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XIV. Jahrgang

JRarßurg, Sonntag, 6. Juli 1879.

Nr. 156

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Anzeigen nimmt entgegen dieEjqitditto» d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendanl in

Berlin; W. Thiene- in

Elberfeld; C. Schlotte in

ilnieigen nimmt entgegen: bie Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaur von Th. Dietrich & Co. in jkafsel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; öaasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin. Leipzig, Cöln ic.; Rudolf Üloffe in Berlin, Frank» furt o. M. ic

iScfcbeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrtrteS SonntagSblatt durch die Expedttlon (Koch fche Buchdruckereil bezogen 2^ Warf, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 5« Pf«, (erd. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Vf«, berechnet.

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für das dritte vuartsl auf die Oberhessische Zeitung und deren Gratisbeilage wer­

den von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) noch angenommen und soweit der Vorrath reicht die erschienenen Nummern nach-

aeliefert.

Die Exprd. 8. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

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deputirter zu Kleinballhausen bei Erfurt, katholischer Con- iession. Er ist am 20. December 1835 in Erfurt geboren, somit 43 Jahre alt. Er studirte in Heidelberg und BreS- lau Medicin, uiachte 1860 den spanischen Feldzug gegen Marocco und 1860 bis 62 die preußische Expedition nach Ost-Asien als GesundheitSarzt, die Feldzüge 1864, 66 und

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Die preußische Ministerkrisis darf als bereits beendigt angesehen werden und derStaatsanzeiger" wird bereits in den nächsten Tagen die Namen der neuen Minister veröffentlichen. Als solche werden jetzt mit Bestimmtheit imitive genannt: Unter - Staatssekretär Bitter für das Finanz­ministerium, Oberpräsident v. Puttkamer für das CultuS- ministerium und Dr. med. und Rittergutsbesitzer Lucius für das landwirthschaftliche Ministerium. Bitter ist ein älterer Herr in den 60ern, aber noch sehr rüstig, er war früher Regierungspräsident in Schleswig und Düsseldorf; gilt für einen sehr tüchtigen Beamten. Herr v. Putt­kamer, Schwager des Reichskanzlers im Reichstage ge­wöhnlich als Puttkamer-Löwenberg genannt ist am.5. Mai 1828 in Frankfurt a. O. geboren, studirte in Heidel­berg, Genf und Berlin Jura und Cameralia, wurde am 14. April 1850 AuScultator beim Stadt- und Kreisgericht in Danzig, später im Jahre 1854 als Regierungsassessor als Hülfsarbeiter in das Handelsministerium berufen, dann beim''Oberpräsidium in Koblenz beschäftigt. Im Jahre 1860 wurde er Landrath des Demminer Kreises und während des Krieges von 1866 als Civil-Commissarius für Mähren und Brünn berufen. Im Jahre 4867 wurde er zum Geh. RegierungS- und Vortragenden Rath im Bundeskanzleramt ernannt, ging 1871 als Regierungs- Präsident nach Gumbinnen und 1874 als Bezirkspräsident von Lothringen nach Metz, wo er bis zum Jahre 1877 verblieb, um dann seinem Vorgänger in Metz, den zum Ober-Präsidenten von Schlesien ernannten Grafen von Arnim-Boytzenburg in dieses Amt in Breslau zu folgen. Im Reichstage gehört Herr v. Puttkamer der deutsch- cvnservativen Fraktion an und es ist zu hoffen, daß dieser Wechsel im Cultusministerium dem Lande von Segen sein werbe. Dr. Lucius ist Rittergutsbesitzer und Kreis­

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Maria.

Historische Novelle von A. v. T.

(Fortsetzung.)

Als er jedoch bei seiner Rückkehr nach Frankreich die bedenklichen Gesundheitsumstände des Königs vernahm, so trieb ihn die Pflicht gegen sein Vaterland und seinen künf­tigen Monarchen, dessen Mutter, der Gräfin von Angou­leme, dies Gerücht nicht zu verschweigen, damit sie für jeden Fall Vorkehrungen treffen könne. Diese Nachricht, welche die Gräfin auf ihrem Wege nach Boulogne erhielt, hatte sie vermocht, bei ihrer Ankunft die Schritte Suffolk's und der Prinzessin bewachen zu lassen, und als sie noch spät am Abend erfuhr, der Herzog sei in der Dunkelheit ausgegangen und noch nicht wieder zurückgekehrt, ging sie, unter dem Vorwand, der Prinzessin den Brief des Königs zu überreichen, noch spät zu ihr, und einige, hierbei ab­sichtlich hingeworfene Worte besttmmten die Herzogin von Norfolk, die Prinzessin nicht mehr zu verlassen.

Auch beunruhigte sie ihr Sohn. Durch eine holde Frauengestalt leicht entzündet, flatterhaft in der Liebe, schien ihm jede Schönheit eine würdige Eroberung zu sein, und obgleich der Französische Hof damals noch den strengen Grundsätzen folgte, welche Anna von Bretagne dort ringe- iührt hatte, und noch nicht so sittlich verdorben war, wie späterhin unter der Regiernng der Valois, so war man ^och schon zu sehr gewohnt, bei dem leisesten Verdacht daS Schlimmste zu glauben, und die Gräfin von Angouleme war am wenigsten geeignet, eine HerzmSverbindung, wie zwischen der Königin und Suffolk, für rein und fleckenlos zu halten. Auch zitterte sie für das Glück ihres Sohnes, und hatte ihn schon am Morgen gewarnt, als er mit

71 machte er als Landwehr-Cavallerie-Offizier mit. Seit 1863 bewirthschaftet er seine Güter Klein- und Großball­hausen und Stödten. Im Reichstage gehört Dr. Lucius der deutschen ReichSpartei an. Er ist ein intimer Freund der Familie des Reichskanzlers.

Die Zolltarif - Commission des Reichstags berieth in zweiter Lesung die Frage der konstitutionellen Garantien (Anttag Franckenstein). v. Franckenstein hatte die fehlende Ziffer in seinem Anttage mit 109 Millionen ausgefüllt. Gestern wurde das Compromiß abgeschlossen durch Annahme des Windthorst'schen Amendements, wonach die obige Zahl auf 130 Millionen bemessen wird; die Vertheilung der Reichseinnahmen an die Einzelstaaten beginnt, wo die Reichseinnahmen 130 Millionen übersteigen. Die Reichs­regierung verzichtete auf Verwerfung deS Amendements Heeremann betreffend die Traufitläger; dasselbe wurde in zweiter Lesung angenommen. Auf Rickerts Antrag wurde das Princip der Transttläger auch auf Holz ausgedehnt.

Bezüglich der Nachricht derNational- Zeitung", daß die RegierungSkommisiarien zu der Erklärung Windhorft'S in der Sitzung der Tarifcommission vom 28. Juni, er bewillige die Finauzzölle nur in der Erwartung, daß das Erträgniß derselben nicht zur Durchführung des Unter- richtSgefetzes verwendet werde, geschwiegen hätten, erklärt dieNordd. Allg. Ztg.", diese Behauptung sei unwahr. Windthorst habe Bemerkungen über die künfttge Verwen­dung der aus der Zollreform für Preußen zu erwartenden Beträge gemacht. Hierauf erwiderte der Commissar des Finanzministeriums Scholz. Von dem Unterrichtsgesetz ist keine Rede gewesen. Ein anderer Vorgang, worauf die National - Zeitung" sich stützen könnte, hat nicht statt­gefunden. -

Meldung derPolit. Corresp." aus Konstantinopel. Die Verhandlungen wegen Aufhebung des egyptischen Fer­mans von 1873 dauern fort. Die Westmächte machen Vermittlungsvorschläge, die weniger auf eine sachliche Kor­rektur als auf eine solche in der Form abzielen. Die mehrfachen Kundgebungen deS Sultans, daß Mahmud Nedim'S Berufung zur Regierung nicht beabsichtigt sei, wirkten beruhigend. Die Abreise Mahmuds wird nächste Woche erwartet. Verschiedene Gerüchte über angebliche Absichten der Pforte in Bezug auf Tunis werden officiös dementirt. Die Ernennung Karatheodori Pascha's und Munif's zu Bevollmächtigten für die Verhandlungen wegen der griechischen Grenze steht bevor; ein bezüglicher CabinetS- Antrag ist der Sanctiou deS Sultans unterbreitet.

DieAgence HavaS" meldet aus Athen: Vorgestern wurden zwischen Griechen und Türken einige Schüffe ge-

Gluth ihr die Reize Mariens von Lancaster geschildert, und obgleich er diese Warnung schon am Abend vergessen zu haben schien, so war ihm doch die Furcht vor Sufsolk geblieben, von dessen Verhältniffe zu der Prinzessin seine Mutter ihn gleichfalls unterrichtet hatte. Hier mahnte ihn die Krone Frankreichs zur Vorsicht; Eifersucht und Liebe stählte sie noch mehr, und diese Mahnung war ihm treuer geblieben, als die Mutter.

So verging der festliche Tag, mit dem wohl Alle zu­frieden gewesen waren, nur Suffolk nicht, dem anch nicht ein verstohlener Liebesblick der Prilizessin geworden. Zwar war sie ihm einige Male', als er sich ihr genaht, entgegen gekommen, hatte huldreich, jedoch immer gleichgültig, mit ihm gesprochen, und ihre inneren Gefühle so streng zu ver­bergen gewußt', daß selbst Suffolk im Zweifel blieb, ob Klugheit ihr dies Bettagen vorschriebe, oder ob der Taumel der Gtelkeit ihn vergessen ließ. Er trat mit schmerzlichem Gefühl in seine Wohnung und bedürfte seiner ganzen Festigkeit und seines Verttauens auf ihr Herz, um nicht zu verzweifeln; denn mußte er auch jede Hoffnung auf­geben, und wollte er selbst keine mehr nähren, so war ihm doch der Gedanke, von ihr vergessen zu sein, schmerzhaft und unerträglich.

Maria kehrte zufriedener in ihr Gemach zurück, wo sich auch heute die Herzogin von Norfolk nicht von ihr trennte. Anna Boleyn, obgleich von manchem lockenden Bilde um­gaukelt, schlief heute ruhiger, als gestern, nur Charles Brandon floh auch heute der Schlaf.

5.

Der feierliche Einzug in Abbeville war vorüber, der Erzbischof von Lyon hatte ddn Segen über das königliche I

wechselt; Türken überschritten die Grenze und führten drei Hirten mit ihren Heerden weg.

Deutsches Reich.

*» 16erlitt, 4. Juli. Die s. g. Ministerkrisis kann für erledigt gelten; die Ernennungen der neuen Minister sind virtuell erfolgt und die formelle Verkündigung wird theilweise sofort, theilweise unter Berücksichtigung der Reichs- tagSverhandlungen erfolgen. Es ist übrigens noch zn con- ftatiren, daß von einer politischen Ministerkrisis auch in­sofern nicht die Rede fein konnte, als die eingetretenen Veränderungen nicht den geringsten Einfluß auf den Fort­gang der schwebenden parlamentarischen Berathungen geübt haben. Die Beziehungen der Regierung zu den parlamen­tarischen Gruppen sind nicht einen Augenblick gestört oder beeinträchtigt worden; die auf Seiten der Regierung fest- gehaltene Zuversicht, daß eS auch zur Verständigung über die Finanzzölle kommen werde, scheint sich zu bestätigen. Auch die Voss-Ztg. hält den Abschluß im Sinne der Re­gierung für auSgeführt und fügt hinzu, die Frucht würde sich freilich ganz anders zeigen, als die verblendete Majo­rität des Volks erwarte. Sie gesteht also zu, daß für jetzt wenigstens die Majorität des Volkes auf Seiten der Regierung steht. Ob es Verblendung, darüber wird aller­dings die Zukunft entscheiden. Aber grabe vom demokra­tischen Standpunkte dürfte man doch eine Politik, welche in Uebereinstimmung mit der Majorität des Volkes vor­geht, nicht anfechten. Die Rat. Ztg. will aus der That- sache, daß die Prov.-Coresp. dem Rücktritt von drei Mi­nistern nur vier Zeilen widme, den Schluß ziehen, daß es in der Absichi liege, den ganzen Hergang als unbebeutenb darzustellen. Es liegt jedoch auf der Hand, daß die Prov.- Corr. zunächst nur die Thaffache der Einreichung der Ent- laffungsgefuche cvnstatiren, auf irgend eine Besprechung derselben, soweit st: an dieser Stelle überhaupt angemessen ist, nicht zu einer Zett eingehen konnte, wo die Entschei­dung deS Kabinets deö Kaisers noch nicht eingetroffen ist. In allen früheren Fällen ist es ganz ebenso gehalten worden. Die Rat. Ztg. will weder aus den offiziösen Bemerkungen über die angeblichen Ursachen des Rücktritts des Ministers Falk die Absicht entnehmen, die hochpolitische Bedeutung dieses Schrittes in Abrede zu stellen. Das wäre gewiß ein höchst thörichtes Unternehmen. Von offiziöser Seite ist bie politische Bebeuttma, welche man dem Entschluß des Ministers Falk im Zusammenhang mit den augenblick­lichen parlamentarischen Berathungen und Vorgängen zu geben versucht hat, vom ersten Augenblick an in Abrede gestellt worden, und hinterher hat gerade die Rat. Ztg. in einer Zuschrift, welche sie selbst als eine autorifirte erklärt, Alles bestätigt, was von offiziöser Seite gesagt war, und noch heut muß sie ausdrücklich conftatiren, daß der Rück­tritt Falks weder mit dem Frankensteinschen Antrag noch

Paar gesprochen, und die junge Königin saß mit ihrem Gemahle allein am erhabenen Tische, unter einem karmoi- flnfammetnen mit silbernen Lilien durchwirkten Baldachin und speiste. Der Herzog von Valois bediente den König, seine Gemahlin die Königin, und die Großen Frantteichs und Englands standen in einiger Entfernung um das königliche Paar; Ludwig XII , von der Anmuth seiner Ge­mahlin entzückt, vergaß Gicht und Schmerzen, und hatte nur Augen für sie, die sich allein mit ihm zu beschäftigen schien, und nur zuweilen einige freundliche Worte der sie bedienenden Herzogin von Valois sagte. Aber die Heiterkeit, welche auf ihrem Antlitze schwebte, war nicht in ihrem Herzen. In dem Augenblicke, wo sie sich am Ziele ihrer Wünsche sah, wo ihr die Huldigung zweier Königreiche wurde, traf ihr freudettunkener Blick die ernste Gestalt Suffolk's, der im Kreise der Höflinge in tiefen Gedanken versunken, den düsteren Blick unverwandt auf den Boden geheftet, finster baftanb. Ihn hatte das Bild Mariens, dies ihm einst so theuere Pfand ihrer Liebe, das er jetzt an der Brust des Königs erblickte, niebergefdjmettert.

Sein Anblick rührte bie Königin, es fchmerzte sie, den Geliebten leiden zu sehen; ihre Seele, ihr Herz war nur bei ihm, und unwillkürlich entschlüpfte ihrer Brust ein tiefer Seufzer, welcher, so wie der nach Suffolk gerichtete Blick, dem Herzog von Valois nicht entging.

Auch der König schien zu bemerken, daß eine trübe Stimmung sie ergriffen hatte, und fragte theilnehmeud, ob sie vielleicht von der Zeremonie angegriffen, und ihr nicht wohl fei, hob bie Tafel früher auf, als gewöhnlich, und erlaubte ihr, sich in ihre Gemächer zurückzuziehen. Da, als sie beim Abtreten bie Umstehenden freundlich grüßte, beglückte ein Blick den Herzog von Suffolk, ein Blick,