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Kr. 155.
Marburg, Sonnabend, 5. Juli 1879
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«»zeigen nimmt tmgegen: He Expedition d.vlatte», sowie d-Änno ncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jtoffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; hänfenstem & Bögler in Krauifurt a- M., Berlin Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Nvfie in Berlin, Frankfurt a. M. !c
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Die Exped. v. Oberh. Zeitung.
MinisterkrisiS.
Die Minister Hobrecht, Falk und Friedenthal haben ihre Entlassung eingereicht. Ob sie Se. Majestät der König angenommen hat, ist noch nicht bekannt. Hobrecht hat diesen Schritt bereits am Sonnabend gethan, die beiden Anderen gemeinsam am Montag. Hobrecht scheint ohne Benehmen mit den beiden Collegen gehandelt zu haben; aber nachdem er einmal vorangegangen, scheinen Falk und Friedenthal es für das Beste gehalten zu haben, sich ihm anzuschließen, da ihre Stellungen doch mindestens eben so unhaltbar geworden waren, al« die des Ministers Hobrecht, obgleich man eS nicht recht versteht, was die Stellung des' Cultusminister« mit der Zoll- und Finanz- reform zu Ihun hat. Aber dieser Zeitpunkt ist auch mehr ein zufälliger, wenn auch immerhin nebenbei bei ihm wie bei den anderen die Erwägung, daß der jetzige Augenblick, wo der Kampf um die Reform der Zoll- und Finanzpolitik feine Staubwolken aufwirbelt, ein besonders günstiger zum Rückzüge sei, bei der Wahl dieses Zeitpunktes bestimmend mitgewirkt haben mag. Bei Falk steht die Absicht des Rücktritts schon längere Zeit fest; er hatte denselben ja im vorigen Jahre bereits eingereicht. Es wird behauptet, die Hauptveranlassung dazu sei nicht der Kampf mit Rom und die Unterhandlungen mit demselben, sondern der Sieg der posüiven Parteien in der evangelischen Kirche.
Allein der Minister Falk hat ja doch früher selbst gesagt, seit der neuen Kirchenverfassung berührten ihn die inneren Verhältnisse der evangelischen Kirche nicht mehr. Und das ist auch wahr; aber um so merkwürdiger ist eS, daß er doch deßhalb sein Amt niederlegt. Jetzt könnte der Justizminister gerade so gut die Geschäfte der Beziehungen zwischen Staat und Kirche führen, wie der Cultusminister und es wäre vielleicht besser, wenn sie diesem übertragen würden, statt einem besonderen Cultusminister. Auch bei dem Minister Hobrecht soll der Compromißantrag Francken- stein keineswegs eine Rolle spielen, sondem der Rücktritt dieses Ministers soll schon „unvermeidlich" gewesen feilt, ehe von den Anträgen Bennigsen und Franckenstein die Rede war. Auch der Rücktritt des Ministers Friedenthal soll schon längere Zeit feststehen, in neuerer Zeit aber
Maria.
Historische Novelle von A. v. T- (Fortsetzung.)
„Anna!" erwiedcrte Suffolk mit Würde, „daß ich an Eurem Lager stehe, darüber erröthe ich wahrlich nicht, saß ich dort auf dem Sesiel schon eine geraume Zeit, ohne mein Auge nach Euch gewendet zu haben. Ich habe mich aus dem Zimmer Eurer Gebieterin hierher geflüchtet, und so müßt Ihr mich nun schon die Nacht beherbergen."
„Nimmermehr!" rief die immer noch Zürnende.
„Und ich bleibe dennoch!" sagte der Herzog mit Ruhe, ging auf die andere Seite des Zimmers, setzte sich dort und sprach weiter kein Wort. Auch Anna schwieg, nur zuweilen hörte er noch ihr Schluchzen. Ihr Stolz, ihre Eitelkeit war gekrankt; sie, der Heinrichs Thron nur ein würdiger Platz für die Huldigung ihrer Schönheit zu fein schien, hielt sich vurch Suflolk'S Gegenwart erniedrigt, und doch hielt sie Pflicht und Liebe zu ihrer Gebieterin von jedem urchedachten Schritte ab.
In dieser peinlichen Stimmung blieb sie wohl länger als eine Stunde, ehe Emmy eintrat, und durch ihre Gegenwart das Drückende ihrer Lage für den Augenblick mllderte; aber die Nachricht, welche sie brachte, wäre vermögend ge- wefln, ein noch stolzeres Gemüth, als das Anna Boleyu's verzweifeln zu lasten Die Herzogin von Norfolk hatte erklärt, die Priuzcsstu wäbrcnd dieser Nacht nicht verlasten zu wollen, hatte ihr Bett neben dem ihrigen aufzuschlagen befohlen, und wich nicht von ihrer Seite. Was die sonst so Nachgiebige zu diesem Starrsinn bewogen, konnte selbst die schlaue Emmy nicht ergründen. Da nun Anna's Ge- mach Jemen weiteren Ausgang halte, als den, welcher durch das Schlafzimmer der Prinzessin führte, so mußte Suffolk
durch unwillige Aeußerungen des Reichskanzler« über Friedenthal's Verhalten bei der Berathung der landwirth- schaftlichcn Zölle beschleunigt worden sei». Man nimmt als feststehend an, daß der König allen drei Ministern die nachgefuchte Entlastung ertheilen wird. Die liberalen Blätter überhäufen die drei Minister mit Lob und während gerade sie am unangenehmsten überrascht waren, als im vorigen Frühjahre anstatt Bennigsen plötzlich Hobrecht Finanzminister wurde, so scheut sich die „Nat.-Ztg." heute doch nicht zu schreiben: „Wer Herrn Hobrecht gekannt hat, hat seit Jahren gewußt, daß er einmal Minister werden würde, er ist ganz aus dem Holze, aus welchem tüchtige Staatsmänner geschnitzt werden." Daß der Rücktritt dieser drei liberalen Minister den Liberalen schmerzlich ist, begreifen wir; denn er deutet jedenfalls nicht gerade auf Fortdauer der liberalen Aera. Allein, daß diese Fortdauer der Herrschaft des Liberalismus nicht mehr möglich, daran ist doch Niemand Schuld, als eben der Liberalismus selbst oder vielmehr die Früchte seiner Aussaat. „So kann's nicht mehr weiter gehen" — das ist die bei allen einsichtigen Menschen feststehende Ansicht im Hinblick auf die traurigen Zustände, welche sich in der liberalen Aera auf allen Gebieten ausgebildet haben. Der Reichskanzler ist offenbar selbst von dieser Nothwendigkeit überzeugt und hat die Reform bereits an einem Punkte begonnen. Allein gerade da hat er eS erfahren, und ja auch deutlich genug ausgesprochen, daß es ihm unmöglich sei, alle Arbeit allein thun zu können, sondern daß die Minister ihm zur Seite treten müßten. Ein gleichgesinntes Ministerium, welches ein einheitliches Ziel klar und fest im Auge hält und dem alle einzelnen Mnistcr zusteuern, ist gerade in solchen Zeiten, wo das Alte sich als unhaltbar erweist und neue Wege cingeschlagen werden müssen, besonders nothwcndig. Hoffen wir, daß die rechten Männer sich finden, welche Weisheit, Sachkenntniß und Energie genug besitzen, die großen Aufgaben der Zeit zum Heile des Vaterlandes zu erfüllen. — ES werden bereits verschiedene Namen genannt. So die Herren v. Seydewitz, v. Puttkamer, v. Bötticher, Graf Udo Stolberg, Lucius und einige hohe Verwaltungs- Beamte.
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Unser Berliner ** - Correspondent schreibt: Was die Ministerkrisis betrifft, so wird sie wahrscheinlich rascher zum Abschluß kommen, al« man erwartet; die Erneuerung der neuen Minister wird vielleicht schon in den nächsten Tagen im „St. A." stehen. Gleichzeitig mit dem Antrag auf Annahme deS Demissionsgesuches des Ministers Hobrecht ist dem Kaiser auch schon ein Vorschlag für die Wiederbesetzung gemacht. Aber der Name findet sich nicht unter den in der Presse bisher genannten Kandidaten; der Be- tteffende ist auch kein Mitglied deS Reichstags. Auch die Wiederbesetzung des landwirthschaftlichen und des Kultus-
hier bis am Morgen verweilen, und Anna Boleyn sich in Geduld fügen.
Sie kleidete sich mit Emmy's Hülfe, während Suffolk in die Nacht hinaus sah, schnell an und stand auf. „Da es nun einmal nicht anders sein kann, als Euch zu beherbergen," sagte sie halb scherzend, halb weinend, „so bitte ich wenigstens Emmy, so bald eö ihr erlaubt sein wird, wieder zurück zu kehren und uns Gesellschaft zu leisten;" Emmy versprach es, als sie sich entfernte. — Aber wenn ein junges lebensfrohes Mädchen in nächtlicher Stille einem schönen jungen Manne gegenüber sitzt, bleibt selten Mund und Herz' verschlossen, sollte auch nur die Langeweile sie öffnen. So erging es auch Anna; nach und nach leitete sie ein leises Gespräch ein, das allmälig aus die Heimath, auf London, und den König führte, dann Suffolk'ö Verhältniß zu der Prinzessin berührte, und als dieser ihr im Unmuthe Vorwürfe machte, daß sie Mariens Herz verleitet habe, das Glück der Liebe mit einer Krone zu vertauschen, gestand sie ihm offen, daß die Rache sie dazu vermocht, indem sie wohl gewußt, wie sehr er bemüht gewesen sei, die Blicke des Königs von ihr abzuziehen.
„Und könnt Ihr mich deßhalb hassen?" unterbrach sie Suffolk, „müßt Ihr mir nicht danken, Euch von einem Abgmnd gerissen zu haben?"
„Nein!" erwiedcrte Anna Boleyn bestimmt.
Suffolk erstaunte. „Haftet Ihr das Glück, welches Cäcilie Latimer vielleicht mit ihrem Leben und sicher mit ihrer Ehre zahlte, für so groß, daß Ihr auch diese dafür opfern wollte?"
„Suffolk", erwiedcrte Anna mit stolzem Lächeln, „Ihr kennt mich wenig, solch' Opfer bring' ich nicht. Nur die Krone im Haar ruht Anna Boleyn in Heinrichs Arm!
Ministers wird nicht auf sich warten lassen. Der Rücktritt des Ministers Falk beruht auf einem längst gereiften Entschluß des Ministers. Die „Nat.-Ztg." giebt darüber heute einige Andeutungen, welche in soweit wenigstens jedenfalls richtig sind, als sie einerseits den Zusammenhang des Entschlusses in den wirthschaftlichen Fragen entschieden in Abrede stellen und andererseits constatiren, daß zwischen Falk und dem Reichskanzler auch in Bezug auf die Fragen des speziellen Ressorts des Ministers und besonders in Betreff der bisherigen Verhandlungen mit der Kurie keine Meinungsverschiedenheiten bestehen. In der Thal hat der Kultusminister noch neuerdings sein völliges Einverständniß mit der Behandlung dieser Frage zu erkennen gegeben. Minister Falk scheidet auch aus seiner bisherigen Stellung unter den Zeichen fortgesetzter vollster Achtung und Anerkennung seitens des Kanzlers. Daß der Zolltarif und der Franckenstein'sche Antrag nicht der Grund des Rücktritts sind, wird vermuthlich auch das weitere Verhalten Falks im Reichstag bethätigen. Auch in Bezug auf Friedenthal gilt es als feststehend, daß er ein Kompromiß auf Grund des Franckenftein'schen Antrages, fall« er zu Stande käme, nicht mißbilligen, sondern vielmehr dafür stimmen würde. Es konnte daher mit vollstem Rechte der in der gesamutten liberalen Presse vertretenen Meinung, daß die Minister- Demissionen durch den Franckenstein'schen Antrag herbeigeführt worden seien, widersprochen werden. Auch die Behauptung, daß die drei Minister völlig solidarisch vorgegangen seien und weiter vorgehen wollen, ist unbegründet; eine solche Solidarität hat von vorn herein nicht ftattgc- funden und hätte auch bei der absoluten Verschiedenheit der Motive keinen Sinn.
Ferner wird noch aus Berlin telegraphisch gemeldet: Anlaß zu den Demissionsgesuchen der Minister Hobrecht, Falk und Friedenthal hat in keiner Weise der Franckenstein'sche Antrag gegeben. Der Anlaß zur Demission ist kein gemeinsamer und steht mit den parlamentarischen Verhandlungen in keinerlei Zusammenhang. Minister Falk sprach sich noch nach Einreichung seines Demissionsgesuches dahin auS, daß in der römischen Kirchenfrage nichts vorgekommen fei, was er nicht gewußt und nicht gebilligt hätte.
Die Verhandlungen wegen Uebernahme der drei erledigten Ministcrposten nähern sich ihrem Abschlüsse. Die Ernennungen werden unmittelbar erwartet.
Als Finanzminister gilt als designirt der Unterftaats- secretär im Ministerium des Innern, Bitter, als Kultusminister der Oberpräsident von Schlesien, v. Puttkamer; für das Ministerium der Landwirthschast scheint die Entscheidung zwischen v. Seydewitz und Lucius noch aus- zustehen.
— Ihr staunt? — schüttelt zweifelnd Euer Haupt? Hat Euch Maria von Lancaster nicht bewiesen, daß Frauentugend höher in unseren Herzen steht, als Frauenliebe? — Berichtet Eurem König, was ich Euch eben gesagt, und er
wird weniger darüber staunen, als Ihr."
„Was seht Ihr so milleidsvoll auf mich, Suffolk?" fragte sie nach kurzem Schweigen. „Bin ich deshalb zu beklagen, weil mich dieser edle Stolz vor bet Schwäche meines Herzens bewahrt? — Was ist cs, daß Euer Mitleid für mich erregt? Dieser theilnehmcndc Blick ist mir an Euch fremd."
„Laßt uns davon schweigen," erwicderte Suffolk, „überlaßt Euer Schicksal der Zeit;' meine Theilnahme vermag nicht« daran zu ändern."
„Redet, ich bitte Euch," sagte Anna, „hab' ich Euch auch nie geliebt, hat doch Euer edles Handeln Euch stets meine Achtung erworben. Sagt mir offen, was Ihr für mich fürchtet."
„Anna," erwicderte Suffvlk, „Heinrichs Geliebte zu fein, ist ein glücklichere« Loos, als das Loos seiner Gattin, den Thron mit ihm zu lheilen."
„Ja, als da« Loos Katharinas von Spanien, dieser kalten, längst Verblühten," unterbrach ihn das Fräulein.
„Auch Ihr werdet verblühen, Anna!" fuhr Suffoll fort, „unv dem Auge des Gatten wird die Frische dieser Lippen, die Gluth dieser Augen, die Rosen dieser Wangen früher vergehen, als dem Auge des Geliebten. — Dock noch lebt Katharina, und rief der Himmel die Dulderin ab, läge doch noch eine unübersteigliche Kluft zwischen Enreir Wunsch und dessen Erfüllung."
„Und Ihr selbst suchtet sie wohl noch zu erweitern?' fragte Anna.
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