können.

Emmy tröstete sie, rieth zu der größten Vorsicht und stellte ihr vor, wie nothwendig eS sei, die Kräi:kung zu verbergen, und kein Wort des UnmuthS entschlüpfen zu lassen. Anna Boleyn hingegen glaubte die Königin durch da» unzarte Benehmen der Oberhofmeisterin beleidigt und rieth zum festen Widerstand. Sie glaubte, eS sei unter der Würde einer Königin, sich so bewachen zu lassen, sie, die keiner andern Wächters, als das Gefühl ihrer Pflicht bedürfe, und schlug vor, in der nächsten Nacht die Gräfin d'Aumont fortzuschicken. Aber statt besten schickte die Kö­nigin einen vertrauten Diener an ihren Bruder und bat ihn, Suffolk nach England zurückzurufen; der Bischof von Winchester, der den Günstling des König« lieber in Paris

Sonnabend: DieVossische Zeitung" schreibt:Die nationalliberale Fraktion setzte gestern (Freitag) Abend ihre Berathungen über den Antrag Franckenstein und die konstitutionellen Garantten fort. Die Berathungen der Fraktion dauerten von 7 bis 12 Uhr. Wie wir erfahren, hat sich nach heißer Debatte das Resultat ergeben, daß bis auf 10 süddeutsche Mitglieder und den Abg. v. Treitschke sämmtliche übrigen Mitglieder der Fraktion gegen den Antrag Franckenstein und dann auch eventuell in dritter Lesung gegen den Gesammttarif stimmen werden. Ein Zu­sammenbleiben der Fraktion scheint unter diesen Umständen vorläufig für gesichert. Heute Vormittag trat der Ge- sammtvorstand der Fraktion zu einer Berathung zusammen. Derselbe hat einen Antrag konzipirt, nach welchem die Quotisirung gewisser Zölle zur Wahrung des Einnahme­bewilligungsrechts, ähnlich dem vom Abg. v. Bennigsen in der Kommission gestellten Anträge, wieder im Plenum beantragt werden soll. Die Fraktion will sich heute nach Schluß der Sitzung über diesen Antrag schlüssig machen." DaSTageblatt" bringt folgende Version:Die nationale Fraktion hat gestern endlich einen männlichen Entschluß gefaßt. In einer Abendsitzung, welche bi« Nachts um halb 1 Uhr gedauert, kam es nach langer lebhafter De­batte zu der Entscheidung, daß das Gros der Partei bis auf eine verschwindend kleine Minderheit gegen den Francken- stein'schen Kompromiß und in Folge dessen in dritter Le­sung auch gegen den gesammten Zolltarif zu stimmen sich erklärt hat. Diese Entscheidung ist um so wichtiger, al« nicht blcs der linke Flügel der Partei, nicht blos Bennig­sen und seine Freunde nun muthig die oppositionelle Stel­lung gegen die konservativ - klerikale Regierungsmehrheit entnehmen, die ihnen ihr ursprüngliches Parteiprogramm zur Pflicht macht, sondern daß sich in diesem wichtigen Punkt auch der äußerste rechte Flügel der Nationalliberalen von Fürst Bismarck lossagt, .dem nur etwa zehn Süd­deutsche und der Abgeordnete Treitschke vollständig das sacrificio del lintelletto zu bringen entschlossen bleiben."

Diejenigen Preßorgane, schreibt mit Recht diePost", welche am Skandal besonders Vergnügen finden, kolportiren als Grund des EntlassuttgSgesucheS des Ministers Frieden­thal eine gegen ihn gerichtete verletzende Aeußerung von hoher Stelle,welche sich auch nicht annähernd umschreiben ließe". Wie sehr es uns auch anwidert, auf solche un­saubere Erfindungen irgendwie einzugehen, hatten wir uns doch verpflichtet, daran zu erinnern, daß das Entlastungs­gesuch auf rein sachlichen Erwägungen beruht und daß Gesundheitsrücksichten den Ausschlag gaben. Wenn jetzt nachträglich diechronique scandaleuse ihre Orgien feiert, um wo möglich Bitterkeit und Haß in den abgehen­den Staatsmännern zu erregen, so ist dies nichts als eins jener kläglichen Mittel, durch welche die verbissene Oppo- als in London sah, Hintertrieb es, und der Wunsch Mariens ward, vielleicht zu ihrem Glücke, nicht erfüllt.

Als die Königin nach der Krönung in St. Denis, wo sie die Krone zum ersten Male schmückte, in ihr Gemach trat, um sich zu dem feierlichen Einzug in Paris anzu- schicken, hing der Blick Anna's unverwandt auf ihrer Ge­bieterin. Die Krone, dieses Ziel all' ihrer Wünsche, blitzte in den blonden Locken Mariens, Der Purpur umfloß sie, und ein heiteres Lächeln schien auf dem lieblichen Antlitz dieser holden Fürsün zu strahlen.Nicht wahr, Majestät," fragte Anna leise,nicht wahr, die Krone drückt nicht?"

Sie lastet schwer!" entgegnete die Königin seufzend, und indem sie dies, selbst Anna kaum hörbar, sagte, bat die Gräfin d'Aumont die Königin, sich zu setzen und ihr zu erlauben, die Krone abzunehmen, welche erst wieder vor dem Altar von Notre-Dame ihr Haupt schmücken dürfe. Willig beugte die holde Fürstin ihr Haupt, und als die Oberhofmeisterin die Krone herabgenommen, und auf das sammetne Kissen gelegt, und sie dem hierzu bestimmten Herzoge von Vendome übergeben, und das Fräulein d'Esparre der Königin den Hut von dunkelrothem Sammet mit den weißen Schwungfedern aufgesetzt hatte, sagte diese leise zu Anna, die noch Einiges an den Locken ordnete: Nun erst ist es mir wieder wohl!"

Der Einzug in Paris übertraf alle andere an Pracht. Die Stadt beeiferte sich, ihrem guten Könige, dem Vater seines Volks, in seiner Gemahlin ihre Huldigung darzu­bringen, und selbst die Engländischen Großen, welche der jungen Königin bis hierher gefolgt waren, obgleich an Pracht und Glanz durch Heinrich VIII. üppigen Hof ge­wöhnt, erstaunten über den Reichthum, den Frankreichs Hauptstadt entfaltete. Feste folgten auf Feste und betäubten